Hombach, DWN-Maier und der Spiegel: Wo Correctiv-Chef David Schraven eine Verschwörung wittert

David Schraven, Bodo Hombach, Michael Maier (v.l.)
David Schraven, Bodo Hombach, Michael Maier (v.l.)

David Schraven, Herausgeber bei dem gemeinnützigen Recherchebüro Correctiv, hat in einem Text über Übergriffe und versuchte Einflussnahmen berichtet. Dabei erhebt er auch Vorwürfe gegen Michael Maier, Herausgeber der Deutschen Wirtschafts Nachrichten. Dieser habe versucht, mit Druck und Drohungen die Berichterstattung von Correctiv zu beeinflussen und sich sogar des Nachrichtenmagazins Spiegel bedient. Ein merkwürdiger Vorwurf.

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Unter der Überschrift „Futter für AfD-Wähler“ befasst sich Correctiv mit sieben ausgewählten Medien, die die so genannte „Neue Rechte“ bedienen würden. Mit dabei sind die üblichen Verdächtigen wie der Kopp-Verlag, die Junge Freiheit oder Compact. In einem Absatz werden weitere Medien erwähnt, die man „rechts liegen lassen“ müsse – wohl aus Platzgründen. In dieser Aufzählung finden sich u.a. Tichys Einblick, die Epoch Times und auch die Deutschen Wirtschafts Nachrichten (DWN).

Michael Maier, Kopf der DWN, war 1999 mal für ein halbes Jahr Chefredakteur des stern und später lange Chefredakteur der deutschen Ausgabe der Netzeitung. Den von ihm herausgegebenen „Deutschen Wirtschafts Nachrichten“ wurde schon des öfteren ein alarmistischer bis hysterischer Ton und Stimmungsmache vorgeworfen. Maier fühlte sich offenbar durch die Nennung seines Mediums in einem Artikel über Medien der „Neuen Rechten“ bei Correctiv diffamiert. Wie Schraven schreibt, wandte sich Maier mit einer Mail an die Brost-Stiftung und deren 2. Vorsitzenden Bodo Hombach. „Ich bitte Sie, ihren Einfluss geltend zu machen, damit die Diffamierung umgehend gelöscht wird“, zitiert Schraven aus Maiers Mail. Die Brost-Stiftung ist der Haupt-Geldgeber von Correctiv. Hombach war bis zum Mai 2016 auch Vorsitzender des Ethik-Rats bei Correctiv. Er habe dieses Amt niedergelegt, weil er nicht wollte, dass seine Arbeit bei der Brost-Stiftung mit Correctiv verquickt werde, so Schraven.

Als Hombach sich weigerte, „seinen Einfluss geltend zu machen“, habe ihm Maier dies geschrieben: „Sie haben selbst ja bei unserem Treffen (ich war damals STERN-Chefredakteur) vor vielen Jahren in Ihrem Haus in Mülheim darauf hingewiesen, wie verheerend es sein kann, wenn man Opfer einer Diffamierung ist.“

Schraven interpretiert dies als Drohung:

Um die Drohung zu verstehen, muss ich ein wenig ausholen. Als Michael Maier für wenige Monate Chefredakteur des „Stern“ war, trieben Redakteure unter seiner Anführung eine Berichterstattung gegen Bodo Hombach voran, die mit Hilfe von Verleumdungen rund um dessen Haus in Mülheim operierte. Bei dem Bau des Heimes soll es nicht mit rechten Dingen zugegangen sein. Der Konzern VEBA habe das Haus Hombachs teilweise bezahlt.

Es war Ende der 90er Jahre, dass die Vorwürfe gegen Hombach wegen der Finanzierung seines Hauses in Mülheim großes Medienthema waren. Freilich nicht nur beim stern und nicht nur vom stern „vorangetrieben“. Damals ermittelte die Staatsanwaltschaft Bochum. Hombach stand im Verdacht, Dienstleistungen des VEBA-Konzerns für seinen finanziell aus dem Ruder gelaufenen Hausbau gratis in Anspruch genommen zu haben. Hombach gab damals seinen Posten als Kanzleramtsminister auf und wurde als EU-Sonderbotschafter für Südosteuropa nach Brüssel entsandt.

