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Populismus allerorten – sind wir Medien nicht auch alle ein bisschen Trump?

Donald Trump und die Medien – eine schwierige Beziehung, wie sich immer  wieder zeigt
Donald Trump und die Medien – eine schwierige Beziehung, wie sich immer wieder zeigt

Jetzt ist es also passiert: das „Undenkbare“, das „Unvorstellbare“, das „Unfassbare“. Der Republikaner Donald Trump wurde zum US-Präsidenten gewählt. Seine Gegner - und dazu gehören ohne Zweifel die allermeisten Medien - lecken ihre Wunden. Die ersten Reaktionen reichen von eher hilflosen Erklärungsversuchen bis hin zu reflexhaften Verdammungen. Dabei bedienen sich viele Medien selbst gerne der Methoden des Populismus, den sie bei Trump so sehr anprangern.

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Es ist ein schneller Reflex, dem Populismus die ganze Schuld zu geben. Liest man einige Kommentare nach dem Sieg Donald Trumps scheint es fast, als sei dieser ominöse Populismus ein lebendes, atmendes Ding, das den Medien ihre Wahlparty ordentlich verhagelt hat. In den USA hört der Populismus anscheinend auf den Namen Trump. In Frankreich heißt er Le Pen, in den Niederlanden Wilders, in Deutschland Petry.

Florian Harms, Chefredakteur von Spiegel Online hat in seinem Video-Kommentar den „Populisten Donald Trump“ in all seiner Schändlichkeit charakterisiert. Wir seien „endgültig im Zeitalter des Populismus angekommen“. Populisten seien „auf dem Vormarsch“, sagt er. Andere Kommentierungen lauten ähnlich. Und zwar egal, ob sie von Journalisten stammen oder Politikern. In der FAZ schreibt Klaus-Dieter Frankenberger von einem „Aufstand des Populismus“. Bei Zeit Online klagt Carsten Luther, dass die „die Immunkräfte“ versagt hätten, „die gesunde Demokratien bislang gegen den hohlen Populismus geschützt haben“. Gerade so, als sei Trumpus Populismus ein böser Virus, der den einst gesunden Volkskörper USA befallen hat. Gerade so, als sei der Populismus Ursache und nicht Symptom.

Eine andere schnelle Erklärung ist, dass alte, ungebildete, weiße Männer schuld seien an Trumps Wahlsieg. Dazu kommt ein allgemeines Wehklagen darüber, dass Umfragen nichts mehr taugen. Der Sieg Hillary Clintons war von den Demoskopen doch quasi versprochen worden. Sieg-Wahrscheinlichkeit: 75 Prozent mindestens!

Diese Mechaniken und Reflexe erinnern an die Brexit-Abstimmung. Und genau wie bei der Brexit-Abstimmung ist es ein bisschen unfair, mit dem Finger auf die Umfrage-Institute zu zeigen. Diese hatten sowohl beim Brexit als auch bei der US-Wahl stets ein knappes Ergebnis vorhergesagt. Es liegt am Mehrheitswahlrecht der USA, dass kleine Veränderungen in den Stimmen, große Hebelkräfte erzeugen können. Außerdem besteht gerade in den Medien eine fatale Neigung, Wahrscheinlichkeiten mit Gewissheiten zu verwechseln. Bei einer Wahrscheinlichkeit von 75% Prozent ist es eben nie ausgeschlossen, dass nicht trotzdem der Fall mit der 25%-igen Wahrscheinlichkeit eintritt. Ähnliche wie Politiker vom Schlage Trumps, neigen Medien dazu, einfache, eindeutige Parolen auszugeben. Das könnte man auch Populismus nennen.

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Es gibt da noch ein paar mehr Vokabel, die sich in fast allen Berichten und vor allen Kommentaren zum Thema finden lassen: Establishment, Eliten, die „vermeintlich Abgehängten“, „alte, weiße, ungebildete Männer“, die Globalisierung. Letztlich sind das alles Begriff, die ein „Wir hier unten, die da oben“-Gefühl beschreiben wollen.

