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Erste tägliche Sport-Zeitung in Deutschland: die neue Fußball Bild im MEEDIA-Check

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„32 Seiten Fußball, Fußball, Fußball!“: So enthusiastisch begrüßt Blattmacher Matthias Brügelmann die Leser der neuen Fußball Bild, die ab dem heutigen Freitag, also mit dem Ende der Winterpause, bundesweit an den Kiosken liegt. Im Vergleich zur Testphase in München und Stuttgart hat sich nicht viel geändert. Die Zeitung ist eine dicke Fußball-Packung, die innen wild und bunt daherkommt und dem Kicker und den Regionalzeitungen, den eigentlichen Platzhirschen in Sachen Fußball-Journalismus, einige Kopfschmerzen bereiten könnte.

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Für die Macher ist der bundesweite Start eine „seltene zweite Chance, einen guten ersten Eindruck zu machen“, wie Brügelmann im Interview mit MEEDIA erklärt. Das gelingt – allerdings mit leichten Abstrichen. Denn noch immer leidet das Konzept an den Störfaktoren der Testausgaben. Die Fußball-Zeitung verliert sich im Kleinklein stets über jede Mannschaft berichten zu müssen und ist zu bunt und chaotisch. Jede Seite sieht wie der normale Sportteil der Bild aus. Im Mutterblatt funktioniert diese wilde Boulevard-Ansprache, weil sie räumlich nur auf wenige Sport-Seiten begrenzt ist. Wenn sich diese Darreichung von Fußball-Berichterstattung jedoch auf 32 Seiten zieht, wird es irgendwann ganz schön ermüdend.

Das ahnen auch die Macher. So sagt Brügelmann, dass man künftig magaziniger werden will und noch stärker den Leserwunsch nachkommen will, den Sport nicht zu leicht zu nehmen. Die Leserbefragung der Berliner zu den Testausgaben förderte zu Tage, „dass Fußball für die meisten Käufer kein Spaß ist. Der alte Spruch: ‚Es geht beim Fußball nicht um Leben und Tod – es geht um mehr‘, gilt noch immer.“

Konkrete bedeute das:

Der Ansatz, den wir bei Bild so manches mal verfolgen, und auch in den Kleiderschrank eines Spielers oder seiner Frau zu schauen, nehmen die Fußball-Bild-Leser durchaus übel. Zumindest, wenn man es nicht schafft, eine Verbindung zur sportlichen Leistung des Spielers herzustellen.

Bunte Stücke, im Sinne von Gossip- oder leichten People-Geschichten kommen in der ersten bundesweiten Fußball-Bild tatsächlich nicht vor. Trotzdem bleibt Zeitung alleine aufgrund des Layouts wild und bunt. Mehr visuelle Ruhe und an der einen oder anderen Stelle längere Analyse-Stücke würden den Gesamt-Eindruck sicherlich verbessern.

Das würde allerdings einen gewissen Mehraufwand bedeuten und der ist im Konzept des Blattes eigentlich nicht vorgesehen ist. Denn der Clou an der täglichen Fußball-Bild ist nämlich vor allem ein wirtschaftlicher.

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Die erste tägliche deutsche Sportzeitung kommt, anders als die La Gazzetta dello Sport in Italien oder die L’Equipe in Frankreich, ohne eigene Redaktion aus. Das Blatt greift überwiegend auf bestehende Inhalte der anderen Regionalausgaben zurück. „Das hält die Kosten in einem sehr engen Rahmen“, erklärte Brügelmann zum Start der Testphase gegenüber MEEDIA. Sein Team stellt die neue Zeitung in weiten Teilen aus den bereits fertigen Stories der zwölf Bild-Regionalstandorte, sowie der Berliner Hauptredaktion zusammen. Die Geschichten über Borussia Dortmund und Schalke 04 sind demnach wortgleich in der NRW-Ausgabe der normalen Bild zu lesen. Das Ziel von Brügelmann ist es dabei, „dass jeder Bundesligaverein auch jeden Tag mit einer eigenen Story in der Zeitung vorkommt.“

Mit diesem Konzept ist die Fußball Bild zu einer potentiellen Bedrohung vor allem für Lokal- und Regionalverlage geworden. Für die Heimatzeitungen ist die Berichterstattung über das Erst- oder Zweit-Liga-Team der Region ein wichtiger Verkaufsfaktor. Diesen greift Springer nun ganz bewusst an. Natürlich stets mit der Gefahr verbunden, die eigenen Bild-Verkäufe zu kannibalisieren. Für die beiden Test-Märkte in München und Stuttgart verneinen die Springer-Macher jedoch einen solchen Effekt.

Allerdings stößt die Fußball Bild in der Konkurrenz-Situation mit den Lokal-Zeitungen auf ihr wohl größtes Problem: Bei aller Masse an Artikeln, es steht zu wenig über den jeweiligen Heimat- bzw. Herzensverein im neuen Boulevard-Blatt. Die Leser sind es von ihren Lokal-Titeln gewohnt, täglich mindestens eine große Zeitungsseite mit Berichten zu bekommen. Da kann die Buffer-Bild nicht mithalten. Da ist der Herzensverein nur einer von 36 anderen Profi-Teams. Ob es einem Leser in Hamburg reicht, nur einen oder zwei HSV- und St. Pauli-Artikel zu bekommen, während das Abendblatt oder die Morgenpost weit mehr zu den Teams der Hansestadt liefert, bleibt abzuwarten.

Ein – erstes – abschließendes Urteil zum Projekt Fußball Bild wird erst möglich sein, wenn es konkrete Verkaufszahlen gibt. Sollte die Berliner tatsächlich substantielle Umsätze erzielen oder sogar der Lokal-Konkurrenz Kunden abspenstig machen, dürfte der Start der täglichen Fußballzeitung wirklich eine massive Bewegung im Markt nach sich ziehen.

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