„Unerträglich unprofessionell“: Hans-Hermann Tiedje über die Trump-Berichterstattung deutscher Medien

Medienmanager Hans-Hermann Tiedje (re.), Berichterstattung über US-Wahlkämpfer Donald Trump in deutschen Medien: „Der wertfreie Journalismus kam unter die Räder“
Medienmanager Hans-Hermann Tiedje (re.), Berichterstattung über US-Wahlkämpfer Donald Trump in deutschen Medien: "Der wertfreie Journalismus kam unter die Räder"

Hans-Hermann Tiedje, in den 90ern Bild-Chefredakteur und heute Aufsichtsrat des Beratungsunternehmens WMP, gilt als Kenner der Medien und der politischen Szene. Im Gespräch mit Christopher Lesko kritisiert der 67-Jährige die „katastophale Berichterstattung deutscher Haltungsjournalisten“ über Donald Trump. Tiedje sieht den künftigen US-Präsidenten als „Deal-Maker“, der "die Welt verändern wird“.

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Von Christopher Lesko

Hans-Hermann Tiedje, ich möchte mit Ihnen Eindrücke zu Donald Trump, seiner Wahl und der Berichterstattung deutscher Medien austauschen.
Hans-Hermann Tiedje: Das trifft sich gut. Ich war ja vor 16 Jahren mal kurz im Aufsichtsrat einer Firma zusammen mit Trump, habe ihn aber nie persönlich getroffen: Donald Trump wollte zusammen mit meinem Freund Ulrich Marseille Wolkenkratzer in Deutschland bauen. Das Vorhaben scheiterte am deutschen Kleingeist: Hiesige Aufsichtsbehörden gestatteten damals den Bau von Wolkenkratzern bis zu ca. 150 Metern Höhe. Trump wollte 220 Meter, verlor aber wegen der Planungsprobleme das Interesse und machte sich vom Hof. Ich halte das für ein Kennzeichen von Donald Trump: Wenn die Dinge sich nicht nach seinen Vorstellungen entwickeln, wendet er sich anderen Dingen zu. Allerdings habe ich seinen damaligen Finanzchef Ross kennengelernt, und der war eine Klasse für sich. Jedenfalls das Gegenteil eines Armleuchters.

Wie haben Sie die Berichterstattung deutscher Medien während des Wahlkampfes von Donald Trump und in der Wahlnacht selbst wahrgenommen?
Ich fand die Berichterstattung der wesentlichen Medien in Deutschland katastrophal. Ich stand in der Wahlnacht um viertel nach 4 auf und schaltete wechselweise ARD und ZDF ein, Clinton und Trump kämpften um diese Zeit um die Vorherrschaft in den Swing-States. Diese offenkundige Total-Entgeisterung von öffentlich-rechtlichen Haltungsjournalisten fand ich unglaublich. Anstatt zu informieren, wurden wir von ihnen mit Emotionen belästigt. Ich habe dann schnell auf CNN umgeschaltet: Ich wollte Fakten statt Entsetzen und Enttäuschung.

Ausdrücklich spreche ich von den kommentierenden sogenannten Journalisten und nicht von Frau von der Leyen oder Herrn Röttgen, die nur Ahnungslosigkeit zum Besten gaben: Ich meine jene deutschen Journalisten, die wieder mal das Medium Fernsehen missbrauchten, um ihrer wachsenden Fassungslosigkeit Ausdruck zu geben, anstatt ihrer Rolle zu genügen, nämlich zu informieren, kommentieren und zu moderieren.

Haben Sie bestimmte Journalisten im Kopf?
Die Kommentatoren dieser Nacht muss man sich nicht merken. Aber einer, der eigentlich nach seiner Agenda ein toller Journalist ist und zu den schönsten Hoffnungen berechtigte, verkörpert genau den TV-Typus, den ich meine: Claus Kleber, der verhinderte Spiegel-Chefredakteur und allabendliche Betroffenheitsmoderator des ZDF. Mögen Sie ihn?

Nein, Kleber ist ein Bündel penetrant-leiser Eitelkeiten. Ich mag Jens Riewa.
Kleber ist meiner Wahrnehmung nach inzwischen, leider, ebenso ein – wie sagt man? – Haltungsjournalist wie Dunja Hayali. Wie schon die Bezeichnung sagt – hier kommt es auf Haltung an. Aha. Ich bin doch nicht der Einzige, der abschaltet, wenn diese Dame auf dem Bildschirm erscheint. Ich kannte Hajo Friedrichs noch persönlich und habe immer seinen Satz im Kopf: „Ein guter Journalist macht sich mit keiner Sache gemein – nicht einmal mit einer guten“. Und Friedrichs war lange genug beim ZDF. Wo ist diese Definition von Journalismus geblieben? Beim ZDF jedenfalls öfter nicht, aber auch nicht bei den großen Privaten.

Ich teile Friedrichs Satz so generalisiert nicht, obwohl ich auch kein Hayali-Fan bin: Ich finde ihre pseudo-beziehungsvolle Zurückhaltung anderen gegenüber hochaggressiv.
Was an dem Hajo-Friedrichs-Satz teilen Sie denn nicht?

„Es konnte nicht sein, was nicht sein durfte: Das nenne ich miserablen Journalismus“

Journalisten sind keine Funktionsroboter, sondern Menschen mit Haltungen und Meinungen. Und Identifikation als wesentlicher Kern aller Medien ist an Personen gebunden.
Ja. Aber, wenn ich eine Meinung habe, schreibe ich auch „Meinung“ drüber. In der US-Wahlnacht war dies aber nicht so: Jede Zahl, jede Information transportierte Enttäuschung und Entsetzen. Das war unerträglich unprofessionell, CNN hat das um Längen besser gemacht. Auch bei CNN werden die wenigsten Journalisten Trump-Fans gewesen sein. Aber zurück zum deutschen Fernsehen. Schon in der Wahlnacht kam man auf die angeblich Schuldigen zu sprechen – die amerikanischen Meinungsforscher. Waren sie aber gar nicht: Ich habe die Ergebnisse der US-Umfragen regelmäßig online verfolgt. Die wiesen im Schnitt ein Gap von 0,5 Prozent bis zu 2,5 Prozent zugunsten von Hillary Clinton aus. Keiner sagte vorher: Hillary gewinnt in jedem Fall. Es gab unter den Meinungsforschern etliche, die prophezeiten, auch Trump könne gewinnen. Das wurde hierzulande völlig ausgeblendet, weil nicht sein konnte, was nicht sein durfte: Das nenne ich miserablen Journalismus.

In Summe also haben Ihrer Wahrnehmung nach deutsche Journalisten eher dürftig über den US-Wahlkampf berichtet?
Dass vier von fünf Journalisten politisch links von der Mitte beheimatet sind, das war schon vor 20 Jahren so. Dass jeder von ihnen Wünsche und Träume hat, akzeptiere ich völlig. Aber ein Bild zu zeichnen, innerhalb dessen nach einem angeblich guten Präsidenten Obama – der übrigens als Tiger startete und als Bettvorleger endete – Trump nur von ewig gestrigen, weißen Männern gewählt werden könnte und die Eliten vollständig hinter Frau Clinton stünden, das war schon vorab als paradox und völlig neben der Sache erkennbar. Persönliche Haltungen haben das Meinungsbild im deutschen Fernsehen bestimmt, der wertfreie Journalismus kam unter die Räder. Das hat sich übrigens nach der Wahl Trumps keinen Deut verändert. Was immer er sagt, was immer er tut – den deutschen Fernsehwelterklärern ist es nie recht. Die Frage, warum Trump als Geschäftsmann so erfolgreich wurde, kann sich ein schlichter TV-Mensch nicht erklären, weil er selbst ist ja nicht erfolgreich. Stattdessen werden immer Geschichten von Trumps Pleiten erzählt, die es gar nicht gab. Der hat 300 Firmen oder mehr, und wenn eine schlecht läuft, macht er sie zu. Im Fernsehsprech heißt es dann: Trump ist pleite. Der ist so pleite, dass er jetzt US-Präsident ist.

„Medien müssen sich fragen, warum Konsumenten zu Ungunsten von Print, Radio und TV immer mehr dem Internet zuneigen“

Was halten Sie von den publizierten Erklärungs-Ansätzen, im Social Web habe man, gesteuert durch Bots und Algorithmen, zugunsten von Trump Impulse gesetzt, die seinen Wahlsieg erst ermöglichten?
Generell müssen Medien sich fragen, warum Konsumenten zu Ungunsten von Print, Radio und TV immer mehr dem Internet zuneigen. Als Rundfunk- oder Fernsehjournalist könnte man durchaus mal auf die Idee kommen oder diesen Gedanken eruieren: Vielleicht wollen die Menschen da draußen den Quatsch, den ich als Fernsehmensch ihnen so erzähle, nicht mehr hören?

