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Die Verunsicherten Staaten von Amerika: Warum im Rennen Trump vs. Clinton alles noch offen ist

Das Rennen zwischen Hillary Clinton und Donald Trump ist noch nicht gelaufen
Das Rennen zwischen Hillary Clinton und Donald Trump ist noch nicht gelaufen

Was die Wahl-Prognosen und Umfragen betrifft, ist die aktuelle US-Präsidentschaftswahl eine Achterbahnfahrt. Immer neue Skandale und Enthüllungen lassen den Vorsprung der demokratischen Kandidatin Hillary Clinton mal ansteigen oder wieder schrumpfen. Es fällt den Demoskopen offensichtlich schwer, das Phänomen Trump zu fassen. Das macht Prognosen über den Wahlausgang zu einer heiklen Angelegenheit.

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Spätestens nachdem die Washington Post jenes Video veröffentlicht hatte, in dem Donald Trump damit prahlte, Frauen unbehelligt in den Schritt fassen zu können, schien die Sache gelaufen. Wie könnte so einer jemals zum US-Präsidenten gewählt werden, der sich so offen frauenverachtend und sexistisch äußert? Welche Frau würde Trump da noch wählen? Auch hat Trump zuvor u.a. Latinos und Muslime beleidigt. Kein Kandidat hat wohl jemals so viele Wählergruppen beleidigt und verprellt wie Donald Trump.

Und trotzdem ist das Rennen um die US-Präsidentschaft weit davon entfernt, im Vorfeld klar entschieden zu sein. Nach dem genannten Video stieg Hillary Clintons Vorsprung in den Umfragen zunächst deutlich an. Stichtag 18. Oktober lag Clinton bei 49% und Trump bei 41,9%, basierend auf einem Mittelwert aller Umfragen, die von der Website RealClearPolitics zusammengestellt wird. Aktuell ist dieser Vorsprung wieder geschmolzen auf 48% zu 44,9%.

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Quelle:RealClearPolitics.com

Und bei diesen Umfragewerten sind neue Enthüllungen aus der nicht enden wollenden E-Mail-Affäre Clintons noch nicht einmal berücksichtigt. So kam aktuell heraus, dass Hillary Clinton bei TV-Duellen gegen ihren innerparteilichen Rivalen Bernie Sanders womöglich vorab über Fragen informiert worden war. Außerdem hatte das FBI angekündigt, dass im Zuge der Mail-Affäre neue Beweise aufgetaucht seien, die nun ausgewertet werden müssen. All dies nagt an der Glaubwürdigkeit Clintons und nutzt im Zweifel Trump.

Zwar liegt Hillary Clinton in den Umfragen stabil vor Trump, der Vorsprung ist aber extrem volatil und immer wieder – je nach Nachrichten- und Stimmungslage – sehr eng. Der US-Wahl-Beobachter und Daten-Guru Nate Silver meint gar, die Anzeichen für einen Electoral/Popular Vote Split würden sich verdichten. Damit ist gemeint, dass ein Kandidat gewinnen könnte, der nicht die Mehrheit der Stimmen erhält. Dies war beispielsweise bei der Wahl zwischen Al Gore und George W. Bush im Jahr 2000 der Fall. Obwohl der Demokrat Gore über das ganze Land hinweg mehr Stimmen erhielt, gewann der Republikaner Bush die Wahl. Dies liegt im Wahlsystem der USA begründet. Es wird in den einzelnen Bundesstaaten nach Mehrheitswahlrecht gewählt. Das bedeutet, der Sieger in einem Bundesstaat erhält dort alle Wahlmänner, ganz egal wie knapp der Vorsprung ausgefallen ist. Die Stimmen des unterlegenen Kandidaten fallen unter den Tisch, sind wertlos für das Ergebnis.

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Dies wird bisweilen als ungerecht empfunden, ist aber in Mehrheitswahlsystemen ein ganz normaler Vorgang. Laut jüngsten Wahlanalysen hat Clinton eine 85%-Chance die Popular Vote (die Gesamtzahl der Stimmen) zu gewinnen, aber nur eine 75%-Chance das Electoral College (die Mehrheit der Wahlmänner, auf die es ankommt) zu gewinnen.

