„Befreundetes Satireunternehmen“: Sixt geht gegen Nizza-Amok-Witz der Titanic vor

Titanic-Chefredakteur Tim Wolff: Post von Sixt
Titanic-Chefredakteur Tim Wolff: Post von Sixt

Das Mietwagenunternehmen Sixt, das gerne mit Werbeanzeigen zu aktuellen Anlässen provoziert, ist juristisch gegen die Satire-Zeitschrift Titanic vorgegangen. Stein des Anstoßes ist eine Fake-Sixt-Anzeige in der aktuellen Titanic, die den zerschossenen Lastwagen des Amokläufers von Nizza zeigt.

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Das Motiv wurde auf Seite 3 der aktuellen Titanic veröffentlicht und ist in typischem Sixt-Look in schwarz-orange aufgemacht. Zu sehen ist ein Foto des zerschossenen weißen Lastwagens, mit dem ein Amokläufer in Nizza in eine Menschenmenge raste und viele getötet hat. Darunter steht der Slogan „Für alle, die gerne Menschen bewegen. (Günstige Mietwagen, auch in Nizza: sixt.de)“.

Gegen das Motiv ist Sixt nun vorgegangen, und die Titanic hat eine Unterlassungserklärung unterschrieben. Titanic-Chefredakteur Tim Wolff begründet dies gegenüber MEEDIA so: „Wir sind der Bitte eines befreundeten Satireunternehmens, das nebenbei auch Autos vermietet, gerne und aus voller Überzeugung nachgekommen. Wir verbreiten die Anzeige nicht mehr weiter, da wir mit unseren Kollegen der Ansicht sind, daß man nicht mit einfachen Scherzen zu aktuellen Nachrichtenanlässen Aufmerksamkeit auf ein Produkt lenken sollte und sich im Grunde Werbung und Satire nicht vereinbaren lassen.“

In der Vergangenheit wurden echte Sixt-Kampagnen immer mal wieder kritisiert, u.a. wegen Rassismus und Sexismus. Andere Werbemotive von Sixt wurden dagegen gefeiert, u.a. jenes, als der Autovermieter sich über den Nachbar-Spruch des AfD-Vizechefs Alexander Gauland in Richtung Boateng lustig machte.

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Alle Kommentare

  1. Ich glaube auch, dass das ein Eigentor war. Natürlich wollte man als Six zeigen, dass man den Witz nicht tolleriert. Allerdings muss dieses Zeichen unmittelbar dann kommen, wenn die Empörung am Größten ist.

    Jetzt, Wochen danach kräht leider kein Hahn mehr danach (auch wenn das Ereignis immer noch schlimm ist). So ist das in der schnelllebigen Internetwelt. Schnelligkeit in der Reaktion kann man aber naturgemäß nicht mit rechtlichen Mitteln erreichen.

    Ergo: gar nicht darauf reagieren oder unmittelbar danach sich von dem Inhalt distanzieren. Dass man sich nicht mit der Titanic anlegen sollte, imagetechnisch, sollte sich eigentlich langsam herumgesprochen haben.

  2. … mal sehen, ob Sixt sich mit dieser Vorgehensweise nicht künftig selbst justiziabel gemacht und einen Bumerang fabriziert hat.

    Abgesehen von der (eindeutigen!) Pietätlosigkeit der Titanic durch Auswahl dieses Motivs, ist es doch auf hervorragende Art gelungen, den Entscheidern von Sixt und ihrer beratenden Agentur den Spiegel vor ihre Maske zu halten.

    Und mit der Tim Wolff-Begründung (siehe oben) steht es 2:0 für Titanic!

    1. Stimmt, Timm Wolffs Begründung für die Unterlassungserklärung ist wirklich coole Satire, sie lässt Sixt mal so richtig dumm ins Leere laufen 🙂

    2. weiss man jetzt nicht
      späte reue und einsicht
      des titanic chefredakteurs
      macht es im grunde nicht
      besser
      diese seite drei war ein (ein)
      schlag ins kontor
      und ja auch nicht der
      erste
      vielleicht sollte die titanic
      redaktion einsehen
      dass ein gesunkenes
      schiff nicht wieder schwimmen
      wird

      und woanders anheuern

      1. Da hat einer wohl die Ironie der Titanic nicht verstanden.

        Austeilen -teilweise unterhalb der Gürtellinie- kann SIXT sehr gut, nur wenn’s ums Einstecken geht, werden sie zu Mimosen.

        Aber richtig ist es schon: geschmacklos war die Aktion.

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