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Angst mit Ausrufezeichen: Wie die Bild-Zeitung mit ihrer Titelseite an der Realität vorbeischreibt

Ein Viertel Angst: Die Bild-Zeitung unter Leitung von Tanit Koch steht in der Kritik
Ein Viertel Angst: Die Bild-Zeitung unter Leitung von Tanit Koch steht in der Kritik

Angst ist ein schlechter Berater – vor allem in Zeiten des Terrors. Die Titelseite der Bild-Zeitung vermittelt am heutigen Mittwoch den Eindruck, dass nach dem Anschlag in Berlin, Deutschland nun von Angst regiert wird. Der Aufmacher sorgt in den sozialen Netzwerken für Kritik. Springers Boulevardzeitung schüre Ängste, wo derzeit keine sind. Ganz unberechtigt ist diese Kritik nicht.

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Wie viele andere deutsche Medien beschäftigt sich an diesem Mittwoch auch Deutschlands größte Tageszeitung weiter mit dem Anschlag in Berlin. Über dem Bruch auf der Titelseite, dem Aushängeschild der Zeitung, zeigt Bild ein Foto des LKW, der am Montagabend in eine Menschenmenge auf dem Weihnachtsmarkt vor der Gedächtniskirche in Berlin raste, dessen Fahrer bislang zwölf Menschen das Leben nahm und zahlreiche weitere verletzte. Die Windschutzscheibe ist zertrümmert, aus der Fahrerkabine hängt die Weihnachtsdeko der Markt-Buden. Es ist ein Foto der Zerstörung. Darunter titelt Bild in großen Lettern: „Angst!“. Die Typo nimmt ein Viertel der gesamten Seite ein.

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Angst mit Ausrufezeichen. Es ist eine Schlagzeile, wie man sie nur aus dem Boulevard kennt, und eine, bei der Kritik programmiert ist. Auch aus dem eigenen Haus. So äußerte sich der ehemalige Welt-Chefredakteur und Upday-CPO Jan-Eric Peters bei Twitter irritiert.

Die Aufmachung von Europas größter Zeitung soll die Stimmung im Land wiedergeben, das Gefühl nach diesem brutalen Anschlag auf Deutschland und seine Werte in Worte fassen und „sagen, was ist“, wie es sooft und so schön unter Journalisten heißt. Doch liegt die Bild-Zeitung, bei der Emotionen und starke Emotionalisierung zum Handwerk gehören, dieses Mal richtig?

Chefredakteurin Tanit Koch beantwortet die Frage in einer Stellungnahme gegenüber MEEDIA (die Sie hier ausführlich nachlesen können) mit einem klaren Ja.

„Bild wurde einmal treffend als ‚Seismograph der deutschen Befindlichkeit’ beschrieben. Mit der Schlagzeile ‚Angst’ bilden wir eine Emotion ab, die viele Menschen in Deutschland in sich tragen. Wann, wenn nicht jetzt – ein bewaffneter Isis-Terrorist ist auf der Flucht, während die Berliner Polizei bereits Entwarnung gegeben hatte –, soll man Angst haben? Es ist ein ganz natürliches menschliches Empfinden. Angst vor zunehmenden rassistischen Übergriffen ist übrigens auch Angst.“

Die Angst – zumindest in der plakativ getitelten Version – hatte das Team um Chefredakteurin Tanit Koch an diesem Mittwoch ziemlich exklusiv. Andere sehen eher eine Wut, Trauer, Versicherung oder Ohnmacht. Das heißt gewiss nicht, dass Angst in Deutschland keine Rolle spielt. Natürlich herrscht Verunsicherung, natürlich sind Menschen besorgt, manche sind verängstigt. Doch ist Angst in diesen Tagen das beherrschende Gefühl? Ist sie größer als in den vergangenen Monaten nach den brutalen Anschlägen in Brüssel, Nizza in Paris? Ist sie so groß, wie Bild sie darstellt? Offensichtlich nicht. Denn obwohl „Angst!“ groß draufsteht, steckt nur wenig Angst im Innenteil der Bild. Auf fünf Seiten wird „Angst“ drei Mal quasi in Randnotizen zum Thema. Dabei wird die Angst nicht beschrieben, sondern über sie gesprochen. Unabhängig davon, ob und in welchem Maße sie existiert.