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Quelle: FiveThirtyEight.com

Das liegt laut Silver ironischerweise daran, dass Clinton in einigen US-Bundesstaaten relativ gute Umfrage-Ergebnisse hat, die traditionell republikanisch wählen. Als Beispiel nennt er den konservativen und bevölkerungsreichen Bundesstaat Texas. Falls Clinton Texas nur mit 5% Unterschied verliert statt mit 15%, bringt ihr das zwar ein Plus an Stimmen bei der Popular Vote aber es macht keinen Unterschied bei den Wahlmänner-Stimmen, dem Electoral College. Ist ein Bundesstaat verloren, ist er komplett verloren – egal wie knapp. Das macht den Ausgang einer US-Wahl so schwer berechenbar und erklärt die große Bedeutung der so genannten Swing States, also jenen Bundesstaaten, in denen ein knapper Wahlausgang zwischen Demokraten und Republikaner erwartet wird.

Mit der wichtigste Swing State ist Florida mit ingesamt 29 Wahlmänner-Stimmen. Hier führt Clinton vor Trump aktuell laut Nate Silvers Analyse mit 54% zu 46%. Ein Wert, der sich im Licht neuer Enthüllungen durchaus noch ändern kann. Insofern ist der scheinbar große Vorsprung mit einer Wahrscheinlichkeit von 75%, dass Hillary Clinton gewinnt, nichts mehr als eine Momentaufnahme. Relativ kleine Veränderungen im Abstimmungsverhalten in einigen US-Bundesstaaten können das Pendel immer noch in eine andere Richtung bewegen. Zumal sich Hillary Clinton gerade in den Swing States schwerer tut, als seinerzeit Barack Obama.

Hinzu kommt, dass Donald Trump mit seiner irrationalen Art, Wahlkampf zu führen, für politische Analysten schwer einzuschätzen ist. Einen Ausgang der US-Wahlen vorherzusagen, fällt realistisch betrachtet also schwer. Die Lesart, dass Hillary Clinton einen sicheren Vorsprung vor Donald Trump hat, dürfte gerade in europäischen Medien eher Wunschdenken geschuldet sein und lässt sich mit Daten so nicht untermauern. Ähnlich war es übrigens beim Brexit. Auch da sagten die Umfragen mehrheitlich ein knappes Ergebnis voraus, während Meinungsführer und Medien einen Sieg der Bremain-Fraktion schon als so gut wie sicher ansahen. Wie das ausging, ist bekannt.

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Alle Kommentare

  1. @prognos

    > Zehn email’s und eine FBI-Klage weiter

    und die von putin geführte sockenpuppe wird präse?

    zu blöd, es geht nicht um die gemessene „popular vote“, es geht um wahlmänner. mal sehen, wie blöde die amerikaner wirklich sind …

    @luise

    > Plutokratie

    ja, die gehört dringend durch oligarchie oder die herrschaft der mafia, wie sie von onkel waldi vorexerziert wird, ersetzt … /s

    > Mainstream medien

    dann schon lieber kopp und rtd, die lügen wenigstens nicht … /s

    weia, wie durchgeknallt und hysterisch muss man sein, um nicht zu sehen, daß heute jedermann seine meinung ungehemmt ins netz posten kann. das gejammere darüber, daß die mainstreammedien (die ich btw., durchaus auch so nenne und genau so verachte) uns angeblich verblöden … und darauf mit noch durchgeknallteren medien zu reagieren, das ist schon irgendwie ziemlich irre.

    kritik am system: aber ja doch, gerne.

    hysterie & verstörungstheorien: nein danke

  2. Bill Clintons Verfehlungen werden auch gerade in der Öffentlichkeit thematisiert. Es sieht ganz danach aus als wenn die Clntons endgültig zum Abschuss freigegeben wurden.

    Trump wird neuer Präsident werden!

      1. Zehn email’s und eine FBI-Klage weiter hat es sich mit Killary erledigt-die wird gerade genüsslich in Amiland gegrillt und zwar beidseitig wie ein Marshmellow.

        Doni-Boy braucht zur Zeit garnix machen und „gewinnt“ stillschweigend.

  3. Da kann man mal sehen wie unbeliebt Frauchen Clinton beim Wähler ist.
    Was muss sich diese Politstute abrackern, damit ein Nobody wie Trump nicht die Wahl gewinnt. Erstaunlich, dass sich trotz aller Unzulänglichkeiten dieser langjährigen Politdarstellerin der träge deutsche Mainstream so unreflektiert und unsubstantiiert auf ihre Seite schlägt.
    Dass man sie zu Dritt und ohne Schuhe in ihren Kleinlaster schleifen musste, lag natürlich am warmen Wetter ( wie auch der eingebrochene Einzelhandelsumsatz des deutschen Wirtschaftswunders 2016 ) und am pösen mutmaßlich russischen Wintermantel, denn sie irrtümlich für ihre Rede angezogen bekommen hat. Dafür durfte dann anschließend ein kleines Mädchen mediendankbar Blumen überreichen – auch ja auch schon 1933 beim Führer funktioniert.

