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LeadAwards-Chef Markus Peichl: „Finanzielle Mittel und Zeit wie vor zehn Jahren gibt es nicht mehr“

Lead Award-Macher Markus Peichl: Premium-Event der Kreativen auf der Kippe?
Lead Award-Macher Markus Peichl: Premium-Event der Kreativen auf der Kippe?

Fotoserien, Magazinstrecken, Zeitungsbeiträge, Werbekampagnen und Websites – morgen fällt zum 24. Mal der Startschuss für die LeadAwards in Hamburg. Der Medienpreis kürt jedes Jahr die besten Publikationen Deutschlands aus den vergangenen zwölf Monaten. "Dieses Jahr haben wir es mit einer neuen Ernsthaftigkeit zutun", so Markus Peichl (Vorsitzender der LeadAcademy).

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„Bei dieser unglaublichen Nachrichtenflut vergessen wir schnell, was in den letzten zwölf Monaten passiert ist.“, so Ingo Taubhorn, Kurator des Haus der Photographie/Deichtorhallen in Hamburg. „Die LeadAwards sind daher auch dazu da, diese zwölf Monate – unsere Geschichte – widerzuspiegeln.“ Bei einem Blick auf die Masse an Medien ein geradezu kühnes Unterfangen: Rund 450 Magazine und etwa 85 Tageszeitungen wurden durchforstet, um allein eine Vorauswahl zur Vorauswahl von 1.200 Strecken aus der Medienwelt zu treffen – ausgelotet von einer rund 100-köpfigen Jury.

„Mir ging es immer um eines: Ich wollte Publizistik sinnlich sichtbar machen.“, so Jury-Chef Markus Peichl. Diese Vorauswahl, von der in diesem Jahr schließlich rund 280 Arbeiten der deutschen Kreativ- und Medienszene präsentiert werden, sei der Versuch einer „Verdichtung“, so Peichl weiter. Nun bereits schon zum 24. Mal und das seit 25 Jahren. Was dieses Jahr besonders ist? „Wir haben es mit einer neuen Ernsthaftigkeit zu tun.“, hält der Gründer der Zeitschrift Tempo fest. „Der bloße Spaß an der Freude ist in der Presse kaum noch vorhanden. Gab es vor wenigen Jahren noch viele augenzwinkernde Beiträge, stellt sich nun eine neue Schwere in der Medienlandschaft ein.“ Man könnte aber auch festhalten: „Es scheinen alle den Schuss gehört zu haben.“

Denn vor allem die großen Krisen und Verwerfungen in der Welt prägen dieses Jahr die Foto- und die Themenauswahl. Und das sei lobenswert: Trotz teilweise dystopischen Haltungen würden Medien versuchen, durch Faktentreue und Objektivität zu glänzen. „Man kann den Medien nicht vorwerfen, dass sie wegschauen“, so Peichl. Zumal vor allem die Print-Presse merken würde, dass es gerade bei schweren Themen auf sie ankommt. Ein Qualitätsmerkmal, das mit Blick auf die Zukunft allerdings unter keinem allzu guten Stern steht: „Die finanziellen Mittel und auch die Zeit wie vor zehn Jahren, die man sich für große Strecken genommen hat, gibt es heute nicht mehr.“, attestiert der Journalist. „Umso bemerkenswerter ist die Arbeit der Kollegen. Trotz Sparzwängen solch eine Initiative zu zeigen, zeugt von großem Engagement.“

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Dieses Engagement würde sich auch in Heftgründungen widerspiegeln, so Peichl. „Es ist spannend zu beobachten, dass die Zahl von neuen Magazinen immer weiter zunimmt – während fast alle anderen Blätter abbauen.“ Grund: Die Blattmacher hätten „die Nische“ entdeckt. Sprich: Es gibt immer mehr Publikationen im Special-Interest-Sektor, zwar mit einer sehr schmalen, aber interessierten und treuen Leserschaft.

Die Gewinner der LeadAwards 2016 sollen am 10. Oktober bekanntgegeben werden. Die Ausstellung in den Deichtorhallen läuft vom 27. August bis zum 30. Oktober.

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Alle Kommentare

  1. Arabella Kiesbauer meinte bei einem Event mal so in etwa „früher hatte man Geld bei den TV-Sendern, doch danach kam die Generation Praktikum.“.
    Höhle der Löwen braucht auch kein Budget wie Star Wars/Star Trek/James Bond oder Game of Thrones usw. und wird gerne und auch viel geguckt.
    Team Wallraff braucht viel Zeit. Bei Mario Barth deckt auf muss man sauber recherchieren. Aber mit Erfahrung und Ehre reden viele Leute gerne und geben Informationen. Team Wallraff hingegen muss überwiegend undercover arbeiten.
    Und das man dank digital die Leser viele Infos nennen lassen kann und überwiegend kuratiert, statt PR-Meldungen von Konzernen abzutippen oder immer nur dieselben – vorhersagbaren – Bekannten je nach Thema zu Wort kommen zu lassen und dank digital viel mehr Leute hat, welche sich zu Themen äußern können, erhöht massivst die Qualität und Sachverhalte von allen Seiten zu beleuchten.

