Höhere Qualität bei weniger Redakteuren – für Giovanni di Lorenzo eine „steile These“

Giovanni Di Lorenzo, Chefredakteur der Zeit, mahnt, Selbstdarstellung nicht mit Selbstgefälligkeit zu verwechseln
Giovanni Di Lorenzo, Chefredakteur der Zeit, mahnt, Selbstdarstellung nicht mit Selbstgefälligkeit zu verwechseln

Traditionell endete der Publishers' Summit unter anderem mit der Chefredakteursrunde, in der die obersten Blattmacher von stern, Zeit, Focus, Bild, Horizont sowie Jörg Quoos von Funke über das Vertrauen in die Medien und durchaus selbstkritisch über ihre Arbeit diskutierten – gebrochen wurde die harmonische Runde von einem Streit über angeblich steigende Qualität bei sinkender Redaktionsstärke.

Man wird sie nicht alle einfangen können, die Unzufriedenen, die Zweifler, die den Medien und ihrer Berichterstattung in den vergangenen Monaten oder vielleicht sogar Jahren kein befriedigendes Zeugnis ausstellen. Aber Giovanni DiLorenzo will den Kampf um das Vertrauen der Bevölkerung nicht aufgeben. Er sei davon überzeugt, dass sich das Bemühen um jeden Einzelnen lohne, so der Chefredakteur der Zeit. Er diskutierte am Dienstag in der Chefredakteursrunde des VDZ Publishers’ Summit mit seinen Kollegen Tanit Koch, Chefredakteurin der Bild, den Chefredakteuren Christian Krug (stern), Robert Schneider (Focus), Uwe Vorkötter (Horizont) und Jörg Quoos, Chefredakteur der Funke Zentralredaktion in Berlin, über das Vertrauen in die Medien und die Frage, wie das Ansehen des Journalismus wieder gesteigert werden kann.

Zu diesen Anlass stellte kurz zuvor Allensbach-Forscherin Prof. Renate Köcher neue Umfragewerte vor, nach denen 39 Prozent der Bevölkerung glauben, dass an dem Vorwurf der „Lügenpresse“, also dem bewussten Verbreiten falscher Tatsachen durch die Medien, tatsächlich etwas dran ist, und dass mehr als die Hälfte die Berichterstattung über die Flüchtlingskrise unzufrieden ist.

„Ein besorgter Bürger ist zunächst jemand, der Sorgen hat“

In der Berichterstattung über die Flüchtlingskrise und ihren Höhepunkt im vergangenen Jahr sei sicher nicht alles glatt gelaufen, darüber war sich die Runde weitestgehend einig. Man sei von der Willkommenskultur, von den Bildern am Münchener Hauptbahnhof oder andernorts, und von der dortigen Hilfsbereitschaft „überwältigt“ worden und habe dabei vielleicht „außer acht gelassen, welche Sorgen es in anderen Teilen Deutschlands gegeben hat“ (Krug). Man habe sich (nicht erst mit der Flüchtlingskrise) immer mehr „von der Lebenswirklichkeit unserer Leser entfernt“, erklärte dazu Koch. Begründet hatte die Bild-Chefin das mit der Tatsache, dass sich Redaktionen und Verlage unternehmerisch wie auch in ihrer Berichterstattung auf Großstädte konzentrierten, in denen der größte Teil der Bevölkerung allerdings nicht lebe. Und auch hätten die Medien durchaus ihren Teil dazu beigetragen, dass der Begriff „besorgt“ seine „Unschuld verloren“ habe, so Koch weiter („Ein besorgter Bürger ist zunächst jemand, der Sorgen hat, und nicht jemand, der Flüchtlingsheime anzündet oder Journalisten attackiert.“). Allerdings bedeute dies nicht, dass in Deutschland „bewusst“ gelogen werde.