In dem vielleicht besten Analyse-Stück zum Aufstieg des Donald Trump, das vor der Wahl bei Zeit Online erschien, braucht der Autor Lenz Jacobsen ganze 18 Punkte, um „Das Trump-Puzzle“ zusammenzusetzen. Der Text ist sehr lang und kompliziert und gerade darum auch nach der Wahl noch sehr lesenswert. Einiges davon ist us-spezifisch, wie etwa die unrühmliche Rolle der republikanischen Partei. Vieles davon lässt sich aber auch auf deutsche Verhältnisse übertragen, wie etwa der Gegensatz Stadt-Land, die Abstiegsangst der Mittelschicht oder die Sehnsucht nach Heimat. Nach der Lektüre hat man das Gefühl, den Aufstieg und jetzt die Wahl Trumps besser zu verstehen. Das hat in der Medienlandschaft Seltenheitswert.

Nicht wenige Medien sind in ihrem Kampf darum, ein Publikum zu erreichen und gehört zu werden, Quoten und Auflage zu halten oder die Klicks zu steigern selbst mehr oder weniger zu Populisten in eigener Sache geworden. Mit verkürzten Schlagzeilen und tendenziösen Berichten geht es auf Leser-Fang. Der Erfolg ist dann ablesbar in steigenden Reichweiten. Für Trump ist der Erfolg ablesbar in Stimmen. Eigentlich sollte es gerade die Medien nicht wundern, dass ein Populist einen solchen Erfolg hat.

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Alle Kommentare

  1. Cracked hat dazu einen guten Artikel:
    http://www.cracked.com/blog/6-reasons-trumps-rise-that-no-one-talks-about/

    Kurz zusammengefasst: Die Probleme deren Lösungen von den Demokraten diskutiert werden (verbindliche genderneutrale Toiletten in Schulen,…) sind so weit weg von den Problemen mit denen die Menschen kämpfen die Trump gewählt haben (Wegfall der Arbeitgeber, Zusammenbruch der Infrastruktur) das für sie Clinton unwählbar ist.
    Wenn sie dann auch die ganze Zeit als dumme weisse Männer bezeichnet werden haben sie verständlicherweise auch keine Lust die Menschen zu wählen die sie rassistisch und sexistisch Beleidigen.

    Das gleiche Problem haben wir in Deutschland bei Wahlen ebenfalls. Glauben die Grünen und Sozen wirklich das Menschen die sie als Dunkeldeutsche und Pack schmähen bei der nächsten Wahl ein Kreuz bei Rot-Grün machen ?
    Das sie auf die Fragen wen sie wählen eine ehrliche Antwort geben, wenn sie damit rechen müssen für die Antwort in die rechte Ecke gestellt zu werden ?

    Die Abgehobenheit der politischen Kaste in Deutschland ist nicht viel anders als in den USA.
    Wer auf die Vorfälle in der Kölner Silversternacht damit reagiert das er sexistische Werbung verbietet erfüllt damit ganz sicher die Wünsche seiner ultraliberalen Weggenossen die ein solches Verbot schon seit Jahren fordern.
    Und ja, die Gelegenheit war günstig dafür. Niemals eine gute Krise verschwenden.
    Aber abseits der eigenen ultraliberalen Kreise stößt man die Wähler damit vor den Kopf. Zu offensichtlich ist es das hier Lösung und Problem nicht zusammenpassen, ja das ein abscheulicher Vorfall dazu genutzt wird die eigene ultraliberale Agenda zu fördern.

  2. Glückwunsch, liebe amerikanischen Freunde! Ihr habt nicht den selben Fehler gemacht, wie wir Deutschen Anfang der Dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts: Eine kriegslüsterne charakterlose Gestalt, die die ganze Welt in einen Kriegsherd verwandelt, als Staatschef zu wählen …

  3. Ich freu mich. Btw., wo ist denn see Dauer-Troll hardy? Hat’s ihm set Wahlausgang aufs Gemüt geschlagen oder zahlt Amadeu nicht mehr?

    1. Der Ober-Dauer-Troll steht drei Absäzte weiter oben und hat für seinen bedauernswerten Salmon mal wieder kaum ein Ende gefunden …

      1. Selber Dauer-Troll Schwabenpfeil. Verteidigst Du grade deinen Kumpel hardy? Ist mir schon klar, dass es für Euch beide extrem schwierig ist, längere Beiträge zu lesen. Ist mir aber total wurscht.

