Mega-Deal im Buchgeschäft: Bertelsmann will Penguin Random House ganz schlucken

Schwierige Suche nach neuen Wachstumstreibern: Bertelsmann-CEO Thomas Rabe
Schwierige Suche nach neuen Wachstumstreibern: Bertelsmann-CEO Thomas Rabe

Der britische Medien- und Bildungskonzern Pearson plant, sich von seinem Anteil an der weltgrößten Buchverlagsgruppe Penguin Random House zu trennen. Nun hat der Gütersloher Miteigner Bertelsmann die Chance, die Beteiligung zu erwerben. Konzernchef Thomas Rabe ist offenbar dazu bereit. Damit wären die Gütersloher alleinige Eigentümer von Penguin Random House.

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Bertelsmann-Konzernchef Thomas Rabe ist bereit, die übrigen 47 Prozent an dem Buchverlag Penguin Random House zu erwerben. „Bertelsmann hat in der Vergangenheit immer wieder Interesse an einer Aufstockung seiner Anteile an Penguin Random House bekundet. Das gilt unverändert,“ erklärt er in einer bei Bertelsmann im Intranet veröffentlichten Meldung, die MEEDIA vorliegt. Die Gütersloher halten bereits seit Längerem 53 Prozent an dem Unternehmen. Sollten sie ihren Anteil aufstocken, wirkt sich dies allerdings nicht auf den Konzernumsatz aus. Der Grund: Die Gütersloher haben den Buchverlag bereits in ihrer Bilanz vollkonsolidiert.

Sollte Bertelsmann zugreifen, wären das Unternehmen hier alleiniger Eigentümer. Dies ist für Rabe strategisch wichtig. Denn der Medienkonzern ist stets daran interessiert, Unternehmen vollständig zu besitzen. Vor einigen Jahren hatten die Gütersloher daher die Chance ergriffen, die Schachtelbeteiligung der Verleger Familie Jahr an dem Hamburger Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr (Stern, Geo) zu erwerben. Der Grund: Das Interesse der Jahr-Familie an G+J war zunehmend erkaltet. Die Jahr-Erben sahen hier für sich keine Wachstumsperspektive mehr. Sie verkauften daher ihren Anteil an dem Mehrheitsgesellschafter Bertelsmann.

Nun hat Rabe die Chance bei Penguin Random House. Bertelsmann und Pearson hatten bereits vor vier Jahren ihre Buchverlagsgeschäfte Random House und Penguin zur neuen Gesellschaft Penguin Random House zusammengelegt. Sollte Bertelsmann jetzt zuschlagen, hat dies aber keine Auswirkungen auf das Geschäft: „Veränderungen auf der Gesellschafterebene von Penguin Random House werden keine Folgen für das Tagesgeschäft der 250 Verlage der Gruppe haben“, erklärt Rabe. So soll weiterhin New York die Zentrale für das weltweite Buchgeschäft der Gütersloher bleiben. Rabe: „Die USA sind der mit Abstand größte, wichtigste und innovativste Medienmarkt der Welt und sie sind der zweitgrößte Bertelsmann-Markt“, beteuert der Vorstandschef.

Dass Pearson bei Penguin Radom House die Exit-Strategie zieht, liegt offenbar daran, dass der britische Bildungsverlag massiv unter Ertragsdruck steht. So laufe unter anderem das Geschäft mit Lehrbüchern in den USA schwächer als erwartet. Danach seien die operativen Gewinnziele für 2018 angesichts des unsicheren Marktumfeldes hinfällig, teilte das börsennotierte Unternehmen in London mit. Die Pearson-Aktie brach im frühen Handel um 20 Prozent ein.

Pearson hätte nach der Trennung von der Wirtschaftszeitung „Financial Times“ den Rotstift im Buchgeschäft im vergangenen Jahr angesetzt und tausende Stellen gestrichen. Mit radikaleren Schritten solle nun die Wende zu digitalen Modellen beschleunigt werden, erklärte Konzernchef John Fallon. Für 2016 erwartet er einen bereinigten operativen Gewinn von 630 Millionen Pfund (726,4 Mio Euro). Je Aktie läge der bereinigte Gewinn bei 57 Pence. Für 2017 kündigte der Manager einen um Sondereffekte bereinigten operativen Gewinn von 570 bis 630 Millionen Pfund an. Der bereinigte Gewinn je Aktie soll auf 48,5 bis 55,5 Pence sinken.

Über die Höhe der Kaufsumme für die Beteiligung sind keine Angaben bekannt. Penguin Random besteht aus 250 redaktionell unabhängigen Einzelverlagen auf fünf Kontinenten, die jährlich mehr als 15.000 neue Bücher veröffentlichen. Zu den Autoren gehören bekannte Schriftsteller wie John Grisham, Ken Follet und Paula Hawkins. Bertelsmann-Chef Rabe hatte in den letzten Jahren in seiner Wachstumsstratege vor allem auf das Bildungsgeschäft gesetzt. Jetzt können die Gütersloher im hart umkämpften Buchgeschäft ihre Marktposition ausbauen.

Mit Material von dpa

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