Für ein Umdenken in der Berichterstattung habe vor allem die Silvesternacht von Köln gesorgt, so Koch und di Lorenzo. Und Medienjournalist Vorkötter ergänzte und bestätigte, was di Lorenzo bereits vor einigen Wochen festgestellt hatte: „Wir hatten in dieser Diskussion eine Medienlandschaft, die nicht sehr differenziert war.“ Und: „Bild und Zeit haben im Grunde genommen keine großen Unterschiede mehr erkennen lassen.“ Es habe Monate gedauert, bis einige Medien ihren publizistischen Kurs zu überdenken begannen, so Vorkötter weiter. Angesichts der publizistischen Macht verteidigte di Lorenzo den Kurs, den die Bild unter Führung von Ex-Chefredakteur Kai Diekmann, eingeschlagen hatte. „Hätte sich die Bild-Zeitung gegen Frau Merkel gestellt, wäre die Stimmung im Land noch vergifteter.“ Doch mahnte er für die Zukunft, sich wieder auf die Rolle des Beobachters zu konzentrieren. „In dem Moment, in dem wir Aktionisten werden, bekommen wir ein Problem mit der Bevölkerung.“ Quoos ergänzte: Vor allem in der Silvesternacht hätten Medien auch angesichts des Versagens der Polizei einen besseren Job machen müssen. Er lobte zwar die lokale Berichterstattung des Kölner Express, ermahnte alle andren aber gleichzeitig, aus der Vergangenheit zu lernen. Für di Lorenzo geschehe dies bereits. Medien seien „selbst korrigierende Systeme“.

„Journalisten haben es vielleicht übertrieben“

Um das Verhältnis zur Bevölkerung wieder zu verbessern, sei der Austausch mit ihr notwendig – auch hier ist sich die Runde einig. Dabei geht es auch darum, den Elfenbeinturm, in dem sich Journalisten befinden, zu verlassen. Koch: „Niemand von uns wird eine Wohnung nicht bekommen, weil jemand der eine Million geflüchteten Menschen, sie stattdessen bekommen hat.“ Ein Großteil der Bevölkerung mache sich aber Sorgen darum. Quoos, der vor seiner Funke-Karriere in leitenden Funktionen bei Bild und als Chefredakteur von Focus arbeitete, erinnerte an ein Zitat von Rudolf Augstein:

Ich glaube, daß ein leidenschaftlicher Journalist kaum einen Artikel schreiben kann, ohne im Unterbewußtsein die Wirklichkeit ändern zu wollen

„Journalisten haben es vielleicht übertrieben, weil sie über eine Welt geschrieben haben, die es draußen gar nicht gibt“, so Quoos dazu.

Höhere Qualität bei weniger Mitarbeitern ist eine „empirisch steile These“

Gleichzeitig sorgte Quoos in Zusammenarbeit mit dem amtierenden Focus-Chef Schneider für ein hitziges Ende der Debatte. Die Journalisten appellierten, neben aller Selbstkritik auch am Selbstbewusstsein zu arbeiten. „Die deutsche Presse ist gut. Ich würde sagen, so gut wie nie zuvor“, so Quoos. Schneider ergänzte, die Qualität sei „so hoch wie selten zuvor“, obwohl die Redaktionen in den vergangenen Jahren massiv an Mitarbeitern abbauen mussten. Dort reingrätschen musste Zeit-Chef di Lorenzo. Das deutsche Mediensystem gehöre zwar zu einem der besten der Welt. Nun sei aber „eine Stufe der Selbstbeweihräucherung“ erreicht, bei der sich bei ihm „alles“ sträube. Die Reduktion von Redaktionsstärken bei gleichzeitig steigender Qualität sei eine „empirisch steile These“. Solange es nicht um Tratsch gehe, sei der kritische Umgang miteinander durchaus ein Vorteil. Entscheiden sei, dass man die Transparenz der journalistischen Arbeit und der Recherche fördere, so di Lorenzo weiter. „Die Selbstdarstellung ist ganz stark ausbaufähig, unterscheidet sich aber ganz stark von Selbstgefälligkeit.“

Zum Ende ging es dann noch einmal um den Nachwuchs, auf den die Chefredakteure ebenfalls durchaus kritisch blicken. Vor allem Koch gab zu bedenken, dass die Auswahl der Bewerber an Heterogenität verliere. So befänden sich unter Uni-Absolventen zunehmend Kommunikationswissenschaftler und zu wenig Bewerber mit betriebswirtschaftlichem Hintergrund oder vielleicht sogar einer Ausbildung zum Bankkaufmann, deren Know-how in Redaktionen gebraucht werde, so Koch. Einen Vorwurf machte sie hier vor allem Universitäten und Fachhochschulen, „die suggerieren, dass die Berufschancen von angehenden Journalisten dadurch verbessert werden, dass sie sich in Journalismus-Studiengänge setzen“.