Was die Bots und Algorithmen anbelangt: Die Wahrheit dahinter kann ich nicht einschätzen, dazu fehlt mir die Expertise. Was ich aber einschätzen kann, ist der Ablauf der Dinge: Zuerst wurden die Meinungsforscher beschimpft, dann hielten unsere Kommentatoren Trump-Wähler für dumme, weiße, ältere Männer. Das ist zwar erkennbar Nonsens, eigentlich gar nicht diskutabel, aber so war es. Dann kam die Sache mit den Bots und Algorithmen, und als sich auch dieses als nicht belastbar erwies, fand man den wahren Schuldigen: Putin. Das ist der böse Bube vom Dienst, der ist schuld an allem, jetzt auch an Trump. Und neuerdings fürchten sich die gleichen Kommentatoren davor, dass Putin auch für Sigmar Gabriel die Wahl gegen Frau Merkel gewinnt. Das ist eine deutlich bessere Comedy als die von Böhmermann. Fehlt eigentlich nur noch ein Kommentator, der behauptet, Putin habe was gegen Frauen, siehe Clinton, siehe Merkel. Wladimir, was tust Du mir?

Auf Obamas Wahlkampf vor Jahren haben deutsche Medien optimistischer reagiert.
Als Barack Obama vor acht Jahren die US-Wahl grandios gewann, sprachen viele vom modernsten Wahlkampf aller Zeiten. Als er vor vier Jahren gegen Mitt Romney – der wäre übrigens damals mein Kandidat gewesen – siegte, fanden Medien und Öffentlichkeit Obamas Wahlkampf zumindest geschickt und intelligent. Nun kommt Trump, macht einen völlig anderen Wahlkampf und die gleichen Medien fragen sich, wie so einer auf eine solche Art gewinnen konnte. Die nächste Stufe der Realitätsverweigerung besteht darin, Trump nur noch als Clown wahrzunehmen. Immerhin wäre er der bestverdienende Clown aller Zeiten.

Und worin besteht die Realitätsverweigerung konkret? Ein befreundeter deutscher Vorstandschef erzählte mir vor Monaten, vor der US-Wahl, er sei über Landstraßen Floridas gefahren und habe über endlose Kilometer ein Pro-Trump-Schild neben dem anderen an den Straßen wahrgenommen. Keines für Hillary Clinton. Das hätte ich als Deutscher gerne mal im Fernsehen gesehen. Aber entweder hat mein deutscher CEO sich geirrt, was ich eher nicht glaube, oder die deutschen TV-Macher waren woanders. Wo auch immer.

Und Donald Trump kann ja den Fernsehleuten kein Unbekannter gewesen sein. Es gibt ihn seit circa 70 Jahren auf der Welt, und er ist seit etwa 40 Jahren eine über die Grenze der USA hinaus bekannte Größe, seit langem auch Fernsehmoderator. Ich sage das übrigens ohne Bewunderung für den Mann, und mir ist natürlich klar, dass er im Wahlkampf nicht immer die Wahrheit gesagt hat oder besser: Er hat öfter gelogen. Aber das haben andere auch. Ich erinnere an EU-Präsident Juncker und dessen Satz „Wenn es ernst wird, muss man lügen“.

Für mich existiert ein Eliten-Phänomen: Die politische Elite korreliert mit der Medien-Elite, und sie kommunizieren miteinander und nehmen sich wichtig und sind dann kollektiv überrascht von Wahlergebnissen wie in Amerika. Bei der Gelegenheit habe ich mal eine Frage an Sie.

„Durch die selektive Gäste-Auswahl in Talk-Shows wird sehr wohl Meinung manipuliert“

Welche denn?
Wenn ich die maßgeblichen Talk-Shows betrachte, und ich werde ja gelegentlich auch eingeladen, finde ich die Zusammenstellung der Gäste in der Regel eigenartig. Unterstellt, dass die Umfragen stimmen und zwei Drittel der Deutschen die uneingeschränkte Willkommenskultur Schutzsuchenden oder Migranten oder Wirtschaftsflüchtlingen gegenüber nicht mehr gutheißen, spiegelt sich das in der Gästeauswahl dieser Sendungen nie. Da ist dann meist einer der Alibi-Gast, damit im Rundfunkrat keiner behaupten kann, die Mehrheitsmeinung käme nicht zu Wort. Wann war zum letzten Mal Thilo Sarrazin eingeladen? Wann Stefan Aust, Norbert Bolz, wann Hendryk Broder, wann Cora Stephan? Die lese ich zwar ständig, aber im Fernsehen stören sie offenbar. Wahrscheinlich stören sie die Haltung der meisten politischen Fernsehjournalisten.

Aha. Wie heißt denn die Frage, die Sie an mich haben?
Ob Sie einen ähnlichen Eindruck haben. Und, was Ihre Erklärung dazu ist.

Vielleicht liegt ein Teil der Antwort auf dieser Ebene: Emotional Kontroverses muss man zulassen und auch steuern können. Was Kontakt- und Konfliktfähigkeiten angeht, habe ich zum Niveau von Talk-Show-Moderatoren eine kritische Haltung: Ich finde aktuell niemanden, der im gesamten Spektrum ‚Kontakt wirklich kann‘, zumindest nicht nach meinen Kriterien. Und schon gar nicht in der Steuerung kontroverser Gruppen mit hohem Konfliktpotential. Die Sicherheit aktueller Moderatoren wächst eher durch Teilnehmer-Auswahl, präzise redaktionelle Vorbereitung und starre Routinen in Talk-Shows – also: von außen. Sie entsteht nicht durch innere Substanz, Kompetenz und Autorität der Moderatoren im Umgang mit Kontakt und Konflikten. Die aktuellen Fähigkeiten geraten ja mit einer Vollverschleierten bereits an ihre Grenzen. Niemand auf diesem Niveau lädt sich 3-4 Zeitbomben gleichzeitig ein, muss er befürchten, eine unsteuerbare Dynamik der Gästegruppe könne das Format und ihn selbst gefährden.
Durch diese selektive Gäste-Auswahl wird aber sehr wohl Meinung manipuliert. Kein Wunder, dass sich viele Zuschauer und damit Wähler nicht mehr ernst genommen fühlen. Ich hatte bei der Neuen Zürcher Zeitung vor gut einem Jahr unter dem Titel „Merkeldämmerung“ eine ganze Seite darüber veröffentlicht mit der These, durch die Öffnung der Grenzen und ihr Begrüßungs-Selfies habe Frau Merkel ihren Niedergang persönlich eingeläutet. Vermutlich durch das Internet hat sich dieser Beitrag extrem multipliziert. Ich bin niemals vorher von so vielen Menschen, auf der Straße, in der Apotheke, im Restaurant und sonstwo darauf angesprochen worden, und häufig wurde ich gefragt, ob man in Deutschland derartige Meinungen nicht mehr schreiben könne. Daher die Frage nach der Talk-Show-Gäste-Auswahl. Ich stelle fest: Große Teile der Bevölkerung haben inzwischen eine völlig andere Wahrnehmung des öffentlichen Geschehens als ein wesentlicher Teil der die Medien gestaltenden Leute. Viele Menschen fühlen sich und ihre Wahrnehmungen in führenden Medien in Deutschland nicht mehr richtig abgebildet. Das hat überhaupt nichts mit dem Thema AfD zu tun. Ich spreche von einer schweigenden Mehrheit in allen Parteien inklusive der Linken, mit Ausnahme der Grünen. Deren herausragender Vertreterin Simone Peter wird keiner mehr helfen, nicht mal ein Arzt. Die irrt vor sich hin. Das Glaubwürdigkeitsproblem kann man durchaus auch an der Person Donald Trump deutlich machen: Die meisten Menschen wollen ihn nicht, sie finden ihn auch nicht sympathisch, sie halten ihn für dubios. Aber sie glauben nicht, dass er – wie von vielen Medien dargestellt – ein kompletter Idiot ist. Sonst wäre er nicht da, wo er ist. Glauben Sie denn, dass Trump ein Idiot ist?

Wir beide müssten zunächst miteinander vereinbaren, was das denn genau sein soll – ein Idiot. Selbst dann wäre meine Wahrheit: Ich kann es nicht einschätzen. Interesse an Menschen, politisches Feingefühl oder Berechenbarkeit bildeten für mich interessantere Fragen. Ist er Ihnen denn sympathisch?
Ausdrücklich nein. Wegen verschiedener Äußerungen von ihm, das ist ja klar, und weil er sich ständig inszeniert: Was ist echt an ihm? Was ist Schauspiel? Wie rational ist er, wie emotional? Aber ich kenne ja Menschen, die ihn gut kennen, zum Beispiel mein Freund Ulrich Marseille. Auch die halten Trump nicht gerade für einen Sympathieträger. Bei der Gelegenheit: Ich fand im Kontext der Trump-Berichterstattung einen Titel herausragend gut: „Das Ende der Welt (so wie wir sie kennen)“ als Spiegel-Titel. Sensationell. Da habe ich den Hut, den ich nicht aufhatte, gezogen.

Die Headline ist von einem Buch geklaut, das 2010 erschienen ist. Apropros Medien: Trump hatte ja während der Vorwahlen bekannte republikanische Mitbewerber diskreditiert: McCain sprach er Heldentum ab, weil der in Vietnam in Kriegsgefangenschaft geraten war. Wie sehr oder wie wenig hat Trump denn Ihrer Meinung nach den Medien-Einfluss eigener Companies für den Wahlkampf genutzt?
Da bin ich nur eingeschränkt urteilsfähig. Es gibt in den USA zumindest einen großen Sender – Fox News von Murdoch – der hinter ihm stand, die anderen überwiegend nicht. Trump hat seine Wahl against all odds und gegen alle orthodoxen Medien gewonnen, weil er von all diesen Medien schlechtgemacht und kleingeredet wurde.

Welche der folgenden Attribute würden Sie mit Trump vordringlich verbinden:

Erfolgreich?
Ja.

Ehrlich?
Nein.

Belastbar?
Ja.

Kooperativ?
Sowohl als auch. Wenn es ihm nutzt: ja.

Egoistisch?
Ja.

Gefährlich?
Nein.

Empathisch?
Jein.

Ein wenig irre?
Nein, das ist er nicht. Er ist ein Egomane, kein Irrer.

Berechenbar?
Von Menschen, die ihn kennen: ja. Deutsche Politiker gehören nicht dazu. Trump hat innerhalb eines sechsmonatigen Wahlkampfes nach und nach das republikanische Feld aufgeräumt, und die deutsche Politik saß in der Wahlnacht da und verlautbarte: Wer ist denn das? Den kennen wir gar nicht. Eigentlich eine Schande und ein Beweis dafür, wie abgehoben und fern der Realität viele Politiker sind. Möglichkeiten, Trump zu begegnen, hätte es genug gegeben, wenn man nur gewollt hätte. Und seine Telefonnummern hätte Ulrich Marseille Befugten gern zur Verfügung gestellt.

Bei der Außenwirkung, die Trump betonte, verstehe ich, dass der Impuls, ihm hurtig zu begegnen, deutschen Politikern auch nicht in jeder Sekunde des Tages vollumfänglich zur Verfügung stand.
Mag sein. Aber was gerne vergessen wird, das sind die Menschen an Trumps Seite: beispielsweise der amerikanische Volksheld und Ex-New York-Bürgermeister Rudy Giuliani, der stets in seiner Nähe war, den ganzen Wahlkampf lang. Da kann man schon mal vorbeifahren als Politiker.

Zukunftsfähig?
Er wird die Welt verändern.

Geht es noch ein wenig abstrakter?
Natürlich wird er vieles, das er angekündigt hat, nicht verwirklichen: Natürlich baut er nicht die Riesenmauer an der Grenze zu Mexiko, oder er baut sie deutlich kleiner, wobei ich am Beispiel Mauer deutsche Medien bitte, Dinge, die überhaupt nichts miteinander zu tun haben, nicht miteinander zu vermengen: Die Berliner Mauer wurde gebaut, um Menschen an der Flucht aus der heruntergewirtschafteten SED-DDR zu hindern und ihnen gegebenenfalls in den Rücken zu schießen. Trumps Mauer wird auch nicht schön sein, hätte aber einen anderen Zweck: Nämlich Mexikaner von den USA fernzuhalten. Wobei in Medien in dem Zusammenhang ständig ein falsches Mantra gepredigt wird, nämlich, dass Mauern noch nie ein Problem gelöst hätten.

Soll ich Ihnen mal sagen, warum China heute so stark ist? Dass China sich mit seiner riesigen Bevölkerung zu einem monolithischen Block entwickelt hat, ist historisch ganz wesentlich der Chinesischen Mauer geschuldet. Sie hielt Feinde fern und die Chinesen unter sich. Es gibt also Mauern, die ihren Zweck erfüllen.

..und die die Umsätze US-amerikanischer Bauunternehmer steigern.
Was Mexiko angeht: In den USA leben schon 11 Millionen Mexikaner. Wenn die, auch die unregistrierten, wieder hinter der Mauer in Mexiko wären: Wer sollte dann zu welchen Bedingungen deren Arbeit in den USA erledigen? Ich weiß das nicht, aber Trump wird sich das überlegt haben. In jedem Fall wird er als Präsident die Welt verändern, weil er Politik völlig anders sieht. Er wird in Wochen und Monaten Dinge tun, die heute niemand erwartet. Natürlich wird er keinen Atomkrieg führen. Er ist ein Unternehmer und als solcher ein Deal-Maker. Oberflächlich betrachtet ausgestattet mit Mehrheiten im Senat und im Repräsentantenhaus. Diese Mehrheiten hat er jedoch nur, wenn er republikanische Politik macht. Der erste, der nicht jede Idee des Herrn Trump stützen wird, ist John McCain.

Noch zwei weitere, dann ist die Mehrheit im Senat weg.

Uns beide hier könnte man als alte Säcke bezeichnen…
(Lachend:) Mich bestimmt.

Zumindest gehören wir einer Generation an, die mit bestimmten Frauen- und Männerbildern aufwuchs: Frauen sollten nach Blumen riechen und Männer nach Benzin. Trump ist älter als wir: Das Männerbild dieses Satzes messe ich ihm zu. Wie erleben Sie sein Frauenbild?
Donald Trumps Frauen riechen nach Blumen. Im aktuellen Sinne ein unmodernes Frauenbild. Auch, wenn es wahrscheinlich viele Männer gibt, die zuhause gerne Frauen hätten, die nach Blumen riechen.

Eine politisch-freundlicher Kommentar zum Trump-Frauenbild also.
Natürlich finde ich, wie fast jeder, diesen einen Mitschnitt dessen, was er gesagt hat, unmöglich. Ich glaube, er würde das nie wieder so formulieren. Aber ich glaube auch, dass er wirklich so denkt. Als Typ wirkt er unmodern und aus der Zeit gefallen – vielleicht ist er das aber nicht. Wie sonst hätte er aus dem Stand gegen alle Präsident werden können? Aber möglicherweise waren auch Minipli, diese Pudelfrisur, und blonde Trump-Matte nie wirklich out. Vielleicht haben wir alle, auch Sie, an die falsche Mode geglaubt.

In Frage der Mode bin ich Entwicklungsland. Trump erhielt für eine Nebenrolle im Film „Der Geist will immer nur das Eine“ die Goldene Himbeere als schlechtester Nebendarsteller und schlechtester Newcomer. Nun wird er politischer Hauptdarsteller. Arbeitet er nicht bereits jetzt erfolgreich daran, als Präsident erneut schlechtester Newcomer zu werden?
Das hat man Ronald Reagan auch prophezeit, und der gilt rückblickend als einer der erfolgreichsten US-Präsidenten in der Geschichte Amerikas. Also, ich glaube nicht an Trump als schlechtestem Newcomer, auch wenn ich natürlich nicht weiß, welche seiner Vorstellungen er umsetzen wird. Sicher bin ich, dass er viel dafür tun wird, schnell ein gutes Verhältnis zu Putin herzustellen. Falls die beiden zueinander finden, hat das sofort Auswirkungen auf die Politik in allen Teilen der Welt.

Setzte, sauber zueinander zu finden, nicht voraus, wir sprächen über zwei integrationsfähige, vernünftige Erwachsene, die persönliche Machtinteressen zugunsten eines höheren Wertes zurückstellen könnten? Ist dies Ihre Einschätzung von Trump und Putin?
Von Putin allemal, obwohl er selbstredend kein lupenreiner Demokrat ist. Natürlich kann man behaupten, in Syrien seien seine Hände mit Blut getränkt. Immerhin erreicht er aber im Gegensatz zu Obama seine Ziele. Der Deal-Maker Trump wird sich mit Putin an einen Tisch setzen und nüchtern prüfen, an welchen Stellen Übereinstimmung möglich ist.

Ein Beispiel für seine Vorstellung von Politik hat er ja schon benannt, die Verteilung der Kosten für die NATO. Und da hat er völlig Recht: Die Amerikaner zahlen drei Viertel, Europa ein Viertel. Die Amerikaner schicken ihre Soldaten ins Gefecht, und Europa gibt dazu gute Ratschläge. Wenn das so bleiben soll, wird Trump garantiert so handeln, wie der alte Sachsenkönig Friedrich August III. es ausdrückte: „Dann macht doch Euren Dreck alleene.“ Wir Deutschen müssten vertragsgemäß zwei Prozent unseres Haushaltes in Verteidigung und Rüstung investieren. Tatsächlich sind es aktuell genau 1,2 Prozent.

