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Beisenherz und Thomalla rudern beim Flüchtlings-Tweet zurück – doch der Shitstorm ebbt nicht ab

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Es war der Aufreger des Wochenendes: Schauspielerin Sophia Thomalla irritierte am Freitagabend mit einem Post der Kategorie „geht gar nicht“: „Kleine Titten sind wie Flüchtlinge: Sie sind nun mal da, aber eigentlich will man sie nicht“, war auf dem Twitter-und Facebook-Account der 26-Jährigen zu lesen. Eine Stunde später die Auflösung: TV-Autor Micky Beisenherz hatte die Accounts übernommen und wollte mit dem kontroversen Post nur provozieren. Bei RTL erklärt Thomalla ihr Experiment, doch den Shitstorm bekommt die Schauspielerin nicht mehr eingefangen. 


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„Satire darf alles“, hatte der bekannte deutsche Schriftsteller Kurt Tucholsky einst erklärt. Rund ein Jahrhundert später gilt das im Social Media-Zeitalter wohl nur noch bedingt, wenn man den grenzwertigen Tweet von Sophia Thomalla vom Freitagabend zugrunde legt. Um halb neun war plötzlich auf ihrem Twitter-Konto und auf ihrer Facebook-Seite Folgendes zu lesen:

„Kleine Titten sind wie Flüchtlinge: Sie sind nun mal da, aber eigentlich will man sie nicht“. Der Post wurde inzwischen gelöscht, kursierte aber natürlich durch unzählige Screenshots weiter:

Dass solch eine provokante These eigentlich kaum zu der bis dahin beliebten, aber auch polarisierenden Schauspielerin passte, lag nahe – Thomalla war bisher nie durch flüchtlingsfeindliche Äußerungen aufgefallen. Eine Stunde später meldete sich Thomalla bei Facebook wieder zu Wort – und verwies auf den Followerzuwachs. „q.e.d.“, schrieb die Berlinerin: Quod erat demonstrandum, was zu beweisen war.

Eine weitere Stunde später fallen die Schlagworte „Titten und Flüchtlinge“ auch an anderer Stelle – beim Twitter-Konto von TV-Autor Micky Beisenherz, der tatsächlich hinter dem Post stand.

Dann die Auflösung auf der Facebook-Seite von Sophia Thomalla:

Alles war also überhaupt nicht so gemeint, sondern ein Experiment, das Beisenherz ausgeheckt und dafür Thomallas Smartphone gekapert und Stunden zuvor schon einen Pro-Trump-Tweet abgesetzt hatte. „Wir haben der Gesellschaft mal bewusst den Spiegel vorgehalten“, stellte die 26-Jährige klar.

Experiment abschlossen, doch der Beifall fehlte. Schnell wurde klar: Die Aktion ging auf Twitter und Facebook nach hinten los, um es vorsichtig zu formulieren. Selbst die Abteilung Comedy distanzierte sich:

Es begann die Phase der Rückruderaktionen und Klarstellungen der Klarstellungen, an der sich nun auch Micky Beisenherz beteiligte:

Tags darauf verwertete der „Dschungelcamp“-Autor die Erkenntnisse in seiner neuen Stern-Kolumne:

Die Erkenntnis des 39-Jährigen: „Wir haben ein Monster geschaffen“. Beisenherz gibt zu, „schon besser gepennt“ zu haben. Das kann man wohl auch von Sophia Thomalla sagen, die tags darauf auf RTL Stellung bezog.

„So einen krassen Shitstorm hab ich natürlich auch noch nicht erlebt“, erklärte eine erkennbar angeschlagene Thomalla bei RTL. „Na klar ist der Spruch an sich stumpf, es ist ja nicht mal ein Witz“, bemühte sich Thomalla um Aufklärung – und Schadensbegrenzung. „War der Post wirklich notwenig? Sage ich heute vielleicht ‚Nein'“, gab sich die Schauspielerin kleinlaut. „Aber er hat viele aufgeweckt.“

Es sollte wohl ein Medienstunt der Güteklasse Böhmermann / Circus Halligalli werden, doch Thomalla / Beisenherz haben sich gehörig verkalkuliert. Einerseits ist das Thema ‚Flüchtlinge‘ viel zu brisant für Stammtisch-Tweets, anderseits fehlte beim von Beisenherz initiierten Experiment mit Thomallas Social Media-Accounts jegliche Fallhöhe. Dass es 40.000 Menschen auf Facebook gibt, die ein flüchtlingsfeindliches Statusupdate im Zeitalter von zweistelligen AfD-Erfolgen liken, ist nicht die allergrößte Überraschung – oder aufklärerische Maßnahme.

Was hatte das Duo Thomalla / Beisenherz ernsthaft erwartet, was gab es nun wirklich zu beweisen? Dem Social Web, das bereits durchdreht, wenn der Social Media-Manager von RTL Grammatikfehler begeht, mit den Schlüsselworten „Titten“ und „Flüchtlingen“ den Spiegel vorzuhalten? Es ist das Niveau eines Pausenhofwitzes eines Fünftklässlers, der sich mit flachen Posts nach ein bisschen Interaktion sehnt. Entsprechend fiel das Echo im Social Web aus:

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