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14 Mitarbeitern droht Kündigung: Springer macht Entwicklungsredaktion dicht

Der Verlagssitz des Axel Springer Konzerns in Berlin
Der Verlagssitz des Axel Springer Konzerns in Berlin

Einst wollte Springer-Chef Mathias Döpfner mit der Berliner Service- und Entwicklungsredaktion, die aus 50 ehemaligen Mitarbeitern der "Welt" und "Berliner Morgenpost" bestand, große Innovationen im Print- und Digitalbereich hervorbringen. Jetzt verlieren hier die letzten 14 Mitarbeiter ihre Jobs. Ihnen soll betriebsbedingt gekündigt werden. Der Geschäftsbetrieb wurde bereits zum Jahresanfang eingestellt.

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2007 gründete der Berliner Zeitungskonzern Axel Springer mit viel Aufsehen eine neue Einheit: die Service- und Entwicklungsredaktion. Ihr Team aus damals mehr als 50 Mitarbeitern bestand aus Redakteuren, die nach der Fusion der „Welt“ mit der „Berliner Morgenpost“ nicht mehr benötigt wurden. Ihr Auftrag: Sie sollten neue Objekte für den Verlag entwickeln.

Schnell entwickelte sich die Abteilung aber zu einem Abstellgleis für Redakteure, die der Zeitungskonzern loswerden wollte, aber nicht konnte, weil viele der dort gestrandeten Springer-Journalisten wegen langer Betriebszugehörigkeit schwer zu kündigen waren. Einige der Redakteure wehrten sich jedoch gegen die Versetzung in den ungeliebte Redaktionseinheit. Einige vergebens, einige gaben freiwillig auf und gingen von selbst. Die „Süddeutsche Zeitung“ bezeichnete das Konstrukt als „Elefantenfriedhof“. Hausintern war die Service- und Entwicklungsredaktion sogar als „Gulag“ verpönt.

Konzernchef Döpfner hingegen sah dies anders. In einem Gespräch mit der „Süddeutschen Zeitung“ betrachtete er die Redaktion als eine wichtige Einheit, um die Innovationskraft des Unternehmens zu stärken: „Das soll kein Elefantenfriedhof werden, sondern ein höchst lebendiges Biotop. Die Service- und Entwicklungsredaktion soll für das Haus wichtige Beiträge liefern und im Idealfall auch externe Aufträge akquirieren. Erste Gespräche werden geführt. Am Ende soll sie sich wirtschaftlich selbst tragen“, sagte der Springer-Chef damals.

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Doch große Projekte brachte die Einheit nie zu Stande. Eher kleine, unbedeutende Vorhaben erblickten das Licht der Medienwelt. Dazu gehörten Angebote wie beispielsweise Wand & Beet (wand-und-beet.de), Red-Carpet (red-carpet.de), World´s Luxury Guide (luxus.welt.de), myEntdecker (my-entdecker.de) oder das Print-Magazin „Gesund“. Geleitet wurde die Abteilung zeitweise von Pit Gottschalk. Heute baut der ehemalige Chefredakteur von Springers „Sport-Bild“ für die Funke Mediengruppe in Essen ein Kompetenzzentrum Sport auf. Zugleich ist er hier titelübergreifend Sport-Chef.

Jetzt wickelt Axel Springer die Einheit nach neun Jahren komplett ab. Nach Angaben einer Springer-Sprecherin wurde der Geschäftsbetrieb der Service- und Entwicklungsredaktion von Axel Springer Syndication bereits zum 1. Januar eingestellt. 14 Mitarbeitern droht nun die betriebsbedingte Kündigung. Die Angestellten sollen sie angeblich Ende des Monats erhalten, heißt es aus Unternehmenskreisen. Eine Sprecherin bestätigt gegenüber MEEDIA: „Für gut ein Drittel der Mitarbeiter konnten wir Lösungen in anderen Bereichen von Axel Springer finden. Für 14 Mitarbeiter konnte leider keine Anschlussbeschäftigung im Konzern gefunden werden. Wie bei Axel Springer üblich, bemühen wir uns weiterhin um sozialverträgliche Lösungen für diese Mitarbeiter.“

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Alle Kommentare

  1. @Keumel:
    Die möblierten Wohnungen als Ausflucht aus der Mietpreisbindung hätte jeder Journalist am Gesetz erkennen können. Stattdessen wird erst jetzt davon berichtet.

    Die wissen auch nicht wo es hin geht. Das System weiss gar nicht, was es alles falsch macht. Also bleibt nur Protest, BREXIT und Trump.
    Die Risiken nenne ich auch. Speziell die E-Autos werden Benziner zu den neuen ausgestorbenen Trabbis, Plattenspielern (inzwischen als Nischen-Markt 6% vom Umsatz glaube ich !), VHS-Rekordern und Tastenhandies machen und Millionen Jobs hier auf ewig vernichten. Und Fahrer, Lieferanten und natürlich Taxifahrer-Jobs.