    2. Ich freu mich auch für Jagdschein-Hardy. Hat nun ein neues Gimmick bekommen.

      Der alte Kauknochen Putin ist über die Jahre nun doch schon recht ausgelutscht. Nun kann er auch fünf Jahre lang am neuen Hundespielzeug Trump herumsabbern.

      Das wird es aber wohl unbeschadet überleben – Wadenbeißer-Zähnchen sind völlig ungefährlich …

  4. Die Reputation des gesamten Politik-Sektors wurde von Medien zerstört.
    ————————————————————————————————————-
    Kritischen Meinungs-Medien haben Jahren den gesamten Sektor „Politik“ durch ungerechte Negativ-Stories plattgemacht – und nicht nur eine bestimmte politische Richtung oder Partei. Parteipolitische Themen haben in investigativen Redaktionskonferenzen nur dann eine Chance, wenn man ein Angriffsziel hat. „Wer ist bei der Story denn der Böse?“ wird gefragt. Differenzierte oder gar tendenziell positive Darstellungen haben bei Polit-Magazinen keine Chance. „Politiker sind korrupt und unfähig“ ist die gängige Quintessenz fast aller Polit-Stories – sonst schaffen sie es grundsätzlich nicht in die Sendung oder ins Blatt. So ist das Konzept.

    Reputationsgeschädigt werden damit alle Demokraten, alle Parteien – wie jetzt Hillary Clinton. Den Profit ernten Wut-Populisten, die jetzt in den USA womöglich eine Polit-Katastrophe erzeugt haben. Es ist das Arbeitsergebnis journalistisch maßloser „Aufklärer“, die sich – seit „1968“ ff. – egozentrisch als „Besser-Menschen“ sehen.

    Das journalistische Ergebnis sind Millionen illiberaler Wutbürger, die in Deutschland schon einmal einen Weltkrieg ausgelöst haben. Wut-Stimmung gegen Andersdenkende ist viel leichter entflammbar, als es politisch naiven Ressortleitern bewusst ist. Sie ignorieren die reaktive Verführbarkeit von Menschen. Weil viele investigative Redaktionen bezüglich ihrer Gesamtverantwortung „unpolitisch“ sind Dienstliches Schulterklopfen und Wut-Quote sind wichtiger als die „Bewegung“, die sie damit bei den Wählern auslösen.

  5. Hahahahahahaaaaaaaa…. Tja… Beschimpfungen wie Pack… Dumme… Blöde… Nazis… Rassisten… Göring-und-Hitler-Zitate… abgehängte Bürger… ungebildete Unterschicht… Maas dumme Aktionen… begeisterte Medien-und-Politiker-Berichte über Leute, die wegen ihrer Meinung entlassen werden… unendliche Tiraden von „Kirchenführern“ zu einer sogenannten „Nächstenliebe“, die dann „zu Kreuze kriechen“, wenn ein Moslem neben ihnen steht… und so weiter. Niemand, der ein bisschen Hirn hat, wird einem „Meinungsinstitut mit Klarnamen oder irgendeinem Journalisten, einer Zeitung, einem Talker sagen, was er, sie, es wirklich meint und will. Die Tiraden der gesamten Medien gegen die „Neuperlacher Mauer“ und ein paar Bürger, die den Rechtsweg beschritten haben und vollumfänglich RECHT bekamen, sind noch keine zwei Tage alt. Da stehen dann Kameras, empörte Gutmenschen herum und es schwadronieren unverschämte „Kolumnisten“ ihren Mist über fleißige, unbescholtene und hohe Steuern zahlende Bürger in die Welt. Und warum? Weil sie ein Münchner Bürgerausschuss-Heini namens „Lokalpolitiker Guido Buchholz“ (der eigentlich für die Bürger da sein sollte) mit Fotos und „Geschichte“ versorgt und von der Leine lässt. Und schon „schnappen sie zu“, die gesamten Medien und verbreiten dumme, dümmliche und saublöde Sätze und Kommentare. DESHALB sind die sogenannten Wichtig-Medien, das Establishment (deren Verlautbarungen diese Medien den Bürgern mitteilen) für alle diese Leute einfach nicht mehr wichtig. Sie und dieses ganze Umfragen-Gedöns werden deren innere Wahrheit nicht mehr erfahren und fallen schon deshalb aus ihren Wolkenkuckucksheimen, wenn so etwas wie Trump passiert. Und heute kriechen sie alle aus ihren Löchern, nichts haben sie gewusst, nichts haben sie geahnt… alles haben sie falsch vorhergesagt… inklusive der „Zusammenbrüche“ von weiß-der-Teufel-was-alles… die die ganzen „Interviewpartner“ der Medien – von Professoren über Leiter irgendwelcher steuerfinanzierter Institute etc. – ständig von sich geben.. Genauso wie beim Brexit „ist die Panik ausgeblieben“ wie heute all berichten. Also: Wie man sieht, werden unendlich viele Bürger andere Wege finden, diese Politik abzustrafen. Eine Politik, die die Grenzen nicht mehr sichern „kann“, die Verbrecher aus allen Gegenden in Europa über die Grenze laufen lässt, die den Bürgern hunderttausende (Männer) „Flüchtlinge“ in die direkte Umgebung karrt, die sie „Asylbewerber“ nennen, obwohl uns die meisten dieser Männer belügen, ihre Pässe straflos wegwerfen und keinesfalls „Asylbewerber“, die wieder zurückkehren sollen, sind. Die Kölner Silvester-Nacht wird niemals vergessen. Gerichte, die sich entschuldigen und die Opfer dieser Nacht erneut „gefühlt vergewaltigen“verursachen weitere Wut. Ebenso ständige Festnahmen von Islamisten mit der frischen Meldung, jetzt weitere junge Männer aus Italien „abzuholen“, während sie über die Schweiz schon lange wieder in Mengen illegal hierher kommen. Die Schweizer beklagen, dass „Berlin“ seine Grenzen erneut nicht schützen will und glauben, die Schweizer übernehmen diese „Drecksarbeit“. Wofür hält Frau Merkel und all ihre Vasallen die „Wutbürger“ eigentlich? Offensichtlich für Totalidioten! Eine fette Rechnung war nach dem Brexit jetzt die US-Wahl.

