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Die Fälle Tichy, Hensel, Lauer: die unheimliche Macht der asozialen Social-Media-Mobs

Shitstorms: Empörungswellen im Netz.
Shitstorms: Empörungswellen im Netz.

Der Fall Roland Tichy und Xing ist leider typisch für den Zustand öffentlicher Debatten in Zeiten der Social Media. Es wird schnell, oft vorschnell mit einer Schärfe kommuniziert, die keinen Raum mehr lässt für Kompromisse oder echten Diskurs. Die Folgen einer enthemmten und entfesselten Debattenkultur im Social Web sind längst im echten Leben angekommen.

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Beim Web-Magazin „Tichys Einblick“ erschien ein Gastbeitrag des Philosophen und Finanzberaters Jürgen Fritz mit dem Titel „Warum Sie mit psychopathologisch gestörten grün-linken Gutmenschen nicht diskutieren sollten“. Darin wird den so genannten „grün-linken Gutmenschen“ unterstellt, dass sie „geistig-psychisch“ krank seien, und es daher weder sinnvoll noch empfehlenswert sei, „sich auf größere Diskussionen mit ihnen einzulassen“. Der Autor führt dafür allerlei psychologische und philosophische Argumente an, denen man weder folgen muss noch etwas zur Sache tun.

Der Text wurde vielfach geteilt und gelesen und sorgte bei zahlreichen Lesern für Empörung. Diese mündete in einer Welle öffentlich erklärter Kündigungen von Xing-Premium-Accounts. Grund ist Roland Tichy, der Macher des Web-Magazins „Tichys Einblick“ und zugleich Herausgeber von Xing News ist. Über „Tichys Einblick“ konnte man ihn also nicht packen, der „Gutmenschen“-Text ist höchstwahrscheinlich auch nicht justitiabel, also ging man über Xing. Die Burda-Tochter äußerte sich zunächst gar nicht zu dem Phänomen und veröffentlichte am gestrigen Montag dann eine windelweiche Null-Stellungnahme, in der zur Kenntnis genommen wurde, dass Tichy seine Herausgeberschaft von Xing News niederlegt. Man bedankte sich und wünschte ihm „privat wie beruflich alles erdenklich Gute“. Kein Wort zum eigentlichen Vorgang. Nichts. Tichy selbst schreibt auf seiner Website in einer „persönlichen Erklärung“, dass es wegen des Textes sogar Morddrohungen gegen ihn gegeben habe. Er begründet das Niederlegen seiner Herausgeberschaft etwas ausführlicher:

Des weiteren startete eine massive Kampagne gegen Xing. Das kann ich nicht akzeptieren und gutheißen. Ich habe mit viel Engagement und Herzblut als Herausgeber von XING News gearbeitet und das Produkt mit aufgebaut. Die Vielzahl und die Breite des Spektrums der abgebildeten Meinungen bei XING Klartext haben gezeigt, dass es zu keinem Zeitpunkt zu inhaltlichen Überschneidungen gekommen ist. Klartext, die Firma Xing und seine Mitarbeiter sind mir ans Herz gewachsen. Ihnen zuliebe trete ich mit sofortiger Wirkung vom Posten des Herausgebers zurück.

Zuvor schon hatte Tichy den „Gutmenschen“-Text von der Website entfernt, sich für die Veröffentlichung entschuldigt und erklärt: „Unterstellung von Pathologie ist für TE (Anmerk. der Red.: „Tichys Einblick“) keine politische Diskussionsbasis. Davon distanzieren wir uns ausdrücklich.“

Der Fall weckt Erinnerungen an die Aufregung um den #keingeldfürrechts-Shitstorm Ende vergangenen Jahres. Dabei ging es um eine Aktion von Gerald Hensel, der unter dem Hashtag #keingeldfürrechts darauf aufmerksam machen wollte, dass renommierte Firmen auch Werbung auf rechtsextremen Websites schalten. In einem begleitenden Blog-Text erwähnte er dann auch in größerem Zusammenhang Websites wie das Autorenblog „Achse des Guten“ oder „Tichys Einblick“, was von Tichy aber vor allem vom „Achse des Guten“-Macher Henryk M. Broder als Denunziation und Aufruf zum Anzeigenboykott aufgefasst wurde. Broder veröffentlichte eine ganze Reihe von Artikeln, in denen er mit Hensel und seiner Aktion abrechnete. In der Folge wurden Hensel und sein damaliger Arbeitgeber, die Agentur Scholz & Friends, Ziel eines massiven Shitstorms von Bedrohungen und Beleidigungen. Scholz & Friends stellte sich zwar – ganz anders als Xing – in einer Stellungnahme demonstrativ hinter den Mitarbeiter, Hensel entschloss sich aber trotzdem, seinen Job dort aufzugeben. Man hat sich halt geeinigt. So wie sich nun Tichy und Xing geeinigt haben.

Beide Stories sind sich in gewisser Weise ähnlich, auch wenn der Social Mob in beiden Fällen unterschiedliche Stoßrichtungen hatte. Im Fall von Hensel waren es Leute wie Broder und Tichy sowie Gegner von Hensels #keingeldfürrechts-Kampagne, die Stimmung machten. Im Falle Tichys waren es dann Leute, die Tichy für einen „Neurechten“ halten und über seinen Arbeitgeber Xing Druck auf ihn ausüben wollten. Genauso wie die Agentur Scholz & Friends attackiert wurde, um die Privatperson Gerald Hensel zu treffen. In beiden Fällen war der Mob mit seinem Primärziel erfolgreich. In beiden Fällen sind die Zielpersonen des Shitstorms ihre Jobs los, in beiden Fällen wurden sie mit üblichen Beschimpfungen und Bedrohungen bedacht. Dass in einem Fall ein angeblich „Linker“ die Zielscheibe war und im anderen Fall ein angeblich „Rechter“, macht es nicht besser. Egal ob links oder rechts – die Mittel von solchen Social Media Mobs gleichen sich und sind erschreckend wirkungsvoll.

Man muss den „Gutmenschen sind irre“-Text bei „Tichys Einblick“ weiß Gott nicht gut finden. Er mag unverschämt sein und überspitzt und womöglich unsinnig. Darüber kann man streiten und diskutieren. Justiziabel scheint er nicht. In dem Text wird niemand direkt persönlich beleidigt. Und ein ohnehin fragwürdiges Konstrukt wie „Gutmenschen“ ist wohl auch kaum eine klar zu definierende gesellschaftliche Gruppe. Man kann den Text auch als gezielte Provokation verstehen. Man kann sich darüber ärgern, dagegen argumentieren oder es lassen. Oder man kann eben einen Mob im Web anstacheln, um dem Herausgeber der Website, bei der dieser Text erschienen ist, möglichst effektiv Schaden zuzuführen.