Natürlich muss man eine ausgewogene Verteilung von Kosten prüfen. Man darf allerdings rückblickend berücksichtigen, dass die USA im Kalten Krieg durchaus ein ganz eigenes Interesse an der Stabilisierung ihrer Position der UdSSR gegenüber hatte. Lassen Sie uns mal auf Personen des Trump-Kabinetts schauen:

Rex Tillerson, ExonMobil-CEO, ein Mann möglicherweise mit Putin-Geschäftsbeziehungen soll Außenminister werden. Eine sensible Wahl?
Mir fällt auf, dass alle Menschen in der Sekunde, in der sie für das Trump-Kabinett ins Gespräch kommen, auf einmal als erzkonservativ, als fortschrittsfeindlich, als rechtsaußen oder ultra oder stockkonservativ oder reaktionär oder sowas bezeichnet werden. Auch ein Reflex von Medien, die jeden, der mit Trump zusammenarbeitet, als Rechten abstempeln. Dass Trumps Personal modern, erfolgsorientiert, leistungsbezogen, schnell und anpackend ist, können sich politische Redakteure beim Fernsehen offenbar nur schwer vorstellen. Dabei ist ja nicht einmal Trump selbst ein Rechter – nehmen Sie TTIP, Trumps Haltung zum Freihandel, Trump und die Gewerkschaften. In der deutschen Medienwahrnehmung ist es aber so: Hier laufen 100.000 – wie ich finde bescheuerte – Linke herum und sind gegen TTIP. Aber jetzt, nachdem sich herausgestellt hat, dass Trump als erstes TTIP beerdigen wird, passt das diesen guten Menschen auch wieder nicht. Am liebsten wären sie jetzt für TTIP, nur um gegen Trump zu sein, was natürlich auch nicht geht. Das Thema hätte ich gerne mal öffentlich diskutiert: Sind die deutschen TTIP-Gegner nun dumm und Trump ist es auch, oder sind Trump und TTIP-Gegner besonders klug, und was haben sie gemeinsam. Wäre ‘ne spannende Diskussion, die aber nicht stattfindet, weil: Das passt naheliegend einigen Talkshow-Machern nicht in den Kram. Sie können mir folgen? Zu Tillerson: Ich glaube, er ist in erster Linie Amerikaner!

Mit übermenschlicher Anstrengung schaffe ich das, Ihnen zu folgen. Sie sehen in der Besetzung keinen Konflikt, auch wenn es innerhalb alter Geschäftsbeziehungen Putin gegenüber Gegenabhängigkeiten geben könnte, die Tillerson als künftiger Außenminister quasi im Gepäck hat?
Nein. Er hat als Exxon-Chef seine Rolle ausgeübt, das wird er als Außenminister und Amerikaner nun so tun, wie es Trump vorgibt: America first.

Eine stumme Regel bei der Besetzung des Arbeitsministeriums sieht vor, Demokraten nominierten keinen Gewerkschaftsführer, Republikaner keinen Unternehmenschef. Trump nun holt Andrew Puzder ins Team: Chef der Fast-Food- Ketten Hardee’s und Carl’s Jr., Gegner des Mindestlohns und der Krankenversicherungspflicht für Angestellte. Für soziale Aspekte des Arbeitsmarktes wirkt dies, als nominiere man jemanden, der Fenster mit Vorschlaghämmern putzt.
Ach herrje… Trump macht alles Mögliche anders. Na und? Die Weltfirma Amazon, die bekanntermaßen im Besitz des Milliardärs Jeff Bezos ist, dem seinerseits auch die linksliberale „Washington Post“ gehört, streitet sich aktuell in Deutschland mit Verdi über den Mindestlohn. Der böse Bezos. Dieser Bezos ist aber auch ein ausgewiesener Trump-Gegner. Der gute Bezos. Ich nenne ihn beweglich. Warum soll man nun Mister Puzder Beweglichkeit absprechen? Trump selbst wird ja sogar dafür kritisiert, dass er auf sein Präsidentengehalt verzichten will. Neulich sagte mir eine Kollegin, diesen Hochmut finde sie zum Kotzen. Aber John F. Kennedy hat auch darauf verzichtet, und Edgar Hoover ebenfalls, und niemand hat sie deshalb kritisiert. Trump aber wird es vorgeworfen. Das ist schon wie ein Komplex oder eine Hybris bei manchen Menschen. Warum freut man sich nicht einfach darüber?

Gesprächspartner Hans-Hermann Tiedje, Christopher Lesko

Trumps Wahlkampagne fokussierte ja Misstrauen gegen Großbanken und die Wall Street. Nun soll Steven Mnuchin, früher Hedge Fonds- Manager bei Goldman Sachs, Finanzminister werden. Klingt das für Sie nicht nach einem logischen Knick in Fragen der Haltung?
Die Antwort ist ganz einfach.

Das ist gut.
Die Nagelprobe ist und bleibt die praktische Politik. Macht Trump eine soziale Politik den Leuten gegenüber, denen er versprach, es werde ihnen besser gehen, dann ist auch wurscht, welches Kabinetts-Mitglied mit welcher Biographie diese Politik verantwortet. Lassen Sie uns einfach mal ein halbes Jahr abwarten. Trump wird garantiert nicht wiedergewählt werden, wenn er jene Leute im mittleren Westen vor den Kopf stößt, denen er mehr Wohlstand und Sicherheit versprochen hat. Und wiedergewählt zu werden, wird sicher irgendwann ein Thema…

…solange er nicht das Interesse verliert, wie am Bau deutscher Wolkenkratzer…
… spätestens 2020, sofern Donald Trump fit bleibt. Damit das noch einmal deutlich wird: Ich bin weder ein Trump-Verteidiger, noch hätte ich ihn in den USA gewählt. Ich hätte in Amerika das getan, was ich seit vier Jahren auch in Deutschland mache: Ich hätte gar nicht gewählt. Und ich sage Ihnen auch, warum.

Wenn wir die Biege zu Trump zurückfinden, gerne.
Die CDU kann ich nicht wählen, weil Frau Merkel erst das Land, dann die Union und dann auch noch Europa gespalten hat. In der Zeit nach Merkel wird irgendeiner in die Verantwortung kommen, der Merkel mitgetragen hat. Also wähle ich die CDU auch in Zukunft nicht mehr. Die SPD kann ich nicht wählen, weil es sich dabei nicht um eine, sondern um zwei völlig unterschiedliche Parteien handelt. Die Studienräte in der SPD haben Visionen, und die Landräte in der SPD haben kein Geld. Die Linke ist die mehrfach umbenannte alte SED mit neuem Personal, noch Fragen? Bei der FDP sehe ich keine Antworten auf die Flüchtlingsfrage, bei den Grünen packt mich das Gruseln angesichts des intellektuellen Niveaus von, zum Beispiel, Frau Simone Peter, und die AfD könnte ich alleine deshalb nicht wählen, weil sie einen unappetitlichen braunen Rand mitschleppt, den man Höcke & Freunde nennen kann. Und die CSU? Die kann ich leider in Berlin nicht wählen, wie Sie vermutlich wissen. In Amerika wäre ich auch zuhause geblieben: Ich kenne keinen Demokraten außer Bill Clinton, der mich fesselt, und Trump hätte ich wegen der Summe von Unwägbarkeiten und Ungereimtheiten auch nicht gewählt.

Was bedeutet die Trump-Wahl für Frieden, Stabilität und Kooperation in der Welt, gerade an der Schnittstelle zu Russland und Putin?
Schwer einzuschätzen. Ich unterstelle, dass Trump auf verschiedenen Baustellen der Welt Putin als seinen natürlichen Partner sieht.

Das wäre in Ihrer Logik auf der guten Seite?
Das kann sehr gute Auswirkungen haben oder auch nicht. Verliert Trump zum Beispiel das Interesse an Osteuropa und den baltischen Staaten, wird das in Ländern wie Lettland mit einem Drittel von Stalin zwangsangesiedelter russischstämmiger Bevölkerung berechtigten Grund zu großer Sorge verursachen. Dass die Menschen dort sich fürchten ist ebenso klar wie die Furcht der Polen: Im Bereich Kaliningrad, dem alten Königsberg, sind jede Menge russische Atomwaffen stationiert. Übrigens weniger als 300 Kilometer von Warschau entfernt und 550 Kilometer weg von Berlin. Also verstehe ich natürlich die Sorge, Putin und Trump könnten Deals machen zu Kosten Dritter unter der Überschrift: Du kümmerst Dich um Venezuela und ich mich um die Ost-Ukraine. Hoffen wir das beste für die Ukraine, die baltischen Staaten und Polen. Für Frau Merkel wird da künftig wenig mitzugestalten sein. Für unsere Kanzlerin wird 2017 ein eher unerfreuliches Jahr, was ihre Bedeutung in der Welt anbelangt. In Trumps Stil liegen Gefahren und Chancen gleichzeitig. Hätte sich der Westen, vielleicht unter Einbindung der Herren Putin und Erdogan, vor Jahren gemeinsam des Themas Syrien angenommen, wären wir sicher in einer anderen, besseren Situation als der aktuellen.