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Alle Kommentare

  1. Seit 1997 verzichte ich auf Belehrungen durch staatlich finanzierte Massenmedien beziehungsweise auf die dem System verpflichteten Zeitungen.

    Die meisten und wichtigsten Aufgaben können ohnehin von Maschinen erledigt werden. Die meisten und unwichtigen Journalisten sollten sich einen anderen Job suchen. Bildung haben die Gesellen bitter nötig. Vor allem Giovanni. Fürchterliche Type, und nicht sonderlich intelligent.

    Auch das Politische sollte der Maschinen übertragen werden. Die Menschen in den Partei- und den angeschlossenen Medienagenturen könnten die dringend nötige Sendepause einlegen, sich bilden. Gilt für die ganze Gesellschaft. In der dann gewonnenen Freiheit müsst Ihr über die Werte streiten, mit denen die MAschinen programmiert werden sollen…

    Das ist ZUkunft! Nicht, was Ihr hier bisher abzieht. Das ist absolut lächerlich und dem UNtergang geweiht!!!

  2. Di Lorenzo einerseits: „Wir hatten in dieser Diskussion eine Medienlandschaft, die nicht sehr differenziert war.“
    Di Lorenzo andererseits: „Hätte sich die Bild-Zeitung gegen Frau Merkel gestellt, wäre die Stimmung im Land noch vergifteter.“

    Heißt in der Summe: Heute wünsche ich mir eine differenzierte Diskussion, aber noch lange keine Kritik an Merkel. Danke, Bild-Zeitung, dass du die „Stimmung im Land” so vorbildlich entgiftest. Freitags abends treffe ich übrigens regelmäßig Comedians, Schauspieler und Leute, deren Bücher gerade beworben werden müssen. Wen man halt so aus der Klatschpresse und den Merkel-Sendern kennt. Bei Gunther Gabriel habe ich sogar mitgeschunkelt. Wussten Sie eigentlich, dass ich auch Bambi-Preisträger bin?

  3. Journalistische Qualität wird nicht durch Meinungen, sondern durch erlebte und verifizierbare Fakten des Reporters hergestellt. Aber letztere Spezies ist dank twitter, f-book + Co. ja nahezu ausgestorben. Es ist wirtschaftlicher, Bild- und Textmaterial aus irgendeiner Quelle zu kaufen, als es selbst zu produzieren. Der Journalist degradiert zum Verkäufer der Nachrichtenware, die er sexy aufbereiten soll – ohne die dahinter stehende Wirklichkeit berührt, gerochen oder gesehen zu haben.
    Mein Kollege Berger (s.o., den ich hiermit sehr grüße) gehörte zusammen mit Bernhard Rudolph (t) zu den Dinosauriern dieser Reporterzunft. Fakten vor Ort recherchieren, anstatt Pressemitteilungen vor der Kamera zu verlesen. Mal hinfliegen und nachgucken, anstatt embedded videocasts zu posten. Aber das ist natürlich mit Arbeit verbunden, uurrrghhrh. Kostet den Verlag ja auch zuviel.

    Der deutsche Journalismus bewegt sich ein bisschen in Richtung Abgrund; und Kai Dieckmann hat daran seinen Anteil. Er hat die BILD verbohlt oder Bohlen verBILDet; je nach Sichtweise. G.d.L. ist auch nicht unschuldig; seine Larmoyanz übertüncht nur sein eigenes Versagen als CR: DANN MACH DOCH BITTE EIN GUTES BLATT!!! Aber er sitzt wohl lieber in Fernsehshows.

