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Zeit startet Schule des Schreibens: Giovanni di Lorenzo & Co. verraten, wie jeder besser schreiben kann

Sabine Rückert, Iris Radisch, Giovanni di Lorenzo – Zeit Edelfedern geben Tipps für besseres Schreiben
Sabine Rückert, Iris Radisch, Giovanni di Lorenzo - Zeit Edelfedern geben Tipps für besseres Schreiben

Was Wolf Schneider kann, können die Star-Schreiber der Zeit auch: Interessierten Lesern, professionellen Laien und Profi-Textern beim Verfassen besserer Artikel helfen. Im neuen Seminar „Zeit-Schule des Schreibens“ verraten unter anderem Giovanni di Lorenzo, Sabine Rückert, Tanja Stelzer oder auch Harald Martenstein Tipps und Tricks für bessere Formulierungen und flüssigere Artikel. Bei MEEDIA erlauben der Chefredakteur und seine Edelfedern einen ersten Blick in ihren persönlichen Werkzeugkasten.

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1. Giovanni di Lorenzo: Guter Journalismus
„Wer nach gutem Journalismus fragt, tut gut daran, sich jene Menschen anzugucken, die ihn vollen Herzens betreiben. Mich freut nach wie vor, dass Journalist ein Begabungsberuf ist. Beziehungen reichen vielleicht aus, um ein Praktikum zu bekommen, aber alles andere gelingt ausschließlich über Talent: Talent fürs Schreiben, Recherchieren, Argumentieren, Pointieren oder die Fähigkeit, Menschen zu öffnen.“

2. Tanja Stelzer: Die Reportage
„Die erste Knigge-Regel für unseren Reporter lautet: Er muss rausgehen und dabei sein, wenn etwas geschieht. Das klingt banal, ist es aber nicht. Es ist nicht banal für den Kriegsreporter, der sich überlegen muss, ob er sich ins Rebellencamp wagen kann. Es kann auch sehr, sehr viel Überwindung kosten, einen NPD-Politiker zu begleiten – vor allem müsste man den NPD-Politiker erst einmal dazu überreden, sich begleiten zu lassen.“

3. Harald Martenstein: Die Kolumne
„Schreiben Sie keinen Bullshit. Bullshit ist alles, was nur deshalb geschrieben wird, um andere zu beeindrucken, um klüger zu erscheinen, als man es ist, um den Vorgesetzten zu gefallen, um sich wichtig zu machen, um dazuzugehören. Bullshit erkennt man sofort – irgendwie tragisch für die Bullshitproduzenten, oder?“

4. Iris Radisch: Die Rezension
„Insgesamt sollte man sich immer vor Augen halten: Es kommt bei der Literatur gar nicht so sehr auf den Inhalt an! Ich würde sogar noch weitergehen und behaupten: Wer vor allem die inhaltliche Zusammenfassung eines Buches kennt, weiß gar noch nichts über das Werk. Inhaltsangaben findet man auch in Klappentexten, über die eigentlichen Qualitäten des Buches können sie nicht die geringste Auskunft geben.“

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5. Jens Jessen: Der Essay
„Wie schreibt man nun einen Essay? Als erstes brauchen Sie eine Idee. Diese Idee muss neu sein. Oder zu Unrecht vergessen. Oder sie ist weder neu noch vergessen, aber wird inzwischen allgemein verachtet. Mit anderen Worten: Essays werden stets in einer Art Opposition geschrieben.“

6. Katja Nicodemus: Das Interview
„Nun zu einem etwas heiklen Punkt: Den unangenehmen, kritischen Fragen. Wann und wie stellt man sie? An welcher Stelle des Gesprächs spricht man zum Beispiel die herzergreifend unsichere Brigitte Bardot auf ihr zeternd rechtsradikales Buch „Un cri dans le silence“ an und auf ihre Sympathie für den Front National? Wie findet man die Gelegenheit, Lars von Trier dafür hochzunehmen, dass er ein irgendwie auch infantiler Macho ist, der sich im Tarnanzug und mit Blick auf einen Panzer interviewen lässt?“

