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„Ich schließe das nicht aus“: Die zurückhaltende Reaktion von ZDF-Chef Bellut auf Böhmermann-Show im Hauptprogramm

„Ich schließe das nicht aus, seine Sendung wird ja auch im Hauptprogramm wiederholt“: ZDF-Intendant Thomas Bellut (r.) reagiert zurückhaltend auf Jan Böhmermanns (l.) Wunsch, eine Show im ZDF-Hauptprogramm zu moderieren.
"Ich schließe das nicht aus, seine Sendung wird ja auch im Hauptprogramm wiederholt": ZDF-Intendant Thomas Bellut (r.) reagiert zurückhaltend auf Jan Böhmermanns (l.) Wunsch, eine Show im ZDF-Hauptprogramm zu moderieren.

Läuft beim ZDF. So freut sich der Sender-Chef über den höchsten Marktanteil (wahrscheinlich 13,1 Prozent) seit 2008. Die Quote ist für Intendant Thomas Bellut aber nicht alles. Die Mainzer wollen die Berichterstattung vor der Bundestagswahl 2017 ausbauen, darüber hinaus wolle er längerfristig auf Satiriker Jan Böhmermann ("Neo Magazin Royale") setzen.

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Das ZDF will die Berichterstattung vor der Bundestagswahl 2017 ausbauen. „Es wird ein größeres Angebot geben und wir wollen mit unseren Vor-Wahl-Sendungen stärker in die Prime Time gehen“, kündigte Intendant Thomas Bellut im dpa-Interview an. Mit Blick auf die Debatte über Fake News sagte er: „Die sorgfältige journalistische Arbeit wird noch wichtiger.“ Das ZDF wolle alle Gruppen der Gesellschaft erreichen. Aber: „Rassistische Botschaften werden nicht unkommentiert in den ZDF-Kanälen gesendet, sondern verlangen eine journalistische Begleitung.“

Sie starten im März 2017 Ihre zweite Amtszeit. Was sind ihre wichtigsten Ziele?
Transparenz und ein offener Umgang mit Fehlern werden noch wichtiger. Der Zuschauer muss verstehen, warum wir über bestimmte Dinge berichten. Er muss auch nachvollziehen können, wenn wir die Wahrheit noch nicht kennen. Ich plädiere immer dafür, das auch klar zu sagen. Wir müssen uns anstrengen, alle Gruppen dieser Gesellschaft zu erreichen, auch diejenigen, die eine gewisse Grundskepsis gegenüber unseren Nachrichten haben. Aber ein Aufweichen unserer Standards wird es nicht geben: Keine Diskriminierung von Minderheiten, Wahrhaftigkeit der Information. Rassistische Botschaften werden nicht unkommentiert in den ZDF-Kanälen gesendet, sondern verlangen eine journalistische Begleitung.

Wie hat sich das ZDF in diesem Jahr aus Ihrer Sicht geschlagen?
Wir haben mit wahrscheinlich 13,1 Prozent den höchsten Marktanteil seit 2008. Das freut mich, weil es zeigt, dass unser Angebot ankommt. Der Anteil der Jüngeren im Hauptprogramm hat sich nicht verändert. Die ZDF-Familie konnte sich um einen Prozentpunkt verbessern. ZDFneo hat sich um 0,5 Prozentpunkte auf 2,1 Prozent verbessert, ZDFinfo um 0,2 Prozentpunkte auf 1,2 Prozent. Die Strategie, auf Digitalkanäle zu setzen, war richtig. Der Abstand zu den Wettbewerbern ist so deutlich, dass das ZDF auch ohne Fußball-EM und Olympia klar Marktführer wäre. Der Bereich Fiction ist stabil, Dokus und Nachrichten haben sich nochmal verbessern können. Die Nutzung über das Netz nimmt weiter zu. Es ist aber ein Irrtum zu glauben, dass die Jüngeren kein Fernsehen gucken, sie sehen heute sogar länger fern als 1992, wohlgemerkt linear. Die zeitversetzte Nutzung kommt dazu.

Wie ist der Stand der Einsparungen?
Der Personalabbau ist weitgehend geschafft. Wir haben bis 2020 noch knapp 100 Stellen abzubauen. Es ist gerade in Zeiten zahlreicher unvorhersehbarer Großereignisse und Krisenberichterstattung nicht einfach, dies zu organisieren. Die Umstrukturierung im ZDF geht aber weiter. Finanziell ist das ZDF in einer stabilen Situation, dafür sind wir den Beitragszahlern dankbar. Wir werden alles tun, um mit der ARD gerade in der Infrastruktur noch mehr zusammenzuarbeiten.

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Welche wichtigen Vorhaben gibt es für 2017 im ZDF?
Im nächsten Jahr haben wir die Bundestagswahl und wichtige Landtagswahlen vor uns. Die sorgfältige journalistische Arbeit wird noch wichtiger. Es wird ein größeres Angebot geben und wir wollen mit unseren Vor-Wahl-Sendungen stärker in die Prime Time gehen, ungeachtet jeder Quoten-Überlegung. Ich vermute aber, dass diese Sendungen in der aufgeheizten innenpolitischen Atmosphäre ein großes Interesse finden werden. Für die AfD wird es bei der Besetzung der Berliner Runden keine Sonderregelung geben. Wir bleiben dabei: Nur wenn Parteien im Bundestag vertreten sind, können sie daran teilnehmen. Die kleineren Parteien werden in der Vor-Wahl-Berichterstattung vertreten sein, ihrer Bedeutung entsprechend. Weil die AfD in einigen Landtagen vertreten ist, ist sie ein relevanter Faktor für die Vor-Wahl-Berichterstattung geworden.

Jan Böhmermann hat mit seinem Schmähgedicht bei ZDFneo für viel Wirbel gesorgt. Sie haben seinen Vertrag verlängert. Ist er irgendwann auch im ZDF-Hauptprogramm mit einer eigenen Sendung vertreten, wie er sich das gerade im dpa-Interview gewünscht hat?
Ich schließe das nicht aus, seine Sendung wird ja auch im Hauptprogramm wiederholt. Aber da, wo er jetzt ist, erreicht er nahezu perfekt die jüngeren Zuschauer. Er ist vor allem im Netz unglaublich erfolgreich. Ich würde ihm immer raten, sein klares Profil beizubehalten, das ist sein Markenzeichen und sein Erfolgsrezept. Am Ende ist es immer eine Entscheidung des Künstlers, wo er seinen Hafen sieht. Ich würde mich freuen, wenn diese Zusammenarbeit auch über die Vertragszeit hinausgehen würde. Ein Satiriker wie Böhmermann braucht einen verlässlichen Sender und auch einen Intendanten, der zu ihm steht und ihm auch gelegentlich einen Ratschlag gibt.

 

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Alle Kommentare

  1. Böhmermann wird „das Gesicht des ZDF“…
    Haben die „schwarzen“ Fernsehräte dieses parteipolitische „Leitgesicht“ etwa versehentlich abgenickt?

    Oder haben die ZDF-Fernsehräte den personalpolitischen Spurwechsel wieder mal verschlafen?

    Oder wurden sie von der ZDF-Spitze über die Personalauslese beim Personalabbau irreführend informiert?

    Die „Schwarzen“ werden noch viel jammern im Wahljahr 2017.

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