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Werbe-Verweigerer sollen sich registrieren: Süddeutsche.de sammelt AdBlocker-Nutzerdaten

SZ-Chefredakteur Stefan Plöchinger (l.) und -Geschäftsführer Johannes Vogel sagen AdBlock-Nutzern weiterhin den Kampf an
SZ-Chefredakteur Stefan Plöchinger (l.) und -Geschäftsführer Johannes Vogel sagen AdBlock-Nutzern weiterhin den Kampf an

Wer Inhalte von Süddeutsche konsumiert, Werbung aber mithilfe von AdBlockern unterdrückt, kann das zwar tun, muss ab sofort aber seine Daten hinterlassen und sich registrieren. Mit den Daten wollen die SZ-Macher Werbemuffel möglicherweise auf anderen Wegen ansprechen. Sie folgen damit internationalen Beispielen wie dem der Washington Post oder der New York Times. Ein Mittel, die AdBlocker-Technologie auszuschalten, gibt es noch immer nicht.

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Wer AdBlock-Software installiert hat, kommt bei Süddeutsche.de nicht mehr weiter – zumindest nicht ohne weitere Hürden. Seit dieser Woche verlangen die Macher von SZ.de eine Registrierung, wenn Leser weiterhin werbefrei Content konsumieren wollen. Hinterlassen sie Namen und E-Mail-Adresse, können sie trotz installierter Drücker-Software weiterlesen. Damit werden Reichweite und Traffic nicht gefährdet und zugleich wird möglicherweise Wissen über die Fraktion der Werbeverweigerer gewonnen.

Im Gegenzug müssen die Nutzer möglicherweise mit elektronischer Post rechnen. Mit der Registrierung willigen sie ein, dass der Verlag „über Medienangebote, Print- und Digitalpublikationen der Süddeutsche Zeitung GmbH und der Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH“ informieren darf.

Süddeutsche folgt mit der Registrierung vor allem internationalen Beispielen wie der Washington Post, die AdBlock-Nutzern gesondert redaktionelle Inhalte via E-Mail zustellt, oder auch der New York Times. Süddeutsche macht in diesem Zuge auch das Angebot, direkt ein digitales Abo mit weiteren Vorteilen abzuschließen. Auf diesem Wege erhoffen sich Publikationen in der Regel ihre digitalen Abo-Auflagen zu steigern. Der Schritt soll auch die Abhängigkeit von Umsätzen aus der Werbevermarktung mindern.

Im vergangenen Jahr hatte allein Süddeutsche.de durch die Nutzung der Blocker-Software rund 25 Prozent seiner AdImpressions und damit Anzeigenumsätze verloren, wie Geschäftsführer Johannes Vogel im Interview mit MEEDIA erklärte. Ob und wie genau Angebote für die gewonnenen Nutzer(daten) aussehen werden, darüber wolle man sich noch Gedanken machen, so Vogel auf Nachfrage. In erster Linie wolle man herausfinden, ob der Registrierungsprozess womöglich ausreicht, damit Nutzer ihren AdBlocker deaktivieren.

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Über den Erfolg diverser Maßnahmen ist alles in allem wenig bekannt. Es ist durchaus anzunehmen, dass Nutzer den Registrierungsdeal eingehen, um weiterhin werbefrei surfen zu können. In welchem Postfach die Verlagsnachrichten dann landen und ob sie nicht direkt ausgefiltert werden, ist nicht nachzuvollziehen. Mut macht, dass zumindest in Deutschland die Nutzungsrate von AdBlockern zuletzt rückläufig war. Jüngst veröffentlichte auch die Financial Times erstmals Zahlen zu ihren Anti-AdBlocker-Maßnahmen. Der US-Titel probierte vom Appell an den Nutzer bis hin zum Aussperren verschiedene Varianten. Die Ergebnisse: Rund 40 Prozent der Nutzer reagierten auf den einfachen Appell, FT.com bitte ohne Blocker zu nutzen. 47 Prozent einer weiteren Testgruppe, die bei aktiver Software Lückentexte angezeigt bekommen hatte, schaltete den AdBlokcer ebenfalls aus. Bei der radikalen Variante, AdBlock-Nutzer komplett zu sperren, reagierten nach Verlagsangaben 69 Prozent.