Koch zu ihrer Entscheidung:

„Wir hätten leicht eine Doppelseite mit Stimmen von verunsicherten Bürgern füllen können. Bloß: Wo ist der Erkenntnisgewinn? Stattdessen berichten wir über das nachrichtliche Geschehen, zeigen unsere Rechercheergebnisse, stellen die zentralen Fragen.“

Freilich berichtet Bild über Vorkehrungen, die getroffen werden. Fahrverbote für schwere Fahrzeuge in Innenstädten, Beton-Barrikaden vor Weihnachtsmärkten, um einen Vorfall wie diesen in Berlin zukünftig zu vermeiden. Die Maßnahmen aber sind keine angstgetriebenen. Sie sind Symbolpolitik.

Das Leben mit dem Terror sei zur Normalität geworden, schreibt Christiane Hoffmann, stellvertretende Leiterin des Spiegel-Hauptstadtbüros in ihrem Newsletter. Man neigt dazu, ihr zuzustimmen. Trauriger Weise. Die Menschen, so scheint es, haben sich mit dem Terror abgefunden. Auch, wenn er vor der eigenen Haustür stattfindet. Nach dem wilden Nachrichtenabend am Montag trafen die Sondersendungen am Dienstag bereits auf weniger Interesse der Zuschauer. Der „Brennpunkt“ des Ersten landete mit 4,58 Mio. deutlich hinter zahlreichen anderen „Brennpunkten“ der jüngeren Vergangenheit, obwohl sich die Nachrichtenlage alle paar Stunden ändert. Sondersendungen über eine Flutwelle, auch wenn sie nur eine vergleichsweise kleine Zahl von Menschen direkt betrifft, hätten mehr Zuschauer als die unberechenbare Gefahr für alle. Die Bevölkerung reagiert mit der von Politik und Medien propagierten Ruhe und Routine.

Unabhängig von der Frage, ob Angst in der Gesellschaft ein beherrschendes Gefühl ist oder nicht, geht es auch darum, welchen Effekt ein Titel auf die Stimmung hat. Die Kraft der Bild mit ihrer millionenstarken Reichweite ist nicht zu unterschätzen. Sie kann Stimmung nicht nur beschreiben, sie kann sie auch erzeugen. Dessen sind sich die Macher durchaus bewusst. Bewiesen hat sich das merklich während des Höhepunktes der Flüchtlingskrise im vergangenen Jahr. „Wäre die Bild-Zeitung einen harten Kurs gegen die Flüchtlingspolitik von Frau Merkel gefahren, wäre die Stimmung im Land noch vergifteter als sie ohnehin schon ist“, attestierte jüngst Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo.

Kritiker der Bild stoßen bei Koch auch Gegenkritik:

„Solche Vorwürfe kommen gern von jenen, die ihre Mitmenschen für einfältig halten. Wir schüren überhaupt nichts. Das Unsicherheitsgefühl in der Bevölkerung ist – nicht erst seit dem Anschlag von Berlin – unbestreitbar vorhanden. Es ist ein zentrales gesellschaftliches Thema. Es kann wahlentscheidend sein. Aber natürlich sei jedem unbenommen, in dieser Situation lieber pädagogischen Journalismus zu betreiben. Bild tut das nicht. Wir stellen Lebenswirklichkeit dar, das ist unsere Aufgabe. Vor allem hat unsere Titelseite die Kraft, die handelnden Personen – Politik und Sicherheitsbehörden – deutlich darauf hinzuweisen, was ihre Aufgabe ist: größtmögliche Sicherheit für die Menschen in Deutschland an öffentlichen Plätzen.“

Dabei muss sich eine Redaktion aber auch entscheiden, welche Message sie vermitteln will. Wenn das Ziel des Terrorismus ist, Angst und Schrecken zu verbreiten, hat Bild ihm die Bestätigung geliefert.

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Alle Kommentare

  1. Angst? Nein, keineswegs, es ist Mitgefühl für die – vermeidbaren! – Opfer, und WUT. Wut auf die Politiker, die uns diese Zustände durch ihr verantwortungsloses Handeln eingebrockt haben, und ihre Mithelfer und Claqueure.
    Denn dies alles ist selbstgemacht, und keine Naturkatastrophe.

  2. Junge, Junge, kein Artikel hier, ohne dass nicht sofort ein paar hirnlose Untergangs-Apologeten versuchen, ihr dreckiges Propaganda-Spielchen zu spielen.