Die Ermittlungen in der VEBA-Sache führten letztlich zu nichts, und selbst wenn man dem Bauherrn strafrechtlich etwas hätte anhängen können, wären die Vorwürfe wohl verjährt gewesen. Wie auch immer: Hombach konnte Rechnungen für die VEBA-Dienstleistungen präsentieren. Ein Gutachten der VEBA Nachfolgefirma Viterra kam zum Ergebnis, dass ihm in der Sache nichts vorzuwerfen war.

Warum nun der Rückgriff auf diese alte Geschichte? Nun, David Schraven meint offenbar einen Zusammenhang zwischen der Mail Maiers an Hombach und einem aktuellen Spiegel-Artikel zu erkennen, der sich erneut mit Hombachs altem Haus befasst. Der Spiegel hat in seiner aktuellen Ausgabe in dem Text „Ärger um Hombachs altes Haus“ aufgeschrieben dass ausgerechnet die Brost-Stiftung das frühere Hombach Haus in Mülheim gekauft hat, und zwar zu einem überaus günstigen Schnäppchenpreis. Bei Schraven liest es sich nun so, als sei der neue Spiegel-Artikel eine Art Retourkutsche für die Weigerung, den Verweis auf die DWN aus dem Correctiv-Artikel zu nehmen. Aber welchen Einfluss sollte ein Michael Maier denn auf den Spiegel haben? Der Spiegel Text stammt von gleich vier namhaften Autoren: Jürgen Dahlkamp, Markus Feldenkirchen, Gunther Latsch und Jörg Schmitt, die erkennbar detailliert recherchiert haben. Den Zusammenhang, den Schraven offenbar sieht, ist, dass Co-Autor Jörg Schmitt beim stern war als Maier dort Chefredakteur war. Der Correctiv-Macher weist darauf hin, ohne Schmitt namentlich zu erwähnen.

Auf Nachfrage beim Spiegel heißt es nur: „Herr Maier ist nach unserem Wissen weder mittelbar noch unmittelbar die Quelle. Der Spiegel hat seit Jahren keinen Kontakt mehr zu ihm.“ Schraven sagt gegenüber MEEDIA: „Wer dem Spiegel die Infos gegeben hat, weiß ich nicht, ist mir auch egal. Und so habe ich es geschrieben. Bodo Hombach hat viele Feinde.“ Etliche Stiftungen und Partner von Correctiv würden aber von einem altem Buddy eines Spiegel-Reporters angeschrieben und belästigt. Dieser Buddy sei Maier, so Schraven. Der Correctiv-Publisher findet, dass der Spiegel in seiner aktuellen Geschichte „etliche Vorwürfe“ wiederholt, dabei aber vergisst zu erwähnen, „dass die alten Vorwürfe komplett vom Bundesgerichtshof widerlegt waren“. Wobei die Entscheidung des Bundesgerichtshofs sich auf einen Zitate-Streit zwischen Hombach und dem Sohn des Chefs der österreichischen Krone-Zeitung, Michael Dichand bezog und nicht auf die alten Mauschelei-Vorwürfe als solche. Ein Detail, das Schraven wiederum nicht erwähnt. So richtig sauber scheint das nicht recherchiert bzw. aubereitet, aber man darf auch nicht vergessen: In dieser Sache ist Schraven ja auch Partei.

Der aktuelle Spiegel-Artikel ist eine ebenso komplizierte wie interessante Geschichte über Verbindungen der so genannten Hannover-Connection, und es werden viele Fragen aufgeworfen, die die Brost-Stiftung nicht zufriedenstellend beantwortet. Vor allem, warum die Stiftung eine Luxus-Immobilie kauft, die ihr 2. Vorsitzender Hombach mal bauen ließ und die eine – sagen wir mal – problematische Vorgeschichte hat. Schraven findet das „an den Haaren herbeigezogen“. Wirklich? Das ist eine bemerkenswerte Haltung für einen investigativen Journalisten. Zumal der Kaufpreis mit lediglich 495.000 Euro erstaunlich günstig ausfiel, und man schon Phantasie entwickeln könnte, was langfristig mit einer Wohnimmobilie im Stiftungsbesitz geschehen könnte, die einer ihrer Vorstände mal für sehr viel Geld nach seien Wünschen bauen ließ und die dieser einst in einer finanziellen Notlage veräußern musste.