Ähnliche Wege gehen in Deutschland mittlerweile mehrere Medien. So sperrt beispielsweise auch Bild.de seit Herbst vergangenen Jahres AdBlock-Nutzer konsequent aus. Mehrere digitale Angebote aus dem Hause Gruner + Jahr verfahren genauso. Andere Portale – auch Süddeutsche probierte dies bereits – versuchen auf die Nutzer einzureden und belassen es bei der Bitte, die Software für ihr Angebot zu deaktivieren.

Nach wie vor scheinen die Maßnahmen der Verlagshäuser eher verzweifelt. Auch juristische Versuche, mit denen die AdBlocker samt Geschäftsmodell außer Gefecht gesetzt werden sollten, sind in großen Teilen gescheitert. Das wohl größte Problem ist das technische Know-how. Software-Hersteller wie Eyeo (das Unternehmen hinter AdBlock Plus) versammeln eine riesige Community hinter sich, die das Open-Source-Angebot stetig weiterentwickelt. Verlagshäusern fehlen schlicht Kapazitäten wie auch Kompetenzen, um im Entwickler-Wettbewerb mitzuhalten. Als einziges Unternehmen konnte sich bislang der US-Konzern Facebook behaupten. Ihm gelang es vor einigen Wochen, die AdBlock-Software auszuschalten. Allerdings tüftelt die Gegenseite bereits daran, den Spieß wieder umzudrehen.

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Alle Kommentare

  1. Also einfach als Herr/FRau Hans Wurst oder Leber Wurst eine Einmal-Nutzen-und-Wegwerf-Adresse erstellen und gut ist. Dann sind alle zufrieden. Der Spammer, äh Werbetreibende kann mit Stolz mit seiner oder der Reichweite des Trägermediums protzen und der Leser des bayr. Presseerzeugnisses kann seine Tagesmärchen umsonst im Netz lesen.

  2. Auch wenn es Werbewirtschaft und WebseitenbetreiberInnen erfahrungsgemäß konsequent ignorieren, Werbeblocker werden aus folgenden Gründen eingesetzt:

    1. Belästigende, repetive, niveaulose, vom Content ablenkende Ads.

    2. Maßlosigkeit im Sinne von mehr Ads als Content auf der Webseite.

    3. Exzessiver Trackereinsatz.

    4. Malvertising.

    5. Verlangsamung des Surfens durch Ads und Tracker etc.

    6. Ads für bereits zahlende KundInnen.

    Würden diesen Kritikpunkten abgeholfen, würden erheblich weniger Werbeblocker eingesetzt.

    Solange Werbewirtschaft und WebseitenbetreiberInnen die WebseitenbesucherInnen nicht respektvoll als KundInnen bzw potenzielle KundInnen behandeln, wird sich am Werbeblockereinsatz nichts ändern.

    1. >Würde diesen Kritikpunkten abgeholfen, würden erheblich weniger Werbeblocker eingesetzt.

      Perfekt zusammengefasst!

      Jeder, der täglich mehrere Dutzend Quellen für Nachrichten und Artikel anzapft (beispielsweise über Google News), kennt das Problem: Man klickt eine spannende Überschrift und landet statt beim Artikel bei einer Registrierungsaufforderung oder einem automatisch startenden Video.

      Die betreffenden Angebote werden in der Folge nicht etwa abonniert sondern schlicht und ergreifend von mir ignoriert. Es ist ja auch nicht einzusehen, dass man sich als Querbeetleser bei dutzenden verschiedenen Angeboten als Abonnent registrieren soll. Selbst wenn dies gratis wäre, würde es mich schon nerven – allein wegen des Aufwands.

      Wer liest denn bitteschön heutzutage nur zwei bis drei Nachrichtenblätter online? Man hat im Internet täglich doch ein riesiges, unüberschaubares Angebot an Nachrichtenquellen zur Verfügung. Es ist also völlig an der Realität vorbei, wenn Verlage glauben, mit ihrem Werbe- und Abo-Generve zahlende Kunden zu gewinnen. Stattdessen wenden sich viele angewidert ab.

      Natürlich soll die Leistung der Journalisten honoriert werden. Aber die Bezahlung von Online-Content muss simpel und störungsfrei geschehen – wie ein Wimpernschlag: Mittels Micropayment-Systemen, die verlagsübergreifend zum Einsatz kommen und ohne jeden Abo-Zwang. Für einen geklickten Artikel, der mich wenigstens nicht mit ungebetenen Add-Ons nervt, zahle ich sogar gerne schon vor dem Lesen ein paar Cent, solange ich weiss, von welcher Quelle er stammt.

      Man muss die Inhalte allerdings zu einem angemessenen Preis anbieten. 0,29 EUR bis 3,00 EUR pro Artikel sind eindeutig zu viel für einen Vielleser.

  3. @andreas theis

    > Hörtexte zu meinen Fachthemen zusammengesucht habe

    räusper, da ich seit den 80ern mitschneide ist das bei mir eine sache von sekunden 😉

    wirklich empfehlenswert sind – überraschenderweise – die sachen beim BR, br wissen zb. oder SWR wissen, die sind durchaus aktuell. ich mache nch mal kurz reklame: hier ist mein eigentlicher blog auf der seite einer zeitung, für ich seit 20 jahren das (gedruckte) tv programm mache.

    auf der linken seite sind die wesentlichen angebote der radiosender aufgelistet und schneller zugänglich, als wenn man das vor ort bei den sendern selbst macht. die seite läuft seit ca. 8 jahren, keine ahnung, ob das gut besucht ist, dafür mache ich das ja auch nicht, eher als freundschaftsdienst.

    1. Ja, danke für den Link: https://goo.gl/kmQWxc

      Vorzüglicher und sehr umfassender Service, dieser Blog. Ich werde sicher auch mal in die Podcasts reinhören. Es sind schliesslich ein paar spannende Sachen dabei 😉

      Übrigens weiss ich einen Trick, wie man Registrierungsaufforderungen auf Nachrichtenportalen loswerden kann, die sich schon nach wenigen Seitenbesuchen aufdrängen: Cookies der betreffenden Seite löschen. Es gibt Ein-Klick-Tools für den Browser, welche auf sehr einfache Weise eine Cookie-Löschung bewerkstelligen. Man könnte diese Cookies natürlich auch global abstellen, aber das ist nicht immer die beste Lösung. Doch wem sage ich das. Immerhin wird auf Cookie-Tracking inzwischen regelmässig hingewiesen.

      Jedenfalls kann ein Werbetreibender durch solche Drittanbieter-Cookies auch meine Besuche auf allen Seiten protokollieren, auf denen seine Werbung angezeigt wird. Das muss man nicht per se schlimm finden, aber es ist ungefähr so, als würde ein Plakatwerber wie beispielsweise H&M immer mitschreiben, wann ich täglich in welchem Stadtteil gerade an welcher Bushaltestelle stehe – nur damit er mich dort zielgruppengerechter mit Werbung zuballern kann. Da könnte mancher schonmal auf die Idee kommen, DDoS-Attacken als Gegenmaßnahme für legitim zu halten.

      Auch Nachrichtenseiten nehmen mit dieser Art und Weise der Werbung mittels Nutzertracking eine mögliche Gefährdung der Privatsphäre Ihrer Leser und Kunden bewusst in Kauf. Denn die Tracking-Daten werden massenhaft erhoben und gespeichert, und keine unabhängige Stelle wacht ernsthaft über deren Verbleib oder Weitergabe. Nur durch selbstverantwortete Gegenmaßnahmen kann man solchen unverantwortlichen, täglich millionenfach eingesetzten Okkupationsbestrebungen etwas entgegensetzen.

      1. > Vorzüglicher und sehr umfassender Service, dieser Blog

        danke, das höre ich gerne, zumal das nun wirklich eher eine sache für eine sehr kleine – aber eben interessierte – zielgruppe ist. bei reddit nähere ich mich gerade ganz ganz ganz vorsichtig 100 abonnenten, das sind 90 mehr, alsich zu anfang erwartet hatte 😉 wieviele es bei tv3 sind, weiss ich nicht und will es auch nicht wissen, ich mache das eher für mich und die herausgeberin (freundschaft aus alten spon tagen bei c$s)

        > Registrierungsaufforderungen auf Nachrichtenportalen

        wie gesagt, bei mir ist seit 30 jahren das ohr der weg. seit dem umzug der regierung nach berlin und dem einbruch des internets in das geschäftsmodell der papiermedien hat sich bei mir der eindruck verstärkt, daß zunehmend einfach tickermeldungen aufgebläht an die leserschaft weitergereicht werden.

