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Die wundersame Welt der MA-Zahlen: 21 der 25 größten Zeitschriften gewinnen Leser, obwohl die Branche Käufer verliert

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Erneut werden die Print-Reichweiten, die die Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse agma ermittelt hat, für Erstaunen und wilde Diskussionen sorgen. In Zeiten, in denen die große Mehrheit der Magazine unter schrumpfenden Auflagen leiden, bescheinigt die agma z.B. 21 der 25 Top-Titeln steigende Leserzahlen. So gewinnen stern, Spiegel und Focus zwischen 4,8% und 7,2% hinzu, die Bild am Sonntag 6,5%.

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Deutschlands meistgelesene Zeitschrift bleibt die ADAC Motorwelt. 14,98 Mio. Leser pro Ausgabe ermittelte die agma. Dahinter folgt das Tageszeitungs-Supplement rtv mit 9,45 Mio. Stärkste am Kiosk erhältliche Zeitschrift ist der stern, der sich um 330.000 Leser auf 7,16 Mio. steigert. Auch die beiden anderen Wochenmagazine Spiegel und Focus steigerten sich deutlich: um 350.000 bzw. 310.000 Leser auf 6,79 Mio. und 4,59 Mio.

Der Focus verzeichnet bei einer verkauften Auflage von 480.339 (IVW IV/2016) damit nun rund 9,5 Leser pro verkauftem Heft. Sprich: Der Käufer reicht seinen Focus noch an 8,5 andere Personen weiter. Was beim Focus angesichts von 82.775 in Arztpraxen, etc. ausgelegten Lesezirkel-Heften und 140.347 Bordexemplaren theoretisch noch möglich sein kann, gerät an anderen Stellen der MA-Zahlen mal wieder ins Absurde.

Wir müssen an dieser Stelle – auch wenn es allmählich langweilig wird – mal wieder das Parade-Beispiel Computer Bild Spiele heran ziehen. Die Zeitschrift aus dem Hause Springer verkauft sich laut IVW mittlerweile nur noch 40.021 mal. Fast alle Exemplare werden dabei per Abo und Einzelhandel verkauft, Lesezirkel-Hefte existieren nur 557 pro Ausgabe. Dennoch bescheinigt die agma dem Games-Magazin erneut eine Fabel-Reichweite von 1,63 Mio. Ein gekauftes Computer-Bild-Spiele-Heft erreicht also über 40 (!) Leser. Es muss in Deutschland riesige Computer-Bild-Spiele-Leser-Clubs geben, die ihr wertvolles Magazin gemeinsam studieren. Denn wenn ein Games-Geek das Heft allein liest, muss sich ein anderer irgendwo im Land sein Exemplar ja schon mit 80 anderen teilen. Sie merken: eine absurde Vorstellung.

So lang die agma an ihrem Modell der reinen Abfragung von Marken fest hält, ohne irgendwelche steuernden, realitätsnäheren Faktoren wie die Verkaufszahlen der Blätter mit in die Rechnung einzubeziehen, wird das Problem fort bestehen, die Aussagekraft der Zahlen weiter schrumpfen. Denn: Dass 21 der 25 Top-Zeitschriften Leser GEWINNEN, während 21 der 25 Top-Zeitschriften Käufer VERLIEREN, erscheint einfach wie ein Wunschtraum der Verleger-Szene und nicht wie eine reale Entwicklung.

Besonders deutlich zulegen konnten laut der agma-Berechnungen in der Top 25 tv Hören und Sehen, die Sport Bild und die Bunte. Sie gewannen zwischen 9,9% und 13,5% Leser hinzu. Unter dem Wert der vorigen ma liegen auf diesen 25 Plätzen einzig rtv, Prisma, TV Digital und die Computer Bild.