Wer sich selbst ein Bild machen möchte, kann den umstrittenen Text hier nachlesen. Dass hier eine wie auch immer geartete Grenze überschritten wurde, fällt schwer zu erkennen. Bei „Tichys Einblick“ wurden schon andere polemische Texte veröffentlicht, die Beifall bei AfD-Anhängern oder „Merkel muss weg“-Rufern finden dürften, ohne dass es den Herausgeber gestört hat. Auf eine Anfrage, über das Thema zu sprechen, hat Roland Tichy leider nicht reagiert.

Es gehört zu den Dauerbrennern des Pegida-Lagers, dass ein linkes „Meinungskartell“, eine gesteuerte „Mainstreampresse“ vermeintliche unliebsame Wahrheiten angeblich unterdrückt und man bestimmte Dinge nicht hierzulande nicht sagen darf, ohne als Nazi verunglimpft zu werden oder Repressalien fürchten zu müssen. Der Fall Tichy/Xing dürfte Leute, die dieser Ansicht sind, bestätigen. Ein Artikel, der als anstößig empfunden wurde, ist nach massivem Druck gelöscht worden. Der Boykott der Firma, bei der der verantwortliche Journalist gearbeitet hat, zeigte Wirkung. Falls Pegidisten einen Nachweis für die Existenz eines „Meinungskartells“ gesucht haben, hier haben haben sie ihn. Das ist nicht gut.

Social Media hat ganz offensichtlich sehr handfeste Auswirkungen im echten Leben. Man kann einen Job verlieren, man kann Morddrohungen bekommen. Man kann erreichen, dass unliebsame Texte von Websites runtergenommen werden.

Noch ein aktuelles Beispiel: Der frühere Piraten- und heutige SPD-Politiker Christopher Lauer wurde Ziel eines Shitstorms, als er die Polizei nach dem aktuellen Silvester-Einsatz am Kölner Hauptbahnhof wegen angeblichen Racial Profilings kritisierte. Lauer bekam offenbar auch Morddrohungen, was selbstverständlich inakzeptabel ist. Er bekam aber auch eine Mail eines Sparkassen-Mitarbeiters, der ihn mit harschen Worten aber in der Form anständig kritisierte und ihm in dieser Mail erklärte, Lauers Äußerungen hätten dazu geführt, dass er und seine Bekannten nun ganz sicher die AfD wählen würden. Was macht Lauer? Er veröffentlicht Screenshots der Mail auf Twitter, zusammen mit einem Foto des Mannes von der Sparkassen-Website. Den Bedrohern und Beschimpfern kam er nicht bei, also packte sich Lauer denjenigen, den er packen konnte und stellte ihn an den Pranger.

Mit welchen Reaktionen ist denn zu rechnen, wenn ein Twitter-Schwergewicht wie Lauer mit über 35.000 Followern jemanden mit Namen und Foto seiner Anhängerschaft als AfD-Wähler präsentiert? Dass die Leute keine Grußkarten in die Sparkasse schicken, war klar. Die Tochter des Sparkassen-Mitarbeiters meldete sich offenbar extra wegen dieser Geschichte bei Twitter an und berichtete von einem Spießrutenlauf für den Vater und die Familie. Außerdem sei der Vater nunmehr von seinem Job freigestellt. Lauer selbst hat dann immerhin nach eigenen Angaben bei der Sparkasse angerufen und darum gebeten, dass der Mann seinen Job nicht verlieren soll. Den Pranger-Tweet hat Lauer inzwischen gelöscht. Die Sparkasse teilte später mit, dass der betreffende Mitarbeiter nicht freigestellt worden sei. Man habe einvernehmlich vereinbart, „ihm ein paar Tage Urlaub zu gewähren“.

Die Wirkungen von solchen Social-Media-Kurzschluss-Aktionen oder Empörungs- und Boykottwellen sind unberechenbar, aber sie sind immer zerstörerisch. Es ist dringend an der Zeit, dass wir die Art, wie wir online miteinander umgehen, in zivilisiertere Bahnen lenken. Nur wie?

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Alle Kommentare

  1. „Es ist dringend an der Zeit, dass wir die Art, wie wir online miteinander umgehen, in zivilisiertere Bahnen lenken. Nur wie?“

    Dafür gibt es nur eine Antwort: Anonymität. Insbesondere anonyme Diskussionsforen!

    Was viele einfach nicht schnallen wollen: das Gesetz der Masse kann man nicht mit wohlfeilen Appellen ändern. Wenn ich eine Million Leser habe und nur jeder hundertste hat einen an der Waffel, dann sind das bereits 10tausend Verrückte. Nehmen wir an, 10 Prozent von denen sind technisch versiert, schicken Mailbomben, fahren DoS-Angriffe, versuchen zu hacken, nerven Geschäftspartner usw. dann sind allein das tausend Gestalten, die eine absolut tödliche Situation für ein Unternehmen erzeugen können, obwohl sie gerade mal 0,1 Prozent der Leserschaft ausmachen.

    Und die Hürde ist im Internet extrem gering, die Möglichkeiten größer als zu Leserbriefzeiten. Das gesellschaftliche Klima zunehmend unversöhnlich. Debatten zum Meinungs- und Faktenaustausch finden faktisch nicht mehr statt, weil jeder der was „Falsches“ sagt sofort gesperrt oder möglichst öffentlich sozial hingerichtet wird. Das funktionierte früher mal, es funktioniert aber eben nicht mehr, wenn man die Hälfte der Bevökerung zu „Pack“ und „Rechtsextremen“ stempelt. Im Netz herrscht m.E. bereits eine Art Bürgerkrieg, beten wir, dass er sich nicht in die Realwelt ausbreitet.

    Schaffen wir endlich wieder Foren in denen man ergebnisoffen diskutieren kann, ohne Angst rausgeworfen zu werden, anonym, damit Anwälte und Mobber aller Spektren keinen Angriffspunkt finden!

    Aber ich träume, es wird nicht passieren. Allein die internetfeindliche deutsche Rechtssprechung hat alles verdorben und Leute wie Maas sind unfähig zu erkennen, wie man eine gesellschaftliche Konfrontation entschärft, die gießen eher noch Öl ins Feuer…

  2. Interessant ist, wie Sie die Geschichte von Hensel ./. Tichy, Broder und Co beginnen lassen: nämlich so, dass Hensel dem Shitstorm gegen ihn seinen Jobverlust zu verdanken gehabt hätte. Damit konstruieren SIe, dass ein armer Hansel „Opfer“ geworden sei, eben ein „Linkes“ Opfer.

    Sie suggerieren Ihren Lesern damit, dass es sowohl hie wie da gleichwertige Opfer gäbe.

    Die Geschichte beginnt jedoch beim ersten Versuch, Tichy, Broder und Co kaputt zu machen. Hensel hat damit den Waffengang eröffnet, dass er „kauft nicht bei …“ in die Welt setzte.

    Richel ist also der zweite Versucher gewesen. Und er wird möglicherweise ebenfalls von Menschen zurechtgewiesen, die noch an ein freies Recht zur Meinungsäußerung für die jeweils andere Seite des Meinungsspektrums glauben und dafür in die Bütt, notfalls aber auch vor die Gerichte gehen.