        ich brauche nicht alle drei sekunden eine aktualisierung, deshalb meide ich auch eigentlich so etwas wie twitter. mir ist ein fünf minuten beitrag beim dlf lieber, den am tag darauf einer mit einer anderen meinung ergänzt und wenn ich dann ma dritten tag einer dritte meinung zugehört habe, fange ich langsam an, mir meine eigene zu bilden. die zeit, die ich nicht bei twitter verbringe, hat mein leben um die zeit bereichert, in der ich dann lieber mit freunden einen guten chinesischen tee aus kleinen tassen bei einem langen gespräch IRL verbringe.

        es gibt zudem eine art „verschlankung“ im pressebereich, die ich – neben der unguten hektik, immer sofort news und meinungen abzufeuern – auch für kontraproduktiv halte: „politiker xyz sagte der funke-medien-gruppe“ ist das ende vieler label und guter namen-

        > Da könnte mancher schonmal auf die Idee kommen,
        > DDoS-Attacken als Gegenmaßnahme für legitim zu halten.

        die idee hat was 😉

        es gibt in der serie „black mirror“ in der 2. folge der ersten staffel eine schöne dystopie zu diesem thema, also der bombardierung mit werbung.

        wenn ich ehrlich bin: werbung hat mich nie interessiert und ich würde sie auch ignorieren, wenn ich sie denn sähe. im grunde fände ich es ehrlicher und besser, wenn die verlage nur teile ihres angebots kostenlos zur verfügung stellen würden und andere teile kostenpflichtig machen würden (der spiegel macht das mit spiegel plus). ich komme zwar aus einer zeit, in der das, was im internet stand, per se als etwas kostenloses verstanden wurde, aber ich hätte kein problem damit, wenn sich denn die verlage endlich trauen würden, für ihr angebot geld zu verlangen. ich denke, die haben angst, sich der bitteren realität zu stellen und anhand der zahlen sehen zu müssen, wie gering ggfl. die nachfrage wirklich wäre.

        ich denke aber auch, daß die portale wie spiegel etc. (auch meedia) ihre kommentarspalten kostenpflichtig machen würden, das würde eine menge trolle (also die, denen onkel waldi das dann nicht bezahlen würde) aussen vor halten.

        bislang gilt, auch bei meedia, der streit in den foren zu den klickgeneratoren – und dieser zynismus hat uns leider in den letzten jahren einige probleme beschert.

  4. Scheint nicht zu funzen, bild.de auch immer noch nicht.
    Aber irgendwie fühle ich mich jetzt diskriminiert, jetzt kann ich nicht mal nicht lesen was ich sowieso nicht lesen würde.

  5. WENN die Süddeutsche wirklich online GELD verdienen will und die Süddeutsche glaubt das offenbar zu können, dann bitte errichtet eine Eingangskontrolle. Das ist doch ganz simpel und kann jeder 14jährige bereits mit den üblichen Anfängergrundkenntnissen einer seriösen Programmiersprache leisten. Wer das passende Losungswort nicht kennt, der sieht eine leere weisse Seite oder wird andersweitig umgeleitet. Das hat natürlich auch für googles Suchmaschine Gültigkeit und hier liegt das Problem. Google generiert Zugriffe auf den content der Süddeutschen.

    Und überhaupt, wer so einen Blockadehinweis in Javascript programmiert, gegen den sollte jemand ein Online-Verbot aussprechen. Der hat nur als Heuchler im WWW etwas zu suchen.

  6. Der nervige Werbeterror in digitalen Medien schmälert die Lust am Lesen extrem. Ich greife daher gern zu Printprodukten vom Kiosk und vermeide dadurch, mich durch das Abo eines bestimmten Anbieters zu binden und selbst einzuschränken. Das Leseerlebnis ist ausserdem (nach wie vor) in Printmedien wesentlich angenehmer und Werbung stört darin kaum. Wieso wird darüber kaum gesprochen? Online-Medien können mit dieser althergebrachten Form des Lesens überhaupt nur mithalten, wenn sie ebenso unaufdringlich werben und nicht dauernd von den eigentlichen Inhalten ablenken. Da ich gern auch verschiedene Quellen lese, ist ein Abo für mich sowieso tabu. Ich müsste ja hundert Online-Abos abschließen, nur um endlich halbwegs ungestört lesen zu können. Da das nicht in Frage kommt, suche ich mir logischerweise diejenigen Informationsquellen, die mich nicht in der Leseerfahrung gängeln. Selbst Twitter nervt weniger als eine Online-SZ-Ausgabe. Ich denke, es ist endlich an der Zeit, Werbung in einer Form anzubieten, dass man sich nicht vereinnahmt und im Leseerlebnis bevormundet fühlt. Braves Konsumieren von Werbung in ihrer heutigen Form macht es nicht besser, sondern verschlimmert die Lage immer mehr.

