Trotz grünem Licht vom Kartellamt: VDZ sitzt bei Grosso-Gesprächen nicht mit am Tisch

Neuer VDZ-Präsident Stephan Holthoff-Pförtner, Grosso-Hauptgeschäftsführer Kai-Christian Albrecht: weiterhin eine „Vielzahll von Gesprächen und Gesprächspartnern“
Neuer VDZ-Präsident Stephan Holthoff-Pförtner, Grosso-Hauptgeschäftsführer Kai-Christian Albrecht: weiterhin eine "Vielzahll von Gesprächen und Gesprächspartnern"

In den nächsten Wochen starten die Verhandlungen über die Preisspannen im Pressevertrieb. Erstmals hätte der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger hierüber mit dem Grosso-Verband eine zentrale Branchenvereinbarung schließen können – und dies mit dem Segen des Gesetzgebers. Doch die VDZ-Mitglieder winken ab.

Anzeige

Es war ein Meilenstein im Kartellrecht. Ende 2012 hatte der Bundestag die 8. Novelle des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) beschlossen. Seither ist es den Verbänden von Verlagen und Presse-Großhandlungen erlaubt, miteinander zentrale Branchenvereinbarungen über Preis- und Leistungen für den Vertrieb von Presseerzeugnissen zu schließen. Erstmals in seiner Geschichte hätte der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) damit die Möglichkeit, mit dem Grosso-Verband über neue Handelsspannen zu verhandeln. Sie müssen bis Anfang nächsten Jahres feststehen, da die derzeitige Vereinbarung im Februar 2018 ausläuft. Dazu beginnen nun in den nächsten Wochen die Gespräche.

Vor allem für den frisch gewählten VDZ-Präsidenten und Funke-Miteigner Stephan Holthoff-Pförtner wäre dies eine gute Gelegenheit, die Stärke des Verbandes als Stimme der Branche zu demonstrieren. Doch Kai-Christian Albrecht, Hauptgeschäftsführer des Bundesverband Deutscher Buch-, Zeitungs- und Zeitschriften-Grossisten, rechnet nicht damit, dass der VDZ bei den anstehenden Gesprächen als Verhandlungspartner am Tisch sitzt. „Der Verlegerverband darf erst seit der 8. GWB-Novelle die Interessen der Verlage in Bezug auf Grosso-Handelsspannen bündeln. Ob der VDZ diese Rolle jetzt wahrnehmen will, ist nach unserem bisherigen Stand fraglich. Dies dürfte durch den angekündigten Austritt der vier Verlage aus dem VDZ-Fachverband eher unwahrscheinlicher werden“, erklärt der Grosso-Verbandsgeschäftsführer gegenüber MEEDIA.

Der VDZ bestätigt, dass die Lobbyorganisation nicht dabei sein wird. „Dem VDZ wäre es nach dem Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen als Verband von Verlagen erlaubt, für seine Mitglieder zentrale Branchenvereinbarungen über die Preis- und Leistungskonditionen für den Vertrieb von Presseerzeugnissen zu schließen. Allerdings ist von Seiten der Mitgliedsverlage entschieden und zum Ausdruck gebracht worden, dass die Verlage in der aktuellen Runde selbst verhandeln wollen, in Fortsetzung ihrer früheren Praxis, das ebenfalls selbst wahrzunehmen“, betont ein Verbandssprecher auf Anfrage. Dem Vernehmen nach hätte die Entscheidung der VDZ-Mitglieder nichts mit der Maßnahme der vier Verlage zu tun, aus dem VDZ-Fachverband auszuscheiden. Auch zeitlich bestünde hierzu kein Zusammenhang, heißt es in VDZ-Kreisen.

Mitte November vergangenen Jahres hatten das Hamburger Zeitschriftenhaus Gruner + Jahr, der Spiegel, die Zeit und die Mediengruppe Medweth entschieden, aus dem VDZ-Fachverband auszuscheren. Sie hatten sich über die aus ihrer Sicht intransparente Berufung des Funke-Gesellschafters Holthoff-Pförtner zum neuen VDZ-Präsidenten und Nachfolger von Hubert Burda gestört. Von „Hinterzimmer-Bünden“ war die Rede. Die vier Verlage decken rund 20 Prozent des Marktes ab. Hätte der VDZ mit dem Grosso-Verband eine zentrale Vereinbarung über die Preisspannen getroffen, wäre dies für alle Unternehmen verbindlich – also auch für Gruner + Jahr & Co. Möglicherweise wäre dadurch ein neuer Streit mit dem VDZ entbrannt, weil die vier Unternehmen mit dem Ergebnis nicht zufrieden gewesen wären.

Nun muss der Grosso-Verband erneut mit den Medienhäusern verhandeln, statt gebündelt über den VDZ. „Es wird deshalb wohl wieder eine Vielzahl von Gesprächen und Gesprächspartnern geben. Das war in der Vergangenheit auch so. Daher wird sich in der Praxis für uns voraussichtlich wenig ändern“, erklärt der Gross-Geschäftsführer Albrecht. Branchenexperten befürchten daher, dass sich die Spannen-Verhandlungen länger als gewohnt hinziehen könnten.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige