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„Fuck-up Night“ bei Gruner + Jahr: Chefredakteure sprechen offen über ihre Niederlagen

G+J-Produktchef Stephan Schäfer
G+J-Produktchef Stephan Schäfer

Sie sind in der Start-Up-Szene fester Bestandteil: Fuck-up Nights: Jung-Unternehmer berichten vor Publikum, warum sie mit ihren Firmen- oder Produktideen gescheitert sind. Jetzt zieht Gruner + Jahr nach. Am Donnerstag findet am Baumwall die „G+J Fuck-up Night“ statt. Chefredakteure erzählen von Ideen für Print- oder Digitalprodukte, die bei der Unternehmensspitze auf wenig Gegenliebe stießen.

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Das Magazinprojekt trug den Arbeitsnamen „Female“. Ursprünglich hatte ein G+J-Team vor, im Oktober ein gehobenes Gesellschaftsmagazin für Frauen an die Kioske zu bringen. Doch aus dem Zeitschriftenvorhaben wurde bislang nichts.

Jetzt könnte die Ursachenforschung folgen. Denn am morgigen Donnerstag berichten Chefredakteure des Hamburger Zeitschriftenhauses Gruner + Jahr vor Mitarbeitern, warum die Verlagsspitze viele ihrer Print- oder Digital-Projekte nicht umgesetzt hat. In den USA sind solche Veranstaltungen vor allem in der Start-up-Szene bekannt. Ihr Name: „Fuck-up Nights“. Geschäftsleute und Selbständige erzählen vor Zuschauern über ihre Firmenpleiten oder missglückte Projekte. Sie sollen den Teilnehmern helfen, Denkblockaden für neue Produkte aufzubrechen und Fehler bei der Umsetzung zu vermeiden.

Nun zieht Gruner + Jahr nach. Verlagschefin-Chefin Julia Jäkel zelebriert damit hausintern eine neue Kultur des Scheiterns. Denn in Deutschland gilt unternehmerisches Versagen bislang nicht als gangbarer Weg zum Erfolg. Anders als in den USA. Hier ist Scheitern nicht verpönt. Es hilft vielmehr, die Kreativität und Ideenfindung im Unternehmen zu beflügeln. Es dient aber noch einem weiteren Zweck: Die Firmenbosse wollen ihren Führungskräften die Angst nehmen, dass sich Misserfolge negativ auf ihre berufliche Karriere auswirken. Dies hemmt vor allem hierzulande viele Führungskräfte, unkonventionelle Produktideen umzusetzen. Sie fürchten, dass sie schnell als Loser im Betrieb abgestempelt werden, wenn Vorhaben am Markt scheitern.

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Angesichts des hart umkämpften Marktumfeldes sind für Gruner + Jahr solche Veranstaltungen wichtiger denn je. Sie sollen den Mitarbeiter helfen, neue Produkte zu entwickeln – und zugleich die Furcht vor beruflichen Konsequenzen nehmen, falls ihre Vorhaben in die Binsen gehen sollten. Denn Innovationen hat G+J nötig: Restrukturierungen im Ausland, verschärfter Wettbewerb auf den Anzeigenmärkten, Auflagenschwund belasten weiter Umsatz und Ertrag des norddeutschen Konzerns mit Marken wie Stern und Geo. Will die norddeutsche Bertelsmann-Tochter wieder wachsen, sind innovative Magazine und Webangebote unerlässlich. Allein in Deutschland launchte Gruner + Jahr im vergangenen Jahr acht neue Magazine – darunter Barbara.

Eine Gruner + Jahr-Sprecherin zu dem Vorhaben: „Die Fuck-up Night entstand auf Initiative von Teilnehmern des G+J Führungskollegs. Damit knüpft Gruner +Jahr an eine Idee aus der Start-up-Szene an, bei der weltweit in unzähligen Fuck-up Nights Menschen vor Publikum von ihrem Scheitern erzählen“, so eine Unternehmenssprecherin gegenüber MEEDIA. Bei der G+J Fuck-up Night würden Mitarbeiter aus Verlag und Redaktion Digital- und Print-Projekte aus den letzten Jahren vorstellen, um „aus ihnen für die Zukunft zu lernen“. Die Veranstaltung sei rein intern und richtet sich an alle Mitarbeiter.

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