ma 2017 Pressemedien I: Die Top 50 der Zeitschriften
RW in Mio. 2017-I vs. 2016-II
1 ADAC Motorwelt 14,98 0,09 0,6%
2 rtv 9,45 -0,50 -5,0%
3 stern 7,16 0,33 4,8%
4 tv14 6,96 0,28 4,2%
5 Der Spiegel 6,79 0,35 5,4%
6 Bild der Frau 6,05 0,24 4,1%
7 Prisma 5,61 -0,36 -6,0%
8 TV Movie 5,28 0,37 7,5%
9 TV Spielfilm 5,11 0,37 7,8%
10 Sport Bild 4,98 0,45 9,9%
11 Focus 4,59 0,31 7,2%
12 Bunte 4,31 0,39 9,9%
13 TV Digital 3,84 -0,02 -0,5%
14 Hörzu 3,76 0,04 1,1%
15 tv Hören und Sehen 3,54 0,42 13,5%
16 Auto Bild 3,53 0,10 2,9%
17 Geo 3,32 0,20 6,4%
18 Gala 3,21 0,02 0,6%
19 kicker-sportmagazin 3,20 0,20 6,7%
20 Brigitte 2,91 0,15 5,4%
21 Computer Bild 2,67 -0,04 -1,5%
22 tina 2,54 0,11 4,5%
23 auto motor und sport 2,53 0,13 5,4%
24 Superillu 2,50 0,04 1,6%
25 Neue Post 2,34 0,12 5,4%
Quelle: ma 2017 Pressemedien I / Tabelle: MEEDIA

Auf den Rängen 26 bis 50 ging es für die Für Sie um 12,3% nach oben, für Glamour um 14,8%. Glamour büßte bei der verkauften Auflage jüngst übrigens 16% gegenüber dem Vorjahr ein. Auch ein Beispiel für wundersame Reichweitenentwicklungen. Ebenfalls dick im Plus: die aktuelle, TV Today und essen&trinken. Deutlich verloren hat hier Chip, zudem Computer Bild Spiele und InStyle.

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ma 2017 Pressemedien I: Die Top 50 der Zeitschriften
RW in Mio. 2017-I vs. 2016-II
26 Mein schöner Garten 2,29 0,15 7,0%
27 Freuizeit Revue 2,21 0,01 0,5%
28 auf einen Blick 2,11 -0,04 -1,9%
29 TVdirekt 1,99 -0,03 -1,5%
30 die aktuelle 1,98 0,17 9,4%
31 freundin 1,90 0,00 0,0%
32 Für Sie 1,82 0,20 12,3%
33 Chip 1,79 -0,26 -12,7%
34 Fernsehwoche 1,74 0,12 7,4%
35 Schöner Wohnen 1,74 0,06 3,6%
36 Das goldene Blatt 1,69 -0,07 -4,0%
37 TV Today 1,66 0,15 9,9%
38 Computer Bild Spiele 1,63 -0,13 -7,4%
39 Frau im Spiegel 1,61 0,10 6,6%
40 Cosmopolitan 1,61 -0,04 -2,4%
41 Das neue Blatt 1,59 -0,06 -3,6%
42 Welt der Wunder 1,47 0,04 2,8%
43 Öko-Test 1,45 -0,02 -1,4%
44 Funk Uhr 1,40 -0,01 -0,7%
45 Glamour 1,40 0,18 14,8%
46 Lisa 1,38 -0,03 -2,1%
47 essen&trinken 1,38 0,12 9,5%
48 InStyle 1,35 -0,09 -6,3%
49 National Geographic Deutschland 1,34 0,07 5,5%
50 Petra 1,27 0,02 1,6%
Quelle: ma 2017 Pressemedien I / Tabelle: MEEDIA

Die größten Gewinner nach absoluten Zahlen heißen in der aktuellen ma Sport Bild und tv Hören und Sehen. Sie steigerten sich um jeweils mehr als 400.000 Leser. Auch diese beiden Titel verlieren seit längerer Zeit Käufer um Käufer. Ebenfalls in der Gewinner-Top-Ten dabei: Spiegel, stern und Focus.

ma 2017 Pressemedien I: Die Top-10-Aufsteiger nach Reichweite
RW in Mio. 2017-I vs. 2016-II
1 Sport Bild 4,98 0,45 9,9%
2 tv Hören und Sehen 3,54 0,42 13,5%
3 Bunte 4,31 0,39 9,9%
4 TV Movie 5,28 0,37 7,5%
5 TV Spielfilm 5,11 0,37 7,8%
6 Der Spiegel 6,79 0,35 5,4%
7 stern 7,16 0,33 4,8%
8 Focus 4,59 0,31 7,2%
9 tv14 6,96 0,28 4,2%
10 Bild der Frau 6,05 0,24 4,1%
Quelle: ma 2017 Pressemedien I / Tabelle: MEEDIA

Zu den Verlierern gehören rtv, Prisma und Chip, aber auch die GQ, die um satte 31,9% nach unten rauschte.

