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Gesundheitszustand von Michael Schumacher: Wie ein Anwalts-Dementi zur nächsten Breaking News wurde

Im Fokus der medialen Berichterstattung steht nun der Satz des Schumacher-Anwalts: „Er kann nicht laufen.“
Im Fokus der medialen Berichterstattung steht nun der Satz des Schumacher-Anwalts: "Er kann nicht laufen."

Es gibt keine News, aber wir haben sie exklusiv: Nach diesem Motto scheint die Berichterstattung über Michael Schumacher mehr und mehr zu einem sich selbst fütternden Nachrichtenmonster zu verkommen. Jüngstes Beispiel: Der Prozess Schumacher vs. Bunte vor dem Hamburger Landgericht. Dabei geht die Familie des siebenmaligen Formel 1-Weltmeisters gegen eine Bunte-Titelgeschichte vor. Statt eine Story aus der Welt zu schaffen, bewirkt die Klage das Gegenteil und produziert weltweit die nächste Schlagzeile – ausgelöst durch vier Worte der Schumacher-Anwälte.

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„Er kann nicht laufen.“ Der eine Satz, der eine ganze Medien-Newsmaschinerie wieder auf Hochtouren laufen ließ.

Über Schumachers Gesundheitszustand nach seinem Ski-Unfall im Jahre 2013 schweigt die Familie eisern. Seit Sommer 2014 gibt es keine offizielle Stellungnahme mehr. Einzig im Dezember 2015 sah sich Managerin Sabine Kehm nach einer Titelstory der Bunten zu einer Stellungnahme genötigt: Der Bericht der People-Zeitschrift aus dem Hause Burda, dass Schumacher wieder gehen könne, sei falsch. Doch Widersprechen war nicht genug: Die Familie zog vor Landgericht Hamburg und verlangte 100.000 Euro Schmerzensgeld.

MEEDIA berichtete am Freitag über den Prozess und zitierte unter anderem den Anwalt des ehemaligen Formel 1-Rennfahrers, Felix Damm, mit dem Satz: „Er kann nicht laufen.“ Diese Aussage ist alleine juristisch wichtig, weil Damm dem Gericht erklären muss, warum die Bunte-Titelgeschichte „Michael Schumachern: Er kann wieder gehen“ eine Ente sei. Ohne irgendeine Aussage zum Gesundheitszustand des 47-Jährigen wäre das wohl unmöglich.

Alleine diese Aussage schlug jedoch hohe mediale Wellen: Motorsport Total übernahm die Meldung, anschließend landete sie auf Focus Online – ebenfalls ein Burda-Medium. Und schließlich in der Boulevard-Presse der Welt. Im Fokus der medialen Berichterstattung stand nun mehr nicht mehr der Prozess, bei dem die Familie dafür kämpft, dass keine Details über den Gesundheitszustand an die Öffentlichkeit kommen, sondern der Satz des Anwalts aus der Klagebegründung.

Jede Meldung über Schumachers Gesundheitszustand wird von der Presse gierig geschluckt und weiterverwertet. Eben weil die Familie verhindern will, dass etwas an die Öffentlichkeit kommt, sind die Informationen umso interessanter. Man kann darüber streiten, ob die Haltung der Familie eines Weltstars mit Millionen Fans in einem solchen Fall angemessen ist. Tatsache bleibt: Es ist ihr gutes Recht, die Privatsphäre des Angehörigen über das Informationsinteresse seiner Anhänger zu stellen.

Dabei ist der juristische Kampf gegen die auf Spekulationen fußende Berichterstattung offenbar ein aussichtsloser. Denn, wenn die Familie gegen Falschmeldungen vorgehen will, muss sie vor Gericht gehen. Da geht es darum, Richter zu überzeugen – und eine Meldung ohne jede Wahrheitsgrundlage zu dementieren. Auch wenn der tatsächliche Gesundheitszustand des 47-Jährigen nicht offengelegt wird, wird das Dementi dann zur nächsten Breaking News. Da Gerichtsverhandlungen öffentlich und auch Urteile öffentlich einsehbar sind, gibt es keine Garantie, diese Informationen vor der Öffentlichkeit geheim zu halten. Gerade in Zeiten von Social Media, in denen Nachrichten geteilt und geteilt werden.

Diese kleine Auswahl an aktuellen Postings zeigt dieses Dilemma:

 

Immerhin: Die Bunte brachte die „aktuelle Meldung“ nicht – doch es ist wohl nur eine Frage der Zeit bis zur nächsten Sensationsenthüllung zum Schicksal von Michael Schumacher nach seinem tragischen Unglück.

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Alle Kommentare

  1. Gut Tag
    Ich bin Yvonna Sarah Rienow ich bin aus Berlin in Deutschland.
    Ich bin ein größer Fan von Michael Schumacher.

  2. Mal ehrlich, wer sich in guten Zeiten in der Anerkennung seiner Fans sonnt und es genießt öffentlich bejubelt zu werden, der sollte auch in schlechten Zeiten zumindest grobe Infos herausgeben und die Fans, die Öffentlichkeit, nicht plötzlich wie lästiges Ungeziefer behandeln. Das ist der Beruf und die Pflicht in diesem Beruf. Das ist nun einmal die unangenehme Seite eines solchen Berufes. Man verdient nicht nur viel Geld und Anerkennung, man ist der Öffentlichkeit gegenüber auch verpflichtet.

  3. Wundert einen, dass die Medienschaffenden in der restriktiven Informationspolitik der Familie Schumacher noch nicht nach einer Verletzung der Pressefreiheit geschrieen haben. Vielleicht arbeitet man in den üblichen Kreisen aber schon daran.

  4. Ich teile die Meinung von Guido. Herr Schumacher hat durch seinen Sport sehr viel Geld verdient. Aber man darf auch nicht vergessen, dass gerade Herr Schumacher uns sein Management gerade mit der „Marke Schumacher“ sehr viel Geld verdient haben. Jeder Hut, jede Fahne, jedes T-Shirt das von treuen Fans gekauft wurde…. bei jedem Verkauf hat Herr Schumacher und sein Management verdient. Ich finde auch, dass die Medien schlicht zu weit gehen und oft falsch und einseitig berichten. Ich bin der Meinung Frau Kehm sollte sich schon überlegen, ob es richtig ist treue Fans, die Herrn Schumacher und Frau Kehm sehr reich gemacht haben derart im Regen stehen zu lassen.

    Aber leider ist bei Schumachers auch nicht alles Gold was glänzt. Solange man Geld verdienen kann, sind die Fans gut….. Alles ein Geschäft. Frau Kehm kann kein Geschäft mehr mit Herrn Schumacher machen. Traurig. Und gerade jetzt wäre es ein schönes Zeichen, wenn Fam. Schumacher und Frau Kehm etwas Dankbarkeit zeigen würden und die Fans (von denen Sie ja sehr gut gelebt haben und weiterhin leben) mal zu informieren. Alles im Leben ist ein geben und nehmen.

  5. Jeder kann sich an fünf Fingern abzählen, wie es Schumacher geht , wenn er mehr als 2 Jahre nach seinem Unfall noch nicht mal laufen kann , und noch nie ausserhalb des Wohnhauses gesichtet wurde.
    Wer will sein Photo im Grossformat in der Zeitung sehen, wie er zB gefüttert wird ?
    Dann lieber mit der Erinnerung leben.

  6. Der Tod oder eine schwerste Behinderung wäre das aus für die Marketing Marke Schumacher ferner wäre dann sein Sohn ohne hin schwer belastet in seiner Karriere denn es würde sich damit schlecht fahren.
    Egal ob Herr Michael Schumacher noch lebt oder tod ist es ist alles eine Frage des Marketing,s mit der Marke Schumacher läßt sich Geld verdienen.
    Man kann nur hoffen wenn er noch lebt man geht mit Herrn Schumacher menschlich um so wie es den Anschein macht glaube ich das nicht es geht nur um,s Geld.

