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VDZ ringt um den Burgfrieden: Wird Kandidatenkür von Holthoff-Pörtner zur Zerreißprobe?

Nachfolge entschieden: VDZ-Präsident Hubert Burda übergibt an Stephan Holthoff-Pförtner
Nachfolge entschieden: VDZ-Präsident Hubert Burda übergibt an Stephan Holthoff-Pförtner

Eine Ära endet. Zwanzig Jahre hat Hubert Burda den Verband Deutscher Zeitschriftenverlage geleitet. Am Sonntag ist Schluss. Burda tritt nicht erneut an. Die VDZ-Delegierten wählen daher einen neuen Präsidenten. Der steht bereits fest: Stephan Holthoff-Pförtner, Miteigner der Funke Mediengruppe. Doch die Umstände seiner Nominierung sorgen weiter für Wirbel, Überraschungen nicht ausgeschlossen.

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Von Gregory Lipinski und Georg Altrogge

Zwar dürfte die Gruppe von unzufriedenen Zeitschriftenverlagen (MEEDIA berichtete) an der Wahl von Holthoff-Pförtner nichts mehr ändern. Vor allem die Hamburger Verlage G+J, Die Zeit, Der Spiegel sowie die Mediengruppe Medweth hatten sich über die ihrer Ansicht nach intransparente Art und Weise mokiert, wie der 68-jährige Rechtsanwalt und Unternehmer als Kandidat auserkoren wurde. Von „Hinterzimmenbünden“ war die Rede, weil die Firmenspitzen der Hamburger Verlagshäuser Zeit, Gruner + Jahr und Spiegel sowie Christian Medweth als Verleger der Medweth-Mediengruppe (u.a. Madame, Jolie, Popcorn) offenbar von der Ernennung Holthoff-Pförtners kalt erwischt wurden; sie fühlten sich übergangen und kritisierten mangelnde Demokratiekultur im Zeitschriftenverband.

Der VDZ setzt derweil auf Schadensbegrenzung. Am Montagnachmittag trafen sich die Verlags- und Verbandsspitzen in der Hanse Lounge, einem von außen schwer einsehbaren und elitären Club an der feinen Hamburger Binnenalster, zur Aussprache. Doch das Treffen glättete offenbar nicht die aufgebrachten Wogen der Chefs der wutentbrannten Zeitschriftenhäuser. Die Unterredung habe nichts gebracht, heißt es aus dem Umfeld der Kritiker, auf die Kernpunkte ihrer Ausführungen seien die VDZ-Oberen überhaupt nicht eingegangen. Sie forderten nach MEEDIA-Informationen, die Wahl des VDZ-Präsidenten auszusetzen und um einige Monate zu verschieben. Rein technisch wäre dies möglich. Der Vorstand der Publikumszeitschriften im VDZ könnte seinen Mitgliedern am Sonntag empfehlen, die Entscheidung auszusetzen. Es wäre allerdings ein einmaliger Vorgang in der langjährigen Verbandsgeschichte.

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Doch dazu kommt es nicht. Die verärgerten Verlage konnten sich angeblich nicht durchsetzen. Das Präsidium hält an seinem Plan fest, die Delegierten über die Wahl von Holthoff-Pförtner abstimmen zu lassen. Dies geschehe – so die Argumentation der Befürworter – aus gutem Grund: Denn würde die Versammlung am Sonntag keinen Nachfolger wählen, entstünde im Verband ein Machtvakuum. Hubert Burda, so wird kolportiert, sei partout nicht bereit, den Posten des VDZ-Chefs weiter zu bekleiden – auch nicht zeitweise, bis ein neuer Kandidat gefunden wäre. Eine Zwickmühle, in die sich das Präsidium um Klambt-Verleger Lars Rose sowie dem Vorsitzenden Rudolf Thiemann, Inhaber des Liborius-Blatts, durch ihre kurzfristig angekündigte Nachfolge-Regelung allerdings auch selbst gesteuert haben. Erst am 18. Oktober war bekannt geworden, dass Hubert Burda sein Mandat nach 20 Jahren niederlegen wird – eine weitsichtige Planung sieht sicher anders aus, und auch die Gelegenheit, eine solche Zäsur zu einer breiten Debatte über die zukünftige Ausrichtung des Verbandes zu nutzen, wurde nicht genutzt.

Die Hamburger Verlagshäuser, die das Vorgehen in einem gemeinsamen Brief verurteilten, sind nun die Speerspitze der Verlage, die sich vom Vorgehen des Präsidiums überrumpelt fühlen. Dass der Konflikt öffentlich wurde, macht es nicht besser. Natürlich wäre es ein fatales Zeichen der Magazin-Branche, die sich ansonsten stets um Geschlossenheit bemüht, wenn die Risse in einen offenen Bruch ausarten. Vor allem der Publishers‘ Summit Anfang nächster Woche in Berlin könnte davon betroffen sein. Zu dem Treffen haben sich hochkarätige Sprecher aus der Politik angesagt – unter anderen Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, Günther Oettinger, Kommissar für Digital Economy & Society der Europäischen Kommission, Sigmar Gabriel, Bundeswirtschaftsminister sowie der Bundesvorsitzende der FDP, Christian Lindner. Die Politprominenz wolle man nicht durch interne Querelen brüskieren, heißt es aus dem Lager der VDZ-Funktionäre.

Hinter den Kulissen kursiert inzwischen ein Vorschlag zur Güte. Um einer Ämter-Häufung von Funke-Angehörigen vorzubeugen, werde der Essener Verlagschef Manfred Braun im Falle der Wahl seines Gesellschafters zum Präsidenten nicht mehr als Vorsitzender des einflussreichen Vorstands der Publikumszeitschriften kandidieren. Sollte Braun die Position freimachen, wäre es ja durchaus möglich, dass sich Julia Jäkel um dieses Amt bewirbt und Brauns Nachfolge antritt. Dass dadurch zumindest ein Burgfriede beim VDZ wieder hergestellt werden könnte, erscheint indes äußerst unwahrscheinlich. Schließlich sehen sich die Kritiker um die G+J-Geschäftsführerin und Zeit-Verlagschef Rainer Esser in ihrem verbandsintern offen formulierten Vorwurf der Intransparenz nach wie vor nicht ernst genommen. Wer die selbstbewusste Gruner-Chefin kennt, würde angesichts der Umstände keinen Cent darauf wetten, dass sie sich auf einen solchen Deal einlassen könnte – eher schon, dass sie notfalls auch einen Bruch in Kauf nehmen würde, falls ihre Kritik am Verbandsgebaren ungehört verhallt.

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Alle Kommentare

  1. Ausgerechnet die Hinterzimmerakrobaten und Helmut-Kohl-Freunde des Funke-Konzerns kungeln jetzt alles fertig aus, und der Rest darf dann abnicken?

    Ein so installierter Mann der Vergangenheit wird die Zeitschriftenverlage in schweren Zeiten stärken, wenn sie Unterstützung gegen die Internet-Multimilliardenkonzerne brauchen. Ganz sicher.

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