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Digitaler Konter gegen Fußball Bild: Madsacks Sportbuzzer pfeift Angriff auf Springer & Co. an

Marco Fenske leitet die neue Sport-Gruppe bei Madsack
Marco Fenske leitet die neue Sport-Gruppe bei Madsack

Neue Taktik in Hannover. Die Madsack Mediengruppe richtet ihre Sportberichterstattung neu aus. Künftig sollen alle Fußballinhalte der Medienmarken digital komplett und exklusiv auf der Online-Plattform Sportbuzzer stehen. Geplant ist hier auch ein innovatives Fußball-Web-Format. Im MEEDIA-Interview erklärt Marco Fenske, Sportkoordinator des Redaktionsnetzwerks Deutschlands, wie er damit den Sportbuzzer in der Top 10 der deutschen digitalen Sportangebote etablieren will.

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Herr Fenske, Sie planen, die Sportredaktionen der beiden Madsack-Flaggschiffe Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ) und Neue Presse (NP) in einer eigenen Redaktionseinheit auszugliedern. Ihr Konkurrent Axel Springer hat hingegen jüngst die täglich erscheinende Fußball-Zeitung Fußball Bild gestartet. Er setzt darauf, die Sportberichterstattung zu regionalisieren. Fürchten Sie, dass sich der Angriff des Berliner Medienkonzerns negativ auf die Auflagen der HAZ und Neue Presse auswirkt?
In den vergangenen Jahrzehnten haben immer wieder Verlage überlegt, ob sie in Deutschland eine tägliche Fußball-Zeitung auf den Markt bringen. Bislang hat es keiner gewagt. Jetzt zeigt Axel Springer den Mut, unter der Marke Bild den Schritt zu gehen. Dafür gibt es sicher gute Gründe. Ich finde das klasse und drücke die Daumen. Damit tritt zwar ein neuer Wettbewerber an. Doch die Madsack Mediengruppe fühlt sich mit ihren beiden Platzhirschen HAZ und NP und durch die neue regionale Sport-Unit, die wir in Hannover gründen, mehr denn je so gut aufgestellt, dass wir diesen Angriff, wie Sie ihn nennen, abfedern können – im Übrigen wie auch in den anderen 7 Bundesländern, in denen wir mit unseren Regionalzeitungen vertreten sind. Zumal auch abzuwarten bleibt, wie tief die Fußball-Bild wirklich regionalisieren will, kann und wird. Ich gehe nicht davon aus, dass die Auflagen unserer Titel unter dem neuen Ableger aus der Bild-Gruppe leiden.

Der Markt der Sportberichterstattung wird nicht nur durch das neue Springer-Produkt wettbewerbsintensiver. Zunehmend treten auch Digitalangebote wie das Amateurfußball-Portal Fußball.de oder fupa.de an. Verschärft dies nicht den Konkurrenzdruck fürs Gedruckte?
Die größte Aufgabe aller Verlage, uns natürlich eingeschlossen, ist: Wir müssen es schaffen, die Auflagen unserer Tageszeitungen zu stabilisieren und gleichzeitig neue Leser gewinnen, die wir mit den klassischen Printprodukten – und so ehrlich müssen wir sein – vielleicht nie wieder erreichen werden. Besonders schwierig ist es heute, junge Menschen für ein Tageszeitungs-Abo zu gewinnen. Für diese jüngere Zielgruppe verfolgt Madsack eine Vertical-Strategie. Im Fußball bauen wir in dem Zuge mit dem Sportbuzzer ein frisches digitales Fußball-Portal auf. Mit einem neuen siebenköpfigen Team.

Ist der Aufbau des Web-Portals abgeschlossen?
Wir haben im vergangenen Jahr damit begonnen, das Portal komplett zu erneuern: technisch und optisch. Wir machen dies gemeinsam mit der Firma Deltatre, die unter anderem auch die Webseiten für die Fifa und die Uefa betreut. Solch eine Portalentwicklung ist ein Prozess, der nie endet. Einen ersten „fertigen“ Stand aber haben wir im Frühjahr.

Wird sich inhaltlich etwas ändern?
Die neue Strategie ist, dass alle Fußballinhalte unserer Medienmarken digital künftig komplett und exklusiv auf dem Sportbuzzer stehen. Von Leipzig über Hannover und Lübeck bis Wolfsburg – wir schaffen mit dem Sportbuzzer ein großes Zuhause für den Fußball: regional und überregional. Von der Kreisliga bis zur Champions League. Unser großes Ziel: Wir möchten den Sportbuzzer in der Top 10 der deutschen digitalen Sportangebote etablieren. Da Madsack als Gesamtgruppe agiert, haben wir gute Chancen dieses Ziel zu erreichen.

Verlieren Sie hierdurch nicht an Reichweite auf den Online-Seiten von HAZ und NP?
Wir verlieren diese Fußball-Reichweite ja nicht! Wir ziehen sie zusammen, an einer zentralen Stelle. Wir fahren die gesamte Fußballberichterstattung all unserer Titelportale auf dem Sportbuzzer. Auf den einzelnen Portalen wird es Teaser geben, die per Klick auf den Sportbuzzer führen. Durch diese thematische Konzentration und durch die Linkpower, die wir mit all unseren Zeitungsportalen entwickeln, erhoffen wir uns ein sehr schnelles Reichweitenwachstum.