  6. Ehrlich gesagt kapier ich nicht wie so etwas passieren konnte.
    Die Medien haben doch alles richtig gemacht und die potentiellen Trumpwähler als weisse, alte, abgehängte Männer dargestellt deren Zeit in der Demokratie abgelaufen ist.

    Und trotzdem wählen diese Menschen Trump ?
    Wie kann das passieren ?
    Gab es eventuell noch zuviele weisse, alte abgehängte Männer in den USA die keine Lust hatten eine Politikerin zu wählen die ihnen feindlich gegenüber steht ?

  7. Populist – na und!
    Trump war die Stimme des Volkes und nicht die, einer elitären, wohlhabenden, linken Politik- und Meinungselite. Diese selbsternannten Haltungsjournalisten des politischen Mainstreams sind jetzt voll gegen die Wand gelaufen, gegen die Stimmen der US-Bürger. Sie haben bis auf Fox ihren Lesern und Zuschauern eine völlig falsche und einseitige Welt vergegaukelt und dabei den Kontakt zum normalen Bürger verloren. Die Quittung mit dem Ergebnis für Trump ist klar und eindeutig. Denn: The published opinion ist not the publik opinion – never ever!!!

  8. Kevin O’Brien schreibt im Handelsblatt Morning Briefing:
    » Sein Sieg (Anmerkung: Donald Trump), von vielen unerwartet und im Vorfeld von der medialen und politischen Elite so gut wie ausgeschlossen, ist zugleich eine bittere Abrechnung mit dem Establishment, das Washington und die größte Volkswirtschaft der Welt den größten Teil des letzten Jahrhunderts regiert hat.«

    Auch in Deutschland ist die Meinungsbildung in der Zivilgesellschaft weiter, abzulesen in vielen Ausprägungen:: Medien und Politik hinken hinterher.
    Hier war die Publizistik außer Rand und Band, überschlug sich im Bemühen Hillary Clinton herbeizuschreiben.

    Aus Fehlern wird nicht gelernt, die Meinungsmache ist wiederkehrend gescheitert und beschleunigte rasant den medialen Glaubwürdigkeitsverlust: Überzeugungskraft ging unwiederbringlich verloren.

  9. oops – nochmal Korrekturlesen? Da sind ungewöhnlich viele Tippfehler drin … ansonsten hat der Autor – wie häufig – nicht unrecht.

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