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Gemischtwarenladen ohne journalistisches Profil: Digiday attestiert Huffington Post eine Midlife-Crisis

Gründungsmitglied Arianna Huffington will sich aus dem Unternehmen zurückziehen
Gründungsmitglied Arianna Huffington will sich aus dem Unternehmen zurückziehen

Arianna Huffington geht bei der nach ihr benannten Huffington Post von Bord. Damit geht auch das letzte Gründungsmitglied der weltweit expandierenden Content-Plattform. Es bleibt die Frage, wie sich die HuffPost künftig weiterentwickeln wird. So hat sich nun Digiday mit der Huffington Post beschäftigt und attestiert dem Unternehmen so etwas wie eine Midlife-Crisis. MEEDIA fasst die wichtigsten Ergebnisse der Analyse zusammen.

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1. Kein Markenversprechen: Die HuffPost als eine Art Gemischtwarenladen

Wofür steht eigentlich die Huffington Post? Eine Antwort scheint schwer zu finden. Man könnte sagen, die HuffPost hat sich zu einer Art Gemischtwarenladen ohne Verkaufschlager entwickelt. 60 Stoßrichtungen beziehungsweise Themenbereiche zählt Digiday unter dem Dach der Muttermarke Huffington Post – darunter „obskure“ Ansätze wie Scheidung, den Good-News-Aspekt oder „Quiet Revolution“. Im Juni habe die Huffington Post an einem Tag 1.500 Stücke über das gesamte Netzwerk hinweg veröffentlicht – sechs Mal so viel Content, wie die New York Times oder BuzzFeed täglich veröffentlichten, rechnet Digiday vor. Im Vergleich bleibt der Erfolg überschaubar: In den USA hat BuzzFeed (gegründet vom ehemaligen HuffPost-Co-Gründe Jonah Peretti) die HuffPost in der Reichweite bereits eingeholt, und auch im wichtigen Netzwerk Facebook (hier zählt die HuffPost als erfolgreichste Newsmarke) werde der Vorsprung auf die Konkurrenz immer geringer. Darüber hinaus scheint die HuffPost auch an der begehrten Zielgruppe der Millennials vorbeizupublizieren. Hier sei sie genauso erfolgreich wie der National Geographic oder das People Magazine.

2. Das journalistische Profil weicht auf

Mit dem breiten Angebot an Inhalten weiche zunehmend das journalistische Profil auf. Zwar habe die HuffPost bewiesen, dass sie eine journalistisch ernstzunehmende Marke sei, die schon investigative Erfolge und namhafte Journalisten für sich gewinnen konnte. Allerdings habe sie in der Vergangenheit auch einige dieser großen Namen wieder ziehen lassen – darunter Peter Goodman, Lori Leibovich und Mike Hogang. Des weiteren dokumentiert Digiday einige Verfehlungen. So habe die HuffPost ihre Berichterstattung über den US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump eher unterhaltend aufgezogen anstatt seriöse Politikberichterstattung zu betreiben. Zudem sei negativ aufgefallen, dass die HuffPost zum verlängerten Werbearm für Gründerin Arianna Huffington geworden ist, als sie ihr neues Buch vorstellte, und eine kritische Story über Uber nicht stattgefunden habe, weil sie auch zur Führungsriege des Unternehmens gehört.

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3. Innovationen übernehmen mittlerweile die anderen

„In mancher Hinsicht ist die Huffington Post Opfer ihres eigenen Erfolgs“, schreibt Digiday weiter. Viele Modelle des US-Unternehmens hätten international Schule gemacht. Die Art und Weise, aus der Crowd heraus Content zu gewinnen, hätten sich viele andere Digitalunternehmen, wie LinkedIn oder Medium, abgeschaut. Das führe dazu, dass die HuffPost-Strategie nicht länger etwas Besonderes sei. An anderen Stellen habe man nicht schnell genug geschaltet. So seien das Streaming-Angebot HuffPost Live oder HuffPost Magazine nie wirklich durchgestartet, im Vertriebssegment habe man den Start von Facebook Instant Articles und der Snapchat-Discover-Funktion verpasst und im – in der Branche so hochgepriesenen – Video-Content-Angebot habe die HuffPost nicht mit anderen Marken mithalten können. Gleiches gelte für die Werbevermarktung: Nachdem die HuffPost zu den Pionieren für Native Advertising gehörte, habe man das Feld im Laufe der Zeit der Konkurrenz überlassen.

4. Arianna Huffington geht von Bord – und jetzt?

Die gestalterische Zukunft der Huffington Post sieht Digiday völlig offen. Obwohl mit Jared Grusd schon seit einiger Zeit ein CEO installiert ist, sei die Post immer eine „Huffington Show“ gewesen, so Digiday. Nun wird Arianna Huffington das Unternehmen verlassen. Damit ist auch das letzte Gründungsmitglied der HuffPost, neben Huffington waren das Kenneth Lerer, Andrew Breitbart und Jonah Peretti, von Bord. Vieles hänge davon ab, wen man als redaktionellen Kopf finden wird. Darüber hinaus sieht Digiday eine Art schlechtes Omen in der Konzernkonstellation. Innerhalb von fünf Jahren habe die HuffPost ihre unternehmerische Unabhängigkeit aufgegeben und sich unter das Dach von AOL begeben – einem Konzern, der zu Anfangszeiten des Internet erfolgreich war. Seit vergangenem Jahr gehört das Unternehmen zu Verizon, und damit zu dem Konzern, der zuletzt das operative Geschäft des ehemaligen Suchmaschinen-Pioners Yahoo aufgekauft hat. So stehe die HuffPost nun neben einem weiteren „has-been“, also einem namhaften Unternehmen, das heute aber eigentlich keine Rolle mehr spielt.

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Alle Kommentare

  1. „Sie glauben nicht, was…. “
    oder
    „Wenn Sie das gesehen haben, dann…“

    – Shitstrom, Titten und AfD Bashing. Das sich das nicht bezahlt macht?

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