    Hat es jemals von Ihrer Seite aus einen Kampf gegeben für die Durchsetzung des Impressums? Wenn ich an Indymedia und andere etwas R2G-angehauchte Internetseiten denke, da wird verschleiert, versteckt und von dort aus zu Gewalt und Gesetzesbruch aufgerufen sowie stolz berichtet, wie man dies getan hat. Daran sollte etwas geändert werden und das Schweigen, nicht darum Kämpfen ist ein größeres Problem.

    Meinungsäußerung, die ohne argumentum ad hominem auskommt, ohne Aufruf zu Gewalt oder ohne „Kauft nicht bei …“ Appellen, also auch die Ihre hier, ist das, was die Auseinandersetzung braucht. Die anderen aber, auf die Vernichtung eines ideologischen Gegners, sind zu bekämpfen. Rechtliche Mittel haben wir genug, doch wie überall, das integre, sozial anständige Massenpublikum hat es in der Hand, die Gülle gar nicht erst zum Stinken zu bringen. Der Acker der anständigen Auseinandersetzung ist eine Allmende, die gemeinsame Pflege braucht, egal, welchem Glauben die Bürger privat auch anhängen mögen.

    1. „Wenn ich an Indymedia und andere etwas R2G-angehauchte Internetseiten denke, da wird verschleiert, versteckt und von dort aus zu Gewalt und Gesetzesbruch aufgerufen sowie stolz berichtet, wie man dies getan hat.“

      Niemand kann (ohne umfangreiche Sperr- und Zensurmaßnahmen) verhindern, dass ein anderer in einem anderen Land anonym eine Webseite hosted. Und auch in D ist die Impressumspflicht m.W. nur für kommerzielle Seiten überhaupt vorgeschrieben.

      Nein. Noch mehr Klarnamen, Adressen und Daten lösen das Problem nicht, welches in Abwesenheit von Anonymität besteht.

      In den Zeiten, als der SPIEGEL noch ein lesenswertes seriöses Magazin war, war es auch üblich unter Pseudonym zu schreiben.

      Man wusste damals noch um die Gefahr, jemand Mächtigem auf die Füße zu treten. In unseren selbstverliebten Zeiten, in denen sich jeder Journalist selbst vermarktet und alle Welt bei FB ihre Intimitäten preisgibt, kann es keine offenen Debatten ohne Exzess mehr geben. Einfach deshalb weil man immer weiter eskalieren kann, wird es auch gemacht, dumme (oder bezahlte) Denunzianten gibt es immer und sie wachsen auch immer wieder nach…

  3. Guter Text, zumindest im Abschluss, weil er die richtige Frage stellt:

    Wenn sich Debattenkultur immer mehr in Richtung „Shitstorm“ orientiert, so ist das nicht nur unschön, weil damit viel Aufregung, schlechte Umgangsformen und Jobverluste von direkt Betroffenen verbunden sind.

    Es ist auch problematisch, weil diese Shitstorms an die Stelle von etwas treten, was wir vorher inhärent zum politischen, öffentlichen wie gesellschaftlichen Diskurs gebraucht haben, nämlich konstruktive Debatten.

    Dazu brauchen wir aber intakte mediale, öffentliche und private Sphären, und wir sind gerade dabei im Netz munter miteinander zu vermischen, was in unserer Kohlenstoffwelt aus guten gründen streng getrennt gehörte.

    Dabei ist ein funktionierender rechtsrahmen für den Schutz dieser Sphären nicht ansatzweise in Sicht. Weder die Poster noch die Plattformen auf denen solche Shitstorms stattfinden sind dafür mit momentan verfügbaren Rechtsmitteln irgendwie zur Verantwortlichkeit und zur Selbstkontrolle zu bringen.

    Aber auch die algorithmische Kontrolle über die Inhalte führt in einem Tsunami von Intoleranz, Gleichförmigkeit und Meinungsvorformatierung … dem Gegenteil von Meinungsfreiheit;

    Wenn bestimmte Meinungen und Dedatten nur noch in fragmentierten Öffentlichkeiten stattfinden, so ist sowohl der Input als auch die Rückkopplung (Im Sinne von Antwort) nur noch verzerrt wahrzunehmen.

    Und damit ist die Grundlage von DISKURS an sich wohl effizient zunichte gemacht worden.

    Wir müssen daher diese Frage stellen, ob wir als Gesellschaft lange ohne DISKURS leben können, und ob die Ochlokratisierung („Herrschaft des Pöbels“) wirklich eine akzeptable Alternative sein kann.

    Wenn nicht, so müssen wir alternative Diskursforen schaffen, die sich anders aus den Quellen der Öffentlichkeiten bedienen, und sie anders vermitteln als die Plattformen mit ihren Relevanzalgorithmen von Werbeverkäufern.

    Aber hiermit ist Politik als System schon lange überfordert. Wer schafft dann diese Plattformen?

  4. Halten wir mal fest: Alle drei Aktionen (gegen Broder/Tichy, den Sparkassen-AfD-Wähler und Tichy/Xing) der Herren G. Hensel, M. Richel und Lauer gingen von SPD-nahen oder für die SPD bzw. SPD-geführte Ministerien tätigen Werbe- und Medienleuten aus. Als versierte Profis bemühen sie sich darum, unliebsamen, unabhängigen Medien, ausgesprochen populären, wirtschaftlich offenbar erfolgreichen Blogs die wirtschaftliche Basis zu entziehen. Die Vorwahl-Kampagne der drei gegen „Rechts“ ist für mich Denunziantentum übelster Sorte – bunte Vielfalt, Offenheit, Toleranz, aber auch demokratische Auseinadersetzung sehen anders aus.

  5. Wie schon andere geschrieben haben: Bei Tichy wurde versucht, seiner berufliche Existenz bei Xing zu schaden, weil er als Herausgeber einer schon seit längerem in diversen Kreisen kritisierten Internetseite fungiert, die einen agressiven, aber aufgrund der Reaktion vielleicht im Nachhinein nicht ganz so falschen Text veröffentlicht hat. VIele der Kritiker haben nicht mal gemerkt, dass der Text nicht von Tichy sondern von Fitz stammt.

    Hensel, Lauer und Richel haben eine Reaktion darauf bekommen, dass sie keine inhaltliche Auseinandersetzung suchten, sondern entweder die wirtschaftliche Basis der Gegenüber zu zerstören suchten oder diesen, wie im Fall von Lauer, einfach blosßstellten.

    Im letzteren Fall war die Reaktion von Lauer nicht ausreichend. Ein Anruf bei der Sparkasse, dem Angestellten seinen Job zu bewahren, war lächerlich, weil anmaßend, weil Lauer nicht die Macht hatte, den öffentlichen Schaden, den er mit der Bekanntmachung des Absenders der Sparkasse zugefügt hat, rückgängig zu machen. Lauers Aktion ist insofern verwerflich, weil er sich 2013 selbst noch darüber beschwert hatte, dass private SMS von ihm von Johannes Ponader publik gemacht wurden.

