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Bezahlen mit dem Handy: Axel Springer testet neuartiges Bezahlangebot SwissPay bei Bilanz

Bilanz-Chefredakteur Klaus Boldt
Bilanz-Chefredakteur Klaus Boldt

Blendle, Pocketstory oder Laterpay - viele Medienhäuser experimentieren mit diversen Bezahlmodellen, um durch den Verkauf einzelner Print-Artikel mehr umzusetzen. Jetzt testet das Berliner Medienhaus Axel Springer beim Wirtschaftsmagazin Bilanz und der schweizerischen Tageszeitung Le Temps ein neues innovatives Bezahlangebot aus der Schweiz. Ist der Test erfolgreich, könnten andere Medien des Springer-Portfolios nachziehen.

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Wer einzelne Artikel einer Zeitschrift oder Tageszeitung aus der gedruckten Ausgabe kaufen will, hat beim Bezahlmodell SwissPay die Wahl: Entweder er schaut sich einen 15-sekündigen Werbespot komplett an oder er gibt über eine Maske seine Handynummer ein, erhält Sekunden später eine mehrstellige PIN, die er lediglich bestätigen muss: prompt kann er digital auf den gewünschten Artikel aus dem Heft zugreifen. Der zu zahlende Betrag erscheint auf der nächsten Handyrechnung. Zeitraubende Registrierungen wie die Eingabe von Adresse, Rechnungs- oder Kontodaten entfallen – wie beispielsweise bei WeltPlus.

Jetzt testet die Berliner Axel Springer SE das Bezahlmodell aus der Schweiz beim Wirtschaftsmagazin Bilanz, das der Welt als Supplement beiliegt, sowie bei der Tageszeitung Le Temps, die zu Ringier Axel Springer Medien Schweiz AG gehört. „Wir haben oft Nachfragen bekommen, ob wir nicht die Möglichkeit schaffen können, einzelne Artikel des Hefts abzurufen. Swisspay erleichtert hierfür das Bezahlen. Das Modell setzt neue Maßstäbe, was Einfachheit angeht“, nennt Bilanz-Chefredakteur Klaus Boldt die Vorzüge der Schweizer gegenüber MEEDIA. Einzelne Artikel aus Bilanz können seit einigen Tagen über SwissPay für 0,99 Cent abgerufen werden. Doch die Bilanz-Macher haben die Preise hierfür noch nicht endgültig festgezurrt. Möglicherweise müssen Leser für längere Reportagen oder Berichte tiefer in die Tasche greifen.

Als weitere Bezahlplattform hält der Bilanz-Chef an Blendle fest, obwohl der Online-Kiosk des niederländischen Anbieters offenbar nicht die gewünschten Erfolge zeigt. SwissPay soll das bestehende Bezahlangebot ergänzen, heißt es. Boldt: „Digital haben wir unser Magazin bisher nur als E-Paper vertrieben. Ab sofort ermöglichen wir auch den Zugang zu einzelnen Artikeln der jeweils aktuellen Ausgabe. Und das auf radikal einfache und nutzerfreundliche Art und Weise.“

Springer-Chef Mathias Döpfner setzt dem Vernehmen nach große Hoffnung auf die Schweizer Innovation. Verläuft der Markttest bei Bilanz und Le Temps erfolgreich, könnten andere Magazine und Zeitungen der Berliner Mediengruppe schnell nachziehen. „Wir werden SwissPay gründlich testen und beobachten, ob die Bezahlmethode von den Lesern angenommen wird. Unsere Erfahrungen werden wir selbstverständlich teilen“, erklärt Boldt.

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SwissPay ist ein junges Tech-Unternehmen mit Sitz im schweizerischen Lausanne. Gegründet wurde das Startup für mobile Payment-Modelle von Marc Lamarche. Der Jungunternehmer arbeitete zeitweise bei der Züricher Tamedia-Gruppe und leitete hier eine Einheit für mobile Anwendungen, bevor er mit Partnern das neue Bezahlmodell entwickelte. Einen Teil seiner beruflichen Laufbahn verbrachte der Tech-Spezialist bei der Adello AG. Das Unternehmer ist einer der führenden Anbieter für mobile Werbeformen im Web.

Vielleicht hat dies dazu geführt, dass SwissPay eine Vermarktungsseite hat. Denn auch für die Werbewirtschaft ist das Bezahl-Angebot sehr interessant. Denn Leser, die keinen Bilanz-Artikel kaufen möchten, müssen sich die Videos der Werbekunden komplett anschauen. Sie können die Spots nicht überspringen. Dadurch erlangen die Werbebotschaften volle Aufmerksamkeit, heißt es von der Verlagsseite. Einen ersten Testkunden hat Bilanz bereits hierfür gewonnen: den Hamburger Versicherungskonzern Hanse Merkur. Das Welt-Supplement konnte den Anzeigenumsatz dem Vernehmen nach in den ersten zehn Monaten zweistellig ausbauen. Die Rede ist von 60 Prozent. Zahlen zur Entwicklung des Werbegeschäfts gibt Springer nicht preis.

Das Berliner Medienhaus hatte Bilanz erstmals im Mai 2014 in Deutschland veröffentlicht. Dafür hatte Springer-Chef Döpfner zwei alte Hasen vom Spiegel-Konkurrenten Manager Magazin gewonnen: Klaus Boldt, langjähriger New York-Korrespondent und Reporter bei mm und den ehemaligen mm-Chefredakteur Arno Balzer, der bei Bilanz als Herausgeber wirkt. Die Zeitschrift liegt jeden ersten Freitag im Monat in der Welt und Welt Kompakt bei. Springer gibt in der Schweiz eine gleichnamige Publikation heraus.

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