Anzeige

Persönlichkeits-Experte über Trump-Rede: „Gefährliche und zerstörerische Rhetorik der Vorannahme“

US-Präsident Donald Trump, Persönlichkeits-Experte Christian Gálvez: „Irgendwie passt nichts zueinander“
US-Präsident Donald Trump, Persönlichkeits-Experte Christian Gálvez: "Irgendwie passt nichts zueinander"

Ein erster Auftritt im Präsidentenamt und eine Rede die Maßstäbe setzte – allerdings nicht gerade positive. Mit seiner populistischen Ansprache erinnerte Donald Trump eher an einen Wahlkämpfer als an einen Staatsmann, der auch die Brücke zu seinen Gegnern schlägt. Christián Gálvez, Persönlichkeitstrainer und Kommunikationsexperte, hat die Sprache Trumps analysiert. Seine Thesen sind beunruhigend.

Anzeige
Anzeige

Von Cristián Gálvez

Die Studenten der Missouri State University besangen die Worte des amerikanischen Dichters Michael Dennis Browne. In den ersten Textzeilen heißt es: „Here is the place of strangers welcome. We who once walked in strangers shoes, once we were strangers we were welcomed. Now we belong and believe in this land.“ Amerika präsentiert sich als ein Land, in dem das Fremde willkommen ist.

Die Rhetorik des neuen Amtsinhabers schlug jedoch deutlich andere Töne an. Obwohl Donald Trump in seiner vergleichsweise kurzen Rede (Trump: 1455 Wörter / Obama 2013: 2133 Wörter) für seine Verhältnisse überdurchschnittlich häufig das Personalpronomen „Wir“ verwendete, war seine Rede alles andere als verbindend.

Denn Trumps Rhetorik setzt auf Abgrenzung: America First!

„We will make America proud again. We will make America safe again. And yes, together we will make America great again.“

Dabei verwendet er durchgängig eine Technik, die auf Vorannahmen (Präsuppositionen) setzt und in manipulativen Verkaufstrainings gelehrt wird. Nahezu alle Populisten setzen auf diese Technik. Mit Sätzen wie „What truly matters is not which party controls our government, but whether our government is controlled by the people“ suggeriert er eine Wahrheit, die der Sachlage nicht wirklich entspricht. Generalisierte Aussagen wie diese wirken auf den unbewussten Verstand bedrohlich. Natürlich ist jede demokratische Regierung vom Volk kontrolliert. Vor allem im amerikanischen System, dass auf gegenseitige Machtkontrolle, dem sogenannten „check and balances“ setzt.

Auch die verwendete Bildsprache setzt einzig und allein auf Wirkung und Emotionssteuerung. Trump beherrscht dieses Spiel. Das zeigt sich alleine an der Häufigkeit des Applauses. Obwohl seine Rede deutlich kürzer war als Obamas Rede 2013 war die Applausdichte bei Trump auffallend höher (37:24). Trump sucht die Applaus-Momente. Und Trump bietet Lösungen, die allerdings bei genauer Betrachtung als recht schlicht erscheinen („Buy American and hire American“).

Trump schafft eine neue Identität durch eine gefährliche Form der Abgrenzung. Psychologen haben sich in vielen Studien mit dem Schaffen von sogenannten „Ingroups“ und „Outgroups“ beschäftigt. Hier gewinnt das Spiel mit den einfachen Stereotypen. Alle Krisenherde dieser Welt basieren auf den Konflikten zwischen „Ingroup“ und „Outgroup“. Eine solche Rhetorik wirkt immer zerstörerisch.

Anzeige

In einer solchen Welt kann es eine Position des viel beschworenen „Win-Win“ nicht geben. Ein solches Denken schafft eine gefährliche Kultur, die nur Gewinner und Verlierer kennt. Während Obama 2013 noch sagte: „America will remain the anchor of strong alliances in every corner of the globe“ und damit eine völlig andere Identität aufzeigte, setzt Trump mit deutlichen Worten auf den Gewinn eines völlig neuen Spiels („America will start winning again, winning like never before.“) Indirekt ruft er somit der Welt zu: „So wird es auch Verlierer geben, die es in dieser Form noch nicht gegeben hat.“

Tatsächlich zeigt sich Trump auch nonverbal in diesem Angriffsmodus. Als nahezu einziger Protagonist zeigt sich der neue Präsident nicht mit staatsmännisch blauer Krawatte, sondern setzt auf einen aggressiv roten Akzent. Sogar der Knopf des Sakkos ist geöffnet als wolle er es sich zeitnah abstreifen, um endlich zu gewinnen. Trump hält sich einfach nicht an Konventionen und gefällt sich in dieser Rolle. Wenn Trump das „Wir“ verwendet spürt der intuitive Betrachter, dass er im Herzen nur sich selbst damit meint. „I will make America proud again.. I will make America great again!“

Beim Betrachten der Rede musste ich unweigerlich an die Protagonisten vergangener Strukturvertriebe denken. Trump verkörpert diesen Führungsstil vergangener Tage. Als die Finanz- und Versicherungsbranche noch nicht so regelmentiert war wie heute, standen die Vertriebschefs vor ihren Mannschaften und zeigten eine schwarz-weiße Welt, in der es um jeden Preis zu gewinnen galt. Ganz nach dem Motto: You first! Hoffnungsvoll wurden Versprechungen mit schlichten Botschaften verknüpft, um ein bestimmtes Klientel für den Aufbruch zu mobilisieren. Auch hier folgte die Rhetorik stets der Abgrenzung. Und am Ende des Jahres wurden die Besten gekürt. Die Gewinner gingen auf Reisen, über die heute nicht mehr so gerne gesprochen wird. 90 Prozent der Mitspieler gehörten in einem solchen System zu den Verlierern. Die „Wolfs of Wall-Street“ und Hamburg Mannheimers sind aus gutem Grund verschwunden. Die Welt hat sich verändert.

Donald Trump spricht zu Beginn seiner Rede von einer existierenden historischen Bewegung. Auch hier arbeitet er mit einer Vorannahme, denn eine historische Bewegung ist bei den Amerikanern nicht wirklich zu erkennen. Tatsächlich gibt es eine große Gegenbewegung, die in dieser Form neu ist. Es bleibt abzuwarten, in welche Richtung sich Amerika mit seinem neuen Präsidenten in Zukunft bewegen wird. Man wünscht den jungen Studenten der Missouri State University, dass sie auch in Zukunft voller Überzeugung singen können: „Now we belong and believe in this land!“

 

 

 

Über den Autor: Cristián Gálvez ist Persönlichkeits- und Kommunikationsberater. Der Autor zahlreicher Ratgeber studierte BWL und Wirtschaftspsychologie in Deutschland und den USA. Zudem erforschte er an renommierten Instituten Hollywoods die Wirkungsprinzipien emotionalisierender Kommunikation. Zu seinen Referenzen zählt das „Who-is-Who“ der deutschen Wirtschaft. Gálvez coacht Vorstände und Geschäftsführer namhafter Unternehmen und hält europweit Vorträge zu Persönlichkeit und Wirkung. www.galvez.de

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige