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Donald Trump adelt die New York Times als „großes amerikanisches Juwel“

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Schlägt als gewählter Präsident die alten Töne an: Donald Trump

Es ist eine besondere Beziehung: Donald Trump und die New York Times – man könnte sie seit Jahren Lieblingsfeinde nennen. Vor allem im US-Wahlkampf beharkten sich der streitbare US-Milliardär und die vermeintlich beste Zeitung der Welt so sehr, dass Donald Trump eine Klage ankündigte. Davon ist plötzlich keine Rede mehr – im Gegenteil. Beim mit Spannung erwarteten Antrittsbesuch bei der Tageszeitung überraschte Trump nun mit zahlreichen Rollen rückwärts: Aus "der gescheiterten New York Times" wurde "Amerikas Juwel".

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Die täglichen Überraschungen gehen weiter: Schneller als Donald Trump hat sich wohl noch kein gewählter Präsident von seinen Wahlversprechen verabschiedet.

Nach dem Adenauer-Motto „Was stört mich mein Geschwätz von gestern“ rudert Trump in den Tagen nach der Sensationswahl in atemberaubendem Tempo von seiner kruden Wahlkampfrhetorik zurück. Barack Obama, den Trump als „vielleicht schlechtesten Präsidenten aller Zeiten“ attackiert hatte, ist plötzlich „ein sehr smarter Mann„.

Abschied von Wahlkampfrhetorik: Obama wird zum „smarten Mann“, die Clintons zu „guten Leuten“

Die Gesundheitsreform Obamacare, die Trump als „ein Desaster“ bezeichnet hatte, will der 70-Jährige nun doch nicht abschaffen, sondern wohl zum Großteil erhalten. Und seine Rivalin Hillary Clinton, die Trump als „üble Frau“ verunglimpft hatte, die unter seiner Präsidentschaft wegen der Email-Server-Affäre ins Gefängnis wandern werde, ist plötzlich eine „smarte Frau“ – und die Clintons überhaupt „gute Leute“. Die mögliche Strafverfolgung von Hillary Clinton will Trump plötzlich hintanstellen, weil sie „das Land entzweien“ könnte.

Das sagte Donald Trump beim mit Spannung erwarteten Antrittsbesuch als gewählter Präsident bei der New York Times (NYT), die der Republikaner im Wahlkampf noch so scharf kritisiert hatte.

Schönwetter-Besuch bei der New York Times

Nun bewies Trump plötzlich maximale Flexibilität und machte bei seinem Besuch am Times Square plötzlich auf Schönwetter. Zwar wiederholte Trump seinen Vorwurf, von der NYT „sehr ungerecht“ behandelt werden zu sein, er sei jedoch gekommen, um die Beziehungen zu verbessern.

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Natürlich sei er ein regelmäßiger Leser der „Gray Lady“ gestand Trump und scherzte dann, andernfalls würde er vielleicht zwanzig Jahre länger leben.

„Großen Respekt für das amerikanische Juwel New York Times“

Dann raspelte der Multimilliardär in bekannter Rhetorik regelrecht Süßholz: Er habe „großen Respekt“ für die 165 Jahre alte Traditionszeitung, die er dann tatsächlich als „großes amerikanisches Juwel“ bezeichnete und in echtem Trump-Talk noch einen draufsetzte: als  „Weltjuwel“.

Es dürfte kaum das letzte Kapitel in der unendlichen Saga „Trump und die Medien“ bleiben: 24 Stunden zuvor hatte der gewählte Präsident noch die Bosse der großen TV-Sender regelrecht zusammengestaucht.

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Alle Kommentare

  1. Mister Trump war wohl selber überrascht, dass er gewählt wurde und zeigt nun, dass er auch seriös auftreten kann. Der Wahlkampf wurde von beiden Seiten unfair und auf niedrigem Niveau geführt und die Medien haben in Bezug auf Trump vor allem das Negative gezeigt.
    Wenn es Trump gelingt, Abkommen wie TTIP zu stoppen und das Lobbyverbot für Beamte durchzusetzen, hat er in kurzer Zeit mehr Wahlversprechen umgesetzt als viele andere Politiker während Jahren.

  2. Die deutschen Medien haben offenbar gar nichts begriffen. Herr Trump kann doch jetzt überall den netten Onkel spielen, er wäre dumm es nicht zu tun. Er wird es schwer genug haben, dann muss er nicht unnötig Feindschaften pflegen. Was das harte politische Geschäft der Aufklärung diverser schwerwiegender Vorwürfe geht, dazu gibt es den Kongress, der kein handzahmer funktionärsgesteuerter Bundestag ist, sondern seine Aufgaben ernst nimmt, wie die Freigabe des 9/11 Berichts gegen den Regierungswunsch zeigte. Der wirklich kritische Hintergrund der e-mail Affäre von Frau Clinton ist nicht sosehr der viel diekutierte Geheimnisverrat, sondern der geäußerte Verdacht, Frau Clinton hätte vermeiden wollen, dass ihre e-mails auf Bundesservern archiviert werden. Warum wohl, ist dann die nächste Frage. Da wird also sicher kräftig gesucht werden und Herr Trump braucht keinen Finger zu rühren, die Akteure haben sich schon zu Wort gemeldet. Für uns könnte dabei interessant sein, was davon direkten Bezug zur europäischen Politik hat.

    1. Es gibt Dinge, die sind so schön, die kann man immer wieder schreiben. Währenddessen dreht sich allerdings die Erde weiter. Blöd irgendwie.

  3. Nix dazugelernt? Immer noch in der Endlosschleife des Trump-Bashing gefangen? Deeskalation angesichts einer gespaltenen Gesellschaft ist schlech? Gut zu wissen. Wenn das Desaster Obamacare nur von den desaströsen Anteilen befreit wird, wäre das so furchtbar? Einiges spricht dafür, daß eine Zeitung, die 165 Jahre besteht, ein „Juwel“ sein könnte. Wenn der Klunker dann aus Unachtsamkeit in einen Scheißehaufen fällt, leidet der Glanz natürlich deutlich. Das Malheur läßt sich aber beheben – sofern die Journalisten wieder anfangen, einfach mal wieder ihren Job zu machen, statt nur ihre eigene Weltsicht und Ideologie unters Volk zu bringen

    1. schön wärs. Hier ist es leider genau umgekehrt. Würde ein Jounalist seine Meinung in der Zeitung abbilden riskiert er seinen Job, denn es kann ja sein, daß die Geschäftsleitung zu bestimmten Themen eine gegenteilige Meinung hat.

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