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Rolle rückwärts: Welt-Chefredakteur fügt nach Protesten gestrichenes Wort „schwul“ erneut in Kommentar ein

„Jetzt noch QUEERER!“ Welt-Blattmacher Ulf Poschardt (li.) beugt sich nach umstrittenem Trump-Kommentar erneut dem Druck von außen
"Jetzt noch QUEERER!" Welt-Blattmacher Ulf Poschardt (li.) beugt sich nach umstrittenem Trump-Kommentar erneut dem Druck von außen

Ulf Poschardt zeigt Courage oder eiert rum – je nach Sichtweise des Betrachters: In einem Kommentar forderte der Welt-Chefredakteur zunächst, dem designierten US-Präsidenten Donald Trump mit liberaler Stärke entgegenzutreten – seine Forderung nach einer u.v.a "schwuleren" Gesellschaft stieß allerdings auf Gegenwind und verschwand anschließend aus dem Artikel. Nun ist die Ur-Version wieder online.

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„Soll er doch. Er kann uns mal“, lautet das Motto von Poschardts Meinungsstück. Ganz so überzeugt scheint der Welt-Chefredakteur von seinem eigenen Kommentar allerdings nicht durchgängig gewesen zu sein: In seinem Text forderte Poschardt dazu auf, dem designierten US-Präsidenten Donald Trump mit liberaler Stärke entgegenzutreten – besonders die Forderung nach einer „schwuleren“ Gesellschaft sorgte für Diskussionen. Wie auch der Fakt, dass das Attribut im Nachhinein herausredigiert wurde. 

Aus jener Textpassage…

Unser Ehrgeiz sollte geweckt sein. Die Verteilung globalen Wohlstands wird von den USA künftig aggressiv zu ihren Gunsten entschieden werden – wenn wir uns nicht wehren und besser, mutiger, fleißiger, innovativer, freier, offener, schwuler, multikultureller werden. It‘s the economy, stupids.

…wurde plötzlich:

… wenn wir uns nicht wehren und besser, mutiger, fleißiger, innovativer, freier, offener, kreativer, multikultureller werden. It‘s the economy, stupids.

Statt einer „schwuleren“ fordert Poschardt nun eine „kreativere“ Gesellschaft. Für LGBTI-Portal Queer.de scheint ein Shitstorm gegen Schwule sowie persönliche Beleidigungen gegen Poschardt der Auslöser für die erste Änderung gewesen zu sein.

Gegenüber MEEDIA erklärte Poschardt: „In meinem Kommentar zum Interview mit Donald Trump  habe ich dazu aufgerufen, dass wir aus der Haltung des Kaninchens, das ängstlich auf die Schlange starrt, ausbrechen und uns darauf vorbereiten, dass der US-Präsident uns zur Emanzipation von Amerika zwingt, ökonomisch und verteidigungspolitisch. Wir sollten stärker werden und dabei auf unseren Werten bestehen, als eine liberale, offene Gesellschaft. Das ’schwuler“‘ war im Sinne der Thesen von Richard Florida ‚The Rise of the Creative Class‘ gemeint. Als dieses eine Detail vital wurde und den Rest des Kommentars zuzudecken drohte, habe ich es geändert.“

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Nun die Rolle rückwärts: Poschardts Text ist plötzlich wieder „schwuler“ – und sogar „lesbischer“.

Poschardt im Wortlaut:

…wenn wir uns nicht wehren und besser, mutiger, fleißiger, innovativer, freier, offener, schwuler, lesbischer, multikultureller werden. It‘s the economy, stupids.

Eine „Anmerkung der Redaktion“ oder Erklärung im Kommentar bleibt der Welt-Chefredakteur dem Leser schuldig. Einzig auf Twitter gibt es eine kurze Erklärung: „back by popular demand. jetzt noch QUEERER!“, schreibt Poschardt.

 

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