Nach Rückzug bei Xing: FAZ-Autor sieht Tichy als Opfer einer Kampagne aus SPD-naher Agentur

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Der Rückzug von Roland Tichy als Herausgeber der Xing-News hat diese Woche die Branche bewegt. Der Wirtschaftspublizist (Tichys Einblick) hatte damit die Konsequenz aus einem Shitstorm gezogen, den der Berliner Agenturmitarbeiter Mathias Richel (TLGG) via Twitter losgetreten hatte. Der Blogger und FAZ-Autor Don Alphonso sieht Tichy als Opfer einer politisch motivierten und gezielten Kampagne.

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„Wer hat Roland Tichy verraten? Die Splitterpartei Sozialdemokraten“, betitelt Don Alphonso seinen Artikel auf seinem FAZ-Blog Deus ex Machina. Darin weist er darauf hin, dass die Agentur TLGG enge Kontakte zur SPD und deren Führungskräften pflege. So hätten die Berliner nicht nur vor einigen Jahren die Social-Media-Aktivitäten der SPD neu gestaltet, sondern seien derzeit noch ständiger Dienstleister für das Wirtschaftsministerium von SPD-Chef Sigmar Gabriel. Richel sei zudem noch 2015 als Redner des Campaigncamp der SPD aufgetreten. Letzterer prangerte in seinem Post an, dass Roland Tichy, der bei Xing unter anderem die Kommentar-Rubrik „Klartext“ verantwortete, in seinem Blog Tichys Einblick „neurechte Beiträge“ publiziere, „in denen Andersdenkende pathologisiert werden“. Tichy hatte den Beitrag gelöscht und sich entschuldigt – es half nichts. Bereits am Montag warf der News-Herausgeber das Handtuch und beklagte eine „Kampagne bis hin zu Morddrohungen“.

Über den TLGG-Mitarbeiter schreibt FAZ-Journalist Don Alphonso nun: „Richel bringt als Kampagnenmacher mit besten SPD-Beziehungen bei einer Kampagnenagentur der Bundesregierung mit einem aufgehetzten Mob einen SPD- und regierungskritischen Journalisten um seinen Job, weil der einen hart grünenfeindlichen Beitrag brachte. Es gibt keinen Grund zur Annahme, Richel hätte nicht gewusst, was er da tut. Berufliche Vernichtung beginnt nicht mehr bei der Tätigkeit für verfassungsfeindliche Organisationen oder kruden Reichsbürger-Ansichten, sondern schon bei zu hart formulierten Beiträgen, ausgeführt durch eine Kampagne eines halbverdeckt agierenden politischen Gegners.“

Für Don Alphonso sind solche Methoden alarmierend: „Die gezielte Vernichtung ist die denkbar klarste Absage an den Diskurs. Grüne, Linke und SPD haben das bis in die eigenen Reihen hinein – man denke an die Angriffe gegen Frau Wagenknecht – hinlänglich demonstriert.“ Und weiter: „Dass die SPD sich nun von Leuten im Netz repräsentieren lässt, die jeden versöhnlichen Ansatz ruinieren, spricht Bände über den Zustand der Partei, für die es bereits im Mai in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen um alles gehen wird.“

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