    Es gibt kaum noch Medienhäuser, die für journalistische Arbeit (oder gar Qualität) Tariflöhne zahlen. 30 bis 50% UNTER Tarif ist inzwischen Usus. Journalisten bekommen i.d.R. weniger Geld als ein „Bandaffe“ bei VW ohne dieselben Sozialleistungen. Wie soll da noch die Motivation für Qualität entstehen? Da wird – und ich kenne solche Fälle persönlich – nur noch das Script in letzter Sekunde zusammen gewichst, weil der Ernährungsjob im Callcenter oder an der Supermarktkasse ruft. Soviel zum „Qualitätsjournalismus“ in Deutschland.

    Ich habe kein Problem damit, wenn mich GdL morgen einstellt; aber dann bitte für mehr als ein Bandarbeitergehalt.

  4. Mal abwarten was von diesen geheuchelten „durchaus kritischen“ Vertretern des politisch zuverlässigen Pöbeljournalismus nach der Wahl von Trump übrigbleibt.
    Der Schweinejournalismus rüttelt bereits jetzt erkennbar am Tor der Zivilisation.
    Dumm nur, dass zwischen Putin, Erdogan, Trump, der britischen Premierministerin, dem französischen Regierungschef am Ende einzig allein Merkel als moralische einwandfreie und menschenwürdige Führerin der Welt übrigbleibt.
    Da fragt man sich, ob die deutsche Medienlandschaft 1945 hinreichend entnazifiziert wurde und warum gerade jetzt diese ganzen deutschtümmelnden Medienzombies des Qualitätsjournalismus aus ihren Löchern gekrochen kommen und die Überlegenheit der deutschen Politik und Moral glorifizieren.
    Womit verdient man solche Medien?

  5. Qualität ist, NICHT nur linksgrüne Meinungsolschewisten als Angestellte zu haben, die ihre persönliche Meinung zur Schau stellen und als Faktenkommentar veröffentlichen – in (fast) jedem Artikel. Passiert das , wie online ja immer lesbar, kauft auch keiner mehr eine gedruckte Ausgabe, denn da vergeht dir der Genuss schon vorher, egal erst mal, was in der wirklichen Zeitschrift an Reportagen ect. steht, die man lesen könnte………….

    Kapieren weder die vom Spiegel, noch vom Focus,über Sternchen rede ich nicht. Das sind die magazine, die ich mal las, und zwar alle mal.

    Leute von der „Zeit“ kann man – sorry – weiß Gott (oje, Gott) nicht ernst nehmen, die sind sowieso im Nirgendwo gestrandet. Natürlich ist ein Bürger „besorgt“, wenn an jeder Ecke eine neue Schwarzenhorde oder sonstige gegeelte Helden lungern und in den Blättern wie der Zeit wird gejubelt. Es geht einfach nicht mehr ferner jedweder (objektiver!!) Wahrnehmungen der Leute. Nur ein Beispiel. „Diffuse“ Ängste sind das dann. Junge, wie blöd denktst du, sind die Menschen, die durch eine Kleinstadt laufen müssen und sich das täglich ansehen?!

    Aber wie man sieht, es wird vom Bürger ja honoriert, gewisse Blätter sind bald „weg“.

  6. Die deutsche Presse so gut wie nie? Diese Aussage grenzt an Realitätsverlust!
    Noch immer werden Geschichten verschwiegen. Oder – wenn das nicht möglich ist – wird einseitig berichtet.
    Wacht endlich auf, Chefredakteure! Erzählt, was im Land geschieht. Hört auf, Fakten zu verschweigen.
    Wie armselig ist ein Journalismus, der selbst den Polizeibericht filtert.
    Kein Scherz! Ich lese inzwischen die Pressemitteilungen der Hamburger Polizei, weil sie mehr Informationen enthalten als die Artikel des Hamburger Abendblatts oder der Morgenpost.
    Nein, die deutsche Presse ist im erbärmlichsten Zustand, den ich in 38 Berufsjahren erlebt habe.

    1. 2013 berichtete der Spiegel schon.

      http://www.spiegel.de/politik/deutschland/s-p-o-n-der-schwarze-kanal-warum-sind-so-viele-journalisten-links-a-895095.html

      Genau das ist das Problem, was sich immer weiter und mehr und mehr durch die Presselandschaft zieht und die Menschen weg von diesem „Produkt“, was überproportional zur Gesamtbevölkerung, eben auf der „anderen Seite“ steht. Diese andere Seite will der Mehrheit erklären, was gut ist. Das kann nicht funktionieren. Das merken die betreffenden Herrschaften aber nicht, wie auch, wenn sie einer eindeutigen Ecke zuzuordnen sind. Und es wird ja nicht besser, man geht seit 2-3 Jahren immer mehr dazu über, eigene Statements mit dubiosen Fakten zu vermischen und diese dann als journalistische Expertisen zu verkaufen. Was aber nichts anderes ist, als die eigene linksgrüne Meinung unters Volk jubeln, gern durch verschweigen, verdrehen und weglassen.

      Nein, die Presse merkt es nicht. Denn sie ist nun mal in der einen Ecke zu verorten, da kann man nicht einfach mal umlernen oder was weiß ich…..

    2. Grüß Dich, ich habe auf der Seite gepostet + Dich geteilt oder wie das heißt.

      Ich stimme Dir komplett zu. Wir sind leider arme Säue, die an sowas wie Ethik glauben. Das ist ja rudolphisch.

      Gruß Klaus

  7. Tut mir leid, aber Aussagen wie:
    „Die deutsche Presse ist gut. Ich würde sagen, so gut wie nie zuvor.“
    oder:
    „Das deutsche Mediensystem gehöre zwar zu einem der besten der Welt.“
    hat für mich, in Anbetracht der abstürzenden Auflagenzahlen, etwas vom Pfeifen im Wald.
    Ich halte mich für einen rel. durchschnittlichen deutschen Bildungsbürger. Ich bin selbstständig, weltweit tätig und verorte mich politisch in der Mitte der Gesellschaft. Deutsche Zeitschriften hatte ich abonniert Spiegel, Zeit, SZ, FAZ, Welt, Handelsblatt ua.
    Mit dieser Auswahl fühlte ich mich eigentlich gut informiert und ja, ich habe sie auch immer alle gelesen – soweit ich die Zeit fand.
    Erste Zweifel an einer ausgewogenen Berichterstattung kamen mir im Laufe der sogenannten Eurokrise. Diese Zweifel steigerten sich im Laufe der sogenannten Flüchtlingskrise zu einer Gewissheit. Ich fühlte mich nicht nur falsch sondern auch oft eben „nicht“ informiert. Irgendwann musste ich sogar erkennen, dass meine bis dahin sehr geschätzten Publikationen eher manipulieren denn informieren.
    Mittlerweile habe ich alle! obigen Publikationen in großer Verärgerung gekündigt.
    Ich bin vollkommen umgestiegen auf ausländische Medien aus Frankreich, der Schweiz, GB und USA… – bis auf eine Ausnahme.
    Neuerdings bin ich auch Abonnement einer mir bislang unbekannten und sehr engagierten deutschen Wochenzeitschrift, der Jungen Freiheit. Ich finde sie berichtet ausgewogen, rel. objektiv und erfrischend gut. Ich bin ganz begeistert darüber, dass eine kleine Zeitung mit offensichtlich überschaubarem Budget aber sehr großem Engagement, ein journalistisch so gutes Produkt auf die Beine stellen kann. Ich fühle mich informiert und nicht manipuliert – halt so wie es eigentlich sein soll.
    Das „Pfeifen im Wald“ der ehemals etablierten Medienhäuser wird ihnen mE nichts helfen.
    Wir alle kennen doch die Wirkungskette. Zuerst verliert man Auflage, dann Einnahmen, dann Mitarbeiter, dann noch mehr Qualität und dann die wirtschaftliche Existenz.
    Guter Journalismus geht nur mit maximal kritischer Distanz zu den Dingen über die ich berichte. Hört ein Journalist damit auf, ist er ein schlechter Journalist und wahrscheinlich bad arbeitslos. Hört aber ein ganzes Medienhaus damit auf, dann ist es früher oder später wirtschaftlich nicht mehr existenzfähig und das ist auch gut so.
    di Lorenzo meinte ja Medien seien „selbst korrigierende Systeme“. Dem möchte ich ganz entschieden widersprechen. Medien korrigieren sich nicht selbst, sondern sie werden höchstens von ihren Kunden korrigiert und den damit zwangsweise einhergehenden wirtschaftlichen Gegebenheiten.
    Allerdings dürfen di Lorenzo und Kollegen eines nicht vergessen, ist das Vertrauen erst einmal verspielt, dann ist es nur sehr schwer wieder aufzubauen – wenn überhaupt.
    Vertrauen ist das einzigste und wertvollste Kapital der Presse und das ist zumindest sehr stark beschädigt, wenn nicht sogar nachhaltig zerstört. Ob es das wert war? Erste Zweifel scheinen den fahrlässigen Waldpfeifern ja neuerdings zu kommen…

