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Sido und die Medien: Der Rapper sehnt sich nach Respekt – aber wofür eigentlich?

„Erstma’ zerr’n sie uns ins Rampenlicht Doch wenn wir dann Rappersachen machen, sind sie angepisst
Denn wir sind nicht angepasst Yeah“ (Sido, „Masafaka“)
"Erstma’ zerr’n sie uns ins Rampenlicht Doch wenn wir dann Rappersachen machen, sind sie angepisst Denn wir sind nicht angepasst Yeah" (Sido, "Masafaka")

Der Rapper Sido (bürgerlich: Paul Würdig) versteht sich auf das Geschäft mit der PR. Anlässlich seines neuen Albums „Das goldene Album“ veröffentlichte er ein Stück mit deftiger Medien-Schelte und gab dem stern ein entsprechendes Interview. Beide Male beklagt Sido, dass die Medien „den Hip Hop“ nicht ernst nehmen würden. Woher kommt diese Sehnsucht nach Respekt von dem angeblich so unangepassten Rapper? Eine Polemik aus Opfer-Perspektive.

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Auf den ersten Blick wirkt die Masche eines Sido fast schizophren. Beim Privat-TV-Sender ProSieben stellte er sein neues Lied „Masafaka“ (soll für den englischen Begriff „Motherfucker“ stehen) vor, in dem er wiederum in simpel anmutenden Stummel-Stammel-Sätzen über ProSieben und dessen Moderator Daniel Aminati sowie eine Handvoll weiterer Medien herzieht.

Ihr Opfer lasst Hip-Hop in Ruhe, nehmt die Hände weg da!
Sie reden über uns, da bei ProSieben
Doch sie könn’n sich den Bericht in ihren Po schieben
Und dieser dumme Daniel Aminati rappt jetzt
Das ist der Moment, wo man wegzappt

Uiui. Das ist aber subversiv. ProSieben – Po schieben. Hihi. Der traut sich ja mal was, dieser Sido. Wobei er früher noch ein bisschen drastischer war. Zum Beispiel in seinem Werk „Arschficksong“ (wurde laut Wikipedia anno 2002 blöderweise nicht indiziert, sondern als Video bloß als FSK 16 freigegeben).

Aber wenden wir uns der aktuellen Medienkritik Sidos zu. Ein Topos, der dem Rapper durchaus nicht fremd scheint. Man erinnere sich u.a. an seine mehrmaligen Einlassungen, bei Medien handle es sich um „Idiotenpack“. Ein Anlass war, dass er für den Ausspruch im ORF „Ihr Österreicher habt uns da mal einen rübergeschickt, der uns Ordnung beigebracht hat“ kritisiert wurde. War selbstverständlich ironisch gemeint. Aktuell schimpft Sido, die Medien würde den Hip Hop nicht ernst nehmen. Im dazugehörigen Video sehen wir u.a. einen gut genährten jungen Mann im Hoodie, der mit Motorsäge einen goldfarbenen „Ghettoblaster“ kaputtmacht. Wieso sollte man so etwas nicht ernst nehmen?

Besonders aufgeregt hat sich Herr Sido offenbar über die Rapper-Parodie des Jan Böhmermann, der sich Kollegah „Haftbefehl“ mit seinem Video „Ich hab’ Polizei“ zur schmalen Brust nahm. „Er wär‘ gerne ein Rapper, dieser Böhmermann. Aber auch die größte Katze kann nicht, was der Löwe kann“, dichtet Sido nun in seinem Werk „Masafaka“. Im stern-Interview präzisiert er, was er meint: „Der Mann wollte früher in der Schule gerne selbst Rapper sein und mit den coolen Jungs abhängen, aber war einfach nur ein Opfer.“ Das ergibt natürlich Sinn: Jeder, der sich kritisch über Rap äußert oder darüber lustig macht ist entweder „Opfa“ oder neidisch oder (meistens) beides.

