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„Kampagne bis hin zu Morddrohungen“: Roland Tichy legt Herausgeberschaft von Xing News nieder

Roland Tichy: Polarisiert mit seinem Web-Magazin „Tichys Einblick“
Roland Tichy: Polarisiert mit seinem Web-Magazin "Tichys Einblick"

Seit dem Wochenende kämpfte das Karrierenetzwerk Xing und der Herausgeber des Debatten-Bereichs Klartext, Roland Tichy, mit einem heftigen Shitstorm. Auslöser war ein Text, der auf der Seite des ehemaligen Chefredakteurs der Wirtschaftswoche erschienen war. Für diesen entschuldigte sich Tichy bereits. Nach der anhaltenden Kritik geht er nun noch einen Schritt weiter und legt seine Amt beim Business-Netzwerk nieder.

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Auf seinem Meinungsportal Tichys Einblick hat der Publizist am Montagmittag eine entsprechende persönliche Erklärung veröffentlicht. Darin heißt es im Wortlaut:

„Am Wochenende hat eine Kampagne gegen mich und meine publizistischen Aktivitäten einen weiteren Höhepunkt erreicht. Die Kritik entzündet sich an einem Text, der auf Tichys Einblick erschienen ist. Er hätte nicht erscheinen dürfen, deshalb habe ich ihn vom Blog entfernt und mich für den Fehler entschuldigt. Das hat aber nicht zur Ruhe geführt. Stattdessen erhielt ich Morddrohungen.

Des weiteren startete eine massive Kampagne gegen Xing. Das kann ich nicht akzeptieren und gutheißen. Ich habe mit viel Engagement und Herzblut als Herausgeber von Xing News gearbeitet und das Produkt mit aufgebaut. Die Vielzahl und die Breite des Spektrums der abgebildeten Meinungen bei Xing Klartext haben gezeigt, dass es zu keinem Zeitpunkt zu inhaltlichen Überschneidungen gekommen ist. Klartext, die Firma Xing und seine Mitarbeiter sind mir ans Herz gewachsen. Ihnen zuliebe trete ich mit sofortiger Wirkung vom Posten des Herausgebers zurück.

Wo ein Ende ist, ist auch ein Anfang. Mit Xing Klartext und Tichys Einblick haben sich zeitgleich zwei sehr erfolgreiche Internetmarken entwickelt. Ich werde mich in Zukunft auf Tichys Einblick konzentrieren und dazu beitragen, dass Heft und Internet-Magazin weiter schnell wachsen. Deutschland braucht auch und gerade im Jahr des Bundestagswahlkampfs kritische und mutige Stimmen.“

Xing nimmt Entscheidung „mit Respekt zur Kenntnis“ und nennt Tichy „einen der renommiertesten Journalisten Deutschlands“

Das börsennotierte Unternehmen hat am Mittag ebenfalls eine Erklärung veröffentlicht: „Roland Tichy hat uns heute mitgeteilt, dass er seine Tätigkeiten für Xing mit sofortiger Wirkung aufgibt. Xing hat Roland Tichy, seiner journalistischen Kompetenz und seinem Verständnis für Publishing im Internet viel zu verdanken. Er ist einer der renommiertesten Journalisten Deutschlands und hat uns entscheidend geholfen, Xing Klartext aufzubauen. Dabei handelt es sich um ein Debattenformat, das vom Prinzip der Rede und Gegenrede lebt, das kontroverse Debatten ermöglicht und so Meinungsblasen vermeidet. Die Vielzahl der Debatten und das breite Meinungsspektrum bestätigt die Richtigkeit des Weges. Xing Klartext erfreut sich großer Beliebtheit und ist ein großer Erfolg für Xing. Wir nehmen Roland Tichys Entscheidung mit Respekt zur Kenntnis und bedanken uns herzlich bei ihm für alles, was er für uns getan hat.“

Auslöser war eine Protestwelle, die sich am Wochenende in den Social-Netzwerken aufbaute. Twitter-Nutzer störten sich an einem Text, der in „Tichys Einblick“ erschienen war. Den Stein ins Rollen brachte Mathias Richel, Kreativdirektor bei der Berliner Social Media-Agentur TLGG, mit folgendem Facebook-Post und Tweet, der mehr als 1000 Likes auf dem Kurznachrichtendienst einsammelte:

Richel prangert in seinem Post an, dass Roland Tichy, der seit 2015 für Xing als Herausgeber für das Newsformat „Klartext“ fungiert, in seinem Blog Tichys Einblick „neurechte Beiträge“ publiziere, „in denen Andersdenkende pathologisiert werden“.

Gemeint sein dürfte damit der Beitrag  „Warum Sie mit psychopathologisch gestörten Gutmenschen nicht diskutieren sollten“, der vom Autor Jürgen Fritz verfasst wurde und am Freitag erschienen war. Dort bezeichnete Fritz „grün-linke Gutmenschen“ als „geistig-psychisch krank“.

Auf diese Kritik hatte Tichy bereits reagiert, sich entschuldigt und den Text gelöscht. Jetzt geht er mit seinen Xing-Rückzug noch einen Schritt weiter.

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