    Sascha Lobo hat diese Tage den Begriff „Political Correctnes“ als moderne Umschreibung für Anstand bezeichnet. Anstand wäre in diesem Fall für mich eine inhaltliche Auseinandersetzung mit welchen Kommentaren auch immer. Einen Twitter-Shitstorm, eine Anfrage an eine Behörde oder einen Arbeitgeber ist nicht anständig. Da darf das Tragen eines Thor Steinar T-Shirts nicht zur Kündigung führen, Lonsdale Kleidung sollte nicht aus Quelle Sortimenten getilgt werden, vielleicht nicht mal ein Andrej Holm wegen seiner Stasi Vergangenheit als Staatsekretär abgelehnt werden (auch wenn es aufgrund seiner Einstellungen bezgl. der Hausbesetzerszene durchaus andere Gründe dafür gäbe).
    Der Wahlerfolg der AFD resultiert zum großen Teil aus der Erkenntnis vieler normaler Menschen (weit über die Wutbürger hinaus), dass man auch mal wieder Meinung sagen kann, die eben nicht vom vorherrschenden politischen Klima bestimmt wird. Dass man nach Silvester 2015 über Probleme mit jungen ausländischen Männern berichten kann, ohne als Rassist zu gelten. Dass man mal fragt, ob die Energiewende wirklich durchdacht ist oder eine längere Laufzeit der Atomkraftwerke auch ein positiver Beitrag zur CO2 Bilanz hätte sein können. Dass Gentechnik, ob grüne oder weisse, vielleicht auch einen Nutzen hat.
    Die Fragen muss man nicht beantworten können. Aber wie Stefan Niggemeier fragte, ob man nach Köln nicht mal fragen dürfe, ob der Polizeieinsatz gerechtfertigt sei und ob es racial profiling ist (natürlich darf man dass, aber man darf diese Fragen auch beantworten), darf man ebenso diese wie auch viele andere Fragen stellen und eben auch beantworten. Manchmal mit dem Holzhammer (wie H. Broder ab und an) manchmal abwägend (da fällt mir Cora Stephan ein) oder aus einer völlig anderen Richtung wie die Mädchenmannschaft oder das Neues Deutschland.

    Ich hab mal vor einiger Zeit gesagt, dass ich die AFD gern im Bundestag sähe, einfach nur, um eine neue politische Farbe dort zu haben. Aber das sähe ich bei der DKP vermutlich genauso.
    Für mich gilt, dass ich, je mehr Meinungen vertreten sind, desto besser.

  6. Lustigerweise spricht Tichy in seiner Stellungnahme zwar davon, dass der Artikel „keine politische Diskussionsbasis“ sein und hat den Text inzwischen entfernt. Die per Link aufrufbare Seite und die dort stattfindende „Diskussion“ (ich nenne das jetzt mal so) bleiben aber bestehen und offen…

  7. Broder hatte lange Jahre einen guten Job beim SPIEGEL. Offenbar verlangte ihm das zu viel Verstellung ab, sich unter „Mittigen“ aufzuhalten. So ging er nach ganz rechts aussen. Und beschloss, ein Vermögen damit zu machen, die Pole der Gesellschaft gegeneinander aufzuhetzen. Letztlich ist „achgut“ nicht anders als pi, nur mit weniger Tippfehlern.

    (Kommentar gekürzt. Bitte vermeiden Sie Beleidigungen.)

    1. @ Petra Kelli Tramp – Genau solche Schreiberling braucht kein Mensch. Auch das was stehen geblieben ist ist Schrott und Unverschämtheit. Broder gefällt Dir nicht als „achtgut“-Schreiber… Du hättest ihn lieber als Spiegel-Mitte-Schreiber. Und DU gibst vor, das Mitte und pi ist? Was für eine Dreistigkeit gegen Andersdenkende. Da haste wohl oben den guten Text von Herrn Winterbauer ganz falsch „interpretiert“. DAS ist es, was „ihr Linken“ (ich sag mal nicht links-grün-versifft) gerne hättet. Recht haben durch unflätige Beleidigungen andersdenkender. DAS, Allerwerteste wird auch nicht mehr gelingen. Und einen Broder brauchen wir bei der Formulierung all dessen, was jemand sagen „darf“ weil er Jude ist und nicht als Nazi diffamiert werden kann.

      (Gekürzt. Bitte Beleidigungen unterlassen. Auch wenn man einzelne Buchstaben aus den Schimpfworten entfernt.)

    2. Seit wann ist der Spiegel „mittig“? Der war das vielleicht ein BISSCHEN unter Stefan Aust.

      Der Spiegel driftet immer weiter in linke Abseits, Meinung und Berichterstattung ist immer schwerer auseinanderzuhalten. Dem zahlenden Leser (wie ehemals auch ich) scheint diese Entwicklung auch nicht zu gefallen, wie man an der Auflagenentwicklung sehen kann. Die halten sich nur noch Fleischhauer als Feigenblatt. Ansonsten ist da nix mittig.

      Broder ist übrigens seither für die Welt tätig und muss sich dort offensichtlich nicht verbiegen.

    3. Broder driftete ganz nach rechts aussen als die deutsche Gesellschaft 1990 ganz nach links aussen gedriftet ist.

      Was war der Anlass für diese Linksdrift ?
      Der Irak war in Kuwait einmarschiert und die Deutschen protestierten gegen den Krieg an dem natürlich „der Ami“ Schuld war.

      Sie protestierten auch dagegen das Deutschland an Israel Flugabwehrraketen vom Typ Patriot liefert, da Israel ja irgendwie selber Schuld ist wenn der Irak damit droht mit chemischen Waffen bestückte Raketen vom Typ Scud auf Jerusalem und Tel Avi abzufeuern falls der Ami den Irak mit einem Militäreinsatz aus Kuwait vertreibt.
      Bronder blieb ganz rechts aussen als das gute linke Deutschland nach dem 11. September 2001 mit klammheimlicher Freude auf die rauchenden Trümmer des WTCs blicken und es sprach: Selber Schuld !
      Bronder blieb ganz rechts aussen als er Jürgen Elsässer – ein bekennender Linker – für sein Zitat über „Tehraner Diskomiezen und Strichjungen des Finanzkapitals“ nach allen Regeln der Kunst vorgeführt hat. Elsässers linkes Magazin Compact kommt bei der Achse des Guten deswegen ziemlich schlecht weg.
      Dabei stellt sich Compact in guter linker Tradition immer auf die Seite der antiimperialisten die gegen den Ami und die Zionisten wiederstand leisten – egal ob in der Ostukraine, im Iran oder in Gaza.
      Der rechte Bronder warnt auch zusammen mit anderen rechten Blogs wie z.B. den Ruhrbaronen vor dem linken, christlichen Pazifisten Xavier Naidoo der ganz autonom mit Menschen spricht welche die Bundesrepublik Deutschland als Staat nicht anerkennen oder der seine Fans über die pädophilen Umtrieber schwuler Politiker aufklärt.

