Anzeige

Neuer Twitter-Absturz: Die Werbeerlöse gehen erstmals zurück

Twitter-CEO Jack Dorsey
Twitter-CEO Jack Dorsey

Neue Quartalszahlen, altes Bild: Twitter stürzt auch nach Vorlage seines neuen Zahlenwerks krachend ab. Im vierten Quartal des vergangenen Jahres konnte der angeschlagene 140-Zeichen-Dienst seinen Umsatz um gerade noch ein Prozent steigern, musste aber erstmals in seiner elfjährigen Unternehmensgeschichte sinkende Anzeigenerlöse hinnehmen. Wegen Abschreibungen und Restrukturierungskosten haben sich die Verluste fast verdoppelt. Die Wall Street reagiert fassungslos und straft Twitter um 13 Prozent ab.

Anzeige
Anzeige

Für 24 Stunden schien ein Hoffnungsschimmer an der Wall Street aufflackern: Sollte Twitter wegen der neuen Aufmerksamkeit, die US-Präsident Trump dem angeschlagenen 140-Zeichen-Dienst durch seine exzessive Tweeterei beschert, das Comeback gelingen?

Diese These hatte gestern der BTGI-Analyst Richard Greenfield aufgestellt und erklärt: „Trump ist für Twitter, was Roosevelt für das Radio war. Es ist unverkennbar, dass Trump Twitter in den globalen Zeitgeist gestoßen hat“.

Allein: In Dollar und Cent war von einem „Trump Bump“ in den finalen Monaten der US-Wahl und der Übergangsperiode noch nicht zu sehen. Zwar konnte der Kurznachrichtendienst seine stagnierende Nutzerzahl um immerhin 2 Millionen Mitglieder, die international verbucht wurden, auf nunmehr 319 Millionen steigern.

Der Umsatz stagniert

Unterm Strich entwickelten sich die Geschäfte für Twitter jedoch weiter beunruhigend. Das Umsatzwachstum ist im elften Jahr der Geschäftstätigkeit weitgehend zum Erliegen gekommen: Die Erlöse  konnten lediglich noch um 1 Prozent von 710 auf 717 Millionen Dollar gesteigert werden. Die bereits reduzierten Erwartungen der Wall Street von 740 Millionen Dollar wurden damit allerdings deutlich verfehlt.

Schlimmer noch: Das mit Abstand wichtigste Geschäftsfeld, die Werbeerlöse, entwickelten sich mit einem Minus von 3 Millionen auf nur noch 638 Millionen Dollar erstmals in der Konzerngeschichte rückläufig. Auf dem Heimatmarkt USA betrug das Anzeigenminus sogar bereits 7 Prozent auf 382 Millionen Dollar – und das ausgerechnet in jenem Quartal, in dem Hoffnungsträger Donald Trump US-Präsident wurde.

Der Hoffnung auf einen „Trump Bump“ entzog Finanz- und Operativchef Anthony Noto dann auch noch das Fundament: „Es ist für eine Person sehr schwierig, für nachhaltiges Wachstum zu sorgen“, erklärte Noto in der anschließenden Telefonkonferenz.

Anzeige

Verluste auf 167 Millionen Dollar ausgeweitet

Noch alarmierender: Der chronisch defizitäre 140-Zeichen-Dienst musste wegen Restrukturierungskosten und Abschreibungen – Konzernchef Jack Dorsey hatte im letzten Quartal 9 Prozent der Belegschaft gefeuert und den gefloppten Kurz-Video-Dienst Vine geschlossen – fast eine Verdopplung der Verluste auf nunmehr ein Minus von 167 Millionen Dollar eingestehen.

Operativ hat Twitter nach Non-GAAP-Bilanzierungstandard 119 Millionen Dollar bzw. 16 Cent je Anteilsschein verdient und konnte damit immerhin die Analysenerwartungen überbieten.

Anleger waren indes von der Bilanz und den fehlenden Wachstumsperspektiven hinreichend bedient und schickten die Twitter-Aktie zu Handelsbeginn an der Wall Street schnell wieder um 13 Prozent auf nur noch rund 16 Dollar nach unten.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige