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AOL Prophet „Shingy“ auf der Dmexco: drei Phrasen im Sekundentakt

Riecht nach was mit Medien: Shingy, Mutti, Schwenni (v.l.n.r)
Riecht nach was mit Medien: Shingy, Mutti, Schwenni (v.l.n.r)

AOL Prophet „Shingy“ wird zum Dmexco-Maskottchen. Bento hat eine Idee. Christoph Schwennicke unterhält das Presse-Grossisten in Baden-Baden und die Medientage München fahren Angela Merkel und Django Asül auf. Der MEEDIA Wochenrückblick.

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Diese Woche ging in Köln das größte Ereignis nach dem Karneval über diverse Bühnen: die – imaginärer Trommelwirbel – Dmexco. Die einstmals so ein bisschen piefige Digital-Marketingmesse hat sich zum absoluten Pflichttermin gemausert. Viele Hallen, große Bühnen, alles very international, die Bühnensprache ist Englisch. Dauergast auf der Dmexco ist ein gewisser David Shing, genannt „Shingy“. Der arbeitet bei AOL im Marketing und wird als AOL Prophet vorgestellt. Weil das alleine offenbar noch nicht reicht für die Transformation zur Personen-Marke, trägt „Shingy“ seit Jahren dieselbe lächerliche Fön-Wuschelfrisur und extra-ordinäre Anzüge, die in manchen Kreisen womöglich als originell durchgehen mögen. Stichwort: Wiedererkennungswert! It’s Markenbildung, stupid! „Shingy“ wurde bei seinem Dmexco-Solo anmoderiert von Cherno Jobatey. Man kann auch mal Pech haben. Anschließend ratterte er in Schnellsprech Techno-Plattitüden runter und sagte Dinge wie „Change is what Innovation is about.“ Yeah, right. Abso-fuckin-lutely! Das Schlimmste an „Shingys“ Auftritt waren aber nicht die Phrasen im Sekundentakt oder sein aufgesetzt-originelles Outfit, sondern die nervenzerfetzende Stille im Publikum, wenn er mal einen Witz machte. Als AOL-Prophet und Dmexco-Maskottchen hat man es nicht auch leicht.

Die einen halten Bento, das junge Angebot vom Spiegel für ein „spannendes journalistisches Angebot und eine sehr erfolgreiche Innovation“ (SpOn-Chefredakteur Florian Harms). Andere sehen in Bento eine „absolute Trottelplattform“ (Ronja von Rönne). Die Meinungen gehen da auseinander. Ich selbst bin vermutlich viel zu alt (46) für Bento-Inhalte, fand diese Woche eine Idee der Bentos völlig überraschend trotzdem ganz gut. Bei einem Interview mit einem AfD-Abgeordneten in Mecklenburg-Vorpommern hat die Redaktion in rot umrandeten Kästen immer wieder kurze Erklärungen und Fakten-Checks eingebaut. Ganz abgesehen davon, ob man das eigentliche Interview nun als besonders gelungen bezeichnen mag: Die Idee, Faktenchecks und kurze Erklärungen in ein Interview einzuklinken, könnte Schule machen. Das ist eigentlich ganz einfach und für die Leser durchaus praktisch. Noch besser wäre es, wenn man auf die Quellen zu den Fakten dann auch noch verlinkt.

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Während sich die Digitaleros in Köln in stickigen Hallen drängelten, hielten die Herren der alten Print-Welt im mondänen Baden-Baden Hof. Mutmaßlich bei einer Tasse Tee, einem edlen Tropfen oder diesem schrecklichen Kur-Wasser, das dort allenthalben aus irgendwelchen Brunnen tropft. Die alljährliche Tagung des Bundesverbands Presse-Grosso ist so sexy wie ein Stützstrumpf. Aber weil Grosso für Print immer noch megawichtig ist, mühen sich zu diesem Termin stets auch einige Medien-Wichtigheimer in das Feine-Pinkel-Städtchen am Rande des Schwarzwalds. Dieses Jahr moderierte Claus Strunz (macht irgendwas bei Axel Springer) eine Runde zum Thema „Klein aber fein! Chancen für Special-Interest-Magazine“. Dabei lief Cicero-Chefredakteur Christoph Schwennicke zu gewisser Form auf: „Nische klingt wie eine dunkle Ecke, wo sich die Wollmäuse jagen. Man sollte lieber von Kleinoden, Preziosen oder Manufakturerzeugnissen sprechen.“ Und, einmal in Fahrt, haute Schwennicke gleich noch einen raus: „Wenn ich Cicero einen neuen Namen geben könnte, dann wäre es PolitikLust.“ Wegen Landlust, Sie verstehen. Aber wenn ich das richtig sehe, dann ist Herr Schwennicke doch Chefredakteur und Mit-Eigentümer von Cicero. Eigentlich könnte er dem Blatt doch einen neuen Namen geben. PolitikLust. Erscheint im Preziosen-Verlag. Nur zu!

Man kommt ja kaum zum Durchschnaufen. Ende Oktober grüßt von Ferne schon der nächste sehr, sehr wichtige und honorige Medienkongress: die Medientage München. Die sind zu Auftakt diesmal politisch besonders hochkarätig besetzt. Zuerst darf Bayern-König Horst I. ein Grußwort sprechen. Die Eröffnungsrede hält dann Seehofers Erz-Partei-Freundin Bundeskanzlerin Angela Merkel, allerdings erst am Nachmittag. Sie hat ja sonst auch noch das eine oder andere zu tun. Fast rührend ist, wie sich die Medientage jedes Jahr aufs Neue um ihren Glamour-Faktor zu sorgen scheinen. Man ist halt die hippe Medienbranche und da muss eben auch so ein Schlipsträger-Kongress auf Teufel komm raus irgendwie entertaining rübergebracht werden. Vergangenes Jahr wurde Thomas Gottschalk als Moderator herangekarrt. Dieses Jahr haben sie halt die Merkel. Zusätzlich soll Kabarettist Django Asül die Teilnehmer auf die 30-Jahr-Feier der Medientage am Abend heiß machen. Das wird bestimmt ein Festival an Gags und guter Laune. Falls fürs nächste Jahr wieder ein professioneller Auflockerer gesucht wird: „Shingy“ hat nach der Dmexco bestimmt auch noch was frei.

Schönes Wochenende!

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