    1. Es gibt schon peinliche Kommentare, die alles nutzen nur nicht den eigenen Kopf. Da diffamiert ein Bosse in dümmlicher Art eine Politikerin, von der er doch eigentlich gar nichts weiss. Der Schwächeanfall von der Politikerin wird von Bosse widerlich aufgearbeitet und verhämt. Dann bringt er noch einige Fakten durcheinander, benennt einen vermeintlich „b℗bösen“ russischen Wintermantel, mit dem er wohl den guten Despoten Putin meint, und setzt dann auch noch den Führer in seine kruden Vergleiche.
      Vor solchen Meinungen kann man auch in Deutschland Angst haben.
      Die widerlichen Facebookkommentare offenbaren eine Haltung, die einfach nur als erbärmlich zu benennen sind. Und solche zieht sich dieser Bosse wohl rein, findet hier Stoff für sein widerliches Mail . Man muss nicht nur wegen der USA Angst haben. Man findet leider bei uns viel Trumpisches Grunddenken.

      Die Vereinigten Staaten sind schon ein seltsames Konstrukt. Neben hohen intellektuellen Fähigkeiten bei einem doch nur noch sehr geringen Anteil Menschen in diesem Land stehen fassungslose Dummheit und dazu passend Borniertheit, die typisch ist für „american Trash“. Da kommt ein skrupelloser Typ, dessen einzige Qualität darin besteht, geerbtes Millionenvermögen mit allen Mitteln noch weiter zu vergrößern, der ausser peinlicher Haartolle eigentlich gar nichts am Kopf hat, der aber Parolen deklariert, die die benachteiligten Mitglieder dieser Gemeinschaft von Pistolenträgern zu begeistern verstehen. Natürlich ist alles ohne Inhalt. Aber Trashgesellschaft sucht keine Inhalte sondern nur Gebrüll, das beweisen soll, dass auch sie endlich einmal einen Vorbrüller hat. Wie soll ein skrupelloser, wahrscheinlich selbst ernannter Milliardär sich für die Anliegen der verängstigten armen Schichten der USA kümmern? An Menschen hat der doch gar kein Interesse. Also bedient er genau wie Pagida, AFD und NPD primitive Interessen. Er ist wie die oben Genannten ein Menschenfänger ohne jeden Skrupel, der sich ja nach Stimmengslage treiben lässt. Die USA sind trotz des doch sehr argen geistigen Gefälles ein wunderbares Land. Dessen Freiheit wird nicht durch Revolver und andere Waffen geschaffen, wie das so mancher primitiv denkender US-Bürger aufs Panier schreibt. Die beste Freiheit in den USA zeigt sich im Individualismus, auch wenn der mehr und mehr verschwindet in einer dumpfen Trashbrühe. Trump, Putin, Pegida, die AfD und die NPD besitzen große Nähe zueinander. Man hat hier erkannt, das Lügen und Verbrechen gegen Menschen fast ohne Folgen bleiben. Man ignoriert einfach Moral, die es ja doch nur für „Weicheier“ gibt. Von allem nehmen, aber nichts geben heisst die Devise von so vielen empathielosen Menschen, die, ohne es zu wissen, sich eigentlich schon selbst abschaffen.
      Alle Macht dem skrupellosen Starken, den Assads, Putins, Erdogans etc.
      Hoffentlich endet alles wieder in einer Art Nürnberger Prozess. Diesmal aber mit weiterführenderen Konsequenzen. Es kann doch nicht angehen, dass solche Politiker von einer Realität ausgehen die da sagt: Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern, meine verbrecherischen Handlungen, mein wertfreies Leben? Lasst uns enden wie Göring, der da an seinem Ende in Nürnberg sagte:
      „wenigstens anständig gelebt“, womit der keinesfalls den Anstand meinte. F.A-

      1. bosse ist halt einer von den üblichen wichtigtuern, die in ihrem leben keine bestätigung finden und nun online vagabundieren, damit ihnen einer beachtung schenkt.

        das ist wie mit pawlows köter: wenn eines ihrer buzzword glöckchen bimmelt, fangen sie sofort an zu speicheln und wedeln dann halt kommentarmäßig mit ihrem zu kurzen schwanz.

        ich denke ja, daß das in wirklichkeit von onkel waldi bezahlte idioten sind.

      2. @ Florian Adler: Vielen Dank für Ihre Antwort auf „Bosses“ Dumpfbacken-Kommentar! Endlich ein substantieller Beitrag, der nicht aus der üblen AfD-, Pegida-, Kopp- und Russia-Today-Ecke stammt.

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