  8. Weil die Redaktionen von Focus, Zeit, Welt, Stern und Spiegel eine so exzellente Arbeit leisten, bin ich mal schnell zu Tichy´s Einblicke gewechselt.

  9. „Reduktion von Redaktionsstärken bei gleichzeitig steigender Qualität“

    Das Mooresche Gesetz ist: Alle 15-18 Monate doppelte Rechenpower bei gleichen Preis oder halber Preis bei gleicher Power.
    DIE LERNKURVE.

    Vieles sind eh nur unreflektiert copy-pastete Agenturmeldungen. Die Fußbal-Liga mus die Ergebnisse usw. irgendwo eintragen. Daraus macht man automatische robo-Berichte und die Sportreporter kümmern sich um RICHTIGEN Journalismus statt nur Tor-Minuten und Ergebnisse abzutippen und dafür den Pulitzer-Preis inclusive Verdienstkreuz haben zu wollen.

    Das man Steuerberater systematisch zu Themen fragt, will ich schon seit Jahren.

    Das Computerbild, ct‘, Chip, connect usw. ihre Artikel für Tageszeitungen in anderer Wortzahl („800 Worte“) und Zielgruppe (Rentner und Hausfrauen,…) wiederverwenden, würde ich als ct‘-Abonnent SEHR begrüßen. Internet machts möglich.
    „Der Sternenhimmel im November“ braucht nicht 300 Lokalreporter in 300 Lokalredaktionen.

    Seit jeher sind Tageszeitungen mit Agentur-Meldungen gefüllt. Erst google News „ausgeblendete Artikel einblenden“ macht das erkennbar.
    Die Eigenleistung ist oft KEINE. Also braucht man dafür kein Geld ausgeben. Gute Redaktionen würden per Internet nachfragen statt extrateuer Journalisten zur EZB, FED, Papst-Brief, Merkel-Rede usw. zu schicken und einen halben Tag nicht viel zu machen haben ausser herumzuwarten und sich im TV filmen zu lassen… Sowas soll Leistungs-Journalismus sein ? Der wahre Journalist sitzt in der Redaktion oder zu Hause oder Parkbank und ruled mit Tablett seine Berichte zusammen. wahrer, schneller, umfassender und Besser als was heute so abgeliefert wird… Kuratieren ist die neue Devise. Das Forenfolk weiss kollektiv nämlich besser bescheid. Aber wir werden ja nicht gefragt sondern lieber Cashburner, Versager, Mismanager, Plagiatoren und sonstige Leute welche garantiert besser keine Rente planen sollten…

    Digital macht schneller besser stärker.
    Bei Lokalberichten (siehe mal wie erfolgreich z.b. die Rhein-Pfalz ist) geht man natürlich zu möglichst vielen Events. Siehe Lokal-Radio oder die ZIG Lokal-TV-Sender auf Astra-Satellit.

    Es wäre nicht schade, wenn der Journalismus den Weg der Musik-Labels oder Netflix-Konkurrenten geht. Die wollten sich auch nicht dem digitalen Wandel anpassen und schneller besser stärker werden.