    Die wissen nicht, wo es hin geht. Wie ein Wal-Rudel welches sich über die blinkenden Lichter am Strand freut und dann am Strand liegend verendet in der Zeitung/TV zu sehen ist.

    Die von Ihnen genannten Probleme könnte AfD auch aufgreifen. Aber die Vorlage von Müntefering haben sie leider nicht zum Wahlerfolg bei Rentnern genutzt. Bezahlte V-Leute sollen vielleicht eine Schill-2-Partei (reimt sich) und Regierungs-Beteiligung verhindern: Auf Themen fokussieren welche koalitions-unfähig machen. Nicht agil reagieren wie es das Internet erfordern würde und RTL-2 und ARTE Freitag(?) Nacht bewiesen haben. Streit provozieren wie bei Black Power oder die Grünen haben jahrelang als Realos vs. Fundis gestritten.

    Also steigt die Armut und Armut wählt Protest, BREXIT und Trump. So wie ein Versager-Fußballtrainer ja auch rausgeworfen wird und man nicht weiss, ob der neue Trainer besser wird und welche Konzepte er umsetzen will und ob das Fußball-Team das her gibt oder zu faul ist, Medizin-Bälle zu wuppen. Wird heutzutage anders regiert als unter Cäsar, den Fuggern oder Mittel-Alter oder Game-Of-Thrones ? na also.
    Am Second Screen könnte man konstruktiv und legal an allen Parteitagen teilnehmen. Rot-Grün hätte das 2000 einführen müssen. Stattdessen regieren immer noch die Hinterzimmer und Lobbyisten. Ein gutes Land oder ein Land, welches es dem Westen heim zahlen will (Erdogan ? wegen abgelehntem EU-Beitritt oder Putin um der Presse was vernünftigeres entgegen zu setzen oder China um die Übernahmen vorzubereiten) könnte alle Fußballvereine und Parteien und VW und Unternehmen digital zwangs-demokratisieren wenn es (mir) die kostenlose Programmierung erlauben würde: Konstruktiv und Legal. Hate und Krawall braucht man nicht. Dann wäre das aktuelle Shooting-Video (da wo grade die Krawalle in USA sind) per digitaler Townhall also Bürger-Abstimmung längst freigegeben worden und zu jeder Schuss-fähigkeits-Überprüfung gehören 1-2 Stunden Lehr-Material (z.B. solche Videos) wie man es richtig macht und wie man es NICHT macht.

    Das spanische Leistungs-Schutz-Recht hat Google-News in Spanien abgeschaltet. Die wissen NICHT, wo es hin geht. Leistungs-Schutz sind Durchhalte-Parolen für die kleinen Verlage welche man nach Abschaffung (ich bin ja für einmalige Ausnahme-Genehmigungen) des Fusions-Gesetzes alle billig in der kommenden Rezession aufgekauft werden dürfen und nur noch (wie bei Game of Thrones) 1-2 Familien und 1-2 Bundes Zentralredaktionen die Meinungen vorgeben (und wie bisher die Agentur- und PR-Meldungen copy-pasten). Denn es gab IMMER eine Rezession. Home-Shopping hat schon WINTER-Mode im Angebot, Quelle-Kataloge auch und es werden WINTER-Reise-Angebote gemacht (Ski-Fahren wo der Klimawandel noch nicht zugeschlagen hat oder halt in die warme Sonne) und Lebkuchen, Christstollen und Spekulatius liegen auch schon im Supermarkt. Nur die Leistungs-Presse tut so, als ob es weiter nach oben geht und wird von Neue-Markt-Crash oder Lehman-Immobilien-Banking-Krise völlig überrascht obwohl ich ein Jahr vorher aufgeschrieben hatte, das bei CNBC auf den überhitzten Häusermarkt hingewiesen wurde. AKtuell wird auf Bond-Market als möglicherweise faules Ei hingewiesen und platzt vielleicht in 1-2 Jahren wenn Erdöl-Staaten ihre Schulden nicht abzahlen können weil der Tesla ein Benzin-Überangebot bewirkt und wie mehr an der Tankstelle bezahlen obwohl die Barrels für $ 20 gehandelt werden. Die Schuldenmacherei der USA kritisiert Trump ! Der musste nämlich ohne Schulden seine Projekte erfolgreich fertig stellen und hat praktisch alle auch verkauft. Er hat nur billig bei einer Insolvenz ein Hochhaus in New York gekauft und noch ein paar Immobilien/Stockwerke/Einkaufszentrum oder so beim Trump-Tower. Der baut und verkauft erfolgreich. Schon mal besser als die gängigen Schuldenmacher auf Kosten der nächsten 100 Generationen.