      Man sieht also, wer links sein will darf Bronders tun nicht gut heissen, sonst ist er selber bald ein übler Rechter.

  8. „Im Fall von Hensel waren es Leute wie Broder und Tichy sowie Gegner von Hensels #keingeldfürrechts-Kampagne, die Stimmung machten.“

    Äähm, bitte??? Das kann wohl kaum Ihr Ernst sein. Hensel will die Existenz Broders vernichten und dessen Gegenwehr werten Sie als „Stimmungsmache“??? Ich warte ja sehnsüchtig darauf, dass irgend so ein pathologischer(!) Linksextremist mal meedia ins Visier nimmt…

    1. Herr Winterbauer hat hier, so scheint es, völlig den Überblick darüber verloren, was hier Ursache und was Wirkung war:

      Herr Hensel startet seinen Aufruf „@keingeldfürrechts“ und hat Erfolg damit !
      Der Anzeigenvermittler von achgut bittet um Auflösung des Vertrages, da die Agenturen keine Werbung mehr auf achgut schalten wollten -dieser entscheidende Fakt muss Herrn Winterbauer völlig entgangen sein,

      Zitat Mierscheid : „Vergangenen Freitag bat uns unsere Anzeigenagentur um einen Rückruf. Es waren dort stapelweise Emails von Agenturen und Unternehmen eingegangen, die ihre Anzeigen nicht mehr auf der Achse des Guten platziert sehen wollten. Nicht ein paar der bisherigen Kunden. Alle. Wir sind jetzt „blacklistet“, so nennen sie in den Agenturen ganz ungeniert das Anlegen von schwarzen Listen. Unser Anzeigen-Vermittler, mit dem wir gut zusammengearbeitet haben, bat uns den Vertrag einvernehmlich aufzulösen. Das haben wir getan, weil wir den Leuten noch mehr Schwierigkeiten ersparen wollten.“

      http://www.achgut.com/artikel/das_deutsche_buergertum_darf_nicht_mehr_mitmachen

    2. Naja, dass Hensel die Existenz Broder „vernichten“ wollte finde ich durchaus über-interpretiert. achgut.com wurde von Hensel in einem Blog-Beitrag am Rande erwähnt und auch nicht auf seine „Liste“ mit rechtsextremen Seiten gesetzt. Nach meiner Wahrnehmung waren es durchaus Veröffentlichungen von Broder und Tichy, die danach den weitaus massiveren Shitstorm gegen Hensel und S&F initiierten.

      1. Jetzt wirds wieder schräg.
        Hensels Mit-Blockwart Tapio Liller hat sich doch genau auf Hensels Aktion berufen, als er am 05.12.2016 bei Twitter versucht hat, einen Shitstorm gegen innogy zu starten, damit die nicht mehr bei Achgut werben (mit Screenshot von Achgut.com!)! Die Aktion war erfolgreich, wie sich am 9.12. herausstellte.

        Da ist doch vollkommen irrelevant, ob Achgut auf der Liste stand, oder nicht! Der Schaden war bereits am 5.12. entstanden, ab dem 7.12. hat Broder sich gewehrt.

        Hensel hat sich seinen Shitstorm selbst eingebrockt. Dass Broder mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zurückgeschossen hat, ist nicht zu verurteilen, sondern eine Selbstverständlichkeit, wir können froh darüber sein.

        Daraufhin hat er sich verkrochen und seine Hetz-Seite hinter einem Passwort versteckt. Offensichtlich ist er weniger dickfellig als Broder.

        Das, was Hensel für Broder vorgesehen hatte, kam als Bumerang zu ihm zurück. Die Schuld daran trägt er selbst, mein Mitleid hält sich in Grenzen (bzw. ist nicht vorhanden).
        Und dass Scholz & Friends sich hinter den Großinquisitor aus den eigenen Reihen gestellt hat, der den Firmennamen und die Geschäftskontakte für seinen Gesinnungskrieg missbraucht hat (oder geschah das evt. doch mit Wissen und Billigung des Unternehmens?), ist nicht gerade schlau gewesen. Das Ergebnis sieht man noch heute bei der Facebook-Bewertung.

  9. Schön das sich irgendwann „Blockwarts & Friends“ doch noch von ihrem „Very special Blockwart“ Gerald Hensel getrennt haben?
    😀

    Hmmm …
    aber waren die Piraten nicht diejenigen, welche sich so für den Schutz der Bürgern und ihrer Rechte ausgesprochen haben???
    Herr Lauer haben Sie das gleich mit dem Wechsel zur Scharia Partei Deutschlands (= SPD ) mit in die Tonne gekloppt?

    Und noch ein „Hallo“ an den Meedia-.Zensor:
    Gibt es auch für dies Blockieren einen weiteren 50%-Frühbucher-Rabatt für den Sommer-Urlaub in Nord-Korea? 😉

    Grüße an Kim

    PS: Weder Ochs noch Esel hält …

  10. @Nina

    Da haben Sie sich aber genau die für Sie passenden Argumente herausgesucht.
    Ich wünsche Ihnen, dass Sie Ihre Kinder frei und ohne Islamischen Terror erziehen können. Dass Ihre Kinder ohne von islamistisch erzogenen Mitschülern drangsaliert die Schule besuchen können. Dass Ihre Kinder auch die Schwimmhalle besuchen können, ohne das diese einen großen Teil der Woche durch Sonderöffnungszeiten für schiitische Frauen, für sunnitische Frauen blockiert ist.
    Und ich wünsche Ihnen, dass Sie und Ihre Kinder ohne Angst nach Einbruch der Dunkelheit Parks besuchen können. Außerdem wünsche ich Ihnen, dass Sie weiterhin die Wahlfreiheit behalten, Ihre Kinder auch mit Schweinefleisch ernähren zu können.

    Wie oft Sie mir Fleischgenuss gönnen, das ist mir relativ egal.

    Möglicherweise sind Sie eine grüne Großstadtbürgerin, bei der alle zehn Minuten die S-Bahn vorbei fährt. Viele andere haben dieses Glück nicht, mancherorts kommt nur zweimal am Tag ein Bus vorbei. Wahrscheinlich können Sie sich das gar nicht vorstellen. Aber dummerweise werden die Lebensmittel für Ihre Großstadt nicht in Ihrer Großstadt produziert. Das müssen andere Menschen auf dem Lande für SIE tun. Ohne S-Bahn.

    Nehmen Sie es mir nicht übel, ich mich überzeugen Ihre „Argumente“ nicht.

    1. @Nina, @Olli: So ist es eben, Menschen in einer offenen, demokratischen Gesellschaft haben unterschiedliche Prioritäten für ihr persönliches Leben (Fleisch oder nicht Fleisch, Benzin oder nicht Benzin …) und das ist auch gut so!