Europa ist auch ein Bündnis mit einem Bündel unterschiedlicher Sollbruchstellen. Was bedeutet ein Donald Trump als US-Präsident für die EU?
Frau Merkel jedenfalls hat sich erkennbar nicht über die Trump-Wahl gefreut und erklärt, auf Basis welcher Bedingungen, wörtlich: Bedingungen (!) man zusammenarbeiten könne. Interessant daran: Merkels „Bedingungen“ habe ich im Zusammenhang mit Erdogan noch nie gehört. Warum eigentlich nicht? Ich habe da so eine Ahnung. Fest steht: Europa muss sich mit Trumps Amtsantritt neu sortieren. Eindeutig.

Das tut die EU ja seit Gründung. In welchen Fragen denn?
Die gesamte Politik muss neu justiert werden. Höre ich zum Beispiel Herrn Juncker sagen: „ Wir werden Trump kennenlernen, aber er wird uns auch kennenlernen!“, spricht daraus die Überheblichkeit einer wirtschaftlichen Großmacht. Das militärische Europa hingegen ist in einem armseligen Zustand. Meine Prognose ist, dass Europa sich mehr auf Trump einstellen muss als Trump auf Europa.

In diesem Zusammenhang wünschte ich mir in Europa eine neue Politiker-Generation – nicht Geert Wilders, noch so einer mit Trump-Matte-, damit ich nicht immer und ständig die alten Gesichter Europas sehe – Juncker und Schulz. Ich wünschte mir ein Europa mit viel weniger Brüssel, viel mehr Deutschland, Dänemark, Holland und anderen, eigentlich das, was Charles de Gaulle als Europa der Vaterländer träumte. Ich wünschte mir eines ohne interne Grenzzäune, wie bisher. Aber auch ein Europa, das lange absehbare Bevölkerungswanderungen managen kann und nicht so tut, als wären Syrer, Afghanen, Libyer, Nord- und Zentralafrikaner mehr oder minder zufällig über uns gekommen, wie das zum Beispiel der CDU-Politiker Laschet herumposaunt. Zur Erinnerung: Ein gewisser Otto Schily regte 2004, also vor 13 Jahren, Registrier-Zentren in Nordafrika an. Walter Laqueur, einer der größten Zeithistoriker, schrieb 2006 sein seherisches „Die letzten Tage Europas“, und Carl Friedrich von Weizsäcker hat schon 1994 über absehbare Migrantenfluten öffentlich nachgedacht: „Der bedrohte Frieden – heute“. All dies haben heutige Politiker anscheinend nie gelesen.

Daraus folgt: Europa braucht neue Politiker, junge Leute, neue Gesichter mit neuen Impulsen und Ideen statt dieses -auf Deutsch gesagt – europäischen Bürokratenplunders. Genormte Bananen oder formatierte Gurken sind nicht mein Europa. Gefragt sind neue Gedanken, neue Konzepte. Das derzeitige Brüsseler EU-Europa hat keine Zukunft.

Säßen wir in zwei Jahren zusammen und sprächen rückblickend über zwei Jahre Amtszeit von Donald Trump: Was genau bilanzierten wir?
Wir bilanzierten, dass zwischen Merkel und Trump keine Freundschaft entstanden ist und wir Europäer weltpolitisch deutlich weniger gefragt sind. Wir bilanzierten weiter, dass Trump die Außen- und Wirtschaftspolitik Amerikas ganz entscheidend verändert hat: Auf verschiedenen Baustellen – in Südamerika, Osteuropa und im Nahen Osten – wird er mit Putin ein Übereinkommen gefunden haben. Trump wird Putin vielleicht umschmeicheln, aber er wird mit ihm zu Deals kommen, was ihm auch gelingt angesichts der militärischen Überlegenheit Amerikas. Hoffentlich sind das Deals, die nicht zu Lasten der Demokratie gehen.

Die wünsche ich mir nicht.

 

 

 

Hans-Hermann Tiedje, Ex-Chefredakteur von Bild und Bunte, Ex-Kohl-Berater und ehemaliger N24-Talk-Show-Moderator ist Ankeraktionär und Aufsichtsratsvorsitzender der WMP AG.

 

Mehr über den Autor Christopher Lesko unter www.leadership-academy.de

 

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Alle Kommentare

  1. Superinterview, kann (fast) jedes Wort unterschreiben. Allerdings frage ich mich, wie ein Mensch mit Durchblick jahrelang für das Schmutzpapier „Bild“ verantwortlich zeichnen kann?

  2. Großartig das Interview, obwohl ich Tietjen nicht in allen Punkten zustimme, hat er die Atlantikbrücken Medien richtig beschrieben!
    Zur Wahl es ist richtig, meist wählt man nicht für einen Politiker, sondern meist gegen Einen! Das was man für das kleinere Übel hält!
    Vielleicht sollte man hinzufügen, der Amtseid eines Politiker hat keine juristische Funktion, er dient nur zur feierlichen Einführung ins Amt! Ergo von Beginn an betrügen Politiker mit dem Scheineid ihre Wähler!

  3. Das wird den gleichgeschalteten Moralaposteln in den selbsternannten Qualitätsmedien sicher übel aufstoßen. Da wird sicher schon wild im Gestapo-Handbuch geblättert, wie man diese beiden zukünftig gesellschaftlich und wirtschaftlich ruinieren kann.
    Natürlich für die Toleranz und die Vielfalt.

  4. Dem ist nichts hinzuzufügen.

    Das Gleiche gilt aber für die Identitätsduselei unseres sich öffentlich zumindest unsäglich unwissend gebenden politischen Funktionspersonals – und die Befürchtung ist groß, sie denken wirklich derart oberflächlich-naiv, wie es den Anschein hat.

    Deutsche Medienkonsumenten werden vor allem außen- und geopolitisch dumm gehalten. Dass eine Merkel so tut, als ob nur Russland etwa ‚in Einflusssphären denkt“, während die US-Dienste seit dem 2. Weltkrieg die ausgedehntesten weltweit sind, den US-amerikanischen ‚Freunden‘ dann aber die Totalüberwachung über die deutsche Volkswirtschaft und Bevölkerung erlaubt (wird jetzt den USA prima nutzen – im zu erwarteten Wirtschaftskrieg, der sich seit längerem mit Rekord’strafen’=Schwächungen europäischer Unternehmen ankündigt), ist an Dummheit nicht zu überbieten.

    Die deutsche Presse jedoch klatscht begeistert in die Hände und hyperventiliert voll Lob über die ‚Werte-Mutti‘.

    Das ist alles so unsäglich dumm geworden: Die Welt wird in Personen und Länder eingeteilt, die entweder idolatorisch beweihräuchert oder hysterisch dämonisiert wird. Im Zustand der Dauerventilation drischt dann eine wahre Flut hysterischer Schlagzeilen auf die Zuschauer im Minutentakt ein, die sich mit Grausen abdrehen.

    Investigativer Journalismus? Null! Nüchternes Reflexionsvermögen? Null! Multiperspektive? Null!

    Wir hatten mal Journalisten, die es an Bildung, analytischer Fähigkeit und dem Hunger nach Verständnis dieser Welt mit einem Helmut Schmidt aufnehmen konnten.

    Heute aber wird das Wort „Versteher“ zum Objekt journalistischer Angriffe erhoben – und wer deutsche Presse liest, sieht warum: Hier sitzen wirklich Sektenmitglieder, aber nach dem oberflächlichen Design irgendwelcher Pop-Pfingstler funktionierend.

    Deutsche, die Zeitungen in zwei bis drei Fremdsprachen lesen kann, ist eindeutig im Vorteil und hat eine Chance, in dieser Welt nicht ganz für dumm gehalten zu werden.

    Manager, die im internationalen Geschäft so reden, wie die deutsche Presse schreibt, machen sich bei ausländischen Kollegen nur zum Affen.

  5. Pseudo-Interview eines Nicht-Journalisten mit einem Nicht-Journalisten.

    Und der Satz: „Anstatt zu informieren, wurden wir von ihnen mit Emotionen belästigt.“ vom Ex-Bild-Chefredakteur ist Realsatire.

    1. Die heutigen selbsternannten „Journalisten“ hängen einem denkenden Mensch auch bis zum Hass aus dem Hals raus. Mögen diese inkompentenen Moralapostel alle Organspender sein, damit die Gesellschaft wenigstens etwas Nützliches von Zeit, Süddeutsche und Stern – Journalisten hat.

