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Wie Apples iPhone 7-Launch Samsung zum fatalen Fehler beim Galaxy Note 7 verleitete

Samsungs Galaxy Note 7 ist zum Krisengerät geworden
Samsungs Galaxy Note 7 ist zum Krisengerät geworden

Es ist der Aufreger des Jahres in der Techwelt: Wenige Wochen nachdem Samsung an der Börse neue Allzeithochs markierte, explodierten die Akkus des neuen Flaggschiff-Smartphones Note 7, das in diesem Jahr ungewöhnlich früh auf den Markt gebracht wurde – mutmaßlich, um Apples eher evolutionärem iPhone 7-Launch das Momentum zu rauben. Neue Recherchen von Bloomberg stützen die These, dass der überstürzte Start des Note 7 für die unerwarteten Produktmängel verantwortlich sein soll.

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Bis weit in den August sah es so aus, als sollte es wieder einmal Samsungs Sommer werden. Der Smartphone-Platzhirsch hat lange auf positive Nachrichten warten lassen: Fast zwei Jahre  waren die Südkoreaner nach einer verfehlten Produktpolitik in einer Abwärtsschleife gefangen, dann leitete das Galaxy S6 (edge), vor allem aber die Nachfolger-Generation die Trendwende ein.

Das neue Flaggschiff von Samsung hatte einiges zu bieten, was Apple mit seinem iPhone 6s vermissen ließ: Ein Display mit Kante, wassergeschützt und erste Virtual Reality-Anwendungen. Die Folge: Der wertvollste Konzern Südkoreas verdiente wieder fast so gut wie der der Konkurrent aus Cupertino und konnte sich im jüngsten Quartal über einen stolzen Gewinn von 7,2 Milliarden Dollar freuen.

Note 7 sollte Samsung-Comeback vergolden

Doch das reichte Samsung nicht: In Seoul hatte man längst einen Plan ausgeheckt, um dem Erzrivalen in seiner vermeintlichen Schwächephase richtig weh zu tun. Als erste Leaks aus der Zuliefererkette im Frühjahr andeuteten, dass Apple mit seinem iPhone 7 wegen Komponentenmangel erneut nur ein Update des Updates präsentieren würde, wurde die Produktion von Samsungs nächstem Premium-Smartphone hochgefahren, das im Herbst traditionell gegen Apples Plus-Modell antrat – das 5,7 Zoll große Phablet Galaxy Note.

In den vergangenen Jahren hatte Samsung die neuste Note-Generation im Rahmen der IFA in Berlin Anfang September vorgestellt – doch diesmal hatten es die Koreaner besonders eilig. Es galt, Apple vor dem vermeintlich wenig aufregenden iPhone 7-Launch so viel Kunden wie möglich abspenstig zu machen.

Dafür versammelte Samsung Pressevertreter am 2. August in gleich drei Weltmetropolen – New York, Rio de Janeiro, London. Zwei Wochen später kam das hochgelobte Phablet mit Iris-Scanner und Stift-Bedienung in den USA bereits in den Handel.  Alles sollte ganz schnell gehen, um Apple möglichst die Show und Käufer zu stehlen – zu schnell.

Note 7: Vom iPhone 7 Plus-Killer zum Milliardenfiasko

Anfang September der Schock: Fälle von explodierenden Note 7 machten die Runde. Hunderte Geräte gingen in Flammen auf, das Note 7 musste auf Flügen ausgeschaltet bleiben, wenig später rief Samsung die bislang ausgelieferten 2,5 Millionen Geräte zurück. Der ultimative PR-GAU war ebenso perfekt – die Börse nahm den wirtschaftlichen Schaden mit einem Kurssturz von in der Spitze fast 15 Prozent in wenigen Tagen schnell vorweg.