    1. Schau dir mal den Dienst Blendle an 🙂 Dort kann man aus verschiedenen Zeitungen und Magazinen Inhalte kaufen, ohne aber ein Abo oder ein ganzes Magazin kaufen zu müssen.

      1. Danke für den Tipp! Ich habe es mir angeschaut. Aber mit Blendle käme ich ja auf allerwenigstens 10,- € pro Tag(!) für die Artikelkäufe. Das ergäbe optimistisch gerechnet 300,- € pro Monat! Ähem. Und ich wäre noch immer nicht werbefrei unterwegs, weil Blendle leider nur höchstens 25% meiner Lese-Interessen abdeckt. Was als realistische Lösung bleibt, sind also jene Web-Medienapplikationen, in denen ich ohne dauernde Werbe-Gängelung und dennoch kostengünstig selbst zusammenstellen kann, was ich lesen will – ohne extra für die einzelnen Artikel zu zahlen. Beispielsweise paper.li, Flipboard etc. Vielleicht hat ja jemand noch andere vergleichbare Tipps, die man sich anschauen kann?

    2. > Ich greife daher gern zu Printprodukten vom Kiosk

      ich habe über jahrzehnte sehr viel geld ausgegeben für printprodukte … als sich das noch lohnte und ich nicht den eindruck bekam, es stünde in allen das selbe. also habe ich einfach das format gewechselt und höre seit ende der 80er lieber zu, sprich: wortradio. wer es gelernt hat, zuzuhören und auch meinungen auszuhalten, die mal nicht der eigenen entsprechen (rolf clement ist mir ein ewiger stachel im fleisch), der ist mit dem deutschlandfunk oder anderen wortradios bestens bedient. ich höre dort oft dinge, die dann eine woche später mal in den sonstigen medien aufschlagen. zudem höre ich die leute selbst sprechen und umgehe den meinungsmachinterpreter der zeitungen. um ein bißchen reklame zu machen: hier liste ich täglich auf, was ich so selbst gehört habe und empfehlen würde. gegen beiträge im radio, sagen wir einmal zwischen 18:00 und 19:00 im dlf kömmen mir mittlerweile sachen in der presse oder im tv wie zeichentrick-karikaturen vor.

      wie gesagt, man muss lernen, auch mal auszuhalten, daß andere dinge anders sehen und … auch mal das eigene konstante interpretieren des gehörten abzuschalten und wirklich zu hören, was der andere sagt. jeder denkt ja, er würde das tun, aber in wirklichkeit muss man zuhören erst mal lernen 😉

      1. > gegen beiträge im radio, sagen wir einmal zwischen 18:00 und 19:00 im dlf kömmen mir mittlerweile sachen in der presse oder im tv wie zeichentrick-karikaturen vor.

        Ja, da ist viel Wahres dran, was Du sagst. Und das Radio ist durchaus ein nicht nur hörerfreundliches sondern auch leserfreundliches Medium, wie der Kenner weiss.

        Aber bis ich mir ein paar wirklich passende Hörtexte zu meinen Fachthemen zusammengesucht habe (inkl. Podcasts) vergehen beinah Stunden. Und diese Podcasts sind oft völlig veraltet, was man meist erst dann erfährt, wenn man sich bis dahin durchgeklickt hat. Ausserdem sind die Hörangebote einfach viel zu oft oft zum Gähnen. Zum wohlmeinenden Zuhörenkönnen gehört auch, dass der Sprecher die Wachphasen des geneigten Hörers möglichst ausdehnt.

        Bei Twitter dauert es hingegen maximal 10 Sekunden, um 20 brandaktuelle Artikel zu meinen Lieblingsthemen zu finden. Die lese ich dann teilweise auf den betreffenden Webseiten, also an den Originalquellen zu Ende. Das ist Journalismus – vom Fachmann und Autor direkt an die Leser.