  6. “ Ich habe dann schnell auf CNN umgeschaltet: Ich wollte Fakten statt Entsetzen und Enttäuschung.“

    Dann muss das Schaudern gestern bei der „Pressekonferenz“ groß gewesen sein, als die Frage des CNN-Korrespondenten mit „Not you! You are fake news!“ abgekanzelt wurde.

    „Es gab unter den Meinungsforschern etliche, die prophezeiten, auch Trump könne gewinnen. Das wurde hierzulande völlig ausgeblendet, weil nicht sein konnte, was nicht sein durfte: Das nenne ich miserablen Journalismus.“

    Komischerweise habe ich fünffaches Geld mit meiner Trumpwette bekommen, WEIL ich dank diverser Reportagen eine nicht geringe Chance gesehen habe. Von völliger Ausblendung kann gar keine Rede sein.

    „… und habe über endlose Kilometer ein Pro-Trump-Schild neben dem anderen an den Straßen wahrgenommen. Keines für Hillary Clinton. Das hätte ich als Deutscher gerne mal im Fernsehen gesehen. Aber entweder hat mein deutscher CEO sich geirrt, was ich eher nicht glaube, oder die deutschen TV-Macher waren woanders. Wo auch immer.“

    Es gab – wie geschrieben – diverse Reportagen (bei den Öffentlich-Rechtlichen!), die mich überhaupt erst zu meiner Wette bewegt haben. Und dann gab es da einen jungen Herrn (Name? Keine Ahnung.), der als Trump-Anhänger in den herkömmlichen Talkshows saß. Der war so herrlich unaufgeregt, so klar in den Ansagen, so smart – dit ham se ooch nich jesehn, oda?

    Whatever. Bei aller Medienbeschimpfung und schönreden seiner Lügen bleibt nichts übrig. Außer, dass TheDonald auch weiterhin nicht konkret wird, und einen vom Pferd erzählt. Not nice!

    Vielleicht hätte man bis nach der „Pressekonferenz“ warten sollen. Und bis nach der Befragung seiner Administration.

  7. Wow, ich hätte nicht gedacht, dass mir Tiedje dermaßen aus der Seele spricht.

  8. Ich schließe mich an .
    Ein großartiges und lesenswertes Interview .
    Mehr davon !
    Vielen Dank.

  9. Erstaunlich unprofessionell wirkt der Artikel weil er den „Deep state“ völlig ungenannt lässt – es ist doch die unheilvolle Verbindung zwischen Industrie, Finanzmoguln und Geheimdiensten, die so brandgefährlich ist für den Weltfrieden. Ob sich Trump gegen die verzweifelt wirkenden Versuche, ihn auszubooten, genügend zur Wehr setzen kann, wird sich daran messen lassen, wie sehr er die Bevölkerung erreichen wird. Der Plan der Geheimdienste und des Deep state ist, ihn so sehr zu blockieren, daß es gewaltige gesellschafltiche Probleme gibt, welche dann von der Mainstream-Presse, die fast vollständig von den Vertretern des Deep State kontrolliert wird, Trump in die Schuhe geschoben wird. Wenn man weiss, wie Politik hinter verschlossenen Türen gemacht wird, kann man dies schon jetzt voraussagen. Diese Kräfte würden Trump sofort ermorden, wenn sie einen Weg finden, dies ungestraft zu tun und als Attentat eines Verrückten aussehen lassen können. Er ist viel zu gefährlich für diese Kräfte.
    Wer meine Aussagen anzweifelt, möge sich zunächst einmal neutral mit ihnen beschäftigen – alle Information ist offen zugänglich.

  10. Die Verkaufsmedien graben immer tiefer ihr eigenes Grab. Diese Anti-Trump- und diese Anti-Putin-Stahlorgel nervt und vergrault jeden Leser mit mehr als drei funktionierenden Synapsen. Ihr kritisches Auge sollte sich vielmehr darauf richten, dass die EU außenpolitisch zunehmend kastriert wird, dass die verheerende geopolitische Lage und den NATO-Kriegen vereint mit den (auch klimabedingten) Hungersnöten weiterhin geschichtlich beispiellose Migrationswellen erzeugt und auch den aus meiner Sicht verständlichen Zorn junger arabischer Männer auf die dekadenten Nordeuropäischen Staaten anfacht.

    Gleichzeitig ist eine abartige Schande, wie die Amokfahrt in Berlin schön unter den Teppich gekehrt wird und hierdurch die Opfer verschiedener Länder verhöhnt werden.

    Ihre Kommentarfunktion unter Trump-Beiträgen ist mittlerweile ja auch standardmäßig gesperrt. Macht nichts. Der berechtigte Zorn findet über Umwege seinen Ausdruck auf den Straßen. Es dauert aber noch ein Weilchen.

    Eine Feststellung aber zeigt der grandiose Erfolg Trumps: Die Verkaufsmedien sind ohnmächtig und werden nur noch durch Werbeeinnahmen am Leben erhalten.

    1. „[…] Die Verkaufsmedien sind ohnmächtig und werden nur noch durch Werbeeinnahmen am Leben erhalten.“

      Bald stimmt nicht einmal mehr das. Es wird nicht mehr lange dauern, dann werden die Werbetrommeln für ein GEZ-Modell für strauchelnde Verlage gerührt werden. Natürlich nicht für Blogger; die sind ja keine richtigen Journalisten.

      1. Medien-GEZ ? Anders kann man sich ja kaum noch erklären, aus welcher Motivation unsere Medien an ihrer zutiefst Demokratie-feindlichen, ideologischen Verteidigung der derzeitigen, völkerfeindlichen Europa-Auslegung festhalten und sich damit in Einklang befinden mit allen zulassungsfähigen BRD-Parteien. Dahinter könnte tatsächlich irgendeine Art von zugezwinkerter Existenzsicherung stecken. Irgendwelche hochrangig besetzten Hintergrundgespräche um die Jahrtausendwende. Und wenn man regisitriert, daß im Europa-Parlament inzwischen öffentlich auf vertragliche Vereinbarungen zur einvernehmlichen Regelung bei der Bestellung des Parlamentspräsidenten gepocht wird: alles erscheint mittlerweile möglich.

        Tiedje mag auch hier richtig liegen, daß auch eine AfD die Alternative lediglich im Namen führt, und daher ebenfalls nicht gewählt werden kann.

  11. Nichtsdestotrotz sollte man als ehemaliger Bild-Chefredakteur mehr als vorsichtig sein, was ein Urteil darüber angeht, was Qualitätsjournalismus ist und was nicht.

    Wer jahrelang bis an die Ellenbogen lustvoll im Kot der Gosse gewühlt hat, wird sich hinterher nicht zum Hygieneapostel machen können.

  12. Ja, ein dickes DANKESCHÖN für dieses Interview, auch wenn mich die Aussage des Herrn Tiedje: „Ich kenne keinen Demokraten außer Bill Clinton, der mich fesselt, …..“ befremdet!

  13. Was ein kluger Mann.
    Und dazu werden seine populistischen Worte auch noch veröffentlicht.
    Wie lange wird es wohl dauern, bis irgendein Spinner mit der Nazikeule um die Ecke schleicht ?

  14. Würde ich mehr von solchen Beiträgen erleben, ich würde glatt wieder damit beginnen Zeitung zu lesen und Nachrichten zu hören…

    …klar, ich gehe nicht mir allem konform, sehe manche sogar konträr, doch gefällt mir der Stil, das Miteinander und auch das unangenehm Menschliche (andere beschimpfen / denunzieren).

    Doch wirkt der Beitrag, wie auch seine Teilnehmer es tun, auf mich ehrlich und authentisch.

    So etwas habe ich seit Jahren nicht mehr erlebt!
    Ich kaufe jemandem das ab, was er sagt.

    Faszinierend…

    1. die Erzfeinde der Deutschen Medien sind : PUTIN, TRUMP und natuerlich de AfD ! schlimm war der BUSH CLAN, fast scheint
      es vergessen zu sein !

      1. Trump wagt es doch tatsächlich, sich an den Medien vorbei direkt an die Öffentlichkeit zu wenden. Das mögen die ja gar nicht. Das macht sie ja fast überflüssig. Und die schöne Gatekeeper-Funktion … im Ar…

  15. Welch eitle, gestelzte Gesprächsführung:
    „Wir beide müssten zunächst miteinander vereinbaren…”
    „Wie heißt denn die Frage, die Sie an mich haben?”
    „Klingt das … nach einem logischen Knick in Fragen der Haltung?”

    Eine Fundgrube für Volontärschulungen.

  16. Ich gebe Ihnen zum Teil recht aber einmal ganz ehrlich hat sich Trump das nicht selber zuzuschreiben, man hat es doch jetzt wieder gelesen wir sind doch nicht in Nazideutschland oder wir er jetzt immer wieder zurückrudert wenn nachgewiesen wird z.B. mit dem Internetgeschichte erst Russland nicht jetzt doch, er müsste ganz einfach einmal das Gehirn einschalten bevor er was sagt. Sonst hat er schon gute Sachen vor, wie zum Beispiel das er die Firmen in der USA halten will, würde bei uns in Deutschland auch super sein. Na ja wir warten einmal ab, wie er sich entwickelt.

