„Charakterschweine“, „Pseudo-Investigativjournalist“ – Welt-Autor Alan Posener geht wegen Liane Bednarz auf die Süddeutsche Zeitung los

Welt-Autor Alan Posener, Publizistin Liane Bednarz: mächtig Ärger wegen eines SZ-Artikels
Welt-Autor Alan Posener, Publizistin Liane Bednarz: mächtig Ärger wegen eines SZ-Artikels

Johannes Boie, Journalist bei der Süddeutschen Zeitung, hat einen Text über Interessenskonflikte bei dem Buch "Gefährliche Bürger" geschrieben. Es geht darum, dass die Co-Autorin Liane Bednarz Namen im Sinne ihres Haupt-Arbeitgebers, eine Kanzlei, habe streichen lassen. Das bringt Welt-Autor Alan Posener bei Facebook in Wallung. Die Stimmung auch unter Medienmenschen ist bei Facebook mitunter gereizt.

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Liane Bednarz arbeitet für die Münchner Kanzlei Noerr. Im Nebenberuf ist sie Publizistin und ist bekannt dafür, Verflechtungen der Szene der so genannten Neuen Rechten aufzuarbeiten und anzuprangern. Dies tut sie in Artikeln, Kolumnen, auf ihrer Facebook-Seite und auch bei dem Autoren-Blog Starke-Meinungen.de, wo auch Alan Posener Beiträge veröffentlicht. Zusammen mit Christoph Giesa, der ebenfalls bei Starke-Meinungen.de dabei ist, ist sie Autorin des Buchs „Gefährliche Bürger“, erschienen im Hanser Verlag, in dem neurechte Verflechtungen beschrieben und viele Namen genannt werden. Der Vorwurf, der nun in dem SZ-Artikel Boies erhoben wird, ist, dass Bednarz im Sinne ihres Arbeitgebers Namen und Verbindungen vor der Buch-Veröffentlichung aus dem Manuskript streichen ließ. Der Verdacht steht im Raum, dass die gestrichenen Namen Mandanten der Kanzlei Noerr sind oder anderweitig mit der Kanzlei verbunden sind. Alexander Filipović, Münchner Professor für Medienethik, bezeichnet das in der SZ als Interessenkonflikt.

Welt-Autor Alan Posener brachte der SZ-Artikel gehörig in Wallung. Auf Facebook bezeichnet er Johannes Boie als „Pseudo-Investigativjournalist“, dem er „jede Gemeinheit“ zutraut. Dass Bednarz Einlassungen über Kunden ihres Arbeitgebers habe streichen lassen, bezeichnet Posener dagegen als Selbstverständlichkeit. Unter dem Facebook-Beitrag entwickelte sich eine verzweigte Diskussion, an der sich auch Medienmenschen beteiligten.

So schaltete sich offenbar der bei der Welt geschasste Autor Matthias Matussek mit einem eigenen Facebook-Posting ein, das er mittlerweile aber wieder gelöscht hat. In weiteren Kommentaren schreibt Matussek, Bednarz sei nun „aufgeflogen“ und sie habe sich „wie ein böser Fluch“ verfolgt.

Posener schrieb mit Bezug auf das gelöschte Posting, Matussek sei mit seinem „Menschenopfer hoffentlich zufrieden“. Gemeint ist mit dem „Menschenopfer“ offenbar Liane Bednarz. Starke Worte von Alan Posener, der hier offenbar eine Art Rufmord am Werk sieht.

Hinter dem ganzen Streit steckt offenbar auch eine persönliche Entfremdung der beiden Co-Autoren Liane Bednarz und Christoph Giesa, wie sich u.a. einer längeren Einlassung Giesas in den Kommentaren entnehmen lässt. Er sagt, dass er das Buch im wesentlichen selbst geschrieben habe und es Probleme mit Bednarz gegeben habe. Andere widersprechen. Was wirklich geschehen war, wissen vermutlich nur die Beteiligten und jeder hat offenbar eine ganz eigene Sicht.

Der SZ-Artikel von Johannes Boie aber sieht aus wie ein sauberes Stück Journalismus. Alle Beteiligten Personen wurden angefragt, die Einordnung, dass das Streichen der Namen problematisch war, überlässt der Autor Boie sogar einem Medienethiker. Und natürlich ist es interessant, wenn eine öffentlich bekannte Publizistin wie Liane Bednarz solche Eingriffe in ein bekanntes Buch vornehmen lässt. Dass die Namen und Passagen gestrichen und verändert wurden, wie Boie es beschreibt, ist unstrittig. Dass sich über einen solchen Text unter gestandenen Journalisten bei Facebook ein handfester Pöbel-Streit entzündet (bei dem sich SZ-Mann Johannes Boie übrigens raushält), mag als Beleg für eine gewisse Reizbarkeit in der Branche gelten. Einen guten Eindruck macht das jedenfalls nicht. Starke Meinungen hin oder her.

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Alle Kommentare

  1. Das zeigt uns allen doch eines, dass all jene Schreiberlinge „selbstverständlich“ Berichte so hinbiegen um bestimmte Interessen und Personen zu schonen. In Wirklichkeit ist es der Bankrott der ungeschönten Wahrheit.
    Würden all diese bezahlte Heuchler nur nicht immer auf die bösen „Anderen“ zeigen, wäre es wohl halb so tragisch. Doch bereits im Weglassen von Fakten und Personen und der Rücksicht auf bestimmte Interessen breitet sich die Lüge aus, doch die Lügner fühlen sich weiter im Recht und das ist auch der Grund für ein allgemeines Misstrauen, es ist mehr als nur berechtigt. „Glaub nicht was geschrieben steht“, wird zur Pflicht!

  2. Die Kampagne des Springer-Verlags gegen Griechenland war beispiellos in der deutschen Geschichte. Menschen wie Liane Bednarz beklagen hingegen lieber öffentlich auf Facebook die vermeintlichen Vorurteile gegenüber Springer-Medien.

    Aber die Gegner von Freiheit, Toleranz und Mitmenschlichkeit sind in der Minderheit, egal wie sehr sie in (a)sozialen Medien rumpöbeln.

  3. Vielen Dank für diese so faire wie unterhaltsame Darstellung, die vielleicht einen vorübergehenden Endpunkt unter den publizistischen Amoklauf dieser Juristin setzt. Es war faszinierend und schockierend zu beobachten, wie sich ein ernstzunehmender Weggefährte nach dem anderen abwandte und durch einen subalternen Zirkel von Bewunderern ersetzt wurde; niemand von Rang; Nullen, fortlaufend „kluge“, „nachdenkliche“ und „wichtige“ Texte lobend…

  4. Dr. Meier kann man nur zustimmen!

    Eines muss aber den Lesern gesagt werden.
    Das diskutierte Buch ist eigentlich in allen Feuilletons als ein schlechtes Machwerk zerrissen worden und auch keiner Diskussion wert.
    Es als Standardwerk (SZ) zu bezeichnen grenzt an Hybris. Hier mal ein Link zu einer mit der am höchsten bewerteten Amazonrezensionen: https://www.amazon.de/gp/customer-reviews/R1LPL2NAENZYO1/ref=cm_cr_getr_d_rvw_ttl?ie=UTF8&ASIN=3446444610

  5. @ zum Text, zu den Kommentaren zu diesem Thema hier: Ist mir das zu hoch? Nein, zu flach, zu fade, zu egoistisch, zu nebensächlich – boys and girls come back to the rules.
    thank you.

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