        Ich wüsste da schon noch ein paar Mehrwert-Ideen, klar, aber solch lebendige Kanäle für Reportagen und Fachartikel sind schon in ihrer rudimentären Form einfach unverzichtbar geworden. Auch mir ersetzen sie das Radio nicht, aber wenn ich wählen müsste, fiele meine Wahl auf Twitter. Dort gibt es nicht nur Ton und Sprache, sondern auch Video. Im Grunde alles, was das Herz begehrt – nur gehört die Plattform als Content-Maschine noch gehörig aufgepeppt.

    3. > Vielleicht hat ja jemand noch andere vergleichbare Tipps, die man sich anschauen kann?

      Readly gibts auch noch. Ich nutze es selber nicht. Daher OHNE GEWÄHR:
      – wohl 10 Euro pro Monat. Flatrate. Read as much as you can.(?)
      – Es gibt vergünstigte Abos wohl von Freemail-Anbietern und vielleicht auch bei anderen Anbietern. Die laufen dann aber wohl länger als die sonst wohl monatliche Kündigungs-Frist.
      – Man kann es wohl auch offiziell mit mehreren (4-5 glaube ich) Geräten oder Personen benutzen (geht bei Netflix ja auch mit 1/2/4 Accounts je nach PAL/FullHD/UltraHD-1-Abo) wenn man Account+Passwort passend einrichtet. („Ich habe die Daten meiner Schwiegermutter gegeben und Neutralen Usernamen+Passwort bei der Account-Einrichtung gewählt.“ aus irgendeinem Forum)
      – Man kann wohl (in begrenztem Maße) offline runterladen. Speziell wenn man verreist ist das sehr interessant. Geht bei Youtube wohl in Süd-Korea und bei Amazon-Prime ja inzwischen wohl auch.
      – Alte Hefte gibts oft wohl auch. Dann hat man immer was zu lesen wo man herum-warten muss (ÖPNV, Flughäfen,…)
      – Auch englische Titel verfügbar. Da es wie eine Bibliothek mit Eintritt und Zeitbeschränkung ist, muss man sich nicht vorher festlegen was man lesen will.
      – Per APP, aber auch wohl per WebBrowser zugreifbar

      Nachteilig ist vielleicht PDF als Basis statt Fliesstext wie bei Kindle/Stanza/EPUB-Readern/… . Da müsste man mal herumprobieren ob/wie man das bequem gelesen kriegt oder mit einer fireTV-App z.b. am TV oder testweise mal am Aufrecht gedrehten Monitor (oder die Firma hat sowas) liest und beim Neu-Kauf dann darauf achtet („Pivot-Funktion“ oder so heisst das bei Monitoren wohl).

      Klingt so als ob sie die Hausaufgaben gemacht hätten und viele Leser ansprechen möchten.

      Die Haptik von Null-Hertz-Papier erkennen viele halt nicht.
      Die Frage ist, wie gut die Kindles und Tolinos(?) auf E-Ink-Basis inzwischen sind. Ältere Kindles sind inzwischen sehr bezahlbar. Diese haben aber vielleicht noch nicht die Hintergrund-Beleuchtung welche wohl sehr sinnvoll sein dürfte.
      wikipedia: Tolino#Tolino-E-Book-Reader
      Ich meine die E-Ink-Modelle von Tolino und Kindle und nicht die Android-Tabletts beider Marken.
      E-Ink ist wie die guten Marken-Produkte bei Fahrrädern halt spürbar teurer aber man weiss warum man sie kauft und den Aufpreis bezahlt. Auf Verdacht kaufen hingegen ist nicht sinnvoll. Die Tolinos kann man wohl bei vielen Verkaufs-Stellen (Buch-Handlungen der entsprechenden Ketten) in Aufstellern testen.
      Ob Readly mit E-Ink geht weiss ich aber nicht.

      Allerdings haben auch Android+iOS dazugelernt und man kann bequem die Schriftgröße oder Helligkeit einstellen (wie auch bei vielen Videoplayern die Lautstärke und Helligkeit während des Abspielens statt mühselig in Menüs) und vielleicht das wichtigste: Blaustich wird als Einschlaf-Hindernis gesehen und kann inzwischen wohl auch bei aktuelleren iPhones usw. abgeschaltet werden, was eine freundlichere Darstellung ergibt während man morgens mit blau-stichigem Weiss vielleicht gerne geweckt werden will.