    Das die Rezession kommt ist klar. Das war immer so. Die Frage ist also nur wann. Wahlen wirken nur 2 Jahre und danach eher nicht mehr so sehr hiess neulich wohl irgendwo im TV (ohne Gewähr erinnert).
    Das die E-Autos alle Benziner uninteressant machen werden, ist auch vorhersagbar. Die Folgen für Jobs, Strompreise, Kupferpreise, Akku-Preise, arbeitslose Taxi-Fahrer, Innenstädte usw. behandelt praktisch keiner. Viele Politiker reagieren nur auf Bild-Zeitungs-Titel-Seiten.
    Neulich kritisierte doch ein Richter über den Journalismus mit einem griffigen Zitat. Die Kritik kommt also nicht mehr nur aus angeblich Putin-Treuen oder Rechten Ecken. Sondern auch von Stamm-Wählern welche die Verarmung ihrer Rente und Diplom-Dauer-Praktikanten-Enkel selber erleben.

    Selbstlob setzt sich keine neuen Ziele. Tim Cook beweist es. Oder die Partei-Establishments welche nicht mal wissen, was sie alles falsch gemacht haben.

    „Medien kopieren“ suchen und bis inclusive dem Abschnitt mit den Iphones lesen:
    http://t3n.de/news/kleiner-entwickler-app-store-spitze-727119/

    An den Aufruhr von Fax-basierten Journalisten, als der Regierungs-Sprecher plötzlich twitterte, kann sich keiner mehr erinnern. Das hat deutlich die Qualität und Basis der politischen Berichterstattung bewiesen. Daher geht es uns seit den 70ern nicht mehr besser.
    Das ist aber die Aufgabe der Presse: Durch Kontrolle die Korruption und Miswirtschaft (wie schon damals die Pocken) dauerhaft auszurotten und das Land gesund und stark zu halten. Die Fußball-Presse macht das täglich durch knallharte Kritik und Ersatz-Trainer-Nennung bei allen under-performenden Vereinen. Überschuldete Gemeinden, überteuerte Mietgebiete oder tausende von unsicheren Jobs dank Boni-Mis-Managern hingegen werden ignoriert bis es zu spät ist. „Danke“ Wirtschafts-Presse. Beim neuen Markt oder vor den Ost-Immobilien hat auch keiner gewarnt, das die Party mal vorbei ist. Jede Generation hat ihre Ersparnisse verloren. „Tolle“ Kontroll-Funktion der Presse. Korrupte Doping-Länder sind oft schlauer und dopen nur die leistungs-fähigen Sportler. Versager-Luschen fliegen dort (im Gegensatz zu Schuldenmachern und Mis-Managern – welche mit Steuer-Zilliarden alle paar Jahre zu retten sind – in Politik und Wirtschaft) raus.

    Es gibt vermutlich über tausend (Fach)Zeitschriften welche beim Herausgeber im Wohnzimmer erscheinen und nur die Kosten für Druck und Versand decken. Die sind in einem dicken Buch gelistet, welches in einer Stadt-Bücherei vielleicht zu finden ist. Das sollte man testweise mal aufschlagen und sich die Titel auf einer zufälligen Seite durchlesen… IVW sind nur die Spitze vom Eisberg. Das meiste ist unsichtbar.
    Diese iP-Internationale-Presse-Zeitschriften-Läden haben vielleicht auch einen Katalog auch wenn die vielen reinen Abo-Zeitschriften da wohl nicht so sehr drin sind.
    Vereins-Zeitschriften wie ADAC-Magazin gibt es auch. Deutschlands Fußball-Vereine haben weltweit evtl die meisten Mitglieder und vermutlich auch Zeitschriften.
    Und Raiffeisen, Sparkassen usw. haben auch eigene Kunden-Zeitschriften oder Flyer mit aktuellen Informationen. Auch die Strom-Anbieter und Krankenkassen schicken gelegentlich eigene Zeitschriften.
    Und was praktisch immer ignoriert und totgeschwiegen wird wie die Ex-Frau: Die zwei kostenlosen Zeitungen am Mittwoch und auch noch am Sonntag oder Samstag im Briefkasten.

    Die guten Reportagen gehen im Mainstream unter.
    Und guter Journalismus beginnt bei Tages-Meldungen und täglich Brot statt überlegener Einzel-Reportagen alle Jubeljahre mal und so selten wie ein Hochzeits-Kuchen…
    Gutes Essen schmeckt jeden Tag. Guten Journalismus bräuchte man jeden Tag. Agentur/PR-Meldungs-Copy-Paste ist es, was der kleine Stammleser (und Stamm-Wähler) inzwischen immer klarer erkennt weil er am Tablett oft sogar gleiche Formulierungen bzw. Wort-Kombinationen offensichtlich sieht.

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