„Yolocaust“ als Statement: Satiriker montiert Touristen-Selfies am Holocaust-Mahnmal in KZ-Bilder

Das Holocaust-Mahnmal in Berlin hielten viele für ein „Lifestyle-Foto-Objekt“, so Satiriker Shahak Shapira
Das Holocaust-Mahnmal in Berlin hielten viele für ein "Lifestyle-Foto-Objekt", so Satiriker Shahak Shapira

In einer Rede hat AfD-Politiker Björn Höcke das Holocaust-Denkmal in Berlin ein "Denkmal der Schande" genannt – auch der Autor und Satiriker Shahak Shapira stellte sein Projekt in diesen Zusammenhang: Auf seiner Website "Yolocaust.de" prangert der Künstler das zweifelhafte Verhalten von Touristen an dem Mahnmal an – und hat damit einen Netzhit gelandet.

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„Björn Höcke soll sich das mal anschauen“, sagt der Berliner Autor und Satiriker Shahak Shapira gegenüber jetzt.de. Der AfD-Politiker solle reflektieren, was er in Dresden über die Erinnerungskultur gesagt habe. Kein Zweifel: Das Projekt von Shapira regt zum Nachdenken an.

Auf der Website Yolocaust.de (eine Wortneuschöpfung aus Yolo – für You Only Live Once – und Holocaust) hat Shapira zahlreiche Fotos aus sozialen Netzwerken gesammelt, auf denen oftmals Touristen am Holocaust-Mahnmal in Berlin posieren – wer den Mauszeiger aber über ein Bild bewegt, sieht die Protagonisten plötzlich vor einen Bildhintergrund aus den nationalsozialistischen Vernichtungslagern montiert. „Die Leute sollen nachdenken, was genau sie da machen.“, sagt Shapira gegenüber jetzt.de. „Die Bilder zeigen, wie schnell Erinnerung in Vergessenheit geraten kann. Viele sehen das Mahnmal leider immer mehr als Lifestyle-Foto-Objekt und weniger als Stätte der Erinnerungskultur.“

Die Seite sei am Mittwochmittag online gegangen und in den ersten zwölf Stunden mehr als 500.000 mal aufgerufen worden, wie Shapiras Agentin am Donnerstag mitgeteilt hat. Die Idee sei aber schon in den vergangenen Monaten entstanden, die Veröffentlichung anlässlich des Tages zum Gedenken an die Opfer des Holocausts am 27. Januar geplant gewesen. Mit Höckes Äußerungen hat das Projekt nun wohl noch früher an Aufmerksamkeit gewonnen.

Shahak Shapira wurde in Israel geboren und lebt mittlerweile in Berlin. Vor acht Jahren besuchte er die Miami Ad School und war unter anderem als Copywriter in der Werbeagentur Jung von Matt in Hamburg tätig. Seine Familiengeschichte und das Leben als Jude in Deutschland hat er in seinem Buch „Das wird man ja wohl noch schreiben dürfen! Wie ich der deutscheste Jude der Welt wurde“ niedergeschrieben.

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