Project R: Von einem alten Zürcher Stundenhotel aus wollen diese Leute den Journalismus retten

Gehen mit Project R an den Start: Geschäftsführerin Susanne Sugimoto, Redakteur Constantin Seibt
Gehen mit Project R an den Start: Geschäftsführerin Susanne Sugimoto, Redakteur Constantin Seibt

Project R nimmt seine Arbeit auf. Hinter dem Namen verbirgt sich ein Projekt rund um den Schweizer Journalisten Constantin Seibt, das sich zum Ziel gesetzt hat, „eine Zukunft für den Journalismus abseits der grossen Verlage zu bauen“. Zum Start wird das Team vorgestellt und der Firmensitz in einem früheren Stundenhotel in Zürich bezogen. Nächster Schritt ist eine Crowdfunding-Kampagne im Frühjahr.

Anzeige

Neben Constantin Seibt, der lange für den Zürcher Tages-Anzeiger auch über Medien geschrieben hat, ist für die Redaktion Christof Moser an Bord bei Project R. Er war u.a. Politik-Reporter bei Facts, Weltwoche und SonntagsBlick. Zuletzt arbeitete er als Bundeshaus-Journalist und Medienkritiker bei Schweiz am Sonntag.

Geschäftsführerin von Project R ist Susanne Sugimoto. Sie war u.a. Leiterin der Medienstelle bei Coop, Leiterin des Kommunikationsteams für Zentraleuropa bei der Zementfirma Holcim und führt heute eine eigene Beraterfirma. Außerdem dabei sind: Laurent Burst (Strategie), Nadja Schnetzler (Prozesse und Zusammenarbeit), Clara Vuillemin (Head of IT), Patrick Recher (Software Entwicklung), Thomas Preusse (Software Entwicklung) und François Zosso (Finanzen).

Was soll Project R aber nun konkret sein? „Unsere Aufgabe ist es, ein digitales Magazin für den Journalismus des 21. Jahrhunderts zu entwickeln: einen Salon für Debatten und ungelöste Fragen, smart, politisch, fair – und mitreißend genug, dass die Artikel freiwillig gelesen werden“, so schreiben es die Macher in ihrer ersten Infomail. Dabei soll nicht zuletzt auch die geschäftliche Seite der Unternehmung Journalismus im Auge behalten werden. Ziel sei „ein Medium, das schlagkräftig genug ist, um im öffentlichen Diskurs einen Unterschied zu machen. Und schlank genug, um zu überleben“.

Im Januar und Februar werden laut Zeitplan die juristischen Gesellschaften gegründet. Das sind im wesentlichen eine Genossenschaft sowie eine Produktions- und Vertriebs-AG. Von Mai bis Juni soll dann eine Crowdfunding-Kampagne laufen, über deren Umfang noch nichts kommuniziert wurde. Allerdings wird der Fortgang des Projekts schon einmal mit dem Gelingen des Crowdfundings verknüpft: „Als wir auf Finanzsuche gingen, schien es uns keine gute Idee, Investoren und Mäzene ihr Geld in ein Projekt stecken zu lassen, dessen Erfolg ungewiss ist. Wir beschlossen, dass es eine simple Frage der Fairness ist, dass wir zuerst ins Risiko gehen. Und, bevor wir viel Geld ausgeben, einen echten Markttest machen: ein Crowdfunding, an dessen Erfolg alle Finanzzusagen von Investoren und Mäzenen gebunden sind.“

Offenbar stehen im Hintergrund also schon einige Geldgeber bereit, die aber nur investieren, wenn das Crowdfunding erfolgreich war. „Wir glauben, dass es sinnlos ist, ein Medium zu starten, wenn die Leute es nicht wollen“, begründen die Macher dieses Vorgehen.

Ab Sommer soll bei erfolgreichem Crowdfunding dann eine Redaktion aufgebaut werden, Anfang 2018 könnte das neue Magazin starten. Als Hauptmotivation für das Projekt geben die Macher an, dass sich die großen Verlage vom Journalismus abwenden würden: „Sie bauen sich in hohem Tempo zu Internet-Handelshäusern um und investieren nicht mehr in die Publizistik. Dies ist ein Problem für den Journalismus und eine Gefahr für die Demokratie.“

Den Fortgang von Project R kann man hier bei Facebook und hier auf einer Webseite verfolgen.

Anzeige
Anzeige
Anzeige