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„Für unsere Leser waren wir zuweilen sehr brav“ – die erste Bilanz von Chefredakteurin und Publisherin nach dem Gala-Relaunch

Gala-Chefredakteurin Anne Meyer-Minnemann (l.), Publisherin Iliane Weiß
Gala-Chefredakteurin Anne Meyer-Minnemann (l.), Publisherin Iliane Weiß

Vor gut einem halben Jahr, renovierte die Gala-Chefredakteurin Anne Meyer-Minnemann das People-Heft inhaltlich und optisch. Seitdem setzten die Hamburger massiv auf Marktforschung, sie hören auf ihre Leserinnen und versuchen frecher und hintergründiger zu sein. Im MEEDIA-Interview ziehen die Chefin und ihre Publisherin, Iliane Weiß, eine erste Relaunch-Bilanz.

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Vor gut einem halben Jahr überarbeiteten Sie die Gala. Wie fällt Ihre erst Relaunch-Bilanz aus?
Anne Meyer-Minnemann: 
Sehr positiv. Wir wollten die Gala noch stärker als früher nach den Bedürfnissen unserer Leser ausrichten und haben die Marktforschung gebeten, diese präzise herauszufinden. Mit den Ergebnissen haben wir uns beim Relaunch optisch und inhaltlich auseinandergesetzt. Wir  haben die Marktforschung danach nicht zu den Akten gelegt, sondern uns dazu entschlossen, monatlich nachzufassen. Alle vier Wochen machen wir jetzt einen Copytest.

Mit welchen Ergebnissen?
Das ist gerade das Spannende. Bereits der erste Copytest nach dem Rebrush fiel deutlich positiver aus als alle vorherigen Untersuchungen. Seitdem arbeiten wir regelmäßig am Heft weiter und steigern von Ausgabe zu Ausgabe die Leserzufriedenheit.

Das hört sich fast schon zu schön, um wahr zu sein an. Zudem ist es ja fast schon ein technischer Ansatz, wie wir ihn aus dem Web kennen. Mit Hilfe von Klickstatistiken, kann man da wunderbar auswerten, welche Storys die Leser wirklich interessieren.
Mit einem Unterschied: Klickstatistiken sagen nichts über die Motivation des Lesers aus. Wir versuchen herauszufinden, warum jemand einen Artikel spannend findet.

Was haben sie durch die ständige Weiter-Optimierungen denn gelernt?
Wir feilen ständig an unserer Themenmischung, die noch mehr auf einen spannenden Mix aus Royals, deutschen und US-Stars setzt. Zudem fordern die Leser geradezu, dass wir auch häufiger überraschende Prominente mit ins Heft nehmen. So hatten wir jetzt ein großes Stück über den Aldi-Krieg. So etwas hätten wir vor Monaten nicht gemacht.

Welche Stars laufen denn besonders gut und welche weniger?
Wir hatten die Gewinner aus der Show „Dance, Dance, Dance“. Obwohl die Quoten enorm gut waren, konnten sich unsere Leserinnen nicht für die beiden erwärmen. Unsere Leser scheinen einen sehr feine Trennlinie zu haben, wer ihrer Meinung nach ins Heft darf und wer nicht.

Und was muss ein Star haben, um es in die Gala zu schaffen?
Der muss sich sein Starsein verdient haben. Unsere Leser mögen Menschen, die es zu etwas gebracht haben, in dem, was sie tun. Bei uns im Heft funktionieren keine Prominenten, die nur aus ihrer selbst willen berühmt sind. Also die typischen Realitystars.

Wie Sarah Lombardi und Pietro?
Genau. Die funktionieren im Web hervorragend, würden bei Print aber komplett abgelehnt werden, dabei sind es dieselben Leser, die aber wirklich eine klare Online- und Heft-Unterscheidung vornehmen. Im Web darf es schnell und etwas wilder sein und in der gedruckten Gala ausgeruhter, optisch opulenter und textlich gerne länger.

Was testete bislang am besten?
Sehr gut testet zum Beispiel die neue Kolumne von Katja Kessler. Die Leser lieben ihre Beiträge. Ein Kritikpunkt unserer Leser war, dass wir zuweilen sehr brav sind. Katjas Kolumne ist eine der Stellen im Heft, an denen wir uns heute trauen, auch mal frech zu sein.

Und was sagen die Promis dazu?
Es gab schon den einen oder anderen Beschwerdeanruf. Aber Kolumnisten genießen eine größtmögliche Freiheit.

Aber die Gala ist doch auch mit Katja Kesser noch immer sehr nett.
Ich würde es nicht nett nennen. Es geht uns um einen respektvollen Umgang mit den Menschen, über die wir berichten. Wir verzichten auf Häme und das pure Bloßstellen. Unsere Haltung ist ein positiver Zugang zu Menschen.

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Seit dem Weggang von Patricia Riekel an der Spitze der Bunte, sind die Münchner spürbar aggressiver geworden. Spielt Ihnen das in die Karten?
Wir hatten im letzten Jahr einen Markt, in dem sich die verschiedenen Magazine inhaltlich sehr stark angeglichen haben. Wir hatten oft Wochen, in denen alles gleich aussah. Immer die selben Stars auf den Covern mit fast identischen Zeilen. Alle Player haben sich auf dem immer enger werden Markt belauert.

Was hat sich seitdem geändert?
Seitdem People nicht mehr im Markt ist, hat jeder wieder etwas mehr Platz. Zudem scheinen sich alle Titel wieder mehr auf ihre eigenen Stärken zu konzentrieren.

Gehört es dann auch zum Gala-Ansatz, eben keine Sonderausgabe zu produzieren, wenn sich Brad Pitt und Angelina Jolie trennen?
Iliane Weiß:
Wir haben intensiv überlegt, wie wir reagieren. Letztendlich haben wir uns aber gegen eine Erweiterung bzw. Sonderausgabe entschieden, und lieber auf intelligente PR und einen genialen Online-Auftritt gesetzt.

Die Bunte sah das anders?
Weiß:
Ich würde das mal in der Rubrik „teure PR-Aktion“ ablegen.

Wie hat sich der Relaunch und diese – offenbar – positive Marktkonzentration auf die Auflage ausgewirkt?
Weiß:
Gut. Wir konnten vor allem im Vergleich zum Vorquartal unseren Einzelverkauf massiv um 23,5 Prozent steigern. Das Minus, das Sie in der IVW sehen, ist auch eine Konsequenz unserer Entscheidung, unsere Bordexemplare zu reduzieren.

Trotzdem bleibt ein Minus
Weiß:
Ja, wie bei fast allen anderen auch. Uns gelingt es aber, die Auflage zu stabilisieren. Und wir stellen online gerade einen neuen Rekord auf . In der Online-IVW können wir ein All-Time-High von 25,3 Mio. Visits aufweisen.

Pietro Lombardi sei dank?
Nein, für den aktuellen Rekord sorgten noch Brad Pitt und Angelina Jolie. Aber mal abwarten, wie sehr uns der Ehekrach bei den Lombardis im Web noch beschäftigt.

Erwirtschaftet die Digitalsparte denn schon Gewinne?
Weiß:
Nur so viel: Wir sind auf einem sehr guten Weg, haben allerdings auch noch einiges in den kommenden Monaten vor – gerade im Digital-Bereich.

Spielt es Ihnen nicht auch in die Karten, dass Brad Pitt wieder Single ist? Er ist doch jetzt noch attraktiver …
Er wird noch genug Stoff für gute Geschichten bieten. Aber die interessanteste News ist derzeit, dass Prinz Harry nicht mehr auf dem Markt ist. Er war der letzte Prinz im besten Alter, an dessen Seite sich junge Frauen noch träumen konnten.

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Alle Kommentare

  1. Sorry, die Toni-Garrn-Komplettausgabe war von Mitbewerberin „Grazia“, noch nicht mal von Gala.

  2. Gala hatte früher mal, gegenüber Bunte und Co., so etwas wie Klasse, im Cafe wurde man gefragt, ob man man die Gala schon ausgelesen habe. Heute tauchen auch in der Gala die deutschen Gesichterchen von Ferres, Ferch und der „Addams Family“ (deutscher Adel) auf.
    Neulich beim Friseur war die Gala dann tatsächlich die einzige Zeitschrift aus dem Lesezirkel, die keiner der Wartenden haben wollte…

  3. Ein neues Layout, das offenbar ja jeder neue Chefredakteur braucht, macht noch keine neue Zeitung. „Frech“ kann ich Gala nach wie vor nicht finden, eher betulich. Und aus meiner Sicht kam der Pitt-Jolie-Crash zeitlich so unglücklich, dass er im aktuellen Heft gar nicht mehr zu verarbeiten war. Das war eine eher triste Vorstellung von Gala. Es wäre mal interessant, wie bei den Lesern die Toni-Garrn-Komplettausgabe angekommen ist, die Idee war ja auch, ich sage mal, „entliehen“.
    Etwas weniger Heidi Klum, mehr gute Schreiber und mehr Hintergrund, den man bei den Mitbewerbern nicht liest, das wär was.
    Um auch etwas zu loben: Die Fotos sind gut.

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