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VDZ-Zoff: Funke-Geschäftsführer Manfred Braun rudert in Sachen Print-Aufträge offenbar zurück

Funke-Geschäftsführer Manfred Braun, G+J-Chefin Julia Jäkel, VDZ-Präsident Stephan Holthoff-Pförtner
Funke-Geschäftsführer Manfred Braun, G+J-Chefin Julia Jäkel, VDZ-Präsident Stephan Holthoff-Pförtner

Der Streit um die Nominierung von Stephan Holthoff-Pförtner zum neuen VDZ-Präsidenten schwelt weiter. Die Funke-Mediengruppe wollte Druckaufträge an den Gruner + Jahr-Mutterkonzern Bertelsmann überprüfen. Jetzt rudert der Funke-Geschäftsführer Manfred Braun offenbar zurück. Doch Funke hat mit seinem Vorgehen dem VDZ-Präsidenten schwer geschadet.

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Eigentlich wollte Stephan Holthoff-Pförtner als neu gewählter Präsident des Verbands Deutscher Zeitschriftenverlage (VDZ) die Gemüter im Streit um seine Nominierung beruhigen und neues Vertrauen aufbauen. Dazu traf der Miteigner der Funke Mediengruppe Ende vergangener Woche Gruner + Jahr-Chefin Julia Jäkel. Genau die Frau, die vor wenigen Wochen ein Machtwort gesprochen und zusammen mit den Chefs von Zeit, Spiegel und der Medweth-Gruppe entschieden hatte, zum 1. Juli 2017 aus dem Fachverband des VDZ auszusteigen.

Doch Funke-Geschäftsführer Manfred Braun macht dem VDZ-Präsidenten und seinem Mitgesellschafter Holthoff-Pförtner einen Strich durch die Rechnung, Jäkel und die drei anderen abtrünnigen Medienhäuser wieder zur Rückkehr in den VDZ-Fachverband zu bewegen. Er soll angeordnet haben, lukrative Druckaufträge der Essener an die Bertelsmann-Drucktochter Prinovis zu überprüfen und sie an Wettbewerber abzugeben – gegebenenfalls an den Münchener Burda-Konzern oder TSB. Dabei handelt es sich wirtschaftlich um keine Kleinigkeit für Bertelsmann. Denn der Gruner + Jahr-Mutterkonzern müsste in diesem Fall einen kräftigen Ertragsdämpfer in Höhe eines zweistelligen Millionenbetrags verkraften, falls sie den Druckauftrag von Magazinen wie Hörzu oder Bild der Frau verlieren.

Der ehemalige Bauer-Manager Braun wollte sich nicht bezichtigten lassen, er habe in seiner Eigenschaft als PZ-Vorstandsvorsitzender im Prozess um die Nominierung Holthoff-Pförtners gelogen, berichtete das Handelsblatt. Der Funke-Manager soll den Beteiligten erklärt haben, dass man sich erst nach dem 22. September um einen geeigneten Nachfolger für den ausgeschiedenen VDZ-Präsidenten Hubert Burda bemüht habe. Also an jenem Tag, als Hubert Burda erklärte, sein Amt als VDZ-Präsident am 6. November zur Verfügung zu stellen. Jäkel und Esser sollen aber glauben, dass die Einigung auf Holthoff-Pförtner weit vor diesem Stichtag erfolgte. Seither steht der Vorwurf von „Hinterzimmer-Bünden“ im Raum.

Nun rudert Braun zurück. Der Funke-Manager soll seine Überlegungen auf Eis gelegt haben, Druckaufträge von Bertelsmann an Konkurrenten zu verlagern, heißt es. Ein Funke-Sprecher will sich hierzu auf MEEDIA-Anfrage nicht äußern. Fraglich ist, ob ihn die Eigentümer der Essener Mediengruppe zurückgepfiffen haben. In Branchenkreisen geht man davon aus, dass Braun lediglich die Muskeln spielen ließ. Denn es sei juristisch gar nicht möglich, Druckaufträge ad hoc zu kündigen. Dazu räumen sich die Vertragspartner lange Kündigungsfristen ein.

Dies ist jedoch nur die eine Sichtweise. In der Branche hinterlässt das Handeln des Funke-Geschäftsführers einen bitteren Beigeschmack. Denn wer mit wirtschaftlichen Drohungen taktiert, sei auch zu anderem Handeln fähig und belastet damit die eigene Glaubwürdigkeit was die Nominierung des VDZ-Präsidenten Holthoff-Pförtner angehe, heißt es von verschiedenen Seiten. Der jedenfalls hat durch die aktuellen Geschehnisse das Nachsehen. Er wird es künftig schwer haben, den ohnehin dünnen Gesprächsfaden mit den Verbandsabtrünnigen weiter aufzunehmen.

Zudem bekommt das Bild von Holthoff-Pförtner als neuem Cheflobbyisten der deutschen Zeitschriftenbranche Risse. Nach außen demonstriert der Rechtsanwalt, Zwistigkeiten – wie mit Gruner + Jahr & Co. – zu schlichten, nach innen fehlt ihm aber die Macht, eigene Manager in wichtigen Angelegenheiten zur Räson zu bringen. Da helfen auch Briefe wenig, die der VDZ-Präsident erst vor wenigen Tagen an 500 Delegierte versandte. Darin heißt es: „Ich hoffe auf einen kurzen Draht zu ihnen, offene Dialoge und sachliche Kontroversen. 60 Jahre gute Entscheidungen waren oft das Ergebnis harter Auseinandersetzungen, nie waren sie das Ergebnis von Sprachlosigkeit“. Daran kommen jetzt eher Zweifel auf.

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Alle Kommentare

  1. Dieses Kindergarten-Gezanke ist unfassbar: Das soll die Meinungselite von Deutschland sein??? Die Beteiligten stellen mit ihrem Gehabe der Presselandschaft ein Armutszeugnis aus.

  2. Mit Print geht es bergab. Da sollte man als Verband sich gegenseitig stärken und nicht Machtspiele oder ähnliches veranstalten.

    Wie heißt es doch so schön: Nicht Buttermilch und Quark, nur Einigkeit macht uns stark!

    Kein Mensch, außer Insidern interessiert sich für Verbandsquerelen. Markt Twain hat mal gesagt, es gibt kaum etwas was Gentleman nicht bei einem Whiskey und einer guten Zigarre nicht lösen könntn. Also Jungs und Mädels, verzichtet mal auf Eitelkeiten und arbeitet lösungsorientiert. Okay, ich weiß, ist ja bald Weihnachten…

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