      Das Grundproblem ist: Beim Surfen muss man schnell schnell schnell scannen wo es überhaupt weitergeht. Daher sind die meisten Monitore oft zu hell eingestellt um Voll-bild-Video oder Print zu konsumieren.
      Eine Zeitungs/Zeitschriftenseite ohne viel Blingbling und Bilder hat ja dann spürbar viele weisse „gleissend helle“ Pixel welche auf Webseiten im Werbe-Blingbling-Flash-Crash-Trash-Banner-Sumpf optisch untergehen oder man hat Hintergrund-Farben usw. auf der Webseite also im Vergleich zu Print oft sehr wenig Weisse Pixel. Schon beim Lesen normaler Anleitungs-PDFs (welche bitte endlich mal auf 16:9 Monitore angepasst sein sollten statt auf US-Papier-Formate oder DIN-A4) merkt man das oft eigentlich.

      Die Typographie ist uralt. Die war dazu, damit Sherlock Holmes bei Gas-Lampen in England die London Times auf gelb-stichigem und grauen Buchstaben optimal rezeptions-technisch erfassen und lesen kann.
      Diese Kunst ist verloren gegangen. Leute auf der Seite halten ist wichtiger…
      Aber die Leute wollen lesen statt bling bling gucken:
      http://meedia.de/2016/10/07/us-umfrage-unter-50-jaehrige-wollen-nachrichten-als-text-nicht-als-bewegtbild/
      Denn beim Lesen (wie im PKW statt Bus oder am Tablett statt im Frontal-Unterricht) kann jeder seine Geschwindigkeit selber wählen und muss nicht der externen Vorgabe von Sprechern oder Video-Schneidern folgen !

      Durch das Aufkommen der Videobrillen in Verbindung mit Eye-Tracking könnten funktionale Speed-Read-Systeme entstehen wie bei Kindle-App teilweise schon ansatzweise existieren. Leider sind dank CETA/TTIP/IPRED2/ACTA/… und Softwarepatenten (siehe gestern Sherlock Holmes bei Sat.1 ‚Elementary‘ für Wahrheit über manche Startup-Szene) usw. die Rechtskosten für Software hier inzwischen oft uninteressant hoch, so das man auf externe Lösungen von Großkonzernen oder US-Konzernen warten darf welche ach so gut funktionieren wie wir täglich sehen… Sprachsteuerung gibts deshalb, weil die gängigen Benutzer-Schnittstellen so „toll“ funktionieren und die Boni-Manager endlich ihre eigenen Produkte selber nutzen müssen… Jeder Bahn-Manager sollte zwei Stunden pro Woche Kunden am Fahrkarten-Automaten helfen (und nicht sein Praktikant). Und wie durch ein Wunder würde die Software überarbeitet und jeder Rentner und Hausfrau käme plötzlich nach Jahrzehnten damit viel viel besser klar.

      1. > Readly gibts auch noch.

        Ja, das Readly-Angebot hat einen wirklich attraktiven und fairen Preis. Danke für den Tipp! Schön ist auch Deine Zusammenfassung. Ich werde mir Readly sicher mal näher ansehen.

        Sollten ausreichend viele meiner Lieblingszeitschriften dabei sein, probiere ich Readly aus. PDF ist eigentlich kein Problem, solange die Schriftqualität auch noch in der starken Vergrösserung stimmt. Manche Anbieter, wie z.B. die Macher von Java Spektrum, können das ja richtig. PDF ist mir jedenfalls lieber als die meisten anderen Dateiformate. Krasses Gegenbeispiel sind die digitalen Infotafeln in der „Mall of Berlin“ am Leipziger Platz in Berlin. Die digitalen Beschriftungen (Stand: Herbst 2016) sind völlig unleserlich, weil die zuständigen Profis vor Ort die Renderqualität bis heute nicht überprüft haben.

        Ansonsten ist PDF ein nettes Format, ist überall nutzbar, ich kann es annotieren, ergänzen, kommentieren, leicht weitersenden und auf Wunsch auch in beliebige Fremdformate umwandeln (siehe Calibre).

        Ich besitze bis heute keinen eBook-Reader auf e-ink-Basis, weil die Hersteller es auch im Jahre 2016 noch nicht geschafft haben, das kurze Flackern beim Blättern zu verhindern. Oder kennt jemand eines ohne dieses leichte Flackern? Man kommt sich dabei vor wie zu Zeiten von Windows 3.1.

