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Namensrechte für acht neue Titel gesichert: Startet Bauer 2017 große Produktoffensive?

Verlegerin Yvonne Bauer: neue Produkte gegen den Negativ-Trend im Printmarkt
Verlegerin Yvonne Bauer: neue Produkte gegen den Negativ-Trend im Printmarkt

Von Shape Mom bis Tina schmeckt - die Bauer Media Group hat in diesem Jahr diverse neue Titel oder Ableger etablierter Marken an die Kioske gebracht. Jetzt hat sich das Magazin-Imperium um Yvonne Bauer die Namensrechte für acht neue Zeitschriften gesichert. Damit könnte das Zeitschriftenhaus eine neue Produktoffensive starten – um einen weiteren Erlösrückgang im Stammgeschäft zu vermeiden.

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Es sind manchmal nur wenige Sätze aus dem Mund eines Firmeneigentümers, die viel über die Zukunftsstrategie eines Unternehmens verraten. Ein gutes Beispiel hierfür liefert jüngst die Verlegerin des Hamburger Magazin-Imperiums Bauer Media Group. „Das Printgeschäft steht stark unter Druck. Ohne die neuen Zeitschriften, die wir auf den Markt gebracht haben, hätten wir den Erlös nicht halten können, soviel ist klar“, verriet die Mehrheitsgesellschafterin gegenüber dem zum Spiegel gehörenden Manager Magazin und setzte gleich nach: „Und die Rückgänge werden eher noch stärker“.

In der Tat hat der Bauer Media Group in ihren beiden angestammten Bereichen, also dem Vertriebs- und Anzeigengeschäft, mit Erlösrückgängen zu kämpfen. So sinken seit 2013 die Umsätze im Vertrieb und in der Vermarktung. Im vergangenen Jahr verringerte sich der Vertriebsumsatz allerdings nur leicht auf 1,292 (Vorjahr 1,295) Milliarden Euro. Deutlich kräftiger ging hingegen das Anzeigenumsatz zurück. Es betrug im vergangenen Jahr nur noch 397 Millionen Euro, ein Jahr zuvor waren es 437 Millionen Euro. Insgesamt steigern konnte die Bauer Media Group ihren Konzernumsatz im vergangenen Geschäftsjahr auf 2,316 Milliarden Euro nur noch dadurch, weil das Unternehmen im Radio- und Digitalgeschäft weiter kräftig zugelegt hat.

Damit aber die Bauer Media Group im Kerngeschäft mit Magazinen nicht weiter an Substanz einbüßt, bleibt Yvonne Bauer nur ein Weg: Sie muss neue Titel auf den Markt werfen. Jetzt deutet sich an, dass die Firmenchefin ihre eingeschlagene Print-Offensive fortsetzt. Denn die Bauer Women KG hat sich die Namensrechte für acht neue Zeitschriften gesichert. Darunter sind Namen wie das „Beste Revue“, „Pause Exklusiv“, „Schöne Revue“, „Freizeit Extra“, „Freizeit Treue“, „Goldene Freizeit“, „Premium Freizeit“ sowie „Freizeit Stars“. Eine Bauer-Sprecherin hierzu: „Bei der Sicherung der Namensrechte handelt es sich um ein gängiges branchenübliches Verfahren“. In diesem Jahr hatte der Bauer-Verlag zwölf Titel eingeführt – darunter Tina schmeckt, Tina Gesund & Fit, Tina Weekend, Pflege & Familie, Play-Doh, Totz, Kochen & Genießen Mini-Kochbuch, Shape Mom sowie Lecker Einladen.

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Sollte Bauer die Magazine einführen, würde das Unternehmen verstärkt auf eigene Entwicklungen setzen. Unternehmenspolitisch ist dies verständlich. Denn das Lizenzgeschäft ist nicht risikolos. Erst jüngst musste das Verlagshaus mit dem Gesellschaftermagazin People einen Flop verkraften. Mitte des Jahres stellte das Unternehmen den im März 2015 gestarteten Titel wieder ein. Der Grund: fehlende Entwicklungsperspektiven.

Der Bauer Verlag ist mit seiner Produktoffensive in bester Gesellschaft. Denn auch andere Zeitschriftenhäuser wie beispielsweise der Hamburger Bauer-Konkurrent Gruner + Jahr versucht mit neuen Magazinen, sich gegen sinkende Umsätze bei ihren etablierten Produkten zu stemmen. Doch die Strategie birgt Risiken. Denn mit jeder weitere Innovation verstopft der Lesermarkt zusätzlich. Zudem wird durch die Flut neuer Titeln das Vermarktungsgeschäft nicht leichter. Denn die Budgets der Anzeigenkunden wachsen nicht, das vorhandene Werbegeld wird dagegen nur auf weitere Titel verteilt. Dadurch wird es aber für die Verlage immer schwieriger, ob sich vorhandene und neue Magazine in ihrem Portfolio dauerhaft wirtschaftlich rechnen. Die Verlage müssen sich daher genau überlegen, die Zahl der Produkteinführungen nicht zu überreizen.

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Alle Kommentare

  1. FREIZEIT Extra habe ich mal vor einigen Jahren bei ConPart bis 2012 für copypreis € 0,80 heraus gebracht! Letztes Cover war Helene Fischer & Florian Silbereisen. Auch diesen Titel Hat BAUER (VU) für mich vertrieben. Die haben also noch alle Vertriebsunterlagen und die Verkaufszahlen. Dieser TItel st also sicher NICHT neu…!

  2. Dank digital geht vieles viel billiger als früher.
    Früher nach dem Krieg oder halt in der DDR gabs nur eine Sorte Schuhe und man musst kaufen was es gab. Jetzt gibts Vielfalt… Das muss nicht notwendig sehr viel mehr kosten.
    Im Brötchen oder Brot wäre der Anteil vom Getreide am Preis wohl nur EIN Cent hiess es im Zusammenhang mit der in diesem Jahr evtl. teilweise nicht so guten Getreide-Ernte.

    E-Abos mit Zugriff auf alle Titel oder selber zusammengestellt und berechnet (wie im Supermarkt/Fleischerei an der Fleisch-Theke oder halt Bäckerei) wären noch weitere Leser-Differenzierung.
    Bei Print hat man auch das Problem wenn sich immer mehr Titel z.B. im Supermarkt-Regal breit machen.

    Schön aber, das auf die Aufmerksamkeits-Minuten der Werbe-Budgets hingewiesen wird.

    Interessant ist aber, das die Rückgänge aufgefangen wurden. D.h. die Leser sind anscheinend nicht ganz weg (Youtube, Facebook, andere Social-Medien,…) , sondern kaufen anscheinend vielfältiger.
    Wichtig ist vermutlich die Nutzung/Aufmerksamkeits-Minuten-Aufteilung der jüngeren Generationen für die Print/TV/…-Umsätze und natürlich erst Recht für die (vermutlich immer noch recht konservativ betriebene) Aufteilung der Werbebudgets im Laufe jedes Bilanz-Jahres. Das erinnert vielleicht immer noch an Bundes-Haushalte und Budgets welche im Laufe des Jahres verbraucht werden (müssen).

    Interessant war auch, das ab 50 das Lese-Interesse (Brille ? Augen ? sind nicht 10%-20% der Rätsel-Hefte „in großer Schrift“ ?) abzunehmen scheint.
    http://meedia.de/2016/10/07/us-umfrage-unter-50-jaehrige-wollen-nachrichten-als-text-nicht-als-bewegtbild/
    Beim Lesen bestimmt man selber (und nicht Sprecher oder Videos) die Rezeptions-Geschwindigkeit.

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