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In Facebooks „Journalism Project“: Bild testet Verknüpfung von Paid Content und Instant Articles

Engere Zusammenarbeit mit Medienhäusern: Facebook startet das „Journalism Project“
Engere Zusammenarbeit mit Medienhäusern: Facebook startet das "Journalism Project"

Professionell erstellte Medieninhalte sind für Facebook wichtiger Bestandteil des Newsfeeds. Umso bedeutsamer ist es für das soziale Netzwerk, das selbst keine eigenen Inhalte produziert, Publisher an sich zu binden. Zu diesem Zweck startet das US-Unternehmen nun das "Journalism Project", in dem Facebook gemeinsam mit Medienpartnern Tools und Monetarisierungsmodelle weiterentwickeln will. In Deutschland ist Bild dabei.

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Während Facebook mit seiner Distributed-Content-Strategie dafür sorgt, dass Medienunternehmen ihre Inhalte von der eigenen Website – und damit von der komplett eigenen Vermarktung – trennen, bietet das Netzwerk von Mark Zuckerberg auf der anderen Seite als einer der wenigen großen Anbieter Monetarisierungs-Möglichkeiten, mit denen sich die Publisher anfreunden können. Zu diesem Zweck soll die bisherige Zusammenarbeit zwischen Social Network und Medienhäusern in einem offiziellen Programm, das Facebook „Journalism Project“ nennt, gefördert werden. Das gab das US-Unternehmen am Mittwoch in einem Blog-Posting bekannt.

So sieht das „Journalism Project“ unter anderem vor, den Austausch mit Medienunternehmen zu fördern, um sich genauer auf die Anforderungen von Redaktionen einstellen zu können. Dazu will das Unternehmen auch Hackatons und Lehrgänge für Programmierer und Redakteure organisieren. Für diese ist Facebook zu einem wichtigen Vertriebskanal geworden. Deutsche Websites wie beispielsweise FAZ.net oder Zeit.de verzeichnen rund zehn Prozent ihrer Seitenaufrufe über soziale Netzwerke, Facebook dürfte dabei das wichtigste sein.

In den vergangenen Monaten hat Facebook für Medienschaffende viele Neuerungen herausgebracht. Dazu gehören Formate wie Instant Articles, 360-Grad-Videos oder Live-Streams, die mittlerweile zahlreiche Redaktionen nutzen. Darüber hinaus sollen neue Möglichkeiten geschaffen werden. So wollen Redaktionen ihren Stammlesern bei Facebook gerne ganze Themenpakete ausliefern. „Wir prüfen nun mit einigen Partnern, wie wir dies am besten umsetzen können“, heißt es dazu bei Facebook – mit dabei seien die Washington Post, Fox News, El Pais aus Spanien und die Hindustan Times.

Bild testet Schnittstellen für Bezahlangebote

Das Projekt sieht auch einen Testballon mit einem deutschen Partner vor: Gemeinsam mit Bild will Facebook Möglichkeiten austesten, Instant Articles und Bezahlangebote miteinander zu verbinden. Ziel des bereits laufenden Tests ist es, Facebook-Nutzer zum Abschluss eines Digital-Abonnements zu bewegen. Derzeit bekommen Leser innerhalb eines Instant Articles einen Hinweis auf weitere Verlagsangebote, beispielsweise Bild Plus. Bei Interesse hinterlassen Nutzer dem Medium ihre E-Mail-Adresse für weitere Informationen. Das Verlagshaus Axel Springer, das hinter der Bild steht, will die dahinterstehenden Prozesse optimieren. Mittelfristiges Ziel könnte es sein, dass Nutzer direkt via Facebook Abonnements abschließen. Langfristig dürfte sogar denkbar sein, innerhalb von Facebook Logins für Paid Content zu schaffen.  Das allerdings dürfte nicht im Interesse Facebooks sein, das die Inhalt im Netzwerk gratis zur Verfügung stellen will. Dennoch ist die Öffnung gegenüber Bezahlangeboten ein positiver Schritt für die Medienhäuser.

Darüber hinaus soll die Arbeit an weiteren Monetarisierungsmöglichkeiten für Medieninhalte intensiviert werden. Am Dienstag wurde dazu bekannt, dass Facebook nach einer Testphase voraussichtlich Mid-Roll-Ads bei Bewegtbildformaten möglich machen wird. Also Unterbrecher-Werbung in Videos. Dazu geäußert hat sich Facebook bislang nicht, schreibt aber, dass man an der Möglichkeit arbeite.

Mit dem Posting kündigt Facebook auch einige Tools für Reporter und Redaktionen an, die die Arbeit mit dem Netzwerk im Alltag erleichtern sollen. So können Seiten-Administratoren künftig Reporterprofile dafür freischalten, automatisch von ihrem Profil aus im Namen der Seite einen Livestream zu starten. Für Social-Media-Redakteure könnte die kostenlose Freischaltung des Analyse-Tools CrowdTangle von Interesse sein.

Keine weiteren Ankündigungen in Sachen Fake-News

Im Jahr der Bundestagswahl müssen sich auch deutsche Redaktionen deutlich intensiver auf die Verifizierung von Informationen einstellen. Im US-Präsidentschaftswahlkampf in den USA sind – wie sich im Nachhinein herausgestellt hat – oftmals bewusst platzierte falsche Informationen gerade auch bei Facebook in Umlauf geraten. Soziale Netzwerke wie Twitter oder Facebook wurden dafür kritisiert, Fake News unkontrolliert weiterverbreitet zu haben. Das „Project Journalism“ sieht bislang keine weiteren Maßnahmen gegen Fake News vor. Im Posting weist das Unternehmen lediglich auf die First Draft Coalition hin, die sich im vergangenen Jahr gegründet hat, und der zum Jahreswechsel zahlreiche internationale Medien beigetreten sind.

Auf Nachfragen von MEEDIA hat Fidji Simo, Facebook Director of Product, geantwortet und unter anderem betont, womit Mark Zuckerberg vor wenigen Wochen für Aufsehen gesorgt hatte. Facebook verstehe sich nicht mehr nur als traditionelles Tech-Unternehmen, sei aber auch kein traditionelles Medienunternehmen, wiederholt Simo: „Eine neue Art der Plattform zu sein bringt neue Verantwortung mit sich.“ Auf die Frage, wie Facebook im Bundestagswahlkampf in Deutschland die Ausbreitung falscher Nachrichten verhindern will, erwähnt die Managerin Pläne, die auf eine funktionierende Community setzen. Nutzer sollen demnach verdächtige (Falsch-)Informationen genauso melden können, wie bislang Hasskommentare. „Wir sind weiter dabei, Erfahrungen aus der Testphase zu sammeln und hoffen, bald auch Updates in weiteren Märkten ausrollen zu können“, so Simo.

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