  11. Sehr guter Beitrag, hier einige Gedanken dazu:

    Es ist meiner Meinung nach wichtig zu differenzieren:

    1. Ethisch betrachtet ist der beanstandete Beitrag bei Tichy nicht okay. Ersetzen wir einmal rot-grün durch PEGIDA und veröffentlichen den Text in z.B. der TAZ oder ND. Hätte sich Matthias Richel dann auch aufgeregt und zum Boykott von X aufgerufen? Wäre das Boykott dann immer noch angemessen gewesen?

    2. Es ging nie um den Artikel, sondern darum Tichy zum Rücktritt von XING als „Strafe“ zu zwingen. Und das von Anfang an – es wurde direkt mit Druck gearbeitet.

    Beispielsweise hätte Matthias Richel auch schreiben können:

    „Sehr geehrter Herr Tichy, der Beitrag X ist vollkommen daneben. Das diffamiert mindestens 60.000 Parteimitglieder und ist zudem ein Schlag ins Gesicht von wirklich psychisch kranken. Ich bitte Sie den Beitrag zurückzuziehen.“

    1000x RT + Kommentare reichen da auch um genug Druck auszuüben.

    Wo man jetzt bei Minderheiten politisch-korrekt noch mit Silencing argumentieren könnte, gehört Matthias Richel keiner solchen Minderheit an, kann also aus einer starken Position heraus agieren.

    Herr Tichy hätte den Beitrag zurückgezogen, sich entschuldigt (Fehler passieren) und alles geht weiter seinen Weg. Herr Tichy hätte sicherlich nicht nochmals den gleichen Fehler gemacht und die Welt wäre in Ordnung. Eventuell hätten wir dann noch eine Diskussion gesamt-gesellschaftlich darüber führen können, dass auch pathologisch als Begriff für alle PEGIDA Mitglieder nicht wirklich gerechtfertigt ist (Tagesschau) und endlich auch Begriffe wie Z-phob einmal kritisch betrachtet werden, da sie in den wenigsten Fällen etwas mit einer wirklichen Phobie zu tun haben.

    3. Die Strafe (Angemessene Entschuldigung, Rücktritt) direkt zu fordern als Wiedergutmachung für Erfahrenes Unheil ist das problematischste an der ganzen Sache.

    Matthias Richel wird hier zum Ankläger und Richter zugleich.

    Das widerspricht der Idee der rechtsstaatlichen Prinzipien (auch wenn es legal ist) und ist tatsächlich brandgefährlich (in der Ultima Ratio).

    Wenn es Matthias Richel darum gegangen wäre, die Gesellschaft besser zu machen, dann hätte er zuerst den Dialog gesucht. Es wäre immer noch möglich gewesen danach weitere Mittel anzuwenden (also beispielsweise wenn Tichy den Artikel nicht zurückgezogen hätte). (Das gleiche gilt übrigens auch für Broder gegen Scholz+Friends.)

    Hier spielt insbesondere die Verhältnismäßigkeit eine große Rolle.

    Die Guten sind die, die gut und ethisch handeln – nicht die mit der richtigen Sichtweise.

    4. Der Beschuldigte kann nicht „gewinnen“ – es ist also kein fairer Dialog und keine neutrale Rechtsprechung:

    Nach dem „Positionierungsaufruf“:

    – Lässt Tichy den Artikel, dann ist er uneinsichtig und der Boykott geht weiter
    – Zieht Tichy den Artikel zurück, dann heisst es er habe das nur gemacht, weil er Angst wegen dem XING Boykott hat – er ist also uneinsichtig und der Boykott geht weiter.

    D.h. er verliert: Egal – was er macht. Damit wird aber aus Fehlern etwas was zur Strafe, zur Wiedergutmachung, zur Vernichtung führen muss – unabhängig von geltenden Gesetzen.

    Und das ist niemandem fair gegenüber.

    Nochmals:

    Die Guten sind die, die gut und ethisch handeln – nicht die mit der richtigen Sichtweise.

    Lasst uns doch bitte alle zum Dialog zurückkehren – wie auch dieser Beitrag einen Anfang dazu macht.

    1. „Wenn es Matthias Richel darum gegangen wäre, die Gesellschaft besser zu machen, dann hätte er zuerst den Dialog gesucht. Es wäre immer noch möglich gewesen danach weitere Mittel anzuwenden (also beispielsweise wenn Tichy den Artikel nicht zurückgezogen hätte). (Das gleiche gilt übrigens auch für Broder gegen Scholz+Friends.)“

      Das ist irgendwie schräg. Erstens war es nicht „Broder gegen Scholz+Friends“ sondern „Hensel (und Scholz+Friends?) gegen Broder.
      Zweitens hat Broder erstmals am 07.12.16 über Hensel geschrieben, bereits am 09.12. meldete sich die Agentur bei Achgut, weil Achgut inzwischen auf der Blacklist vieler Unternehmen war. Also muss der Schaden für Achgut am 7.12. schon längst entstanden und nicht mehr behebbar gewesen sein (auch belegt durch Twitter-Posts).
      Der, der zu einem Shitstorm aufgefordert hat, war Hensel. Dummerweise hat er dafür selbst einen abbekommen.

      Ich freue mich, dass der Kampf zwischen „Links“ und „Nicht links“ nun endlich begonnen hat. Diesen ewigen Bevormundungen (Veggie-Day, 5 Euro pro Liter Benzin, Multikulti, Wir schaffen das. Unisextoilette uvm.) muss endlich ein Ende bereitet werden.

      1. „Ich freue mich, dass der Kampf zwischen „Links“ und „Nicht links“ nun endlich begonnen hat. Diesen ewigen Bevormundungen (Veggie-Day, 5 Euro pro Liter Benzin, Multikulti, Wir schaffen das. Unisextoilette uvm.) muss endlich ein Ende bereitet werden.“

        Interessant, wo hier die Prioritäten liegen. Als Linke möchte ich meine Kinder erziehen können, ohne zu verarmen oder in persönliche Abhängigkeit zu geraten. Und ich möchte, dass Menschen aus meinem Umfeld, die keinen deutschen Namen haben, nicht dreimal mehr Bewerbungen schreiben müssen, als Leute mit ähnlicher Qualifikation. Auch ein verschärftes Sexualstrafrecht (egal, woher der Täter kommt) wäre wünschenswert.

        Sie dagegen wollen sieben Mal pro Woche Fleisch essen und billiges Benzin.

      2. Das ist definitiv etwas schräg. Ich weiss, wer angefangen hat und den Hintergrund und verstehe das Broder vermutlich keine andere Wahl mehr gehabt hat.

        Ich denke dennoch das der Dialog im Allgemeinen das bessere Mittel ist.

        Danke für den Kommentar.