Man muss das aber vermutlich alles nicht so ernst nehmen, dieses leicht weinerliche Gejammere der ganz harten Jungs, man würde sie nicht ernst nehmen. Wenn sie wirklich so böse authentisch wären, wie sie rappen, würden sie sich dann wie Sido in Castingshows wie „Popstars“ hocken oder wie Bushido ganz dolle darüber freuen, wenn man ihnen einen „Integrations“-Bambi hinterherwirft (Laudatio: Peter Maffay)? Vermutlich wurden die Herren da „ins Rampenlicht gezerrt“, wie Sido in „Masafaka“ dichtet. Und dann war der Medien-Mainstream (zu dem ein Casting-Show-Juror, Musik-Großverdiener, Echo- und MTV-Music-Awards-Preisträger, um nur einige Preise zu nennen, auf gar keinen Fall zählen dürfte) wieder „angepisst“, weil sie ganz unangepasste „Rappersachen machen“. Tipp für die nächste Bambi-Jury: Zerrt den Sido doch mal ins Rampenlicht und erfindet für ihn flugs einen „Respekt“-Bambi. Mal schaun, ob er ablehnt …

Was an einem Rap-Schlager wie „Astronaut“ „böse, „schmutzig“ oder „unfassbar lustig“ oder unangepasst sein soll, wie Sido meint, dass Rapper sind, das müsste einem angesichts solcher Tralala-Reime allerdings auch mal jemand näher auseinandersetzen:

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Hier oben ist alles so friedlich doch da unten geht’s ab
Wir alle tragen dazu bei, doch brechen unter der Last
Wir hoffen auf Gott, doch haben das Wunder verpasst
Wir bauen immer höher bis es ins Unendliche geht
Fast acht Milliarden Menschen, doch die Menschlichkeit fehlt

Och Mönsch, dem armen Sido fehlt die Menschlichkeit. Da hat er ja auch persönlich viel für getan, für mehr „Menschlichkeit“. Mit seinen immer mal wieder vorkommenden Schlägereien oder Liedzeilen wie diese aus seinem bereits erwähnten Frühwerk „Arschficksong“:

ich wollt den kerl schonen
sein loch war schon ganz blau
und dabei fand ich raus er konnte blasen wie ne frau
aber es ging nich lange
irgendwie musste er kotzen
wahrscheinlich lag es an den restlichen scheissebrocken
scheissegal
wieder anal bis ich komm
ich bin der arschfickmann
das is der arschficksong und der geht

dadadadadadad…

auauau arschfick…

Er ist schon ein großer Künstler, der Herr Würdig. Wer einen Eindruck vom Künstler als Mensch bekommen möchte, kann sich mal diese Szene aus seinem YouTube „Tourblog“ anschauen, in der er die bemitleidenswerte Social-Media-Kreatur „Hans Entertainment“ dazu bringt, eine Flasche BBQ-Soße auszutrinken und anschließend Cheeseburger bis kurz vors Erbrechen zu futtern. Bestimmt auch wieder so eine „Rappersache“, die man so macht. In Sachen Menschlichkeits-Faktor aber mehr so mittel.

Vermutlich ist es Paul Würdig aber egal, ob er ernst genommen oder für doof befunden oder sonstwie unqualifiziert von Opfern kritisiert wird. Denn mit seiner Provo-Masche ist er – wie andere Rapper auch – kommerziell überaus erfolgreich. Und dazu gehören dann eben auch die Medien, die man wahlweise beschimpfen oder sich bei ihnen reinsetzen kann. Dann ist man halt einmal der böse Bube und beim nächsten Album wieder der Menschlichkeits-Schnulzier. Ganz, wie wie es gerade passt. Kann es sein, dass es da in allererster Linie um Geld geht? Nein! Das wäre ja viel zu angepasst.

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Alle Kommentare

  1. Lieber Paul, also lieber Sido oder lieber Ex-Maskenmann oder lieber Co-Astronaut: Da, wo der echte Rap herkommt, kennt dich niemand. Und wenn Sie dich kennen würden, dann würdest Du wirklich mal die street credibility und „diese Rappersache“ kennenlernen. Dein harter Muselmann-Bart, den Du dir bei Bushido abgeschaut hast und all deine Tattoos und deine inszenierten Battles und Dissattacken können nicht darüber wegtäuschen, dass du faker bist als ein 30 Euro Schein. Um mal CR7Z zu zitieren: „In den 90ern waren wir schon weiter als Du heute. FKP, Jamer$on.“

  2. Unter Gangster muß man sich Respekt nicht verdienen.
    Respekt erweist man dem Stärkeren, damit man nichts auf’s Maul bekommt.
    Wer schwächer ist hat weder Respekt noch Mitleid verdient, sonder ist ein Opfa das man abziehen kann.
    😉

  3. Sellout SIDO liefert Alibi-Kritik als PR Move, um Pseudo-Skandale zu produzieren, die keinem wirklich weh tun.

    Aber was soll man ihn haten, er hat es geschafft!

