Lead Awards 2016: Jury wählt B.Z. vor Handelsblatt und taz zur Zeitung des Jahres

Berliner Boulevardblatt B.Z., Chefredakteur Peter Huth: mit ungewöhnlichen Titelseiten zur Zeitung des Jahres bei den Lead Awards
Berliner Boulevardblatt B.Z., Chefredakteur Peter Huth: mit ungewöhnlichen Titelseiten zur Zeitung des Jahres bei den Lead Awards

Wieder einmal sind die LeadAwards verliehen worden. Der große Gewinner: das Zeit Magazin. Es räumte die meisten Medaillen ab. Auf Platz zwei und drei folgen das SZ Magazin mit fünf und der stern mit vier Medaillen. Jeweils drei Medaillen erhalten Zeit, Spiegel und Süddeutsche, je zwei die B.Z. und Titanic. Die Verleihung fand gestern aus Kostengründen in deutlich kleinerem Rahmen als zuvor statt.

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Acht Medaillen in den Rängen Gold, Silber und Bronze erhielt das Zeit Magazin und sicherte sich damit die meisten Auszeichnungen. Auf Platz zwei und drei folgen das SZ Magazin mit fünf und der stern mit vier Medaillen. Jeweils drei Medaillen erhalten Zeit, Spiegel und Süddeutsche Zeitung, je zwei die B.Z. und Titanic.

Erfolgreichstes Medium nach Goldmedaillen bei den diesjährigen Lead Awards ist das SZ Magazin. Mit vier ersten Plätzen führt die zur Süddeutschen Zeitung gehörende Zeitschrift das Ranking der Goldmedaillen-Gewinner der diesjährigen LeadAwards an, gefolgt vom Zeit Magazin und der B.Z. mit jeweils zwei goldenen Auszeichnungen. Weitere goldene LeadAwards gingen an Block, Tagesspiegel, 032c, Süddeutsche Zeitung, FAZ.net, 39 Null, stern, Carta, Focus und Spiegel.

Markus Peichl, Vorsitzender der LeadAcademy, hierzu: „Es war ein Zeitungsjahrgang erster Güte. Zum einen gab es viele Relaunches und Neuerungen, bei denen die Zeit mit Z, ihrer wöchentlichen Das-Leben-ist-schön-Beilage, wieder einmal neue Standards setzte“, sagte er und ergänzte. „Zum anderen besticht die große Anzahl herausragender Einzelleistungen und publizistischer Kraftanstrengungen, zum Beispiel die Panama-Papers-Serie der Süddeutschen, das vorbildliche Manifest des Kölner Stadtanzeigers zu den Ereignissen in der Silvesternacht vor dem Kölner Hauptbahnhof und die ebenso ironische wie plakative Titelseite der B.Z. zu den umstrittenen Äußerungen des AfD-Politikers Alexander Gauland über Jerome Boateng.“

Zur Zeitschrift des Jahres wurde das SZ Magazin gekürt. Als Grund nannte die Jury, dass das Magazin eine „feste Konstante in der deutschen Magazinlandschaft und Publizistik“ sei, die sich durch anspruchsvollen Journalismus, handwerkliche Qualität, originelle Ideen und blattmacherischen Instinkt auszeichne. Das Blatt böte seinen Lesern eine Mischung „aus Relevanz und Vergnügen, die man in dieser Form nur selten finde.“ Silber in dieser Königsdisziplin ging an das innovative General-Interest-Blatt Vice, das bereits vor drei Jahren siegreich war und sich nun erneut unter den Top 3 platzieren konnte. Erstmals wurde die Musikzeitschrift Spex, die zu den ältesten Independent-Magazinen Deutschlands zählt, als LeadMagazin des Jahres nominiert und mit einer Bronze-Medaille ausgezeichnet.

Als Lead-Zeitung des Jahres wurde die B.Z ausgewählt und ist mit zwei Goldauszeichnungen auch der große Sieger in der Hauptkategorie Zeitungen. „Sie hat den Boulevardjournalismus neu definiert, indem sie Breitenwirksamkeit, Ernsthaftigkeit und Anspruch verbindet“ urteilt die Jury. Auf Platz zwei der LeadZeitung des Jahres schaffte es das Handelsblatt, „weil es konsequenter und besser als jede andere Zeitung die Umwandlung in ein tägliches Magazin hinbekommen hat, mit der man der Konkurrenz der Online-Medien begegnen kann und muss.“ Den dritten Rang belegt die taz, die „lange vor anderen Blättern mit den üblichen Gepflogenheiten der Gattung ‚Zeitung‘ gebrochen hat und dadurch ein heimlicher Vorreiter eines neuen, erweiterten, meinungsstarken Zeitungsjournalismus wurde“.

Zum Newcomermagazin des Jahres wurde Block gewählt. Das anspruchsvolle, unabhängige Essay- und Reportagemagazin wird von Theresia Enzensberger, der Tochter von Hans Magnus Enzensberger, herausgegeben. Es verstünde sich als Magazin gegen das „Relevanzgehechel“, heißt es. Der zur Gruner + Jahr gehörende stern-Ableger „Crime“ erhält Silber. Die Jury begründet dies damit, dass sich der Titel „auf die schönste, ästhetischste und tiefsinnigste Weise den hässlichsten und abgründigsten Dingen der Welt widmet“. Einen bronzenen Lead Award gewinnt Barbara, das den Namen der Moderatorin Barbara Schöneberger trägt und zum Konzept des Magazins gehört. Ebenfalls mit Bronze ausgezeichnet wurde L’Officiel, die deutsche Lizenzausgabe des gleichnamigen französischen Modezeitschriften-Klassikers, der mit viel Fantasie und blattmacherischem Geschick eine völlig eigenständige Welt eröffnet, heißt es.