  7. Die Medien machen die selben Fehler wie die Politiker: sie meinen, sie hätten etwas zu verkünden, etwas zu sagen. Sie meinen, sie vertreten das öffentliche Interesse; sie meinen, ihre lüsternen Interessen seien auch die des „Volkes“, des Publikums; sie meinen, sie machten alles richtig. Alles falsch. Sie irren, Sie irrlichtern. Sie hampeln – ihre Gebaren ist noch schlimmer als der dumpf wiederholte Satz: wir schaffen das. Medien und Politiker wundern sich über schwindendes Interesse – warum? Sie sorgen vehement selbst dafür. Man nehme als Beispiel diese hämische Lügen der Bunten, diese aufgegeilten Besserwessis in der Redaktion; man nehme den Mann namens Müller, SPD, Berlin: hätte er den Arsch in der Hose wäre er zurückgetreten. Und Henkel, CDU, dazu gleich auch.

    1. @Schulze Ulrich: Nein, da irren Sie gewaltig, wenn Sie meinen, dass die „lüsternen Interessen“ der Klatsch-Presse nicht auch den Interessen der Leser entsprechen würden. Schon aus ureigenstem Interesse schauen die genau hin, wass ihr Stammklientel konsumieren möchte, und sie reiten dann darauf rum, ob es was Aktuelles zu melden gibt oder nicht. Toll finden muss man das nicht – ich selbst kann mit den Heftle auch nichts anfangen. Hier den Besserossi zu spielen, der besser weiß, was die Leser der Bunte oder anderer Blätter so alles vorgesetzt bekommen wollen, ist aber auch ziemlich daneben. Mal ganz zu schweigen von Ihrem lächerlichen Vergleich mit der Politik.

      1. @ Schwabanpfeil: wer einen Text nicht einordnen kann, wer einen Vergleich nicht mag – der äußert sich wie schwabenpfeil.
        noch ein Satz zum Vorurteil: der Besserossi lebt gerne in Leipzig, ist aber Badener von Haus. . . und im Übrigen: Journalist.

      2. Sorry, Herr Schulze, aber das Vorurteil haben Sie selbst genährt, indem Sie bräsig von „aufgegeilten Besserwessis in der Redaktion“ geschrieben haben – ohne zu wissen, wie viele Ossis eventuell in der Münchner Redaktion der Bunte sitzen. Ob nun sächsischer Badener oder badischer Sachse tut auch nichts zur Sache, Ihre Schwenk vom Thema Boulevardpresse zur aktuellen Politik ist einfach an den Haaren herbei gezogen und für einen Journalisten besonders peinlich.

  8. Wie wäre es dann, wenn dieses Theater endlich mal ein Ende hat und über den Zustand berichtet wird? Wäre es denn soooo schlimm, wenn die Allgemeinheit wissen würde, wie es Schumacher geht? Warum wird er dermassen abgeschottet? Die Privatsphäre in allen Ehren, aber alle Fans und Anhänger im Dunkeln tappen zu lassen ist schlicht und einfach falsch.

    1. Wie geht’s Ihnen denn so? Sie nennen es doch selber Privatsphäre, also was geht Sie das an? Theater ist das was daraus gemacht wird, für Schumachers ist das bittere Realität. Für die Familie ist es so schon schlimm genug ohne dass dieser Katastrophenvoyeurismus bedient werden muss. Oder meinen Sie die Geier von Bild, Bunte, Gala etc. geben sich mit einer dürren Pressemitteilung zufrieden?

      1. Mir geht es gut. Danke der Nachfrage. Und falls es mir mal schlechter gehen sollte, dann dürfen Sie es durchaus wissen, falls es sich um Mitgefühl handelt. Macht mir nichts aus. Darum – es geht hierbei nicht um Katastrophenvoyeurismus, sondern einfach um viele Fans, die mitfühlen und sich sorgen. So, kurzum – eine Situation von der anderen Seite belichtet.

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