    1. An Lernkurve: Gut, dass Sie nicht wissen, was dazu geführt hat, dass die Ressorts für überregionale und internationale Nachrichten in vielen Tageszeitungen vollgestopft sind mit dpa-Meldungen, die von google-news genauso abboniert werden wie von klassischen Papierzeitungen: Einsparungen an Personal, seit Jahrzehnten. Abbau von Korrespondentennetzen, seit Jahrzehnten. Beschweren Sie sich bei den Banken und Shareholdern der großen Medienholdings in Deutschland darüber, aber quatschen Sie die Arbeit der Journalisten nicht kaputt. Und schauen Sie sich mal die deutschen Regionalzeitungen an. Wenn Sie sich einen weniger abgehobenen Journalismus wünschen.
      Der Journalismus passt sich übrigens bereits dem digitalen Wandel an – allerdings mit einem völligen Ausverkauf des Werts der Arbeit, die ein Journalist leistet. Eine Arbeit, die Sie vielleicht mal im Rahmen eines Volontariats kennenlernen sollten. Kann ich nur empfehlen. Es ist einfach und legitim, in einem Leserkommentar einfach mal loszuwerden, was einem so alles nicht passt. Praktisch auch, dass man seine Argumente nicht abzuwägen und auf zugrunde legbare Fakten und Definitionen hin überprüfen muss (Zum Beispiel: Wie kann man den Ausdruck „digitaler Wandel“ definieren?). Sobald Sie aber als Journalist arbeiten, ist es damit vorbei. In dem Moment haben Sie eine Veranwortung gegenüber dem Leser, ja der Gesellschaft. Und dabei ist es egal, ob Sie eine Minimeldung für eine Slideshow digital aufbereiten oder in die Meldungsspalte einer Zeitung schreiben. Das einzige, was nicht egal ist: Wenn man Journalisten kaum noch anständig bezahlt für ihre Arbeit, wenn man Redakeursstellen streicht. Di Lorenzo hat Recht wenn er das kritisiert – ob man ihm nun Heuchelei unterstellt oder nicht. Wenn die denkenden Köpfe, die mit einem Gewissen und einem Arbeitsethos ausgestattet sind, durch Lograithmern ersetzt werden, dann ist das ein Problem.

  10. Artikelzitat:
    »„Die deutsche Presse ist gut. Ich würde sagen, so gut wie nie zuvor“,
    so Quoos. Schneider ergänzte, die Qualität sei „so hoch wie selten zuvor“, obwohl die Redaktionen in den vergangenen Jahren massiv an Mitarbeitern abbauen mussten.«

    Eigenlob „stinkt“ bekanntermaßen. Image wird aus der Blickrichtung von Außen gebildet, nicht indem man sich selbst auf die Schulter klopft.
    Ein Ergebnis: sinkendes Medienvertrauen und -auflagenzahlen.

    Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo täuscht die Öffentlichkeit wie kein anderer, z.B. übt er hier Medienkritik.
    » Im Interview mit turi2.tv am Rande des Jahrestreffens von Netzwerk Recherche sagte der Blattmacher und
    Talkshow-Moderator, er sei überzeugt, dass die einhellige Pro-Flüchtlinge-Stimmung den Medien nachhaltig geschadet habe:

    „Das haben uns die Leute übel genommen.“
    Auch die Zeit habe mit einem Titel im August 2015 einen Fehler gemacht. «(meedia,11.07.2016)

    Trotzdem macht gerade Die ZEIT mit Desinformationen weiter als ob nichts geschehen wäre, was selbst FAZ-Kollegen, 13.09.2016, auffiel; Zitat.

    » In der jubilierenden „Zeit“, in der euphorischen „Bild“-Zeitung und in den Fernseh-Talkshows, die im vorherrschenden Meinungsstrom ganz vorne mitschwimmen, zeigt sich das Woche um Woche. ….
    Schwer zu verstehen findet der Chefredakteur „die anfängliche Euphorie unter Journalisten“. „Wir“ seien „zumindest in der Anfangszeit geradezu beseelt“ gewesen „von der historischen Aufgabe, die es nun zu bewältigen galt“, schreibt di Lorenzo und nimmt seine eigene Zeitung („wenigstens anfänglich“) nicht aus.
    Wobei man hinter „anfänglich“ und das „Wir“ wohl Fragezeichen machen darf.«
    goo.gl/N1Sh0a

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