7. Sabine Rückert: Das Portrait
„Manche Autoren lassen sich ihre Artikel sogar vom Porträtierten absegnen, und überlassen ihm oder ihr nicht nur pflichtgemäß die Zitate, sondern den ganzen Text vor Druck zum Gegenlesen. Dieses halte ich für eine besondere Unsitte, die viel aussagt über die mangelnde Achtung des betreffenden Reporters vor sich selbst. Er will es sich mit niemandem verderben. Aber ein Journalist, der seinerseits geliebt werden will, der Wut und Zorn nicht verträgt, ist wie ein Chirurg, der kein Blut sehen kann. Er erweist der Wahrheit keinen Dienst.“

8. Bernd Ulrich: Der Leitartikel
„Gerade in Deutschland hat das paternalistische, pädagogisierende Meinen einen tieferen historischen Grund, weil in der Nachkriegszeit, als sich hierzulande der Journalismus neu erfand, ein mitgelaufenes Volk zu erziehen war. Zur Demokratie, zur Freiheit und zu einigem anderen. Nur deswegen haben die Besatzungsmächte seinerzeit Zeitungspapier an deutsche Journalisten ausgehändigt und die Gründung von Zeitungen genehmigt, um die Deutschen von Nazis zu Bürgern zu machen.“

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Alle Kommentare

  1. „Glaubwürdigkeit……wieder herstellen. Warum und für wen? Für Sie? Für mich ist die garnicht beschädigt….. Erst recht nicht bei der Zeit.

  2. Eine Schule des Schreibens ist nun wirklich nicht sehr dringend. Es wäre schon viel gewonnen, wenn die Glaubwürdigkeit der Medien wiederhergestellt werden würde.

  3. Eine verfehlte Eloge; Zitat:
    »Bei MEEDIA erlauben der Chefredakteur und seine Edelfedern einen ersten Blick in ihren persönlichen Werkzeugkasten.«

    Es sind keine „Edelfedern“ sondern in vielen Bereichen Mahnzeichen, wie Journalismus nicht funktionieren kann und darf.

    Wie kein anderes Medium wird in diesem Hause Qualitätsferne und Parteilichkeit gefrönt
    – von notwendiger Distanz zum Berichtssachstand im Sinne Hanns Joachim Friedrichs, deutscher Journalist, 1927 – 1995, keine Spur.
    Beispiele,
    Titel und Vorspann eines Artikels ZEIT ONLINE:
    » „Die Stille danach“
    Die Familie des Amokläufers
    Wie lebt man weiter, wenn der eigene Sohn seine Mitschüler und sich selbst getötet hat? Der TV-Film „Die Stille danach“
    seziert das Innenleben einer Täter-Familie.
    Von Heike Kunert -12. Oktober 2016, 13:17 Uhr 5 Kommentare «

    Hinweis.
    Es gibt keine „Täter-Familie“ oder Zital ,ZEIT ONLINE »seziert das Innenleben der Familie des Täters« Innenleben haben Individuen. Schuld kann nur einem Menschen persönlich vorgeworfen werden (Bundesgerichtshof) – es gibt keine Sippenhaft und/oder Erbschuld.

    Selbst den Kollegen der FAZ fielen die ZEIT-Irrwege auf, 03.09.2016:
    »Schwer zu verstehen findet der Chefredakteur „die anfängliche Euphorie unter Journalisten“. „Wir“ seien „zumindest in der Anfangszeit geradezu beseelt“ gewesen „von der historischen Aufgabe, die es nun zu bewältigen galt“, schreibt di Lorenzo und nimmt seine eigene Zeitung („wenigstens anfänglich“) nicht aus. Wobei man hinter „anfänglich“ und das „Wir“ wohl Fragezeichen machen darf.«
    goo.gl/Ex2OOL
    Die Negativreihe dieses Mediums lässt sich lange fortsetzen, die aktiv zum Glaubwürdigkeitsverlust aller Medien führt, der nicht mehr herzustellen ist.

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