iPhone 7-Blues: Die Wall Street stellt sich auf weiter sinkende Apple-Absätze ein

Muss 2017 liefern: Apple-Chef Tim Cook
Muss 2017 liefern: Apple-Chef Tim Cook

Es muss erst schlechter werden, bevor es besser werden kann: Das ist die merkwürdige Apple-Logik, die an der Wall Street seit Monaten kursiert. Einerseits scheint Apple mit dem iPhone 8 vor einem Comeback zu stehen, andererseits muss der wertvollste Konzern der Welt bis dahin mutmaßlich weitere zwei bis drei Quartale im Rückwärtsgang durchstehen, wie Analysten erwarten. Gestern passten mit Wells Fargo und RBC zwei weitere Banken ihre Schätzungen nach unten an.

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Vier Tage ist es her, dass Tim Cook zum zehnten Geburtstag des iPhones Aufbruchsstimmung verbreitete. „Wir haben mit dem iPhone erst angefangen“, lockte der Apple-Chef am Montag in einem Presse-Statement.

Allein: In der Gegenwart angekommen, sieht es aktuell so aus, als läge die beste Zeit bereits hinter Apples Kultsmartphone. Seit einem Jahr nämlich befinden sich die Absätze im Rückwärtsgang. Gleich 17 Millionen iPhones weniger setzte der wertvollste Konzern der Welt in vergangenen Fiskaljahr ab.

Wells Fargo reduziert Schätzungen für die nächsten Quartale

Und der Trend zeigt weiter nach unten, wenn man der Analystenzunft trauen darf.  So wiesen sowohl UBS-Top-Analyst Steven Milunovich als auch Staranalyst Ming-Chi Kuo von KGI Securities bereits im vergangenen November auf die verhaltende Aufnahme des iPhone 7 hin, die nach Einschätzung von Kuo in einem weiteren Absatzrückgang im ersten Halbjahr 2017 resultieren dürfte.

Die Einschätzung scheint sich im neuen Jahr zu bestätigen. Zunächst berichtete die japanische Wirtschaftszeitung Nikkei Times von Bestellungsreduzierungen bei Zuliefern, nun legen Analysten mit weiteren Prognose-Kürzungen nach.  So reduzierte Finanzkonglomerat Wells Fargo gestern seine Schätzungen für die nächsten beiden Quartale signifikant.

Auch RBC Capital erwartet weniger vom Weihnachtsquartal

Analyst Maynard Um strich die Umsatzschätzungen im März-Quartal um mehr als 5 Milliarden Dollar von 57,9 auf 52,8 Milliarden Dollar zusammen und reduzierte seine Erlöserwartungen auch im Juni-Quartal von 49,5 auf nur noch 46 Milliarden Dollar.

Auch die Ergebnis- und Umsatzprognose für das laufende als auch nächste Fiskaljahr wurden von Wells Fargo nach unten angepasst. RBC Capital machte es den Branchenkollegen nach und reduzierte die Ergebnisschätzungen im Weihnachtsquartal, über das Tim Cook am 31. Januar Rechenschaft ablegen wird.

Große Hoffnungen ruhen auf dem iPhone 8

Für die mittelfristige Zukunft sind allerdings alle Analysten weitaus optimistischer gestimmt. Analyst Timothy Arcuri von der Investmentbank Cowen rechnet durch das iPhone 8 mit dem Beginn eines neuen Superzyklus. Apple ist für Arcuri „ein Pulverfass, das 2017 explodieren könnte“ – im positiven Sinne.

Der Grund: Die explosive Vermengung des großen iPhone 8-Updates zusammen mit einer immer größeren Nutzerschaft, die immer ältere Geräte besitzt und daher ihren Kauf zurückgestellt habe.

Wie das 2010 vorgestellte iPhone 4, das bis heute als größter Sprung in der Evolution des Kultsmartphones gilt, soll das iPhone 8 wieder mit einer Glasrückseite ausgeliefert werden, die von einem Edelstahlrahmen eingefasst wird, dabei aber stabiler gefertigt sein soll als das iPhone 4 und 4s.

Flaggschiff-Modell mit 5,2 Zoll Display

Der KGI Securities-Analyst Ming-Chi Kuo rechnet damit, dass Apple diesen Herbst gleich drei generalüberholte iPhone-Modelle auf den Markt bringen wird, wobei aber nur das iPhone 8-Modell mit einem biegsamen OLED-Display ausgestattet sein soll.

Das künftige Flaggschiff-Modell soll mit einer Display-Größe von 5,1 oder 5,2 Zoll zwischen den bisher gängigen Größen von 4,7 (iPhone 7) und 5,5 Zoll (iPhone 7 Plus) liegen. Künftig ebenfalls als Display fungieren soll die Einfassung („Bezel“), in die aktuell noch der Homebutton mit Fingersensor und die Frontkamera abgesetzt eingearbeitet sind.

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