Sind Exklusivinterviews mit Fußball-Größen nur noch auf dem Sportbuzzer zu lesen?
Nein, natürlich nicht. Wie gesagt: Wir müssen digital wachsen und gleichzeitig Print stabilisieren – das geht in erster Linie mit Premium-Content. Führen wir beispielsweise ein großes Exklusivinterview einem Fußballboss, erscheint dies in voller Länge weiterhin zuerst in der gedruckten Zeitung.

Setzen Sie beim Sportbuzzer auch auf Randsportarten?
Die technischen Voraussetzungen, die Berichterstattung auf andere Sportarten auszuweiten, wären gegeben. Derlei Pläne gibt es indes nicht. Aktuell richtet sich der Sportbuzzer an Fußball-Fans. Wir beginnen auf der Plattform mit Deutschlands Sportart Nr. 1: dem Fußball.

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Zeigen Sie auf dem Sportbuzzer Bewegtbilder?
Bewegbildinhalte sind ein wichtiger Baustein. Schon bald können User eigene Videos benutzerfreundlich hochladen, eine entsprechende App ist in Arbeit. Dreht ein Zuschauer am Kreisligaplatz mit seinem Handy eine Videosequenz, kann er das Video innerhalb von wenigen Sekunden auf dem Sportbuzzer publizieren und seinen eigenen Text dazu schreiben. Damit bauen wir die Webseite zu einem großen Mitmach-Portal aus.

Die Madsack Mediengruppe verfügt mit TVN über eine eigene Fernsehtochter. Ist hier eine Zusammenarbeit mit dem Sportbuzzer geplant?
Ja, tatsächlich. Wir planen mit TVN ein Fußball-Web-TV-Format, das es in der Form noch nicht gibt. Da auch andere Partner an Bord sind, kann ich dazu leider mehr noch nicht sagen. Nur so viel: Wir befinden uns in der finalen Konzeptionsphase. Geplant ist eine erste Pilotsendung noch in der Rückrunde der Fußball-Bundesliga.

Wie stark ist Madsacks Hannover Sport-Unit personell ausgestattet?
Sie besteht aus drei Geschäftsführern: Bodo Krüger als Chefredakteur der Neuen Presse, Günter Evert als Verlagsleiter und mir als Sportkoordinator der Mediengruppe und Geschäftsführer vom Sportbuzzer. Operativ leiten wird die Einheit Carsten Bergmann, bisher Redakteur im Redaktionsnetzwerk Deutschland. Zudem kümmern sich die 16 Redakteure, die bisher bei NP, HAZ oder den Heimatzeitungen angestellt waren, aus einem Team heraus am Standort Hannover um regionalen und lokalen Sport. Die Einheit wird als eigene Gesellschaft geführt.

Der Betriebsrat der zur Madsack Mediengruppe gehörenden Neuen Presse hält den Aufbau der neuen Sport-Unit für einen großen Fehler. Er bezeichnet die Maßnahme als „publizistische Selbstentleibung“. Der Grund: Bereits heute liefert das RND Redaktionsnetzwerk Deutschland die gleichen Seiten mit überregionalem Sport an die hannoverschen Schwesternzeitungen. Künftig unterscheide sich durch die neue Einheit der regionale Sport in den jeweiligen Titeln nicht mehr wesentlich voneinander, lautet der Vorwurf. Ist dies so?
Die Madsack Mediengruppe hat mit dem RND eine journalistische Einheit geschaffen, die zweierlei schafft: Zum einen eine journalistische Qualität, die ein einzelner Titel für sich kaum liefern kann und gleichzeitig genügend Flexibilität im Tagesgeschäft für die jeweiligen Chefredakteure der angeschlossenen Titel, um eigene Themen im Mantel zu setzen oder bei Bedarf regional einzufärben.  Dieses Konzept von Qualität und Flexibilität übertragen wir nun auch auf unsere Sport-Unit. Madsack setzt auf Sport und investiert in den Sport. So sind wir zum Beispiel aktuell sogar auf der Suche nach weiteren digitalen Sportredakteuren, zuletzt haben wir drei neue Kollegen eingestellt. Wir werden schärfer denn je an der Unterscheidbarkeit zwischen HAZ und NP feilen – und uns sehr gern daran messen lassen.

Und die Gefahr der „publizistischen Selbstentleibung“?
Nein, dazu sehe ich keinen Anlass. Ich sehe auch nicht die Gefahr, dass die Redaktionen ihre Themenhoheit oder Kompetenz verlieren. Warum denn? Wir beschäftigen alle Sportredakteure weiter, nur in einer anderen Einheit. Und die Themenhoheit liegt weiterhin in der Hand des jeweiligen Chefredakteurs. Das RND ist der beste Beweis, dass das Konzept funktioniert.

Die neue Gesellschaft ist nicht tarifgebunden. Sind die Journalisten hier langfristig schlechter gestellt?
Um es in aller Deutlichkeit zu sagen: Die neue Sport-Unit in Hannover ist kein Sparmodell! Es ist richtig, dass die neue Gesellschaft nicht tarifgebunden ist. Aber „nicht tarifgebunden“ heißt doch keineswegs automatisch „arbeiternehmerunfreundlich“. Die Redakteure werden durch die neue Sport-Unit finanziell nicht schlechter gestellt. Es gibt keine Abstriche.

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