Anzeige

„Wie ein Zootier angeguckt“ – Jan Böhmermann spricht über die Zeit nach der Schmähgedicht-Affäre

Jan Böhmermann im Gespräch mit dem Rap-Journalisten und YouTube-Interviewer Rooz
Jan Böhmermann im Gespräch mit dem Rap-Journalisten und YouTube-Interviewer Rooz

Wie nähert man sich am besten der Person Jan Böhmermann? Man lässt ihn offenbar einfach reden - möglichst lange und möglichst ununterbrochen. Wie so etwas funktionieren kann, zeigt der Rap-Journalist und YouTube-Interviewer Rooz. Er fuhr fast eine Stunde und 20 Minuten mit dem Moderator durch Köln. Und siehe da: Böhmermann sprach über Vera-Fake, seine Prägung als Polizistensohn und warum ihn die Merkel-Reaktion auf das Schmähgedicht so bedrückte.

Anzeige
Anzeige

Größer könnte der Gegensatz wohl kaum sein. Bevor Jan Böhmermann mit Rooz locker und entspannt durch die Domstadt kreiste, war sein jüngstes Interview das mehr verspannte und viel rezensierte E-Mail-Gespräch mit der Zeit, in dem der ZDF-Moderator versuchtem das Schmähgedicht zu rechtfertigen.

Das war vor der Sommerpause und seinem Abtauchen in die Ferien. Jetzt ist Böhmermann zurück. Am Donnerstag geht das „Neo Magazin Royale“ in eine neue Staffel und der 35-Jährige präsentierte sich gut erholt. Tief in den Rücksitz der Interview-Limousine gefläzt, redet sich Böhmermann ab und an sogar auf das Unterhaltsamste in Rage.

So spricht Böhmermann erst über seine Prägung als Sohn eines Polizisten, seine Erfahrungen als Schöffe und wie wichtig es ist, auch Kontroversen zuzulassen und aushalten zu können. „Du musst den Mut haben Dich zu streiten und Du musst ertragen, dass andere Leute Sachen sagen, die sie scheiße finden. Das ist Toleranz.“ Trotzdem fühlt er sich, „wie ein Kanarienvogel in einer Kohlegrube. Niemand muss mich ernst nehmen, aber wenn der Sauerstoff knapp wird, bin ich der erste, der umfällt“. Denn: „Die ersten, die umgemäht werden, sind die, die die Fresse aufreißen.“ Eine schönere Vorlage hätte er Rooz gar nicht geben können, um auf das Schmähgedicht zu sprechen zu kommen.

Die Taktik des HipHop.de-Talkers, die dem 37-Jährigen auch gerne mal vorgeworfen wird, ist es, die Interview-Partner ohne Widerspruch reden zu lassen. Im Fall von Böhmermann geht sie auf. Nach einer guten Dreiviertelstunde hat sich der TV-Unterhalter locker geredet und spricht offen über die Zeit nach dem Schmähgedicht.

So habe ihn die Klage von Erdogan gar nicht so belastet, aber wenn sich „schon die Bundeskanzlerin mit Dir beschäftigt“, dann „fühlt sich das schon anders an, als alles andere, was Du bislang erlebt hast.“ Weiter sagte er: „Ich konnte noch nicht einmal mehr rauskommen, ohne dass Focus Online gleich 30 Artikel brachte“. Das Gefühl, „wie ein Zootier angeguckt zu werden“, sei „halt schon assi“. Auf einmal müsse er „irgendwelchen Leuten von der FAZ erklären, warum ich so bin“.

text2

Anzeige

Irgendwann hat ihn die ganze überhitzte Debatte um das Schmähgedicht, Merkel und die Erdogan-Klage derart bedrückt, dass er keine Artikel mehr gelesen und sein ganzes System in einem „abgesicherten Modus runtergefahren“ habe. Immer wieder kommt in dem Gespräch raus, wie wichtig es dem 35-Jährigen ist, seinen Job und sein Privatleben als Familienvater zu trennen.

Einmal in Fahrt, distanziert sich Böhmermann auch von allen Journalisten: „Es ist ein großes Missverständnis, dass mein Job etwas mit Journalismus zu tun hat“. Letztlich berufe er sich auf die Kunst. „Ich habe mehr Freiheiten, als Journalisten. Ich darf mich auf die Grenze der Meinungsfreiheit stellen.“

Ganz ohne Kollegenschelte kann Böhmermann natürlich nicht über eine Stunde durch Köln fahren. So bekommen diesmal vor allem Stefan Raab und Vera Int-Veen ihr Fett weg. In Richtung des ehemaligen „TV Total“-Machers merkte der ZDF-Mann an, dass er es schon interessanter finde, „sich über Leute lustig zu machen, die mächtiger sind, als man selber und nicht seine Position im Fernsehen auszunutzen, um zu zeigen, dass Hartzer Trottel sind“.

Deshalb wurde auch das Versteckspiel mit dem eingeschleusten „Schwiegertochter gesucht“-Kandidaten so schnell beendet. „Du kannst dich nicht vermeintlich ethisch über andere Leute heben und sagen, ‚Schwiegertochter gesucht‘ ist scheiße und auf der anderen Seite dann zulassen, dass irgendeine dicke Halbbehinderte sich in unseren Fake-Kandidaten verliebt und dann echte Gefühle entwickelt.“

Am meisten scheint ihn dabei zu wurmen, dass vor allem die Produktionsfirma und nicht Vera Int-Veen die Konsequenzen tragen musste. „Wer sein Gesicht hinhält, müsste auch den Arsch vollbekommen.“

In den kommenden Tagen soll noch ein zweiter Interview-Teil folgen

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Muss man wirklich das Nach-Olympia-Sommerloch mit Beiträgen über dieses Bürschchen füllen? Zu viel der Ehre!

    1. ,Bürschchen‘ ist für diesen mediengeilen, beschränkten Lackaffen wirklich zu viel der Samthandschuhe.
      Wie wohltuend die (leider viel zu kurze) Zeit der Nichterwähnung dieses Herrn B. in den Medien(diensten).

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*