Auch 400 Online-Plattformen, Onlinemagazine und Blogs hat die Jury gesichtet. Sie habe festgestellt, dass sich in der Hauptkategorie Online die publizistische Qualität deutlich gesteigert habe. In der Kategorie Webfeature des Jahres wurden mit „Panama Papers“ und „Die große Flucht“, zwei Online-Beiträge der „Süddeutschen“ ausgezeichnet, die für die exzellente Aufbereitung komplexer Inhalte im Internet stehen. Zudem wurde ein Beitrag gewürdigt, der in technischer Hinsicht richtungsweisend sei und die Potenziale des Online-Journalismus aufzeigt: „Flüchtlinge in Berlin“ der Berliner Morgenpost arbeite mit Virtual-Reality-Mechanismen und belege eindrucksvoll, welchen emotionalen Impact diese neue Technologie haben kann und wie sie die Berichterstattung im Web verändern wird, hieß es.

Zum Webmagazin des Jahres wurde FAZ.net prämiert. Silber errang das digitale Lifestyle-Magazin Wired, der Spiegel-Verlag wurde mit einem LeadAward in Bronze für Bento ausgezeichnet. Peichl erklärte hierzu: „Bemerkenswert ist, dass ‚Panama Papers‘ der SZ Gold in der Online-Kategorie erhält, aber nur Bronze in der Zeitungskategorie. Online ist dieses extrem komplexe Thema mit all seinen Verästelungen im Web nochmals eine Spur besser und übersichtlicher aufgearbeitet als in der ebenfalls herausragenden und folgerichtig mit einer Bronzemedaille ausgezeichneten Serie in der Printausgabe bzw. der Zeitung selbst.“

Zum Creative Leader des Jahres in der Hauptkategorie Werbung hat die Jury Thjnk-Kreativchef Armin Jochum für die Kampagnen von ARD, Ikea, Bild, McDonalds, Mercedes, Audi und Spiegel gekürt. Das Foto des Jahres, erschienen in Focus Nr. 37/2015, Spiegel Nr. 37/2015 und Stern Nr. 38/2015, stammt von der Fotojournalistin Nilüfer Demir. Das berührende Bild zeigt den toten Flüchtlingsjungen Alan am Strand von Bodrum in der Türkei. Zum dritten Mal hat die LeadAward-Jury das Startup des Jahres gewählt. Gold geht 2016 an die App „Ankommen“ vom Goethe-Institut, Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und ARD alpha.

Trotz aller kreativer Glanztaten lastet ein Schatten auf dem renommierten Wettbewerb: Gründer Markus Peichl sieht die Veranstaltung aufgrund von Finanzierungsschwierigkeiten „auf der Kippe“. Warum der Lead Academy-Chef dafür den großen Medienhäusern die Schuld gibt und dennoch auf deren Hilfe setzt, lesen Sie hier.

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Alle Kommentare

  1. Oh Mann oh Mann! Wenn ich schon lese, dass SZ, ZEIT, Tagesspiegel & Co. die Gewinner sind, nach all dem was passiert ist, besonders was die Ukrainekrise aber auch die Migrationskrise oder den US-Wahlkampf anbelangt, mit all den Lügen, Desinformations- und Propagandakampagnen, kann man das nur noch als übelste Realsatire bezeichnen.

    Diese Leute leben in einer narzisstischen Wahnblase und haben tatsächlich den Verstand verloren, es ist einfach unglaublich.

    Und Markus Peichl hofft allen Ernstes, dass er neue „Sponsoren“ in der Autommobilbranche oder unter Mittelständlern findet, damit die „Lead Awards“ weiterhin stattfinden können? Für solch eine widerliche Show?

    Herr Peichl, in was für einer Phanatsiewelt leben Sie eigentlich?

    Ich bin übrigens Inhaber eines Internetunternehmens und wir haben Zweigstellen in Shanghai und dem Silicon Valley und falls Sie bei uns „aufschlagen“ sollten, um Sponsorgelder für die „Lead Awards“ einzuwerben, wird folgendes passieren: Ich spucke Ihnen vor die Füße und schmeiße Sie dann hochkantig raus. Das wird dann passieren!

    Und falls Sie glauben, dass ich nur ein Ausnahme bin, liegen Sie auch hier falsch. Sie werden nirgends mehr Gelder bekommen und das ist gut so!

  2. Wer feiert sich da eigentlich? Wenn es stimmt, dass die Fotografen, deren Fotos zum Lead Award geführt haben, weder erwähnt noch zu diesem Event eingeladen werden, spricht das Bände und nicht für die, die sich dort feiern lassen.

  3. Die Auslobung eines Karl-Eduard-von Schnitzler-Preises wäre für die gewesenen Qualitätsmedien wohl passender gewesen.

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