    Faustregel, gute Rapper sind Mittelos und Wütend und hungrig, die Rap-Qualität lässt mit dem Erfolg einfach zwangsläufig nach

  4. Genau, entwickle Dich! Und fang einfach mit der deutschen Sprache an, wenn Du das Ziel hast, Sprachkünstler sein zu wollen.

    Respekt kommt dann ganz von selbst, wenn Du’s kannst. Bzw. falls.

  5. Sehr schöner Kommentar. Danke für die kurzweilige Unterhaltung, die das Gebaren geisitig gestrandeter treffend umschreibt.

  6. hm.. irgendwie sehr schlecht geschrieben dieser artikel… schon klar es soll um das verhältniss erfolgreicher musiker, in dem fall „gangster“ rapper gehen.. aber nicht einmal diese simple aufgabe schafft der autor.

    er verfehlt einfach mal die grundlegende premisse indem er allen erstes denkt es ginge hier um respekt für einzelne künstler.

    so schwer ist der zusammenhang doch echt nicht.. geht ja auch eigendlich aus dem song hervor denke ich.. aber gut mal für den langsamen autor:

    es geht bei der kritik um das verhältnis, bzw. den ruf der kunstform des rap.
    schaut man sich andere länder an sieht man das dort diese kunstform wesentlich realer in der gesellschaft angekommen ist.. hier ist es schlicht ein vermarktungsaspekt.. der von der öffendlichkeit leider immernoch nciht erst genommen wird. aber wir werden uns schon noch entwickeln.

  7. Speckrest dem, der Speckrest selbst ernst nimmt. Die Frage allerdings lautet: wieso widmet sich Herr Winterbauer in dieser Ausführichkeit diesem lausigen Bubi?

    1. Sido ist halt überflüssigerweise ein Medienthema, daher auch ein Thema für MEEDIA. Aber wie schon weiter oben ausgeführt: Den Bub einfach mal links liegen lassen und mal schauen, wie er dann mit der fehlenden Aufmerksamkeit klar kommt. Seine Fans erreicht er wohl trotzdem, das klappt auch über social media.

  8. Man kann von Sido halten was man will…
    Aber dieser Artikel ist schon ein bisschen peinlich… Das hat weder was mit Berichterstattung noch mit Kritik zu tun – das ist einfach nur unnötiges Bashing.
    Und warum? Ist es weil Sido in seinem Song Medien kritisiert oder angreift und man sich jetzt verteidigen möchte?

    1. Hmmm, weder Berichterstattung noch Kritik, wohl eher der Versuch, die Wechselwirkung zwischen Gangsta-Rapper und Medien zu erklären. Dafür braucht der Autor zwar etwas viele Worte und Liedzeilen zur Untermalung, bekommt am Ende aber doch die Kurve. Er hätte es aber auch auf die einfache Formel bringen können: Medienskandal erzeugt Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeit steigert die Verkaufszahlen – und hohe Verkaufzahlen sind für die Medien wiederum ein Indiz für Popularität, über die man gerne berichtet. So dreht sich der Kreis immer schön weiter, quasi eine win-win-Situation, auch wenn es nach außen aussieht, als wär man spinnefeind …
      Mal davon abgesehen: Für den Dreck, den Sido produziert, verdient er wirklich keinen Respekt. Eher Mitleid für die vorpubertäre Wortwahl bei einem Erwachsenen jenseits der 30. Insofern fänd‘ ichs ganz gut, wenn ihn einige Medien einfach mal links liegen lassen würden.

  9. Respekt kann man nicht fordern, den muss man sich verdienen…

    Aber Typen wie er, die man am liebsten im Klo runter spülen möchte, werden niemals Respekt bekommen…. denn sie verdienen ihn nicht!

  10. Wenn´s was gibt, was in dieser Szene echt nervt ist es das „show me some respect“ Gelaber. Selbst der beknackteste Hosenscheißer in der Szene will Respect.
    Wenn man dann, was ich grundsätzlich tue, einfach fragt „Wieso, wofür?“ gucken die meist einfach nur dumm und verstehen offensichtlich die Frage nicht.
    Das man sich Respekt erarbeiten muss haben viele Menschen halt nie gelernt.

    Allerdings würde ich mal sagen, dass man Sidos Erfolge als Rapper in jedem Fall respektieren kann und muss – auch wenn ich persönlich seine Texte meist einfach nur peinlich pubertär und daneben finde.
    Aber, muss ihn mir ja nicht anhören, unseren deutschen Obergangsta und dann kommt halt der Moment wo ich wegzappe.

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