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Petry, Trump & Co.: die Angst der Populisten vor der Presse

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Donald Trump hat vor gut zwei Wochen die US-Wahl gewonnen und beherrscht seitdem die weltweiten Nachrichten. Faszinierend dabei: Der künftige US-Präsident hat bislang nicht eine einzige klassische Pressekonferenz gegeben. Ausgesuchte TV-Interviews gibt er, YouTube- und Twitter-Statements sowieso. Aber vor Gesprächen mit kritischen Berichterstattern scheint er zurückzuschrecken. Ein ähnliches Bild gibt hierzulande gerade die AfD ab. Auch die Alternative für Deutschland sperrte am Wochenende die Presse aus.

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Am Samstag stimmte der AfD-Landesverband von Baden-Württemberg über die Wahllisten zur Bundestagswahl ab. Mit dem Aussperren der Presse wollten die Funktionäre verhindern, dass voreingenommen über die Veranstaltung berichtet wird. So sagte der Landesverbands-Vorsitzende Lothar Maier gegenüber der dpa, dass man befürchte, dass unter den zahlreichen Bewerbern auch solche mit „abstrusen Ansichten“ seien. Medien pickten mit Vorliebe solche Äußerungen heraus und berichteten nicht neutral, erklärte er.

Für dieses medienscheue Gebaren musste die AfD massive Kritik einstecken. So sprach beispielsweise der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten Verbandes, Frank Überall, von einem „abstrusem Verständnis von der Rolle von Journalisten in der Demokratie“. Geradezu lachhaft sei, „dass die AfD Baden-Württemberg statt der Teilhabe am Landesparteitag Journalisten mit einer Pressekonferenz mit vorgefilterten Informationen abfrühstücken will.“ Das zeige, wie viel Angst in der Partei herrsche, Diskussionen offenzulegen und sich kritischem Journalismus zu stellen. Daher wolle man nun offenbar nur parteipolitisch gelenkte Informationen wiederkäuen. „Im andauernden Streit der AfD Baden-Württemberg soll wohl nur das an das Licht der Öffentlichkeit kommen, was der Partei genehm ist.“

Für die AfD ist dieses Vorgehen kein Novum. Die Partei hat schon häufiger Medien von Veranstaltungen ausgeschlossen. In Nordrhein-Westfalen ließ sie im Sommer nach heftiger Kritik jedoch noch Journalisten zu ihrem Parteitag zu.

Die US-amerikanischen Kollegen würden daraufhin wohl entgegnen, dass die AfD immerhin noch zu einer Pressekonferenz bereit ist. Das ist bei Donald Trump schon ganz anders. Seit seinem Sieg hat der Gewinner der US-Wahl keine einzige Pressekonferenz gegeben. Und der Triumph des Unternehmers aus New York ist immerhin schon 13 Tage her, wie der Politico-Politik-Experte Hadas Gold vorrechnet. Das hat es seit 1976 nicht mehr gegeben. Barack Obama hatte sich bereits drei Tage nach seiner Wahl der Presse gestellt.

Natürlich ist Trump nicht von der medialen Bildfläche verschwunden. Direkt nach der Wahl hielt er eine vielbeachtete Rede und war auch zu großen TV-Interviews bereit. Doch die Fernseh-Gespräche fanden in einer geordneten und kontrollierten Umgebung statt und sind nicht mit der Bühne einer klassische Pressekonferenz zu vergleichen.

Noch lässt das Trump-Team die versammelte politische Hauptstadtpresse im Dunkeln tappen. So erzählte der Digital-Experte der Washington Post, Greg Barber, im MEEDIA-Interview, dass noch gar nicht klar sei, ob es der künftige Präsident überhaupt erlaube, dass ihn ein fester Presse-Pool ständig begleitet. Bislang war diese akkreditierte Journalisten-Entourage, die dem jeweiligen Machthaber auf Schritt und Tritt folgte und einen direkten Zugang zu den Presseräumen im Weißen Haus hatte, Standard im Washingtoner Politik-Betrieb.

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Noch hegt die Hauptstadtpresse der USA die Hoffnung, dass der designierte US-Präsident die Medienvertreter nur etwas zappeln lässt. Als eine Art Bestrafung für ihr Wirken in den vergangenen Monaten, die Trump offenbar weniger als objektive Berichterstattung, sondern mehr als klaren Wahlkampf gegen ihn, wahrgenommen hat.

Ansonsten kommuniziert der designierte Präsident Trump mit seinen Anhängern über die sozialen Medien. Dort muss er sich nicht mit unliebsamen Journalisten und ihrem Informations-Filter rumschlagen. Dort kann er seine Botschaften unkommentiert kommunizieren. Ein Effekt, auf den beispielsweise auch die AfD sehr stark setzt. „Gerade die sozialen Medien geben die Möglichkeit, ohne journalistischen Filter, ohne Gate-Keeper-Funktion Sachen öffentlich zu machen, die man sonst nicht in den konventionellen Medien unterbringt“, erklärt der Berliner Medienwissenschaftler Joachim Trebbe dazu gegenüber Reuters. „Der sogenannte kleine Mann, die schweigende Minderheit, kommt dort nicht mehr zu Wort.“ Deshalb würden sich die vermeintlichen Anwälte dieses kleinen Mannes, moderne Populisten wie Petry oder Trump dann auch lieber vie Facebook & Co. an die Anhänger wenden. So entsteht eine Gegenöffentlichkeit.

Sogar eine erfolgreiche. Reuters hat ausgerechnet, dass die AfD am vergangenen Montag gerade ihren 300.000sten Facebook-Freund überzeugte. Damit hätte die Alternative für Deutschland mehr Likes, als SPD und CDU zusammen.

Der US-Experte Barber findet es – zumindest bislang – gar nicht so wichtig, ob der traditionelle Presse-Pool bestehen bleibt und wohl auch wie viele PKs der kommende Präsident geben wird. Für ihn geht es um Grundsätzliches: „ Unser Job ist es, die richten Fragen zu stellen und über den Präsidenten und seine Entscheidungen zu berichten. Diese Aufgabe bleibt und ist nicht von einer Entscheidung des Trump-Teams abhängig.“

Auf den Journalismus kommen – gerade wegen des komplizierten Umgangs mit den neuen Populisten – anstrengende Zeit zu. Diese bergen aber auch jede Menge Chancen. Denn schon heute zeigt sich: Die Konfrontation nimmt zu. Die Medien und ihre Leser grenzen sich wieder mehr ab. Mehr Vielfalt und mehr Emotionen sind die Folge. Das kann für die gesamte Medienlandschaft gut sein. Passende Beobachtung aus den USA dazu: Sowohl die New York Times, als auch die Washington Post verzeichnen seit dem Wahlsieg von Trump einen kräftigen Anstieg der Abo-Verkäufe.

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