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„Widerwärtig“, „Trash-Rampe“, „Open-Air-Swingerclub“: Warum die Nackedei-Promis von „Adam sucht Eva“ polarisieren

Die prominenten Nackedeis in „Adam sucht Eva“ um Leo Bartsch (2. v. l.) und Peer Kusmagk (M.) polarisieren.
Die prominenten Nackedeis in "Adam sucht Eva" um Leo Bartsch (2. v. l.) und Peer Kusmagk (M.) polarisieren.

In der Nackedei-Kuppelshow "Adam sucht Eva" von RTL lassen erstmals sieben Prominente die Hüllen fallen. Nackte Tatsache ist: Auch die dritte Staffel des Trash-TV-Formates polarisiert. Von "widerwärtig" über "Trash-Rampe" bis "Open-Air-Swingerclub" – im Netz und in den Medien überschlagen sich die Meinungen. Warum ruft das nackerte Abendprogramm derart starke Reaktionen hervor?

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Ist es voyeuristisch, sich tagtäglich um 22.15 Uhr nackte Prominente im Fernsehen anzusehen? Beömmeln und beschweren wir uns gern über die platten Dialoge, die zur DNA von jedem Trash-TV-Format gehören? Und sehen wir uns das alles eigentlich nur an, um mitreden zu können? Ja, bei „Adam sucht Eva – Promis im Paradies“ – der dritten Staffel der Nackedei-Kuppelshow – kommen viele Fragen auf. Nicht zuletzt durch die Tatsache, dass erstmals sieben Prominente neben elf „Normalo“-Singles die Hüllen fallen lassen. Doch geben Fragen wie diese auch Aufschluss über das Erfolgsrezept der RTL-Show, die, wie zu erwarten, mit hervorragenden Quoten auffährt.

Natürlich sind die Dialoge so behämmert („Den Po findste gut?“ – „Ja, ich mag den“), dass sie schon wieder unterhaltsam sind. Und natürlich eignet sich das Trash-TV-Format hervorragend als Stammtisch-Gesprächsthema – immerhin zeigt RTL die Kuppelshow sieben Tage hintereinander und stattet „Adam sucht Eva“ fortlaufend mit neuen (prominenten) Singles aus. Ein etwas anderes TV-Event, das in den Medien auch als solches gewürdigt wird.

Auch renommierte Zeitungen und Magazine reiben sich an der TV-Show – wenn auch oft mit vernichtendem Urteil.

„An dieser Stelle eine freundliche Bitte, RTL – erspart euch und uns in Zukunft rassistische Kommentare. Sätze wie ‚Normalerweise haben ja so dunkelhäutige Frauen ’ne zu dicke Kiste‘ sind nicht trashig, sondern widerwärtig. Wer so etwas 2016 noch sagt (oder ausstrahlt), der sollte Fernsehverbot bekommen“

kritisiert etwa die Süddeutsche Zeitung.

„Stellenweise fühlt sich ‚Adam sucht Eva‘ an, als improvisierten lobotomierte Laiendarsteller beiderlei Geschlechts über Begriffe wie Sexismus und Homophobie; dass sie das nackt tun, macht die Sache beinahe bedrohlich“

kommentiert Spiegel Online.

„Die Moral von der Geschicht: Die  Frau zerstört den Mann, vor allem eben dessen durchaus mögliche Kultiviertheit. Die Erzählinstanz der Sendung landet aber auf einer anderen Erkenntnis. Sie sagt: Es gehört mehr zum Verlieben, als nur nackt zu sein. Sanft möchten wir korrigieren: Mit dem Fernsehen verhält es sich wie mit dem Verführen, nur nackt bringt wirklich gar nix.“

urteilt WeltN24.

Das Trash-TV-Format mit viel Haut aber wenig Substanz hat sich längst zum medialen Ereignis gemausert. Wer zieht da blank? Warum machen die das überhaupt? Und was hat sich RTL das letzte Hemd der prominenten Kandidaten kosten lassen? Fragen, die zumindest für kurze Zeit die Fernsehwelt bewegen. Da wundert es auch kaum, dass schon jetzt über mögliche Teilnehmer für das Dschungelcamp 2017 spekuliert wird.

Dementsprechend schlägt das TV-Ereignis auch in den sozialen Netzwerken Wellen. Sendungen (und besagte Dialoge) werden live kommentiert…

…die Vorfreude auf das Promi-Spezial (augenzwinkernd) geteilt…

…das Gesehene aufs Korn genommen…

…oder eben kritisiert.

Kurz: Wer auf Trash-TV steht, bekommt bei „Adam sucht Eva“ die volle Dröhnung. Von tapsigen Flirtversuchen („Darf ich da mal mit der Bürste drübergehen?“, fragt „Normalo“-Kandidat Jesse, bevor er Chantel die Haare bürstet) über schamlose aber klare Kampfansagen („Ich werde schon versuchen, einen oder einige zu verführen“, so Chantel) bis hin zu potenziellen Kult-Sprüchen („Es war bisschen Luft in der Liebe“) gibt es bei „Adam sucht Eva“ so einiges, das man feiern oder fürchten kann.

Zahlen sprechen derweil eine eigene Sprache: Auch die dritte Folge vom 3. Oktober war für RTL ein Quotenerfolg – 2,89 Mio. (13,5%) sahen insgesamt zu, darunter 1,26 Mio. 14- bis 49-Jährige (14,7%). Der „Open-Air-Swingerclub“ findet ganz offenbar ein Publikum.

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Alle Kommentare

  1. Warum und worüber regen sich die Leute hier dermaßen auf? Für RTL, diesen Sender aus Kaputten & Migranten, ist das doch der absolute Normalzustand? Ach so, die Verbreitung. Verstehe. Aber hat man Euch landwirtschaftsfernen Dummdödeln denn nie beigebracht: Getretener Quark wird breit, nicht stark? Darauf erst einmal einen Hamster in den A****.

  2. Feiner Artikel, Florian! Hier kannst Du Deinen Stil entfalten. Weg von der Movie und siehe da, wunderschöne Sprache. Unterschrift: Sozusagen ein(e) Fan(in) aus einem der unzähligen bäuerlichen Pools

  3. Kann mir jemand mit Hirn und Herz, mit Verstand und Vernunft ausgestattet, erklären, warum meedia zu diesem Adam&Eva-Bulshit einen solchen Riemen veröffentlicht? Grund dafür gibt es keinen, vor allem keinen journalistischen.

    1. Die treten halt genau dieselbe Scheiße breit, über den sie berichten. Die paradoxe Ironie von Journalismus… oder so ähnlich.

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