  17. Klasse, habe so eine Analyse schon lange nicht mehr gehört/gelesen/gesehen! (5 Sterne)

    Zitat:
    „..Vielleicht wollen die Menschen da draußen den Quatsch, den ich als Fernsehmensch ihnen so erzähle, nicht mehr hören…“
    (Wunderbarer Satz)
    Also da ging mir fast einer ab. Was vom ÖR-TV kommt ist m.E. strategische Verdummung. Die Story mit dem roten Telefon in den (Nachrichten-)Redaktionen könnte ich mir gut vorstellen – die streiten es aber ab. Möglich, dass die Farbe eine andere ist, aber der/die Teilnehmer*rin auf der anderen Seite wird dieselbe (oder vertreten) sein, die im Herbst 2017 achtkantig raus fliegt.

    Was mich aber an unseren Medien heute anstinkt:
    Wofür bin ich 89 auf die Strasse gegangen – nur um zu erleben, dass die Medien heute schlimmer agieren wie zu DDR-Zeiten? Fehlt nur noch Sudel Ede.
    Wofür bin ich 89 auf die Strasse gegangen – nur um zu erleben, dass heute Denk- u. Redeverbote, Tatsachenverdrehungen und Manipulationen schlimmer stattfinden wie zu Stasizeiten?
    Wofür bin ich 89 auf die Strasse gegangen – nur um zu erleben, dass man abstreitet vom Regen kann man auch nass werden?

    Ich weiß von was ich rede und weiter zurück gedacht: Der Unterschied zu Stalins Zeiten ist nur, er hat damals (auf Verdacht) Andersdenkende heimlich hinrichten lassen.

  18. „Der wertfreie Journalismus kam unter die Räder“ – in Deutschland , wie wahr!
    Wird das je wieder anders werden? Werden die Jouranlisten der neuen Genarationen – die diese gegenwärtige „Elite“ eines Tages, ersetzt – keine Ja- Sager der Obrigkeit sein? Besinnt sich der Journalismus noch auf sein Ethos ?
    Man muss darauf hoffen und daraufhin arbeiten.. Die Zukunft sind Kinder: Die Erziehung ist vor allem Liebe der Eltern und den Kindern gutes Vorbild sein.

    Vielen Dank Herr Tiedje! Große Begeisterung!

    1. Ich denke, dass das an dem Tag beginnt, an dem mehr Deutsche ihre Obrigkeitshörigkeit ablegen und sich umfassender für das einsetzen, was sie erleben wollen…

  19. Unabhängig von der durchaus nachvollziehbaren Kritik an der Wahl-berichterstattung: Herr Tiedje hatte schon immer ein sehr eigenes Verständnis von „Haltung“. Dies hat er auch während der von ihm zitierten Zeit als Aufsichtsrat des Trump-Tower-Projekts in Stuttgart gezeigt. Die Kollegen der Stuttgarter Zeitung bezeichnete er damals als „Schweinejournalisten“ – da ist er wohl in Haltung und Wortwahl nicht so weit weg vom neuen Präsidenten der USA. Und – mit Verlaub – wer als AR-Vorsitzender einer bedeutenden PR-Agentur Andersdenkende und politische Gegner als Bettvorleger, intellektuell minderbemittelt etc. bezeichnet, hat keine Haltung, keinen Stil und kein Niveau. Auseinandersetzung ist immer auch „postfaktisch“, aber nie pöbelhaft.

  20. Hatten wir nicht gerade eine Diskussion über „Fake-News“ und dass die Sozialen Medien ja ach so böse einfach Meldungen verbeiten? Und was macht die BILD (aber auch die anderen Qualitätsmedien und die TV-Sender)? Die serviert uns einen Frontpager über „Angebliche Enthüllungen“: „… Die Informationen über Trump – deren Wahrheitsgehalt nicht bestätigt ist – sind angeblich von russischen Geheimdiensten und Regierungsstellen gewonnen worden. …“
    Also noch mal lesen: „deren Wahrheitsgehalt nicht bestätigt ist“. Bitte mal zuende denken: wenn man das durchgehen läßt, dann können die Medien uns doch jeden Scheiß als Nachricht andrehen. Also einfach „Wahrheitsgehalt ist nicht bestätigt“ dran und schon hat man als Journalist die Carte blanch . „Der Papst trägt ungewaschene Socken. Wahrheitsgehalt nicht bestätigt“ oder „Putin und Kim Jong-un planen – Wahrheitsgehalt nicht bestätigt – Angrifskrieg auf die USA.

  21. Lieber Herr Tietje,
    das haben Sie alles sehr gut erkannt. Gratulation. Wenn man die aktuellen Ereignisse in den USA live erlebt, ist man über die Berichterstattung in Deutschland – gerade in den öffentlich-rechtlichen Sendern – wie Sie beschrieben haben, mehr als erstaunt. Es entspricht überhaupt nicht den Gegebenheiten in Amerika. Keiner wollte so einen Trump, aber alle wollten einen Wechsel von Obama. Obwohl alle Amerikaner Obama-Family lieben, aber sie wollen einen Wechsel. So wird das in Deutschland überhaupt nicht wiedergegeben. Ich hoffe, dass dieses Interview weiter verbreitet wird.
    Gruss RC

  22. So geht Journalismus. Wieso nicht immer so? Bin nicht mit alles einverstanden, aber so sieht Professionallität aus.

  23. Das gefällt mir. Wenn er bei der BILD geblieben wäre, hätte sie heute bestimmt eine viel höhere Auflage.

  24. Stammtischgeblubber zweier grumpy old men, die merkwürdige Maßstäbe an professionellen Journalismus anlegen. Und wen sie damit beeindrucken, sieht man ja ein paar Kommentare weiter oben, wo einer noch nicht mal begriffen hat, warum „Volksverräter“ gerade erst zum Unwort des Jahres geadelt wurde. Ich hoffe wohl vergebens, dass das eine Satire war?

    1. Bleibt fie Frage : wer bestimmt denn das Unwort des Jahres 😂
      Keine Satire, und ds ist gut so!

  25. Endlich mal ein interview das dieses attribut verdient und endlich mal wieder klartext von einem mann mit dem es sich immer gelohnt hat zu streiten und zu diskutieren…weil er sich schlicht und einfach traut und konfliktfaehig ist…herrlich.danke und kompliment.

  26. Noch ist der Welt-Sozialismus (New World Order, derzeit Davos) welcher sich unter Obama auch die USA einzuverleiben versuchte noch nicht hinter jene Grenze zurückgedrängt worden, welche eine funktionierende Demokratie erforderlich macht. (1. Sozialismus ohne Alternative ist Diktatur. 2. Sozialisten dulden keine Alternative).

    Meine bange Frage: ist sich Tiedje der Tragweite seiner umfangreichen Erkenntnisse tatsächlich bewußt?

    Darüber hinaus: das seit langem beste Interview aus diesem Medien-Bereich. (was immer das nun wieder heißen soll… 🙂 )

    Kein Wunder, daß er sich aus dem Staub gemacht hat.

  27. Ja, penetrant unterhaltsamer unprofessioneller Haltungsjournalismus, wie jeder freilich schon wusste, der bereit ist, es zu wissen.
    Da hat H.H. Tiedjen gut gebrüllt, finde ich.
    Dann noch mal am Ende, leiser, gepflegter: seine Wünsche an Europa.

    Ansonsten? Nur ein Beispiel: Donald Trump sei ein erfolgreicher Geschäftsmann? Der Augenscheinvalidierung Tiedjens ziehe ich, sagen wir, D.C. Johnstons Recherchen vor; der kennt seit Langem sowohl diesen Sprössling deutschstämmiger Drumpfs als auch Pulitzer- und andere Preise persönlich und hat mittlerweile auch eine Haltung.
    Tiedjens bester Satz im Mittelteil, m.E.: „Da bin ich nur eingeschränkt urteilsfähig.“

    Zahlreicher, Christopher, Deine klugen Sätze, z.B.: „Mit übermenschlicher Anstrengung schaffe ich das, Ihnen zu folgen.“ – Obwohl Du in einer Höchstform warst, die ich zumal bei diesem Thema nicht zu erwarten gewagt hatte. Keine Ironie. Das macht das Interview in Gänze lesenswert.

