Schwächste Zuschauerzahlen seit 2009, aber Marktanteile so stark wie selten zuvor: die komplizierte „Ich bin ein Star“-Zwischenbilanz

Die Kandidaten der elften „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“-Staffel
Die Kandidaten der elften "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!"-Staffel

Die inzwischen elfte Staffel der RTL-Show "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus" zeigt, wie komplex Quoten-Analysen sein können und dass es oft nicht schwarz oder weiß gibt. Die Zwischenbilanz nach der ersten Woche zeigt aber auch erneut das Problem des Privatfernsehens auf: die junge Zielgruppe der Unter-50-Jährigen schrumpft.

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Die Dschungel-Quoten bei den für das Privatfernsehen noch immer wichtigsten 14- bis 49-Jährigen zeigen zwei Tendenzen, die für sich genommen jeweils eindeutig sind – die aber zusammen genommen dennoch extrem widersprüchlich aussehen:

„Ich bin ein Star“ sehen 2017 so wenige 14- bis 49-Jährige wie seit 2009 nicht mehr

Die ersten sieben Ausgaben der RTL-Dschungel-Show kamen in der jungen Zielgruppe auf 3,67 Mio. Zuschauer. Das sind zwar weiterhin so viele wie kaum ein anderes TV-Programm abseits von Fußball-Großereignissen erreicht, aber es sind gleichzeitig so wenige wie seit 2009 nicht mehr. Zum Vergleich: 2016 sahen in der ersten Dschungel-Woche noch 4,05 Mio. junge Menschen zu, auf dem Höhepunkt 2014 waren es sogar 4,75 Mio. Steckt der Dschungel also in der Quoten-Krise? Nicht wirklich, denn:

„Ich bin ein Star“ holt 2017 so gute Marktanteile bei den 14- bis 49-Jährigen wie erst einmal zuvor

Die ersten sieben Ausgaben der elften Staffel erzielten in der jungen Zielgruppe einen Marktanteil von sagenhaften 42,2%. Das ist mehr als 2015 (40,1%) und auch mehr als 2016 (41,2%). Tatsächlich war unter den vorigen zehn Staffel nur eine, die in der ersten Woche erfolgreicher war: die 2014er mit einem Marktanteil von unglaublichen 45,2%. Der Rekord-Durchgang war der mit Melanie Müller, Larissa Marolt, Wilfried Glatzeder und dem Wendler. Alle anderen neun Staffeln lagen unter der aktuellen.

Wie kann es also sein, dass die Zuschauerzahlen schrumpfen, die Marktanteile aber gleichzeitig steigen? Es liegt auf keinen Fall an veränderten Sendezeiten, denn die sieben Ausgaben liefen allesamt genau zu den selben Zeitpunkten – und mit der selben Länge – wie im Vorjahr. Tatsache ist aber auf jeden Fall, dass in den vergangenen sieben Tagen in genau diesen Zeiten am späten Abend deutlich weniger Unter-50-Jährige fern gesehen haben wie an den entsprechenden sieben Tagen im Januar 2016. Anders sind die um 380.000 schrumpfenden Zuschauerzahlen und gleichzeitig steigenden Marktanteile nicht zu erklären.

Ins Spiel kommt an dieser Stelle unsere Analyse zu den „drei dramatischen Entwicklungen für die großen Privatsender“, die wir vor zehn Tagen veröffentlicht haben. Zwei der drei Probleme spielen bei „Ich bin ein Star“ eine Rolle: die Bevölkerungsentwicklung und die Sehdauer. Ob die schrumpfenden Zuschauerzahlen bei den Unter-50-Jährigen aber eher damit zu tun haben, dass die Zahl der 14- bis 49-Jährigen allgemein zurück geht – oder damit, dass die Menschen dieser Altersgruppe derzeit deutlich weniger fern sehen als vor einem Jahr – das ist unklar. Wahrscheinlich spielen beide Faktoren eine Rolle.

Ist „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“ im Jahr 2017 also erfolgloser als in den Vorjahren? Ja! Oder ist „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“ im Jahr 2017 so erfolgreich wie selten zuvor? Ja! Es kommt eben darauf an, ob man die reine Zuschauerzahl oder den Marktanteil betrachtet. Für die Vermarktung jedenfalls ist die Zuschauerzahl wichtiger, denn Preise für Werbespots orientieren sich an den erreichten Menschen und nicht an den erreichten Marktanteilen. Insofern müsste die Zuschauer-Entwicklung die RTL-Oberen unglücklicher machen als die Marktanteils-Entwicklung glücklich.

Im Gesamtpublikum sehen die beiden Kennzahlen übrigens nicht so unterschiedlich aus – auch das ist ein Indiz für die Veränderungen in Sachen Bevölkerungsentwicklung und Sehdauer bei den 14- bis 49-Jährigen. So liegt die 2017er-Staffel nach einer Woche mit 6,53 Mio. Zuschauern und einem Marktanteil von 27,9% unter den elf Staffeln an sechster Stelle bei den Zuschauerzahlen und an fünfter Stelle bei den Marktanteilen. Hier ist die Erfolgsbilanz also immerhin recht eindeutig: Für „Ich bin ein Star“-Verhältnisse läuft der 2017er-Durchgang recht mittelmäßig.

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Alle Kommentare

  1. Bin für ein Kabelunternehmen tätig. Wir sehen die Entwicklungen bei unserer täglichen Arbeit. Immer weniger Menschen wünschen den klassischen Kabelanschluss, immer mehr möchten einen hochwertigen Internetanschluss. Streamingdienste, IP-TV, Recorder mit Time-Shift und online Mediatheken werden immer gefragter.
    Gerade Leute um die 20 bi 25 Jahre rum haben keinen Bock mehr auf „statisches Werbefernsehen“

  2. Gibt es vor Ort keine Maskenbildnerin für die Moderatorin ? Sie hat heute echt scheiße ausgeschaut: (abgemagert so wie so) aber die Falten und Rötungen im Gesicht und im Brustbereich könnte man noch kaschieren oder?

  3. Ein RTL-Problem wird im Artikel nicht erwähnt. RTL macht es den Zuschauern unnötig schwer, seine Sendungen nichtlinear oder live über das Internet anzuschauen. Es gibt TVnow noch nicht einmal als App auf FireTV, auf den Samsung-Fernsehern, auf Apple-TV etc. Das ist von vorgestern. Und trotzdem kostet dieses Fernsehen von vorgestern noch lächerliche 3€ im Monat, wenn man es denn live über das Internet sehen will. Das finden viele Leute zurecht einfach uncool. Insofern wundere ich mich nicht, wenn das immer weniger funktioniert…

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