    2. @Hans im Glück: Alleine die Forderung nach „ethischem Handeln“ macht mich schon aggressiv. Solches Luxus-Formulieren kann auch nur von Leuten kommen, die die Zeit haben, sich da was zurecht zu legen oder zu basteln. Es gibt genug Leute, die kaum über die Runden kommen, von morgens bis abends malochen und für die es trotzdem nicht reicht. Denen kannste mal die Investment-Bänker oder die VW-Vorstände gegenüber tellen und nach DEREN Ethik fragen. Die lachen sich einen Wolf. Worum gehts denn auf der ganzen Welt? Um Kohle, Business, wer hat wieviel und wie bekommt wer mehr. Also hör mir auch mit diesem Gequake nach „Ethik“ bei all denen, die nicht Global-Player sind und die kleinen Malocher für total überflüssig halten auf dieser schönen Welt. Ist es „ethisch“ richtig, dass man in Berlin Leute agieren lässt, die Milliarden in Wohnungsbau stecken, der für keinen Normalmenschen – geschweige denn Rentner – bezahlbar ist. Dass man die Leute raus-saniert? Weil die Millionärs Wohnungen kaufen etc. DAS lässt unsere Politik zu – neben dem ganzen Flüchtlings-Chaos. Zum Kotzen das alles – gerne auch der weiter unten stehenden „linken Nina“ zum Überlegen gewidmet. Was möchte sie? „..möchte ich meine Kinder erziehen können, ohne zu verarmen oder in persönliche Abhängigkeit zu geraten (aha! WER soll Dir dieses schöne leben denn garantieren, das Du da skizzierst?). Und ich möchte, dass Menschen aus meinem Umfeld, die keinen deutschen Namen haben, nicht dreimal mehr Bewerbungen schreiben müssen, als Leute mit ähnlicher Qualifikation. “ Das Leben ist kein Wunschkonzert war mal allgemeiner Konsens. Mir scheint, es sind immer mehr Erwachsene unterwegs die wie kleine Kinder im Sandkasten schwätzen oder das „Traumfresserchen“ täglich bitten, es möge ihnen die schönen Träume erhalten. Was bin ich froh, dass sich wieder Realismus den Weg bahnt. Dass diese Veränderungen in den Anfängen allen Seiten weh tun, gehört auch mit dazu.

  12. Eine politische Kultur entwickelt sich nicht von allein und nicht spontan, sondern sie wächst und gedeiht. Wie in der Biologie sind aber auch Zuchtversuche erfolgreich. Ich möchte an dieser Stelle nur fragen: Welchen Beitrag leisten sogenannte seriöse Medien zu dieser beängstigenden Mob-Mentalität? Denn ohne Frage orientiert sich die Mehrheit der Rezipienten an den Medien und ahmt sie mehr oder weniger nach.

    Brexit-Wähler wurden herabsetzend für alt oder vom Lande kommend erklärt. Gemeint war: altersschwach oder dumme Landeier. Bei der AfD wurde und wird erklärt, das seien die Abgehängten. Die Trump-Wähler werden als „white trash“ bezeichnet. Auch hier wieder die Beschimpfung der Wähler durch Journalisten, sie seien dumme Landeier, noch dazu alt und weiß. Da wird vom Journalistenkatheder herab Rassismus gepredigt, und weder die ZEIT noch der Spiegel bemerken es. Und wenn doch, stört es sie nicht.

    Wer redet schon mit Vollidioten? Diese Herabsetzungen sind nichts anderes als die Absage an jeden Diskurs. Was bleibt dann noch, wenn man nicht mehr miteinander redet? Der andere ist dann nicht mehr Gesprächspartner, sondern Gegner, Feind, das zu Vernichtende.

    Wenn Medien eine Schwarz-Weiß-Malerei betreiben, wird diese auch nachgeäfft: Obama, der Messias. Putin, der Dämon. Trump, der Rassist. Afd, die Krypto-Nazis. Pegida, die Vollnazis. In Verbindung mit der Hysterisierung der Massen zieht die Masse dann eben mit, wenn sie entsprechend verhetzt wurde. Das gilt völlig unabhängig von jeder politischen Richtung.

    Schade, dass Herr Winterbauer nicht erwähnt, dass der Boykottaufruf dieses Mal von Mathias Richel ausging, der meines Wissens ZEIT-Autor ist. Das bestätigt aber nur meinen Zweifel daran, dass diese Presse bereit zu einem Diskurs im Habermas’schen Sinne wäre. Im Gegenteil: Der Giftpilz wird von dieser Presse voller Stolz gezüchtet. Wozu, um Himmels willen?

    Ich hatte mir einmal persönlich eine Pegida-Demo angesehen und ging mit einer fetten Canon mit weißem 70-200er dorthin und fotografierte. Ich wurde weder angespuckt noch angerempelt oder auch nur scheel angesehen. Lässt sich nicht verallgemeinern, ist mir schon klar, umgekehrt aber wohl auch nicht. Ich fand die Reden dort ziemlich krude, aber wenn man die Leute vernünftig nach ihren Ansichten fragt, wird man auch nicht angeblafft, das ist meine Erfahrung. Wer möchte schon vorgeführt werden, ausgerechnet von Journalisten? Wenn eine Hayali dort auftaucht, um die Teilnehmer zu provozieren, widerspricht das meinem Verständnis von Journalismus, der nämlich eine integrative Wirkung über den Diskurs entfalten sollte. Dass Hayali dafür auch noch einen Preis bekam, zeigte mir die demonstrative Verachtung der Medien für diesen integrativen Diskurs. So erzeugt man Mob-Kulturen.

    1. Die Brexit-Wähler wurden nicht für irgend etwas „erklärt“. Es wurden Statistiken ausgewertet.

      Inwiefern hat Frau Hayali denn die Pegidisten provoziert?

  13. Wann lernen es die Leute emdlich? Man tritt im Internet nicht mit Klarnamen und Echtdaten auf. Die Folgen sind unabsehbar und wirken mitunter sehr langfristig. Sowas könnte man eventuell in einem freien Land machen, in dem nicht nur der Staat sondern auch die Bürger verstanden haben, dass man auch nichtgenehme Meinungen aushalten muss. Statt dessen haben wir Haisdurchsuchungs-Maas, Kahane-Zensur und Social Justice Warrior. Wie dumm muss man sein, in einem solchen Umfeld seine Meinung unter Echtnamen zu veröffentlichen?

  14. Ein guter Versuch, der aufgeheizten Debatte etwas Wind aus den Segeln zu nehmen. Dennoch vermischen Sie die Reaktionen der beiden Lager.

    Ja, die Methodik ähnelt sich – ob von rechts oder links. Dennoch muss man, jedenfalls dann, wenn man objektiv bleiben möchte, konstatieren, dass in beiden Fällen (Hensel und Richel) von linker Seite versucht wurde andere Meinungen per wirtschaftlichem Boykott auszuschalten. Bei Hensel ging der Schuss komplett nach hinten los. Es gab nach #keingeldfürrechts einen Shitstorm der sich gewaschen hat, aber nicht wegen einer abweichenden Meinung sondern weil es sich dabei um Denunziantentum im großen Stil gehandelt hat.

