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Jan Böhmermanns fast perfektes „Wetten, dass..?“-Remake: Mach die Augen zu und denk an Gottschalk

Fast wie im richtigen Fernsehen: Jens Spahn von der CDU, DJ Bobo, Jan Böhmermann, Eva Padberg bei Böhmermanns „Wetten, dass..?“
Fast wie im richtigen Fernsehen: Jens Spahn von der CDU, DJ Bobo, Jan Böhmermann, Eva Padberg bei Böhmermanns "Wetten, dass..?"

Skepsis war mal wieder angebracht bei der Ankündigung von Jan Böhmermann, mit seinem „Neo Magazin Royale“ nun mal eben „Wetten, dass..?“ nachspielen zu wollen. Das Verrückte: Die Show war tatsächlich unterhaltsam, unterhaltsamer sogar als das Original. Das lag in erster Linie an der Akribie, mit der Moderator und Team den alten Showdampfer nachgebaut haben.

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Jan Böhmermann muss viele Stunden alte „Wetten, dass..?“ Sendungen angeschaut, die Bewegungen, den sprachlichen Duktus von Thomas Gottschalk studiert haben. Schloss man bei der „Wetten, dass..?“-Version vom „Neo Magazin Royale“ kurz die Augen, war die Illusion fast perfekt. Böhmermann redete wie Gottschalk. Diese kurzen Augenblicke, wenn er die richtige Kamera sucht und mit einem „Da simmer“ findet. Oder die Politikerin im „Saal“ begrüßte. Oder laut „DJ Bobo“ noch in den Applaus der gerade zu Ende gehenden Musiknummer (ein „Hip Hop Medley“ mit dem notorisch sympathischen DJ Bobo) hineinrief. Das war Gottschalk in Reinkultur.

Um nichts anderes ging es hier. Böhmermann und sein Team haben das „Wetten, dass..?“ der Ära Gottschalk so ziemlich perfekt nachgestellt. Es war ja auch die prägendste Phase, in der „Wetten, dass..?“ am größten war. Größer als in den Anfangsjahren von Frank Elstner und natürlich ungleich größer als beim unwürdigen Zwischenspiel mit Wolfgang Lippert und dem albernen Ende mit Markus Lanz.

Neben der Gottschalk-Verkörperung durch Böhmermann war die Detailversessenheit der Produktion bewundernswert. Das Sofa, die Schale mit Süßigkeiten, die grotesken Wetten (Baggerfahrer Bruno Dröse aus Geilenkirchen will mit seinem Bagger seine Frau zum Orgasmus bringen), die Kandidaten aus der Provinz („Ich komme aus Kutteln an der Funz“), die Ranschmeißerei an die Politik, das Bühnenbild, die Fan-Schilder im Publikum, die Taucherbrille mit Wett-Motiv, die Parkas der Außenreporter. Alles war mit sehr viel Liebe zum Detail nachgestellt.

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Böhmermann hatte somit einerseits recht als er ankündigte, es handle sich nicht um eine Verarsche oder Parodie, sondern um wirkliches „Wetten, dass..?“ Aber natürlich hat er gleichzeitig unrecht, denn sein Gottschalk war immer leicht neben der Spur, der Blick zu gespielt angestrengt und das Setting natürlich dann doch wieder mega-meta und voll-ironisch.

Am Ende machte er ernst mit seiner Ankündigung, die Sendung in voller Länge durchzuexerzieren. Da man ihm beim ZDF keinen besseren Sendeplatz geben mochte, verteilt er eine „Wetten, dass..?“-Show eben auf so viele „Neo Magazin Royale“-Folgen wie nötig. „Wir bleiben jetzt einfach eine Woche hier und bestellen Pizza“, sagte er als die gut 45 Minuten um und die angekündigten Gäste „Die Lochis“ und Ulrich Wickert noch nicht einmal aufgetaucht waren.

Was will Jan Böhmermann mit dieser Aktion sagen? Nach dem Wirbel um Varoufake und der „Staatsaffäre Böhmermann“ mit dem Erdogan-Schmähgedicht (das natürlich auch mit der einen oder anderen Anspielung bedacht wurde)? Man weiß es nicht so genau. Vielleicht will er zeigen, wie grotesk dieses Gottschalk-„Wetten, dass..?“ eigentlich war. Das ist ihm gelungen. Vielleicht will er ein bisschen Bedeutung aus seiner eigenen Show rausnehmen. Sollte dies der Fall sein, hat das auch geklappt. Und sollte er am Ende nur vorgehabt haben, unterhaltsame und intelligente 45 Minuten TV zu produzieren. Ja, das war auch der Fall. Und das sollte man keinesfalls gering achten.

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Alle Kommentare

  1. ..die Bewegungen, den sprachlichen Duktus von Thomas Gottschalk .. war das nicht Ingolf Lück einst mit….. jaaa eher hier… mein Libba….

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