Was blieb, war die Frage nach dem ‚Warum‘. Wie konnte sich ausgerechnet der weltgrößte Smartphone-Hersteller, der seit vier Jahren zahlenmäßig mehr Geräte verkaufte als alle anderen Wettbewerber und zudem noch als Zulieferer von Chips und Displays Kunden wie Apple bedient, solch einen Fehler leisten?

Bloomberg: Samsung wollte Apple beim iPhone 7-Launch unbedingt zuvorkommen
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Der Finanzinformationsdienst Bloomberg glaubt die Antwort gefunden zu haben, die sich zwischen den Zeilen die ganze Zeit aufdrängte: Für die Eile, Apple bei beim iPhone 7-Launch unbedingt  zuvorkommen zu wollen, hat Samsung offenkundig einen enorm hohen Preis bezahlt.

„Als der Launch näherrückte, haben Samsung-Mitarbeiter und Zulieferer ihre Arbeitszeiten immer weiter hochgefahren und auf Schlaf verzichtet“, berichten mit Vorgang vertraute Personen. Samsung-Mitarbeiter hätten während der Produktionsphase begonnen, in den Büros zu schlafen und hätten immer gereizter reagiert, berichtet Bloomberg.

„Sie wollten Apple schlagen und haben dabei Fehler gemacht“

Die Folge: Etwas ist bei der Verbauung der 3500 mAh Akkus, die vom Tochterunternehmen Samsung SDI geliefert wurde, schief gelaufen. „Sie haben eindeutig etwas vermasselt. Sie wollten Apple schlagen und haben dabei Fehler gemacht“, erklärt sich Bloomberg-Analystin Anthea Lai  das Akku-Desaster.

„Es gibt wenig Dinge, die Samsung-Mitarbeiter so sehr motiviert wie die Aussicht, aus Apples Schwäche Kapital schlagen zu können“, schreibt der Finanzinformationsdienst weiter und berichtet, dass Samsungs Top-Management – inklusive der Chef der Smartphone-Sparte D.J. Koh – die Beschleunigung des Note 7-Launches angeordnet habe. Zulieferer wurden angehalten, engere Deadlines einzuhalten, berichten mit dem Vorgang vertraute Personen.

Umgang mit der Krise wirft Fragen auf

Vor allem Samsungs Umgang mit den explodierenden Geräten stieß auf viel Kritik: Zunächst warnten die Südkoreaner vor dem Note 7, stoppten den Verkauf, stellten ein Software-Update bereit und führten erst dann die Rückrufaktion von 2,5 Millionen Geräten durch, die Samsung nach Schätzungen rund zwei Milliarden Dollar kosten dürfte – der Image-Schaden dürfte die Südkoreaner jedoch mehr schmerzen.

„Die Batterie-Probleme hätten Samsung zu keinem schlechteren Zeitpunkt treffen können – es sieht so aus, als  habe es Verzögerung im Krisenmanagement gegeben“, erklärt Thomas Husson vom Marktforscher Forrester Research. Das könnte mit den Veränderungen im Top-Management zu tun haben, in dem seit dem schweren Herzinfarkt von Konzernpatriarch Lee Kun-Hee ein gewisses Vakuum zu bestehen scheint, wie Bloomberg berichtet.

An den Kapitalmärkten hat sich die Aufregung um den Rückruf des Note 7 unterdessen wieder weitgehend beruhigt: Nach deutlichen Zugewinnen in den letzten Handelstagen liegt die Samsung-Aktie nur noch sieben Prozent unter den einstigen Allzeithochs. Da kann der mutmaßliche Profiteur Apple auch nach den großen Kurszuwächsen der vergangene Woche nicht mithalten: Bei 113 Dollar liegt der iPhone-Hersteller aktuell 16 Prozent unter seinen Hochs von 2015.

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Alle Kommentare

  1. Huch ein Samsung Artikel. Was waren denn eigentlich die immensen wahnsinnig innovativen Neuerrungen beim Note7? Der Iris-Scan? Schon mal recherchiert wie sensationell dieser funktioniert und umgangen werden kann?

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