    Bei Richel war es im Prinzip ähnlich (vgl. Tweet sinngemäß „Mitgliedschaft gekündigt…ihr könnt das auch“), nur hat Tichy hier recht schnell beigegeben, auch weil er genau weiß, welche Dynamik sich da entwickeln kann. So hat er letztlich Schaden von Xing – einem unbeteiligten Dritten – abgewendet. Ich bin der Meinung, Tichy & Xing hätten hier auch standhaft bleiben können und in ein paar Tagen hätte kein Hahn mehr danach gekräht. Tichy hatte sich immerhin schnell entschuldigt und den Beitrag von der Seite genommen. Ich stimme Ihnen absolut zu: der Kommentar war grenzwertig, eine Polemik voller Übertreibungen und Überspitzungen. Aber anstatt das zu ignorieren oder gar in eine Debatte einzusteigen wird gepetzt und versucht dem Anderen wirtschaftlich zu schaden. Das ist infantiles Verhalten.

    Im Ergebnis bleibt also festzuhalten: Beide Fälle wurden von linker Seite angezettelt, denn beide Male sollte jemand von den „Bösen“ aus dem anderen Lager wirtschaftlich geschädigt werden. Was die Entlassungen angeht steht es in der Tat 1:1, da haben Sie recht.

    1. Wobei Tichy allerdings Mitte Dezember (Hensel hatte schon gekündigt) dazu aufrief, dass Leser, die in einflussreichen Positionen in Unternehmen arbeiten, die Kunden von S&F sind, in ihrem Unternehmen ein „interessantes Gespräch“ führen sollen. So unsympathisch scheint auch Rechten die Möglichkeit der wirtschaftlichen Schädigung nicht zu sein.

      1. Stimmt, hätte nicht sein müssen. Letztlich aber nur eine Reaktion auf den von Hensel gestarteten Aufruf. Ich will jetzt nicht sagen, Hensel hat angefangen 😉

  15. Sehr geehrter Herr Winterbauer,

    vielen Dank für Ihren ausgewogenen Beitrag – er spricht mir aus dem Herzen! Die Art und Weise, wie Menschen auf twitter ihrem Verdruss und ihrer Unzufriedenheit freien Lauf lassen, indem sie einzelne Menschen attackieren, hat tatsächlich nichts mit zivilisertem Umgang zu tun. Das ist Besorgnis erregend, weil es zur Lösung gesellschaftlicher Probleme neben einer respektvollen verbalen Auseinandersetzung keine gewaltfreie Alternative gibt. Wer nicht mehr miteinander reden kann, wird den Anderen als Feind betrachten und letztlich auch so behandeln. Das ist ein generelles Problem von unpersönlichen (online) Interaktionen, aber die Plattform twitter macht es besonders schlimm. Wie soll man jemanden, den man nicht kennt, in 140 Zeichen überhaupt respektvoll anreden? Für „Sehr geehrter Herr“ bzw. „Sehr geehrte Frau“ und „Mit freundlichen Grüßen“ werden ja schon über 40 Zeichen verbraucht! Eine mögliche Lösung wäre, dass twitter irgendwann so stark von unproduktiver Gehässigkeit erfüllt ist, dass alle Anderen aufhören es zu benutzen. Aber bis es so weit ist, muss das Problem wohl eher noch schlimmer werden.

    Mit freundlichen Grüßen

  16. „Die Debattenkultur“ schreiben Sie, aber es ist eben nicht die Debatte, welche von Personen wie Hensel und Lauer geführt wird, es ist das Ausgrenzen unliebsamer Meinungen und Wahrheiten, welche von solchen links gestrickten Figuren betrieben wird. Man möchte eben nicht „um der Sache Willen“ diskutieren, man möchte es erst gar nicht zur Diskussion kommen lassen und nur noch die eigene Meinung und Ideologie sehen und alle, die dem im Weg stehen einfach diskreditieren und aus der Debatte nehmen, weil man in Wirklichkeit gegen deren Fakten keine Argumente hat. Es ist der Weg in den Stalinismus, ein Führer, eine Meinung, eine Ideologie und wehen denen, die dieser nicht folgen. Linker Faschismus.

    1. Nun ist es aber so, dass es das, was Sie beschreiben, auch in die andere Richtung geht. Wenn ich versuche, mich mit sagen wir mal Konservativen zu unterhalten, nachfrage, wie bestimmte Aussagen gemeint sind, Gegenargumente bringe etc., bekomme ich in fast allen Fällen u.a. Ähnliches zu hören:

      – rotgrünversifft (Wähle weder das eine, noch das andere)
      – stalinistisch (Weil ich eine Meinung habe?)
      – weltfremd (Weil meine Erfahrungen/Eindrücke andere sind)
      – Faschist (in Verbindung mit Antifa, mit der ich eher nichts zu tun habe)
      – „Sie ekeln mich an“ (Hat in einer halbwegs zivilisierten Diskussion auch nichts zu suchen – was soll man da schon entgegnen?)
      – „Sie sind verlogen“ (Wenn das jemand von seinem Gesprächspartner annimmt, hat das Gespräch auch keine Basis)

      Ich möchte nicht behaupten, dass alle nach Rechts tendierenden Menschen auf so einem Niveau unterwegs sind und ich weiß auch, dass viele Linke so kommunizieren. Persönlich halte ich es aber ziemlich entscheidend, dass man Interesse an den Äußerungen des Anderen hat und nicht einfach die Gelegenheit nutzt, sich abzureagieren. Das hat nichts mit PCness oder Verweichlichung zu tun, sondern ist einfach höflicher und produktiver, sollte der Austausch zu einem Ergebnis führen (Und Ergebnis muss nicht heißen, dass irgendwer seine Meinung wechselt – oft ist Verständnis schon ein Schritt).

      1. Nein, es ist nicht so, das Leute die eher ins Konservative Lager tendieren genauso borniert wie Linke reagieren. Ganz im Gegenteil sind Linke viel ideologischer (was ich hier nicht abwertend meine) und deshalb Ihrer gesamten Ausrichtung nach, schon danjach interessiert, die Deutungshoheit zu gewinnen.
        Tatsächlich wird mit dieser ‚Definitionsmacht‘ und wer sie automatisch für sich beanspruchen darf, in links geprägten Umfeldern argumentiert. Wem das lächerlich erscheint, dem empfehle ich die Lektüre linker Texte zu dem Thema.
        Ein Nachweis, das von Links die Diskurshoheit angestrebt wird, hat man nicht erst seit Lauer.

        Ich schreibe das Wähler der Linkspartei.
        Das ich mich vom autoritären und dogmatischen Gehabe einiger Linken distanziere, weil es mich anekelt, sollte man nicht so auslegen, das ich nun ein Fan von Rechts wäre.
        Diesen Zusatz fühle ich mich leider gezwungen hier einzufügen, weil es tatsächlich einfach zu viele linke Kleingeister gibt, die die tatsächlich immer wieder so einer Logik unterliegen.

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