ma 2017 Pressemedien I: Die Flop-10-Absteiger nach Reichweite
RW in Mio. 2017-I vs. 2016-II
1 rtv 9,45 -0,50 -5,0%
2 Prisma 5,61 -0,36 -6,0%
3 Chip 1,79 -0,26 -12,7%
4 Das Haus 1,15 -0,22 -16,1%
5 GQ 0,47 -0,22 -31,9%
6 Gong 1,04 -0,18 -14,8%
7 Men’s Health 0,87 -0,14 -13,9%
8 Freizeitwoche 0,59 -0,14 -19,2%
9 Computer Bild Spiele 1,63 -0,13 -7,4%
10 tv pur 1,21 -0,12 -9,0%
Quelle: ma 2017 Pressemedien I / Tabelle: MEEDIA

Mindestens interessant ist auch die Entwicklung bei den Wochen- und Sonntagszeitungen: Die Bild am Sonntag, die jüngst 10,8% ihrer verkauften Auflage des Vorjahres verlor und im vierten Quartal 2016 erstmals seit den 1950er-Jahren unter die Mio.-Marke fiel, gewann sagenhafte 550.000 Leser hinzu und liegt nun bei 9,05 Mio. Lesern pro Ausgabe, also rund zehn Lesern pro verkaufter Zeitung. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung hingegen büßte satte 28,4% ein und wird nun nur noch von weniger als zwei Leuten pro verkaufter Zeitung gelesen.

ma 2017 Pressemedien I: Wochen- und Sonntagszeitungen
RW in Mio. 2017-I vs. 2016-II
1 Bild am Sonntag 9,05 0,55 6,5
2 Die Zeit 1,57 -0,14 -8,2
3 Welt am Sonntag 1,03 0,10 10,8
4 Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 0,48 -0,19 -28,4
Quelle: ma 2017 Pressemedien I / Tabelle: MEEDIA
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Alle Kommentare

  1. Vermutlich zählen die MA Zahlen jeden Patienten mit der in den Lesemappen blättert. Da es in den Wartezimmern immer voller wird, genau wie die Warterzonen in vielen Behörden, quält man sich dann lustlos durch diverse Zeitschriften aus der untersten Schublade, die man sonst nicht mit der Kneifzange anfassen würde. Wenn man da jeden mitzählt kommt man schon auf gigantische Zahlen. Die Reichweite erweitert sich durch die Lesemappen enorm.

  2. Eine Detailbetrachtung unter der Berücksichtung der Auflagen ist auf jeden Fall nötig.
    Aber: Bitte den LpE nicht auf Basis der aktuellsten Verkaufsauflage berechnen!

    Der Erhebungszeitaum der ma ist die vergleichbare Basis (d.h. Ø IV. Quartal 2015 – III. Quartal 2016), nicht das aktuellste IVW-Quartal.
    Außerdem ist die verbreitete Inlandsauflage relevant, nicht die Verkaufsauflage. Ich muss den Titel nicht gekauft haben, um ihn zu lesen…

    Beim Focus ändert sich dadurch nicht wirklich was, aber die Aussagen sind stichfester. Und korrekt. ;o)

  3. Readly gibt’s noch nicht so lang, das Problem mit den MA-Zahlen gibt’s schon sehr lang. Zudem hat Readly in Deutschland bei weitem noch nicht so große Nutzerzahlen, dass sich die MA-Zahlen dadurch in die Höhe katapultieren ließen. Und: Titel wie Spiegel, stern, Focus und die meisten anderen gibt’s bei Readly nicht.

    1. Soweit ich weiß kommuniziert Readly doch noch gar keine Nutzerzahlen? 😉

      Und wenn ich die Liste oben mit unserem Portfolio vergleiche, stehen wir fast bei 50%, allerdings tatsächlich (noch) ohne SPIEGEL, stern, oder Focus.

      VG
      Johannes Eversmann – Readly DE

      1. Zumindest haben Sie im April 2016 mal eine Zahl von gelesenen Ausgaben pro Quartal genannt – und die reichte damals definitiv nicht aus, um Leser-Zahlen so dermaßen in die Höhe zu treiben, wie es in den MA-Daten immer wieder zu sehen ist.

  4. Das Beispiel mit der Computer Bild Spiele ist wirklich lustig 🙂 Wobei ich einmal anmerken möchte: Vielleicht sind es auch die Leser von Readly, die für eine höhere Reichweite sorgen. Allerdings erklärt das natürlich längst nicht das Beispiel mit der CB Spiele.

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