Vor sechs Monaten hat der Independent seine Print-Ausgaben eingestellt – und ist jetzt seit über 20 Jahren erstmals wieder profitabel

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Die britische Zeitung The Independent machte vor sechs Monaten Schlagzeilen, weil sie als erste Zeitung Großbritanniens die Druckmaschinen abschaltete und nur noch komplett aufs Digitale setzte. Das Blatt war hoch verschuldet und schrieb seit über 20 Jahren Verluste. Jetzt sagte der Besitzer, Evgeny Lebedev, der Financial Times, dass die Zeitung ohne Print-Ausgabe wieder profitabel ist.

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Allerdings ging der drastische Schritt nicht ohne Verluste über die Bühne. 110 Mitglieder der alten, 200 Mann starken Redaktion mussten gehen, 10 neue wurden eingestellt. So zählt die Redaktion des Independent heute 100 Personen. In den sechs Monaten seit dem Abschied von Print konnte die Zahl der Besucher auf der Website zwischenzeitlich deutlich gesteigert werden. Von 15,8 Mio. Unique Usern im Februar auf 21 Mio. Uniques im Juni, vor der Abstimmung über den Brexit. Im August fiel die Zahl der Uniques dann wieder auf 16,2 Mio. laut ComScore. Der Brexit-Effekt war größtenteils wieder weg.

Die digitalen Anzeigenerlöse (andere gibt es ja nicht mehr) seien um 45 Prozent gestiegen und sollen 2016 insgesamt rund 20 Mio. Britische Pfund betragen. Die neue Belegschaft ist dabei generell jünger und verdient weniger als die alte. „Indem wir Online-only gegangen sind, haben wir uns von der schwerfälligen Infrastruktur von Print befreit und uns erlaubt, weitaus flexibler zu sein“, so Lebedev zur Financial Times.

The Independent wurde vor über 30 Jahren als Gegengewicht zur damals sehr parteiischen Presse in Großbritannien gegründet. Es gibt aber auch kritische Stimmen. „Wir sind vielleicht profitabel aber zu welchem Preis?“, zitiert die FT einen Independent-Journalisten, der nicht namentlich genannt werden will. Und weiter: „Das hat nichts mehr mit dem zu tun, was wir einst waren.“

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Alle Kommentare

  1. Der INDEPENDENT ist kein repräsentatives Beispiel für eine Digitalisierungsstrategie, denn der hatte noch nie eine so große Auflage wie die „SUN“ oder „DAILY MAIL“.
    Gerade die MAIL hat sich durch niedrigen Coverpreis, Rätseln, Comics und Beilagen viele Papierleser erhalten.

    Der INDEPENDENT war seriös, aber langweilig. Zumal er qualitativ nie an den GUARDIAN heranreichte. Ein Nischenprodukt, welches eher eine Wochen- als Tageszeitung hätte sein sollen. Dazu wurde er immer dünner und immer teurer. Während der GUARDIAN „nur“ immer teurer wurde.

  2. Was für ein Äpfel-Birnen-Vergleich. Mit der Hälfte der ursprünglichen Mannschaft, die dazu noch weniger verdient. Wer sagt denn, dass so auch die Printausgabe nicht wirtschaftlicher gewesen wäre…

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