Dass Michael Maier sich mit Mails bei den Geldgebern von Correctiv über einen Artikel beschwert, ist vielleicht nicht die feine Art, aber keine besonders ungewöhnliche Vorgehensweise. Ebenso wenig, dass er sich „diffamiert“ sieht, wenn sein Medium ins rechtspopulistische Licht gerückt wird, sofern er selbst es dort nicht verortet. Dass David Schraven hier sofort einen Art Anti-Correctiv-Verschwörung unter Zuhilfenahme des Spiegels am Werk sieht, ist da schon ungewöhnlicher. Es sagt jedenfalls viel über die momentane Gereiztheit in der Branche aus.

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Alle Kommentare

  1. Nehmen die sich eigentlich noch selber Ernst?
    Wie heißt es auf der Startseite so schön: „Unabhängiger Journalismus braucht unabhängige Finanzierung“, um dann nur tendenziös und einseitig zu berichten.
    Ich lach mich kaputt. Correctiv braucht kein Mensch! Allein beim Namen wird mir schlecht!

  2. „Es sagt jedenfalls viel über die momentane Gereiztheit in der Branche aus.“

    Das correctiv der ‚Branche‘ zugeordnet wird sagt sehr viel über das Selbstverständnis des Autors aus. Fällt doch correctiv immer wieder mit fakenews auf.

  3. Eine parteiische Stiftung soll über Nachrichten wachen. Prost Mahlzeit. Außerdem schon die Ästhetik: Herr Schraven läuft herum wie ein DKP-Astavertreter. Und wer sich selbst als überlegenes ‚Korrektiv‘ sieht, ist größenwahnsinnig. Schade nur, dass man denen ‚höherenorts‘ Macht einräumt. Ich hoffe Herr Schraven kann sich auf eine lange ungemütliche Zeit einstellen.

  4. Versucht Herr Schraven hier, Politik zu machen? Ist er nicht eher in seiner Funktion bei Correctiv dafür da, im Hintergrund nach ausufernden fake news zu fahnden?
    Statt dessen diffamiert er Medien und medienmacher, die ihm offenbar persönlich widerstreben. Und er geht laut an die Öffentlichkeit, wo er doch selbst gar kein Medium sei will, sondern eine Art Filter. Spätestens an dieser Stelle hat sich die Idee Correctiv bereits selbst zerlegt und sollte wieder verworfen werden.

  5. sagt nicht der Name „Correctiv“, die Selbstbeschreibung ihres Tuns und die behauptete „Gemeinnützigkeit“- ist wohl wegen Geldgebern…
    das kann nur ein Zensur- bzw. Belehrungsversuch sein…

  6. Correctiv geht nicht…….dann müsst ihr genauso die Süddeutsche, Die Zeit und BILD wegen ihrer Berichterstattung schecken….z.B die ganzen nato Lügen die aus think tanks lanciert werden….jeder weiss das die CIA, Victoria Nuland….in der Ukraine einen Umsturz angezettelt haben wohlgemerkt gegen eine demokratische Regierung (auch wenn die korupt wahr)

    Correctiv ist ein billiger Versuch gegen die alternativen Medien anzustinken…..die werden sich das aber nicht bieten lassen….die können nämlich im Grunde genauso ein Verein gründen.

    Ist doch albern…..das ganze…..im Grundgesetz steht…..eine Zensur findet nicht statt…..also versucht es auch nicht.

  7. Lange Rede kurzer Sinn, Correctiv ist nicht gemeinnützig und auch nicht unabhängig. Und mindestens genauso schlimm finde ich das Niveau dieser „Recherche“ über die neuen Rechten. Wenn oben schon compact und Kopp mit Ken.fm in einen Topf geworfen werden, dann sollten die ihr „Recherchebüro“ doch besser dicht machen. Aber bei so einflussreichen Geldgebern geht das womöglich nicht so leicht. Achja, ich vergass, dieser Verein soll ja jetzt auch noch entscheiden was FakeNews sind. Na vielen Dank!

  8. Typische Tour von Maier: Er wendet sich, wenn er an einer Berichterstattung etwas zu kritisieren hat, nie an den Redakteur, der den Text geschrieben hat, sondern geht immer an seinen Vorgesetzten bzw. Geldgeber, um von oben Druck auszuüben.

    Das finde ich unter Journalisten charakterschwach.

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