        Die einzigen eBooks, die ich (vom Gewicht abgesehen) heute als vollwertig ansehe sind halt echte Farb-Tablets, mit denen man etwa auf App-Basis (beispielsweise moonreader oder Google Play Books) jede Seite in Farbe, knackscharf, flackerfrei und mit herrlich weichen Blätterbewegungen lesen kann – fast wie ein echtes Buch. Ganz zu schweigen von den fantastischen Zusatzfunktionen für Text, Bild, Ton, Sharing und Teamworking. Da macht mir sogar Werbung gucken Spaß 😉

        Zum Thema Video möchte ich noch sagen, dass ich diese als Ergänzung sehr schätze. Speziell fachspezifische Lerninhalte, die man nicht einfach nur wegliest sondern sich gerne mehrfach vorspielen lässt, gewinnen durch das Video-Format.

        Und man hat im Video einen Menschen bzw. eine menschliche Stimme – wenn auch als Konserve – gegenüber, der/die den Inhalt wesentlich charmanter übermitteln kann, als es ein reiner Text je könnte. Überhaupt immer, wenn es bei einem Thema im Kern um den Menschen an sich geht, beispielsweise in Lebenserfahrungen, Biografien, Reiseberichten, Arbeitswelten, Lösungsideen, uvm., hat der reine Text einfach das Nachsehen. Somit sind für einen sehr großen Teil der spannenden Medieninhalte Video-Formate völlig unverzichtbar. Der Trend, etwa auch in Twitter mehr auf Video zu setzen, ist also auch total nachvollziehbar und richtig. Es muss ja nicht das tausendste Vine-Loop sein 😉

  7. Bei „Drücker-Software“ habe ich aufgehört zu lesen. Ansonsten kann ich die Erfahrungen hier bestätigen: Mit Adblock geschieht nichts, bei uBlock reicht die o.g. Befehlszeile. Ansonsten gibt es hier bei fefe eine ziemlich erschreckende Auflistung, was sueddeutsche.de alles so nachlädt: http://blog.fefe.de?ts=a6f0d544

    1. Schön das meedia Ihnen den Link erlaubt. Ich hatte bereits an anderer Stelle bei meedia etwas ähnliches wie fefe geschrieben. Leider erlaubt meedia keine interne Verlinkung. Ein Schelm wer was böses dabei denkt.

  8. Einfach folgende Zeile in den Abdblocker (uBlock origin) unter der Kategorie „Meine Filter“ einfügen:
    media-cdn.sueddeutsche.de/globalassets/js/sde-header-desktop.js$script

    und der Spuck ist wieder vorbei, man kann ungestört weiterlesen…

    1. danke schön, das ist der grund, warum es sich ab und an doch lohnt, kommentare zu lesen 😉

      aber, auch wenn es jetzt so geht, habe ich die süddeutsche einfach mal aus meinem newstral genommen. wenn sie nicht gelesen werden wollen, muss ich sie ja nicht lesen.

      es gibt übrigens in der serie „black mirror“ in staffel 1, folge 2 als „Das Leben als Spiel“ eine „schöne“ zukunftsvision in sachen werbung mit einem nur allzu wahren ende. lohnt sich …

  9. BTW:

    Vorhin war ich mehrmals mit verschiedenen Browsern und Werbeblockern auf sz.de, ohne dass ich zum Deaktivieren des Werbeblockers oder zur Dateneingabe aufgefordert wurde.

    Auffällig waren jedoch weit über 10 verschiedene Tracker, einige davon mehrmals, so dass ich insgesamt wohl mit um 40 Trackern zugemüllt werden sollte. Werbeblockereinsatz auf derartigen Seiten stellt aus Webseitenbesucherperspektive Notwehr dar.

  10. Kleine Anmerkung:

    Das digitale SZ Plus Abo ist mit monatlich 31,99 Euro gegenüber NYT mit je nach Umfang 16 bzw 8 Euro und WP mit 11,36 Euro hoffnungslos überteuert.

    Ich bin an einem kostenpflichtigen digitalen SZ Abo interessiert. Jedoch bin ich nicht bereit, für die SZ monatlich 31,99 Euro auszugeben. Momentan zahle ich für digitale Zugänge zu NYT und Guardian monatlich 16 + 3,61 Euro, insgesamt 19,61 Euro. Ergänzend würde ich für die SZ je nach Aboumfang 5 – 15 Euro monatlich akzeptieren.

  11. „Ein Mittel, die AdBlocker-Technologie auszuschalten, gibt es noch immer nicht.“

    Doch…gibt es…falls Berlin euch lässt…

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