  28. »„Unerträglich unprofessionell“: Hans-Hermann Tiedje über die Trump-Berichterstattung deutscher Medien«

    Wünschen wir uns allen und der ganzen Welt ehrlich und aufrichtig, daß Trump die Präsidentschaft überlebt. Kennedy wollte seinerzeit auch was Gutes tun: Durch Einführung des (Kennedy-) „Silber-Dollar“ (US-eigenes Silber zur Deckung des Dollar) den Papierfetzen-Dreck der (privaten) FED ersetzen und dadurch staatliche Macht an den Staat zurückholen. Im Mai unterzeichnete er die Anweisung – im November wurde er (dafür) erschossen. Und der sehr geehrte Herr Vizepräsident hat als eine seiner ersten Amtshandlungen die Kennedy-Anweisung aus dem Verkehr gezogen.

    Wer sich für die speziellen „Spielereien“ der Meinungsbeeinflussungsindustrie interessiert, dem seien die beiden ULFKOTTE-Bücher „Gekaufte Journalisten“ (ISBN 978-3-86445-143-0) und „Volkspädagogen“ (ISBN 978-3-86445-388-5) wärmstens empfohlen. Ab der ersten Seite wächst so ganz nebenbei die Erkenntnis und es wird voll verständlich, daß und warum die „Elite“ schäumt wie überdosiertes Waschpulver und daß für diese Bücher nicht geworben wird. Aber auch das „Eindreschen“ auf den Autor sowie aus dem Hut gezauberte Bezeichnungen für ihn nützen nichts, denn die „Dreschflegel“ betiteln damit ja gleichzeitig auch die in den beiden Büchern angeführten Verfasser der rund 1.000 Quellennachweise/Anmerkungen.

    Woher sich die Volksverräter unterstützenden Schmierfinken aus der immer verlogener werdenden medialen Verdummungsindustrie allerdings die Frechheit anmaßen, über nicht politkorrekte Meinungsvertreter derartig dummdreiste Selbstgefälligkeit zu zelebrieren, bleibt wohl ihr „gesalbtes“ Geheimnis – falls ihr „Grips“ sie dazu überhaupt noch befähigt. Wie dem auch sei – es ist nur noch eine Frage der Zeit bis zum Großen Knall in den Redaktionsstuben. (Siehe BILD: Von über fünf Millionen Auflage auf unter zwei – wirklich: Eine exzellente – und hoffentlich auf Dauer heilsame – Leistung.)

  29. Wow. Das war sicherlich eines der interessantesten (und irgendwie auch: unterhaltsamsten) Interviews, die ich je gelesen oder gesehen habe:
    Kein belangloses Geschwätz, sondern Tacheles.

    Auch wenn ich Vieles anders sehe:
    Tolles Interview, meedia – bitte mehr davon.

  30. Gutes Interview – und ein Dialog, bei dem auch die Meinung des anderen zählt. Danke dafür!

  31. Bestes Interview seit langem! Für mich schon heute ein Highlight des Jahres, schade es nur noch so wenige „Typen“ in den Medien gibt.

  32. Warum so ein ellenlanges Interview mit jemanden, den im Grunde alles nur anekelt? Den die „Haltung“ anderer Leute stört, weil er selber keine hat? Der ausufernd über Trump philosophiert, ohne mehr Ahnung von ihm zu haben als jeder durchschnittlich interessierte Zeitungsleser?

  33. Ich glaube nicht, dass den meisten Haltungsjournalisten ihr Handeln nicht klar ist. Sie schreiben, wie es verlangt wird, um politisch nicht anzuecken. Klaus Feldmann, Fernsehsprecher im damaligen Fernsehen der DDR hatte aus Versehen einmal bei bereits offenem Mikrofon gesagt:“ Jetzt muss ich den Mist hier schon wieder vorlesen.“ Genau diese Situation herrscht in dieser BRD. Sie haben oftmals eine andere Meinung, als sie äußern, verkaufen aber zu ihrem materiellen Vorteil ihre Seele. Diktatorische Anzeichen eben in unserem Land.

  34. Hinweise und Meinungen von Leuten, die nicht zur Wahl gehen, sind eher nervig als interessant. Demokratie ist nicht die Muppet Show, bei der Waldorf und Statler ohne Konsequenzen ablästern können – schließlich hat der Beobachter die Moral immer auf seiner Seite. Wir sind aber nicht Beobachter, wir sind die Activitas der Demokratie und wir müssen uns entscheiden. Und entscheiden heißt sich rechtfertigen und im Inneren spürt man dann, dass rechtfertigen mehr ist als Bashing auf die Gegner.

  35. Die „beziehungsvolle Zurückhaltung“ von Dunya Hayali anderen gegenüber empfindet der Stichwortgeber in diesem Interview also als „hochaggressiv“? „Aggressive Zurückhaltung“? Im Ernst? Ja, die hätte dieser Buchstabenwüste da oben gut getan. Wenn zwei alte Männer miteinander die Buddykratie feiern („mein Freund Marseille“) muss man doch nicht gleich soviel Pixel missbrauchen.

  36. Ein sehr guter Artikel mir viel Mehrwert und Erkenntnisgewinn. Ich war zufällig die letzten zwei Monate vor der Wahl in den USA in New York und habe den Endspurt sehr direkt mitbekommen, übrigens am liebsten auf FOX. Sehr interessant der Ausgang der Wahl, ich hätte auch bis zum Schluss geglaubt, Hillary macht`s. Die Eliten waren für sie. Aber die Eliten wurden abgestraft und das ist die interessanteste Erkenntnis aus der Wahl. Leider wird das in Deutschland nicht passieren. Dafür fahren die Züge noch zu pünktlich, das Bier ist noch zu billig und in deutschen Vorgärten sitzen noch zu wenig Flüchtlinge, Aber auch das wird sich noch ändern, wartet es ab.

  37. Hervorragendes Gespräch unter zwei kompetenten Männern! Mehr davon bitte! Es tut so gut, so etwas zu lesen, wenn man sonst im trüben Wasser der linksliberalen Journalisten Pampe fischen muss. Echtes Brainfood!

  38. Mann kann sicher über zu viel oder zu wenig Haltung bei Journalisten diskutieren. Aber sicher nicht mit dem langjährigen Chefredakteur eines Flagschiffs deutschen Haltungsjournalismus. Wenn er den antiquierten Beißreflex von Frau Peters (die im Übrigen bei den Grünen ziemlich isoliert da steht und ihren Fehler eingesehen hat) als intellektuell unterdurchschnittlich empfindet, dann verkauft sich Tiedje selber für dumm, ist es doch genau das, was er fast das ganze Interview über demonstriert: Beißreflexe. Dazu die sich widersprechenden Prophezeiungen z.B. bezüglich der zukünftigen Rolle Deutschlands in der Weltpolitik – da kann man schon verstehen, dass er nicht mehr so häufig in Talkshows eingeladen wird.

    1. Mit den Beißreflexen Tiedjes mögen Sie Recht haben. Aber diese Beißreflexe lassen sich auch bei den Grünen diagnostizieren. Es ist fast das einzige Prinzip der ehemaligen Protestpartei, dem sie treu geblieben sind. Erinnern Sie sich an Frau Künasts Beißreflex nach der Erschießung des islamistischen Terroristen mit der Axt. Denken Sie daran, wie die Grünen alles unterstützen, wenn es sich Antifa nennt, auch wenn dieselben Leute Steine und Brandsätze auf Polizisten werfen und sie als „Bastarde“ und „Schweine“ entmenschlichen. Nein, die Grünen haben Frau Peter den Kopf zurechtgerückt, weil wir das Jahr 2017 schreiben – ein Wahljahr. Die Tradition des Cop-Bashings wird bei den Grünen nach der Wahl wieder aufleben.

      1. Genau das steht da, Herr Schreck, „antiquierter Beißreflex“. Den gibt es bei den Grünen, wie ich geschrieben habe. Dass das vom beißreflexigsten Haltungslobbyisten kritisiert wird, das finde ich absurd und das habe ich zum Ausdruck gebracht. Denn „Peters“ zu lesen und dann gleich die besten Grünen-Klischees der 80er, 90er und der Nullerjahre auszupacken, das ist eben auch ein Beißreflex. Und Sie haben natürlich recht, die Grünen waren von allen etablierten Parteien immer schon die opportunischtiste, wenn es ins Wahljahr ging. Jede Diskussion wird dann im Keim erstickt und wählerabschreckende Ideen unter der Decke gehalten. Deshalb sind die Grünen ja auch immer so erfolgreich bei Bundestagswahlen.

  39. Großartiges Interview! Sehr lesenswert! Zitat Hans.Joachim Friedrichs: “ „Ein guter Journalist macht sich mit keiner Sache gemein – nicht einmal mit einer guten“.“ Wow! Auch mal ein schön kontrovers diskutiertes Interview, nicht nur nachgeben, sondern Austausch.
    Auch angenehm: Herr Lesko ist mit dem Interviewten nicht einer Meinung, aber alle Meinungen finden ihren Platz mit Respekt und Ansehen. Da braucht keiner Angst vor Gesichtsverlust haben.
    So kann man auch Dinge darstellen! Super!

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