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Die Woche im Zeichen der US-Politik: deutsche Chefredakteure über ihre Trump-Cover

Trump als „Schattenmann der Weltpolitik“ (Christian Krug, r.) und Berichterstattung über ihn „ohne Zorn und Eifer“ (Sabine Rückert, l.): Der US-Präsident ist Top-Thema in den Medien
Trump als "Schattenmann der Weltpolitik" (Christian Krug, r.) und Berichterstattung über ihn "ohne Zorn und Eifer" (Sabine Rückert, l.): Der US-Präsident ist Top-Thema in den Medien

Morgen ist Donald Trump gerade Mal drei Wochen im Amt und produziert seither Schlagzeile um Schlagzeile. Seit dem Spiegel-Cover vom vergangenen Samstag debattiert die Branche über die Haltung der Medien gegenüber dem US-Präsidenten. MEEDIA hat deutsche Magazin-Blattmacher zu ihren Titelmotiven gefragt. Ergebnis: Trump ist Thema Nummer eins, der Zugang dazu ist allerdings sehr unterschiedlich.

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Christian Krug, Chefredakteur des stern: „Die ersten Dekrete Trumps betreffen eben nicht nur Amerika. Sondern es hat sich schnell gezeigt, dass Trumps Politik Auswirkungen auf die ganze Welt hat. Deswegen haben wir uns entschieden, ihn wie den Schattenmann der Weltpolitik erscheinen zu lassen. Er hat etwas Diabolisches und Undurchdringliches. Und er hat die Macht, den Planeten zu erschüttern. Dieser Trump-Titel ist der siebte Titel der vergangenen 12 Monate. Keinem Politiker hat der stern in den letzten Jahren so viele Titel gewidmet.“


Sabine Rückert, stellvertretende Chef-Redakteurin die Zeit und innerhalb der Chefredaktion zuständig für Titelgeschichten: „Der Präsident Trump ist ein absolutes Novum. Wie mit ihm umzugehen ist, treibt nicht nur die Amerikaner um, sondern ebenso die Menschen in Deutschland und Europa. Trump ist ein Phänomen, das die Gesellschaft der USA spaltet, daher berichten wir in dieser Woche an prominenter Stelle – dem Titel – über ihn und den Widerstand gegen ihn. Wir tun es „sine ira et studio“, ohne Zorn und Eifer. Präsident Trump hat der Presse zwar den Krieg erklärt, wir nehmen die Kriegserklärung aber nicht an: Deshalb spricht unsere Titelzeile den Leser nicht im Imperativ an, sondern im Infinitiv.“

Nikolas Busse, verantwortlicher Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche:
„Trumps Präsidentschaft wird weitreichende Folgen für die gesamte Welt haben. Für ein Land wie Deutschland, das so stark vom Export abhängt, ist seine protektionistische Agenda vielleicht das größte Problem überhaupt. Deshalb befassen wir uns in der Titelgeschichte mit diesem Thema.“

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Philip Grassmann, Chefredakteur des Freitag: „Über Donald Trump ist vieles gesagt worden, über seine Politik weniger. Aber man muss den Mann ernst nehmen. Wir beschäftigen uns deshalb auf dem aktuellen Freitag-Cover mit seiner Ankündigung, die USA wirtschaftlich abzuschotten. Welche Folgen das für uns alle haben kann. Und auf welche Weise man die Globalisierung sinnvoll bändigen kann. Trumps Handelskriege sind jedenfalls der falsche Weg – wie unser Titel zeigt.“

Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer hatte für MEEDIA mit Hinweis auf die laufende Produktion für die Samstagsausgabe kein Statement, äußerte sich diese Woche aber gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters:  „Ich halte das (Spiegel-Cover, Anm. der Red.) gar nicht für so wahnsinnig provokant. Wir zeigen das, worum es geht. Es geht im Moment ja tatsächlich um die Demokratie, um die Freiheit, es geht um Menschenrechte, es geht um die liberale Demokratie so wie wir sie wertschätzen. Donald Trump hat in den ersten zwei Wochen seiner Amtszeit mit diversen Handlungen und Verachtung für die Justiz, Verachtung für die Medien, Verachtung für multilaterale Abkommen und Institutionen bewiesen, dass er die Demokratie ernsthaft bedroht. Das zeigen wir.“

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