  3. Der Zersetzungsprozess dieses Landes ist weiter fortgeschritten als unmittelbar sichtbar. Das große Problem sind nicht die vereinzelten aufmerksamkeitsstarken Anschläge wie in Berlin, so bedauerlich und traurig diese auch sind. Die Million Flüchtlinge, die 2015 nach Deutschland gekommen sind, sind mehrheitlich Sozialschmarotzer — Entschuldigung Wirtschaftsflüchtlinge. Von ihnen weiß die ganze Welt (sie haben ja alles verloren nur ihre Handys nicht), wie einfach es ist in Deutschland zu stehlen, zu betrügen und Gewalttaten zu begehen, ohne große Konsequenzen. Es werden mehr kommen, illegal und unkontrolliert über die ungeschützten Grenzen. Sie werden sich zu Banden zusammenschließen und nehmen, was sie kriegen können. Der politische Wille, dies zu verhindern, ist nicht sichtbar. Nennt man die Einsicht in diese Zukunft Angst?

  4. Warum haben die Leute Angst? Weil in diesem Lande von den oberschlauen Grün-Linken weltweit Kriege mitgestaltet wurden, die Verteidigung der eigenen Heimat aber als entbehrlich dem Volk eingeprügelt wurde. Man denke nur an Kosovo, wo das Völkerrecht hinter der guten Sache zurückstehen musste, denn Grün hat immer recht, erst recht mit Clintons und Albrights Segen. Nur ohne Wehrpflicht, die in Österreich nach einer Volksabstimmung nicht abgeschafft wurde, lässt sich der Raum nicht schützen, wenn dezentral verteilt überall Terroristen sitzen können. In Österreich oder der Schweiz wäre dies nicht so schlimm, denn es wäre einfach, entsprechende Schutztruppen mit Reservisten zu mobilisieren. Die zielgerichtet von diesen Politikern (schwarz-rot-grün) ausgemergelte Bundeswehr hat keine Reserven, die Bürger dürfen keine Waffen haben und die Polizei reicht nicht. Das ist die Lage, die die Grünen als wesentliche Antreiber der gesamtem Situation nicht wahrhaben wollen und sie oberschlau, wie immer, schön reden wollen. Einerseits haben sie richtigerweise gegen Waffenlieferungen nach Saudiarabien gewettert, aber andererseits, dass die Salafisten von dort gesteuert werden und mit dem Geld der Saudis auch beliebig in Deutschland missioniert werden kann, ist nicht die gewünschte Nachricht, weil dies ihre Harmoniegesäusel stört. Daher darf der Bürger zwar Angst haben, dass die Kernschmelze von Fukushima den Hamburger Rathausplatz verseucht, aber keinesfalls vor Islamisten, es könnte ja die grüne Mär der kulturellen Bereicherung stören. Es ist geradezu grotesk, dass die professionelle Angstpartei der Grünen, jetzt Angst als kontraproduktiv ansieht. Das ist unsere Friedensdividende.

    1. Sagen Sie mal, sind Sie einmal von einem Baum enttäuscht worden ? Oder woher kommt Ihre fast schon pathologische Abneigung gegen alles Grüne?
      Das ist schon ein ziemlicher Schmarrn, den Sie da schreiben, oder? Zudem leider von keinerlei politischem Überblick gebremst….
      Darauf einen grünen Tee!

    2. Ja,ja… Schutztruppen mit Reservisten helfen dann auch gegen amoklaufende Einzeltäter. Und wer glaubt, dass mehr Waffen in der Bevölkerung für mehr Sicherheit sorgen, der glaubt auch noch an den Weihnachtsmann. Denn das dem nicht so ist, zeigen die im privaten hochgerüsteten USA mit ihren zahllosen Amokläufen!!

  5. ichverachte zutiefst diese hinterhältig verlogeneseite…
    was auch immer sie ausspucken sollte ist zutiefst verachtenswert…

  6. …Angst, Hass, Titten und dem Wetterbericht…

    Wer sang so weise vorausschauend ?

  7. Angst? ANGST?? Völlig am Thema vorbei! Es ist Wut, blanke WUT, die in mir und vielen anderen brodelt! Wut auf diese degenerierten Parasiten, die aus Neid lieber zerstören als etwas zu schaffen! Wut auf diese unfähigen und auch unwilligen Landesregierungen, kriminelle Asylbetrüger abzuschieben! Wut auf diese Kanzlerin, die ihr Volk solchen tickenden Zeitbomben mit drei Identitäten und Duldungspapieren aussetzt und es als „freundliches Gesicht machen“ abtut! Es ist unfassbar, was sie letztes Jahr zugelassen wird. Und noch unfassbarer ist, dass sie immer noch Kanzlerin ist und nicht schon längst ins Exil auswandern musste!

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