    Die Mietpreis-Umgehung mit möblierten Wohnungen stand höchstwahrscheinlich im Gesetz und wurde also übersehen oder ignoriert. Ist die Miet-Mafia als schlauer als die komplette deutsche Qualitäts-Leistungs-Presse zusammen ?

  2. Irgendwie schon lustig, wie wir uns immer alles schönreden. Wir schieben nicht ab, weil „die Politiker“ sogenannte „schlimme Szenen“ scheuen wie der Teufel das Weihwasser. Man könne das nicht mehr „aushalten“. Und Herr Döpfner – bestens mit aber-Milliarden versorgt als Adlatus von Friede – hat sich das Gesicht des freundlichen, anständigen Springer-Bosses aufgesetzt (ohne sowas geht ja heute nix mehr, die Menschen wollen unbedingt getäuscht werden).. In Wirklichkeit köchelt unter diesem intellektuellen Phrasengedresche à la menschliche Hochkultur der alte knallharte Egoist und Karrierist. Als die wir Menschen nach wie vor und auch künftig unterwegs sind. Wir verleugnen es nur tapfer, weil jetzt grade anderes „angesagt“ ist und begründen das mit „unseren Werten“. Während die Entscheider sich in ihren Netzwerken ins Fäustchen machen und prima Lobby-Politik für sich selbst betreiben… Ich würde sagen, wir lügen uns permanent in die eigene Tasche und lassen uns von moralinsauren Wichtigtuern (die alle anders leben als sie reden) in diese Richtung steuern, die sowas von lachhaft ist, dass es weh tut. Allerdings: Nur das gemeine, abhängige Fußvolk wird gesteuert… sich selbst steuern die „Anführer“ natürlich in abgeschotteten Kreisen ganz woanders hin. DIE sind nämlich Realisten und keine Träumer. Nun also Entlassungen??? Tja..Pech gehabt. Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern. Wie das passieren konnte? Sind es die Alt-68er, die so viel Mist verbreitet haben? Oder die grünen ‚Weltverbesserer-Stalinisten“ oder wer sonst? Es ist nur noch schrecklich, wie sich viele kleine Leute vergackeiern lassen und ihre eigenen Realitäten im Leben verweigern und von Menschlichkeit und Werte-Gedöns reden. Wo wir damit landen werden? In Arbeitslosigkeit, bei miesen Gehältern, dazu Mietwucher, Kleinst-Renten bei Null-Zinsen, Klinik-Keime, Altersheime….. Wen es noch nicht erwischt hat kann gerne abwinken. Spätestens bei der Rente treffen wir uns wieder…. während Herr Döpfner – gerne auch die Politiker – mit ihren Millionen WO sitzen werden? Natürlich ohne die verarmten Rentner zu bedauern nicht wahr…

  3. Die Medienkonzerne und ihr Verständnis vom Gebot der Humanität.
    Aber mit qualitativem Merhwert für den Leser hat dies alles nichts zu tun.
    Und ist er nicht willig, dann brauch ich Gewalt.
    Wann kommt die Zeitungsabgabe für den Bürger?
    Für Toleranz und Vielfalt natürlich!

  4. Das Boot ist voll.
    Die Gewerkschaften sollten es endlich zugeben und die entsprechenden Studiengänge so lange schliessen, bis die Lebens-Einnahmen der vorhandenen Absolventen garantiert werden. Die Finanzämter sollten bei jedem Berufsbild (Gesellen-Brief oder Diplom/Bachelor/…) die Monats-Einnahmen verkündigen. Ein guter Finanzminister würde dafür sorgen und das sind Landes-Finanzminister also kann die AfD das in jedem Länder-Parlament fordern und bei den Arbeits-Ämtern daran erinnern.

    Die Rezession kommt erst noch. Dann gibt es vermutlich natürlich keine Ausnahme-Genehmigungen sondern die Fusions-Gesetze werden abgeschafft und Massen-Fusionen aller Lokal-Zeitungen welche mit Google-News-Abschaffung und Link-Steuer als Durchhalte-Parolen gefüttert werden und es bleiben bundestweit nur 1-2 Mantel-Redaktionen(=Agentur- PR-Copy-Paster) und ein paar Lokalreporter:
    Jeder kauft jeden und dann gibt es nur noch 1-2 Zentral-Meinungen wie in Diktaturen:
    http://meedia.de/2016/08/25/vice-chef-shane-smith-die-medienbranche-steht-vor-einer-blutigen-uebernahmewelle/

    Eine bessere Presse wäre schnell programmiert. Natürlich im Ausland. Aber welche Länder erlauben sowas um Deutschland endlich die Wahrheit vorzuhalten ?
    Wer auf Tourismus angewiesen ist (z.b. Türkei, vielleicht auch Ägypten,…), sollte mal drüber nachdenken.

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