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Umsatzrückgang bis 10 Prozent? Spiegel-Chef Hass erwartet für 2016 kräftiges Minus

Spiegel-Geschäftsführer Thomas Hass: strategisches Vermarktungsbündnis mit Gruner + Jahr und RTL
Spiegel-Geschäftsführer Thomas Hass: strategisches Vermarktungsbündnis mit Gruner + Jahr und RTL

Schrumpfende Anzeigenerlöse, sinkende Vertriebsumsätze, Stellenabbau: Spiegel-Verlagschef Thomas Hass hat 2016 ein schwieriges Jahr hinter sich. Der Gesamtgeschäftsführer erwartet daher für das vergangene Geschäftsjahr im Konzern einen Umsatzrückgang von 5 bis 10 Prozent. Das Jahresergebnis soll stagnieren oder leicht über dem Vorjahreshöhe liegen. In 2015 war der Gewinn im Spiegel-Konzern massiv eingebrochen.

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Die Zahlen sind vor allem vor diesem Hintergrund ernüchternd:  Grund für die schwache Bilanz waren 2015 unter anderem millionenschwere Rückstellungen für den Stellenabbau.

Aktuelle Zahlen über die Geschäftsentwicklung der Spiegel-Gruppe zu bekommen, ist schwierig. Die Firmenspitze hält sich überaus bedeckt. Nur selten offenbart sie einige Kennziffern. Zuletzt war dies ansatzweise Ende 2015 der Fall. Damals hatten Verlagschef Thomas Hass und Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer ihre Pläne vorgestellt, wie sie das Hamburger Medienunternehmen an der Ericusspitze in den nächsten Jahren restrukturieren wollen. In hübsch aufbereiteten Charts mit Balkendiagrammen lieferten die beiden Spiegel-Männer einen Einblick in die Zahlenwelt des Mittelständlers. Danach war der Umsatz der Spiegel-Gruppe von 2007 bis 2014 von 352,5 auf 284,9 Millionen Euro gesunken, ein Minus von 19 Prozent. Deutlich stärker war in diesem Zeitraum das Minus im Ergebnis. Der Jahresüberschuss, also das Ergebnis nach Steuern, brach um 48 Prozent auf 25,2 Millionen Euro ein.

Wollen Branchenbeobachter hingegen aktuellere Zahlen bekommen, lohnt sich einen Blick in den Bundesanzeiger. Pflichtgemäß veröffentlichte die Rudolf Augstein Gesellschaft mit beschränkter Haftung Ende vergangenen Jahres den Konzern-Lagebericht für das Geschäftsjahr 2015. Dort gewährt die Geschäftsführung im Prognosebericht einen Ausblick für 2016. Danach erwartet sie für das vergangene Geschäftsjahr einen Umsatzrückgang von fünf bis zehn Prozent. Verantwortlich hierfür sind ein schrumpfendes Anzeigen- und Vertriebsgeschäft. Danach sollen die Anzeigenerlöse 2016 mindestens um zehn Prozent einbrechen, die Vertriebserlöse der Printobjekte – darunter der Spiegel – könnten „insgesamt 5 bis 10 Prozent unter dem Vorjahreswert liegen“. Im Film- und Fernsehgeschäft, also bei Spiegel TV, geht Hass „von einem Rückgang in etwa gleicher Größenordnung“ aus. Die Umsätze der Internetfirmen, darunter Spiegel Online und manager magazin.de, würden „in etwa stabil oder nur geringfügig unter dem Vorjahreswert“ bleiben. Unter dem Strich erwartet der Spiegel-Chef für den Konzern in 2016 einen Jahresüberschuss, der „voraussichtlich in etwa dem des Jahres 2015 entsprechen oder leicht darüber liegen wird“.

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Wohlgemerkt: diese Prognosezahlen hat Hass im März 2016 für das Gesamtjahr abgegeben. Inzwischen könnte sich die Entwicklung verschoben haben. Gegenüber MEEDIA betont eine Spiegel-Sprecherin: „So wie der Jahresabschluss 2015 (mit einem Ausblick auf 2016) im Frühjahr 2016 verabschiedet (und Ende letzten Jahres obligatorisch im Bundesanzeiger veröffentlicht) wurde, liegt der Jahresabschluss 2016 ja noch lange nicht vor“. Die Unternehmenssprecherin könne daher keine Stellung dazu nehmen, wie sich das Geschäftsjahr 2016 endgültig entwickelt habe. Besser als vor Jahresfrist prognostiziert werde des kaum, ist aus dem Umfeld des Verlagshauses zu vernehmen, eher schon umgekehrt.

Im Geschäftsjahr 2015, so im Bundesanzeiger, hat der Spiegel-Konzern jedenfalls einen erheblichen Gewinnrückgang verzeichnet. Bei einem fast unveränderten Umsatz von 280 Millionen Euro schrumpfte das Vorsteuerergebnis deutlich auf 9,83 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor waren es noch 30,17 Millionen Euro. Unter dem Strich – also nach Steuern – blieb noch weniger hängen. Der Konzern-Jahresüberschuss sank 2015 auf rund 6,64 Millionen Euro, 2014 waren es noch 25,24 Millionen. Als Grund für den Ertragseinbruch führt der Geschäftsführer unter anderem einen hohen Aufwand für Restrukturierungen an. Durch den von Hass angekündigten Abbau von insgesamt 149 Stellen in den nächsten Jahren wurden in dem Geschäftsjahr 2015 Rückstellungen gebildet. Sie betrugen 25 Millionen Euro. Bekanntermaßen hat das Spiegel-Haus inzwischen einen großen Teil seiner Personalmaßnahmen umgesetzt. So haben inzwischen 111 Mitarbeiter gegen Zahlung einer Abfindung auf ihre Jobs verzichtet, einigen Mitarbeitern wurden Ende vergangenen Jahres betriebsbedingt gekündigt.

Blickt man auf die Umsätze in den einzelnen Firmensparten, so ergibt sich für das Geschäftsjahr 2015 im Konzern folgendes Bild: Der konsolidierte Anzeigenumsatz bewegt sich bei 62 Millionen Euro, ein Minus zum Vorjahr von elf Prozent. Als wesentlichen Grund hierfür nennt Hass „Einbußen im bezahlten Anzeigenvolumen des Spiegel, die durch moderate Preiserhöhungen nur in geringem Umfang kompensiert werden können.“ Leicht um zwei Prozent auf 127 Millionen Euro zurückgegangen sei der Vertriebsumsatz. Verantwortlich hierfür ist eine weiter bröckelnde Auflage des Hauptprodukts Spiegel in 2015 um 35.000 auf 833.000 Exemplare. Lichtblicke hingehen gibt es in der Film-, Fernseh- und Online-Sparte. Im Film- und Fernsehgeschäft kletterten die Erlöse um 6 auf 41 Millionen Euro. Der Grund: das Unternehmen hätte mit Ko- und Auftragsproduktionen mehr umgesetzt. Auch der Online-Bereich – darunter Spiegel Online, manager magazin.de – wuchs „spürbar“. Der Umsatz kletterte hier um zehn Prozent auf 42 Millionen Euro.

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